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Onkel Johannes Kurzgeschichte aus Kindertagen...

  ... die im Januar 1996 entstand und im Mai und Juni 2020 durch eine Läufererinnerung ergänzt wurde: Man kann die ursprüngliche Kurzgeschichte auch am Stück lesen, indem man die kursiv geschriebenen Läuferteile jeweils übergeht. Die Mühle von Sanssouci war wirklich in meiner Kindheit ein mystischer Ort, von dem ich annahm, dass es ihn in Wirklichkeit nicht geben würde. Poetisches von Günter Krehl HIER

Einzigartige Dokumentation: aus den Anfängen der modernen Laufbewegung in den USA

 

Mit dieser Festschrift macht Lauftherapeut Wolfgang Schüler seinem Freund und Kollegen Dr. med. Thaddeus Kostrubala zu dessen 90. Geburtstag ein persönliches Geschenk. Der so geehrte Jubilar ist ein US-amerikanischer Psychiater und berühmt geworden durch sein unermüdliches Engagement, lauftherapeutische Erkenntnisse und Verfahren in der Medizin und generell für gesundheitliche Prävention zu nutzen und zu institutionalisieren.

Es ist ein in mehrfacher Hinsicht interessantes Buch geworden. Schüler beschreibt hier eindrucksvoll das bewegte Leben eines Mediziners auf seinem Weg von einer sehr erfolgreichen traditionellen Berufslaufbahn hin zu einer ganz anders gearteten beruflichen Karriere und Lebensform. Kostrubala entwickelt in den 1970er Jahren oder besser, er entdeckt ungemein positive lauftherapeutische Effekte und integriert sie als eine wirksame Behandlungsmethode bei seinen Psychiatriepatienten.

Doch zunächst: Wenn man das Buch - hier Paperback-Ausgabe - in die Hand nimmt, fasst es sich angenehm, stabil und professionell hergestellt an, das Deckblatt ist farbig, man wird von einem freundlichen älteren Herrn angeschaut und neben dem Foto steht der Titel des Buchs in englischer Sprache (s. o.). Für den interessierten deutschen Käufer mag dieser Umstand erst einmal ungewöhnlich erscheinen, das Buch könnte evtl. durchgehend in englischer Sprache gehalten sein, doch bei genauerem Hinsehen wird klar, die deutschsprachige Laudatio ist in 3 weitere Sprachen übersetzt und in das Buch übernommen: Englisch, Spanisch und Französisch. Plausibel wird diese Vorgehensweise, wenn man Bezug nimmt auf Kostrubalas' außerordentlich erfolgreiches Buch "The Joy of Running" (Philadelphia, New York 1976). Schüler schreibt: "… es wurde in Mexiko, Italien, Australien / Neuseeland und Japan aufgelegt. Bis heute hat es schätzungsweise 1 Million Käufer gefunden." (S. 127) Kostrubala hatte eine internationale und damit vielsprachige Leserschaft gewonnen, sein Name hat immer noch nicht nur in Fachkreisen Strahlkraft und Bedeutung.

In der konzeptionellen Gestaltung des vorliegenden Buchs verwendet Schüler ein weiteres hier stimmiges Medium. Nach den Texten schließt sich noch ein knapp 30-seitiger Part farbiger und zum Teil ganzseitiger, zumeist bisher unveröffentlichter Fotos an. Sie spiegeln das läuferische Leben und lauftherapeutische Wirken eindrucksvoll und lebendig wider. Diese Foto-Vita ist ein besonders schöner redaktioneller Einfall. So rundet sich das konzeptionelle Erscheinungsbild des Buchs.

 

Das Entscheidende ist jedoch die Darstellung und Würdigung des unruhigen, neugierigen, unkonventionellen, von Erfolgen und Misserfolgen geprägten Lebens einer visionären Persönlichkeit. Der Leser spürt förmlich, wie Schüler, selbst in Deutschland tätiger Lauftherapeut, mit Hingabe, Bewunderung und Faszination nachzuvollziehen versucht, welche Motive und Umstände letztendlich diese Laufbiographie bestimmt haben.

Wolfgang W. Schüler und Dr. Kostrubala in Santa Fe,
New Mexico, im Sommer 2012

Eine eindimensionale Antwort kann es nicht geben, aber die vielen von Schüler sorgfältig recherchierten Daten und Ereignisse aus seiner privaten und beruflichen Lebensgeschichte lassen die allmähliche aber konsequente Spur einer Abkehr von einmal gelernten Kenntnissen und Standards erkennen hin zu einer mehr erfahrungsgeleiteten Sichtweise im beruflichen Handeln. Bewegung wird zu einem bedeutenden Prinzip, die Arbeit zwischen Patient und Arzt verlagert sich weg vom räumlichen Drinnen in das natürliche Draußen. Ein derartiger Ansatz war revolutionär in den USA jener Jahre.

Mit Ende 30 Jahren hatte Dr. Kostrubala in Chicago bereits eine beruflich-bürgerliche Existenz geschaffen (anspruchsvolle Praxis, berufliche Reputation, teure Sportwagen, teures Boot usw.), die ihn aber in anderer Hinsicht einen hohen Preis kostete, sowohl körperlich (stark übergewichtig) als auch seelisch (ausgebrannt). Das sogenannte "gute Leben" hatte sich als falsch erwiesen. Er verließ Chicago, führte jedoch seinen hohen beruflichen und ökonomischen Lebensstil vom Prinzip her weiter, seine Lagebefindlichkeit verbesserte sich allerdings nicht.

In dieser Situation vertraute er sich einem Herzspezialisten an, der statt Tabletten und /oder Apparatemedizin hauptsächlich Bewegung als Behandlungsverfahren praktizierte, damals ein sehr ungewöhnlicher Zugang. Auch Kostrubala blieb skeptisch, doch er partizipierte mit anderen Herzpatienten über längere Zeit an einem Laufkurs. Die verblüffenden Erfolge blieben nicht lange aus, die eigene Laufleistung und die der Gruppenmitglieder verbesserten sich kontinuierlich, das Körpergewicht nahm ab, die seelischen Verstimmungen wurden seltener und schwächer. Welch eine existenzielle Erfahrung! Sein Entschluss nach dem Kurs stand fest: Weiterlaufen und Integration in das eigene ärztliche Praktizieren.

In Folge (ab 1973) stellte er Laufgruppen besonders schwieriger Psychiatriepatienten zusammen, begleitete und beobachtete deren Laufverhalten, verfolgte und maß die jeweiligen Effekte bzw. Fortschritte mit entsprechenden Untersuchungs- und Testverfahren. Erfolge waren auch hier zu verzeichnen. In der psychiatrischen Zunft brachte es ihm keine größere Aufmerksamkeit ein, die Theorien und Praktiken der Psychoanalyse und ihrer Weiterentwicklungen waren und blieben Maßstab psychiatrischen Handelns. Kostrubala gab nicht auf, im Gegenteil, er war überzeugt, die Kombination von Laufen, therapeutischem Gespräch und maßvoller Medikation (in dieser Rangfolge) machten den Erfolg seiner spezifischen Arbeit aus.

Das Phänomen Laufen (über längere Strecken) und seine immer wieder erstaunlichen Wirkungen nahmen für Kostrubala einen immer größeren Stellenwert an. Mit Versuchsanordnungen z. B. führte er weitere Forschungen, unter anderem an einer Universität und Schule durch, wiederum waren die Ergebnisse bemerkenswert insofern, als er bei den Schülern einen Zusammenhang von Laufen und positiven Veränderungen im Verhalten und in den Schulleistungen nachweisen konnte.

Dr. Kostrubala wurde immer bekannter in der Öffentlichkeit, der Kreis der Interessenten an seiner Arbeit und die Zahl der Läufer bei seinen Laufangeboten expandierte, er kooperierte mit bekannten Marathonläufern, seine Laufaktionen stießen auf immer größer werdende Resonanz. In dieser Zeit Mitte bis Ende der 1970er Jahre hatte er viele Erfahrungen, Fakten und Ergebnisse gesammelt, er veröffentlichte und hielt Vorträge, mehr noch, er schrieb sein berühmt gewordenes Buch "The Joy of Running", das 1976 erschien. Hier wurde erstmalig insbesondere die psychologisch-psychiatrische Bedeutung der lauftherapeutischen Wirkungen gewürdigt, Laufen als Therapie, als ein neuer wissenschaftsbezogener Ansatz vor dem Hintergrund seiner signifikanten Erfahrungen. Diese Thematik ließ ihn nicht mehr los; wie könnte eine Weiterentwicklung gestaltet werden, wie könnte z. B. eine Professionalisierung von Personal, von Lauftherapeuten aussehen, welche fachlichen Qualifikationen und welche Eigenschaften wären erforderlich, aus welchen traditionellen Berufsfeldern wären sie zu rekrutieren, wie viel Lauferfahrung sollten sie idealerweise mitbringen? Anspruchsvolle Fragen, die nicht leicht zu beantworten und in die Realität umzusetzen waren.

Zunächst folgte 1980 ein anderer bedeutsamer Schritt: Zusammen mit seiner Frau, einer klinischen Psychologin und einem Psychiaterkollegen gründete er 1980 in San Diego ein Institut, das ausschließlich an die Belange und die Fortentwicklung von Lauftherapie ausgerichtet war, die "International Association of Running Therapies" (IART). Kostrubala versprach sich einen neuen Aufbruch seines beruflichen Wirkens; die Vielfalt seines Engagements und seiner Ideen wurden mehr und mehr zu einem full-time-job, bis ein unfallbedingter schwerer Knieschaden seine Träume einer Etablierung der Lauftherapie in der Medizin und der Gesundheitsprävention zunichtemachte. Er war gezwungen, in seinen ursprünglichen Beruf als Psychiater zurückzukehren. Der Verzicht aufs Laufen muss für ihn eine große Enttäuschung gewesen sein und für die Weiterentwicklung des Laufgeschehens war es ein herber Verlust. Schüler resümiert: "Es gehört zu den Merkwürdigkeiten in den USA, dass es … keinen ernsthaften Versuch mehr gab, Lauftherapeuten auszubilden. (S. 137).

Man kann Kostrubala, sein Wirken und seine Verdienste als einen Meilenstein in der Geschichte des Laufens bezeichnen, wenn der Vergleich erlaubt ist. Er ist der Pionier und Visionär der großen Idee eines neuen, modernen und wirkungsvollen Therapieansatzes. Er ist dabei eine lebensbejahende, zugewandte, freundliche, neugierige, kluge, wissbegierige, bewegliche und in all diesen Eigenschaften eine erfolgreiche und bekannte Persönlichkeit geblieben, so berichtet Schüler nach seinem Besuch in den Staaten. Dr. med. Kostrubala wird an seinem Geburtstag im September 2020 auf ein pralles, variantenreiches und erfülltes Leben zurückschauen können. Die Leser/innen des ihm gewidmeten Buches erwartet eine spannende Lektüre.

Gelesen und besprochen von Dr. Arwed Bonnemann

Wolfgang W. Schüler: Dr. Kostrubala and the Invention of Running Therapy. Festschrift commemorating his 90th birthday in four languages: English - Español - Français - Deutsch (International Studies on Running Therapy, Vol. 1). Hamburg: Verlag tredition 2020, 186 Seiten, Paperback, 14,80 €uro, ISBN: 978-3-347-04477-7

Der Rezensent
Dr. phil. Arwed Bonnemann, geb. 1938, Dipl.-Psychologe, ehem. Leiter des Zentrums für Hochschulforschung und Qualitätssicherung an der H. Schmidt Universität Hamburg; Läufer seit Ende der 1970er Jahre, über 100 (Ultra-) Marathonläufe; Autor, Mitherausgeber des Buches "Laufen und Lauft

Grundlagenwerk zum Thema "Dehnen"
... räumt auch mit Irrtümern und Mythen auf

Erkenntnisse aus zwanzig Jahren Forschungsarbeit

Wer hätte es gedacht, dass man mit dem Thema "Dehnen" ein großformatiges Buch von annähernd 500 Seiten füllen kann? Mit einem Thema also, das in den letzten Jahren differenziert diskutiert und bewertet wurde, um das sich Mythen und Irrtümer bildeten, aber bei Langläufern immer schon eher ein Schattendasein führte als dass es im Zentrum stand.

 

"Optimales Dehnen" ist der Titel des jetzt im Spitta Verlag erschienenen Buches, dass das Zeug hat, ein Standardwerk zu werden, wenn es dies nicht schon ist. Autor des Buches ist der Universitätsprofessor Jürgen Freiwald, dessen Arbeitsbereich am Sportwissenschaftlichen Institut der Uni Wuppertal die Bewegungs- und Trainingswissenschaft ist. Gleichzeitig leitet er dort das Forschungszentrum für Leistungsdiagnostik und Trainingsberatung. Neben zahlreichen Aufsätzen veröffentlichte er Bücher zu Themen wie Rehabilitation nach Sportverletzungen, zur Kraftausdauer zum Bewegungsapparat. Zentral beschäftigt er sich seit über zwei Jahrzehnten mit Dehnen, Gelenkigkeit, Faszien und Gewebestruktur. Aus dieser Arbeit ging schon 2007 die erste Auflage des hier anzuzeigenden Buches hervor, das 2013 eine zweite Auflage erlebte.

Für die nun vorgelegte dritte Auflage mit dem Untertitel "Sport, Prävention, Rehabilitation" wurde das Werk vollständig überarbeitet und erweitert. Die wichtigste aber nicht einzige Neuerung ist das Kapitel "Faszientraining und Physiologie", womit einem aktuellen Thema Rechnung getragen wird. Freiwalds breit angelegtes Werk beruht nicht hauptsächlich auf selbst durchgeführten Studien, sondern auf der akribischen Durchsicht, Darlegung und kritischen Wertung bestehender Forschungsliteratur. Im Blick hat er dabei nicht eine bestimmte, sondern alle relevanten Sportarten und Disziplingruppen. Insofern ist es kein Buch speziell für Läufer oder andere Ausdauersportler. Die Zielgruppe dürfte sich vornehmlich aus Trainern, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern, Sportlehrern und Sportmedizinern rekrutieren. Sind die Ausführungen auch in klarer Sprache verfasste, setzt die Lektüre doch Vorkenntnisse über Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers und themenspezifischer Termini voraus.

In seinem Vorwort weist Freiwald darauf hin, dass sich in den letzten Jahren im Bereich des Dehnens viel bewegt habe, wie die zahlreichen Studien zeigten. Dennoch gebe es eine Verunsicherung, hervorgerufen durch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse - etwa im Bereich des Bindegewebes (Faszien), der Beweglichkeit und bei "der Umsetzung in die Methodik des Trainings und der Therapie". Das Buch sei kein bequemes, so der Autor, weil sich der Leser gezwungen sieht, "lieb gewonnene Gewohnheiten, Begründungen und Erklärungen zu überdenken." Absolute Wahrheiten und Sicherheit seien darin aber nicht zu finden.

Nach einer kurzen historischen Einleitung (Kap. 1) und Erläuterung zentraler Begriffe (Kap.2) werden in den folgenden 14 Kapiteln nahezu alle denkbaren Themen, das Dehnen betreffend, dargestellt und diskutiert. In Kapitel 3 etwa wird der Aufbau und die Funktion der Gelenke und die Bewegungsreichweite, und in Kapitel 5 und 6 die Rolle der Muskulatur und der Faszien thematisiert. Zentral fürs Dehnen ist auch die Bedeutung des Nervengewebes (7) und der Blutgefäße (8). Nicht ausgespart werden Einflüsse von Geschlecht, Wachstum und Alter (10) sowie soziale und psychologische Bereiche (11). Außerdem beschäftigt sich der Autor mit neuromuskulären Dysbalancen (13), biomechanischen Aspekten und der Messung von Beweglichkeit (15). - Im zentralen Kapitel 14 "Fakten statt Legenden" räumt Freiwald mit Mythen und Irrtümern auf. Beispielsweise, so der Autor, weisen alle von ihm gesichteten Studien bei der Frage, ob Dehnen vor Verletzungen schütze, in die gleiche Richtung: Das Dehnen habe keinen präventiven Einfluss. Gleichfalls könne Muskelkater durch Dehnen nicht verhindert werden. Eine Leistungssteigerung durch Dehnen sei fraglich und werde in der Literatur unterschiedlich bewertet. Außerdem macht Freiwald auf methodische Fehler mancher Studien aufmerksam, wo voreilige Schlüsse gezogen werden, wenn Ergebnisse, die an Tieren gewonnen wurden, auf den Menschen übertragen werden. - Ab Kapitel 16 widmet sich das Buch der Praxis zu und stellt die Methoden des Dehnen in den Mittelpunkt (16), erläutert trainingswissenschaftliche Punkte bei der Trainingsplanung (17) und gibt Anleitung zu einem Dehnprogramm (18). Im abschließenden Kapitel "Training der Beweglichkeit" werden bebilderte Übungsbeispiele aller relevanten Körperpartien vorgestellt mit Hinweisen zur korrekten Ausführung. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis sowie Register schließen den Band ab.

Das Buch von Freiwald ist ein ausführliches Kompendium zum Thema Dehnen, ein Nachschlage- und Lehrbuch für professionelle oder wenigstens semiprofessionelle Anwender. Man kann sich aber auch als interessierter Laie tiefgründig in das Thema einfuchsen, wenn man Zeit mitbringt. Normalerweise wird es beispielsweise für einen Lauftreffleiter oder Hobbylauftrainer zu umfangreich und detailliert sein. Da wäre ein Destillat aus dem Ganzen, konkret bezogen auf die Sportart Langlauf, wohl hilfreicher und praktikabler für die Laienklientel. Auf die Gretchenfrage, ob man vor, nach oder vor und nach dem Laufen dehnen sollte, gibt Freiwald jedoch keine endgültig Antwort. Aber ein Hinweis lässt sich doch entnehmen: "Vor und nach Ausdauerbeanspruchungen", heißt es auf S. 367, "sind Dehnungen nicht unbedingt nötig. Zur Vorbereitung auf Lauf-, Radfahr- und Schwimmbelastungen im Freizeitbereich genügen vor dem Laufen lockeres 'Einlaufen'. Nach dem ... Joggen sind Dehnungen zur Regeneration nicht notwendig." Auch zur Bedeutung des Modethemas Faszien und Training mit der Faszienrolle äußert sich der Autor zurückhaltend. Der Nutzen sei in einigen Bereichen noch nicht erwiesen, müsse erforscht werden. Geradezu abschreckende Wirkung hat ein Foto, auf dem ein Sportler mit riesigem Oberschenkelhämatom zu sehen ist, hervorgerufen durch Übungen mit der Rolle.

Positiv hervorzuhebend sind die Darstellungsmethode und der Aufbau der Kapitel. Nach einer stichpunktartigen Vorschau auf das Kapitel folgt die inhaltliche und kritische Einlassung, die mit farblich unterlegten Merksätzen, Exkursen oder umfangreichem Tabellenmaterial ergänzt ist. Eine kompakte Zusammenfassung der Ergebnisse bildet deren Abschluss.

Für einen Kaufpreis von 45 Euro hält der Leser das geballte Wissen zum Thema Dehnen in Händen.

Gelesen und besprochen von Michael Schardt

Jürgen Freiwald: Optimales Dehnen. Sport - Prävention - Rehabilitation. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Balingen: Spitta Verlag 2020, 472 Seiten, Großformat, Broschur 44,80 €uro, ISBN: 978-3-941964-71

Laufen. Ein Roman von Isabel Bogdan

 

"Laufen" ist die Geschichte einer Frau, Anfang 40, die den Freitod ihres Partners bewältigt. Es ist ein Roman über Depression und die Unfähigkeit der Ich-Erzählerin damit umzugehen, es ist ein Buch über Verlust und Trauer, über den Weg zurück ins normale Leben. Es ist eine fiktive Geschichte ("Glücklicherweise ist es nicht meine eigene Geschichte", sagt Isabel Bogdan), ein absolut lesenswertes Buch. Allerdings ist "LAUFEN", anders als der Titel vermuten lässt, kein Sachbuch, schon gar nicht über das Laufen.

Die 1968 in Köln geborene, in Hamburg lebende Autorin läuft mit Unterbrechungen seit ihrem 14. Lebensjahr, aber "genauso unambitioniert wie meine Protagonistin", erzählt sie in einem Zeitungsinterview, "zweimal die Woche eine Dreiviertelstunde, vielleicht sieben Kilometer. Ich muss keinen Marathon laufen."

Genauso läuft die W40erin in dem Roman, ein Jahr nach dem ihr depressiver Lebenspartner sich das Leben genommen hat. Laufen als Möglichkeit, Verlust und Trauer zu bewältigen und wieder neu durchzustarten. Ein Weg, den schon Viele im realen Leben "laufend" genommen haben dürften.

Die Möglichkeiten dieses Weges werden von Isabel Bogdan jedoch nur unzureichend und teils widersprüchlich dargestellt. "Laufen ist so schön stumpf, man muss gar nicht denken, ich kann sowieso nur über das Laufen nachdenken und gar nicht über den ganzen anderen Mist… ich laufe mir die Grübelei weg, andere Leute laufen angeblich, weil sie dabei gut nachdenken können…", heißt es schon auf den ersten Seiten. Dabei besteht das Buch von Anfang bis Ende aus den Grübeleien und dem Nachdenken der Protagonistin "über den ganzen anderen Mist", über Depression als Krankheit, über die Frage warum ihr Partner Selbstmord beging und sie ihm nicht helfen konnte, über die Gespräche mit Freundin Rike und die mit ihrer Therapeutin.

Jedoch wird die Wandlung von der trauernden, verzweifelten Frau zu der Person, die wieder zunehmend Lust am Leben gewinnt, von Isabel Bogdan spannend und absolut nachvollziehbar erzählt. Die Story trieft nicht vor Kitsch, im Gegenteil: Die Autorin überzeugt mit einer klaren, erfrischenden Sprache und einem Sprachfluss, der schon beim Lesen ans Laufen erinnert. Nur die ständigen Anspielungen auf die Atemtechnik beim Laufen ("ein ein aus aus aus aus", im zweiten Teil des Buches "ein-atmen aus-atmen aus-atmen") wirken etwas störend.

Und der Widerspruch zwischen dem, was Bogdan ihre Protagonistin sagen lässt und dem, was diese beim Laufen macht, bleibt offenkundig. Laufen wird von ihr zudem überwiegend auf die körperlichen Aspekte reduziert, die Belastungen und der innere Schweinehund stehen meist im Vordergrund: "Dem Körper wehtun, das tut gut, ich kann nicht mehr…". Von der Freude am Laufen ist bei der Ich-Erzählerin kaum etwas zu spüren. Nur einmal kommt es vor, als sie beim Hamburger Alsterlauf das Gemeinschaftsgefühl der Läufer, die Begeisterung und Anfeuerung der Zuschauer erlebt.

Auch die mentalen Effekte des Laufens kennt die Autorin offenbar nicht, ihr fehlen wie ihrer Protagonistin wohl die längeren Läufe, bei denen die Endorphine ausgeschüttet werden. Den Flow beim Laufen, das Gefühl, dass sich beim Laufen und durch das Laufen Probleme quasi von selbst lösen, plötzlich Lösungen im Kopf entstehen, an die man/frau vorher nicht gedacht hat, all das findet sich in dem Buch nicht, obwohl es doch gerade zu dieser Geschichte so gut passen würde.

Ebenso wenig die Erfahrung, dass man durch intensives Laufen bis hin zum Marathon (Klar, es MUSS nicht jede/r Marathon laufen!) fürs Leben lernen kann. Man lernt, sich Ziele zu setzen. Man lernt, dass man sich planmäßig darauf vorbereiten muss, wenn man etwas erreichen will. Man lernt Disziplin und Ausdauer. Bei langen Läufen macht man die Erfahrung, dass man teils alleine läuft, dass man andere überholen kann oder selbst überholt wird, dass man einen Teil der Strecke mit anderen gemeinsam bewältigt und dann doch wieder alleine ist/läuft.

Beim Marathon wartet irgendwann, meist bei Kilometer 35, der "Mann mit dem Hammer". Man gerät in das ein oder andere Tief und denkt, es geht nicht mehr. Plötzlich bekommt man die "zweite Luft", wie beflügelt geht es wieder weiter. Die Parallelen zum richtigen Leben und zu solchen Lebenskrisen wie sie die Ich-Erzählerin im Buch "Laufen" macht, sind offenkundig. Doch diese Parallelen sieht Isabel Bogdan nicht. Man hat beim Lesen nie das Gefühl, dass ihre Protagonistin Kraft aus dem Laufen bezieht, dass sie mit Hilfe des Laufens ihre Lebenskrise überwindet. Sie spricht zwar davon, "…dass ich wieder wohin laufen will und nicht nur weg."

Und tatsächlich ist es ja nicht nur ein Weglaufen, sie findet den Weg in ein neues Leben. Hin zu neuen, alten Hobbies, zum Ausgehen im roten Abendkleid, zu körperlicher Nähe, zu Sex, zu neuen Partnerschaften, zum Wieder-Mut-fassen zum Solo-Auftritt als Musikerin. Erkennbar wird jedoch nicht, ob sie mit dem Laufen diesen Weg zurück findet. Es sind wohl mehr die Gespräche mit ihrer Freundin Rike und ihrer Therapeutin, Frau Mohl, die ihr dabei helfen.

Fazit: Nach ihrem Debut-Roman "Der Pfau", der über 42 Wochen lang in den Bestseller-Listen stand, hat auch das zweite Werk von Isabel Bogdan "Laufen" das absolute Potenzial zu einem Topseller. Ein tolles Buch mit einer berührenden Story, aus der Trauer zurück zur Lust auf das Leben. Traurig, aber auch humorvoll erzählt in einer erfrischenden Sprache, ein Mutmacher! Nur der Titel ist etwas irreführend: Statt LAUFEN sollte das Buch eher lauten: RIKE oder FRAU MOHL. Aber selbstverständlich auch für die Literatur-Liebhaber unter den LäuferInnen sehr zu empfehlen! Nur ein Lauf-Buch sollte man nicht erwarten!

Gelesen und besprochen von Axel Künkeler

Isabel Bogdan: LAUFEN. Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 200 Seiten; Gebundene Ausgabe €20,00; E-Book €16,99; 1. Auflage 2019;
ISBN: 978-3-462-05349-4.

Das Berglauf-Journal 2020 ist da!

 

Inmitten der sich von Tag zu Tag zuspitzenden Situation um das COVID-19-Virus ist das Berglauf-Journal 2020 produziert und gedruckt worden. Natürlich konnte in diesen Tagen keine Aktualisierung von Terminen und Profilen vorgenommen werden, da im Zeichen des Coronavirus nicht nur Veranstaltungen im März, April und Mai, sondern bereits bis in den Juni hinein abgesagt werden mussten (gemäß Anordnung der Bundes- und Landesregierungen bzw. Kommunen). Aber das sollte, so hart es die Veranstalter trifft, zunächst sekundär sein, viel wichtiger erscheint dem Autor und Herausgeber des Berglauf-Journals zu sein, im Editorial mit ersten individuellen Verhaltensmaßnahmen mit Einfühlungsvermögen behutsam auf die Gefährdung durch das Corona-Virus hinzuweisen.

Dass sich ein ambitioniertes Lauftraining auf behördliche Anordnung nicht sofort auf Null zurückdrehen lässt, ohne den Organismus in zusätzliche Probleme zu bringen, das liegt auf der Hand. Bleibt hier die Hoffnung, dass mit steigenden Temperaturen die Gefahr der Infektion erheblich zurückgehen wird, dass ein weitgehend gefahrloses Laufen in der Landschaft wieder möglich sein wird.

Vor diesem Hintergrund ist das Berglauf-Journal im 30. Jahrgang zunächst noch ein interessanter Lesestoff und Appetitanreger für (die dann hoffentlich) künftigen Lauferlebnisse in der Natur. Wilfried Raatz hat dazu eindrucksvolle Momentaufnahmen aus der Berg- und Traillaufszene in seiner ihm eigenen frischen Schreibe platziert. Seit vielen Jahren ist der Autor im Mittelgebirge und im alpinen Bereich unterwegs und zeichnet journalistisch mit ausgewiesenem Sachverstand, emotionaler Begeisterung und kritischer Bewertung viele Facetten des Berg-, Trail- und Landschaftslaufs auf.

Stets auf der Suche nach spannenden Stories ist Wilfried Raatz einmal mehr in der Region, aber auch im Alpenraum unterwegs: Ist dabei auf die erfolgreiche Mastersgruppe der LG Welfen gestoßen, hat das immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfene Berglaufass Martina Strähl getroffen, war Augenzeuge bei den nationalen Berglauf-Titelkämpfen im Thüringischen und dem Europachampionat in Zermatt. Breiten Raum nimmt allerdings auch die Forderung nach "Green Events" ein, sicherlich willkommene Handreichungen für Läufer als auch für Veranstalter. Mit der redaktionellen Aufarbeitung und vor allem der Präsentation von 100 Events trifft der Autor gewiss die Aufmerksamkeit der Leistungsläufer als auch der ambitionierten Hobbyläufer und Genussläufer, gleichgültig welcher Altersklasse, bleibt zu hoffen, dass möglichst viele noch in diesem Jahr durchgeführt werden können.

Ein kompletter Terminüberblick über Berg-, Landschafts- und Trailläufe quer durch die Alpenländer rundet den spannenden Lesestoff auf 240 Seiten ab. Die 30. Ausgabe des Berglauf-Journals ist erneut der kompetente Lauf-Führer durch die Bergwelt - und macht nicht zuletzt durch herrliche Fotos engagierter Fotografen Lust auf die Praxis.

Das Berglauf-Journal 2020 ist übrigens wiederum Ressourcen schonend in der mit dem EMAS-Umweltmanagementpreis der Europäischen Kommission ausgezeichneten Druckerei Lokay produziert worden.

Wilfried Raatz: Berglauf-Journal 2020, 240 Seiten, 60 Farbfotos, Inhalt: Stories, Portraits, Profile, Statistik. Preis Euro 11,00; bei Versand zzgl. Porto. Direktbezug über Verlag wus-media UG, Büro: Ludwigstr. 3, 64354 Reinheim, im Internet unter www.berglauf.info oder über den Buchhandel unter ISBN 978-3-929071-29-0.

Spielerisch zu mehr Ausdauer

Der Autor des hier anzuzeigenden Buches, Jörg Haas, war selbst Leistungssportler im Mittelstreckenbereich, Deutscher Meister und Olympiateilnehmer 1992.

 

Er hat als Stützpunkt- und Disziplintrainer im Leichtathletikverband Baden-Württemberg gearbeitet. Später war er für die Aus- und Fortbildung von Leichtathletiktrainern im Badischen Verband aktiv. Heute ist er Gymnasiallehrer für Chemie und Sport und bildet Referendare am Studienseminar in Freiburg aus. Von seiner Vorbildung ist Haas geradezu prädestiniert, ein Lehrbuch für die Ausdauerförderung in Schulen vorzulegen.

Tatsächlich ist das erstmals 2013 im Spitta Verlag vorgelegte Werk für den Sportunterricht aller Schulformen konzipiert und richtet sich mit einigen Theorieabschnitten und vielen praktischen Beispielen in erster Linie an Sportlehrer, wobei Haas sich ausdrücklich an den Bildungsplänen der Bundesländer für das Pflichtfach Sport orientiert.

Dass im Titel auch der (Leichtathletik-)Verein als Adressat ins Blickfeld gesetzt wird, ohne dass deren spezielle Situation berücksichtigt würde, ist nicht zu kritisieren, denn was für Sportlehrer und deren jungen Schützlinge gut ist, kann für Vereinstrainer und deren Jugendliche nicht falsch sein.

Haas hebt in seinem Vorwort hervor, dass die Akzeptanz des Ausdauertrainings in der Gesellschaft und den Bildungsplänen stetig zugenommen habe. Gleichzeitig wurde mehr und mehr bewusst, dass Ausdauer das Fundament für ein stabiles Leistungsniveau in vielen, ja fast allen Sportarten ist. Ein Problem in der Praxis sei aber, dass monotones Ausdauertraining schnell zu Motivationsverlusten bei den Kindern und Jugendlichen führt. Deshalb müsse die Gestaltung der Übungseinheiten abwechslungsreich und spielerisch sein. So bietet Haas nicht nur eine kompakte Einführung in die Trainingslehre dar, sondern richtet den Fokus auf das spezielle Vorgehen beim Training mit Kindern und Jugendlichen. Praktische Anleitungen für Ausdauerspiele sowie Stundenpläne für Lehrer zum Aufbau von Ausdauereinheiten stehen in seiner Arbeit im Zentrum. Auf die Schulung der richtigen Lauftechnik, erläutert mit vielen Bildern und als Video abrufbar, wird ein besonderes Augenmerk gelegt.

Den Theorieteil hat Haas auf das Wesentliche reduziert, kann aber das Grundlagenwissen von der Energiebereitstellung über Trainingsmethodik, Trainingssteuerung bis hin zu alternativen Trainingsformen einleuchtend und kompetent vermitteln. Die Besonderheiten, die bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu beachten sind, werden leicht verständlich und ausführlich dargestellt. Eine wahre Fundgruppe ist die umfangreiche Sammlung an Spiel- und Übungsformen zur Ausdauerschulung. Diese reichen von Zeitschätzübungen über Achterlauf bis hin zu Sternlauf und 6-Tage-Rennen als Hindernislauf. Alle Spiele werden in ihrer Form, Anwendung, Variationsmöglichkeit und Wirkung beschrieben. Man darf sicher sein, dass wenn diese Übungen in abwechslungsreicher Form im Unterricht oder Training eingesetzt werden, der Langeweile genügend vorgebeugt ist.

Die zweite Auflage des Lehrbuchs nimmt neben der Dauer-, Intervall-, und Wiederholungsmethoden neu das High Intensity Intervall Training (HIIT) als vierten Trainingsmodus ins Blickfeld, weil "verschiedene wissenschaftliche Studien belegen konnten, dass hochintensive anaerobe Belastungen über wenige Minuten auch im aeroben Bereiche zu positiven Anpassungsreaktionen führen", so Haas im Vorwort. Der kurzen theoretischen Erläuterung zum HIIT hat der Autor auch einige Praxisbeispiele hinzugefügt.

Wer die erste Auflage schon besitzt, braucht wegen dieser Erweiterung wohl kaum in die zweite Auflage zu investieren, zumal die HIIT-Methode im Unterricht im Grunde keine Rolle spielt.

Gelesen und besprochen von Michael Schardt

Jörg Haas: Ausdauernd laufen in Schule und Verein. Grundlagen des Ausdauertrainings mit Kindern und Jugendlichen. 2. erweiterte Auflage, Balingen: Spitta Verlag 2019, 116 S., Broschur, 22,80.- €, ISBN: 978-3-947683-24-6 (Erstauflage 2013)

Unter den Laufhandbüchern der "Spezialist fürs Allgemeine"

 

Das hier anzuzeigende Buch trägt den Titel: "Das ultimative Läufertraining" und stammt aus der Feder von Pete Magill, einem Amerikaner, der seit mehr als drei Jahrzehnten in Fachzeitschriften und Portalen über das Laufen schreibt und auch Trainer einer der besten amerikanischen Marathonläuferinnen, Jordan Hasay, ist. Das Buch erschien gerade erst auf Deutsch, nämlich am 1. Februar 2019. Ganz so neu ist dieses mehr als 450 Seiten starke und mit rund 400 Fotos illustrierte Trainingskompendium allerdings nicht, denn die US-Ausgabe stammt aus dem Jahr 2014. Vom Verlag wird die Herausgabe als "Allround-Ratgeber für ambitionierte Läufer" beworben, und im Untertitel ist von "maßgeschneiderten Fitness-Plänen für Hobbylauf bis zum Ultramarathon" die Rede, womit das Buch so etwas wie ein Spezialwerk fürs Laufallgemeine wäre. Schauen wir es uns näher an.

"Das ultimative Läufertraining", so der Autor im Vorwort, "verschreibt sich einem einfachen Prinzip: Wenn du ein besserer Läufer werden willst, musst du damit beginnen, einen besseren Laufkörper aufzubauen". Damit ist ein Schwerpunkt des Konzepts schon genannt, der dann im umfangreichsten der fünf Teile (Teil 2) auf rund 200 Seiten in neun Unterkapiteln abgehandelt wird. Nach ein paar allgemeinen Erörterungen wird nacheinander beschrieben, wie man den Aufbau der Laufmuskeln voranbringt, das Bindegewebe stärkt, das Herz-Kreislaufsystem auf Vordermann bringt. Ferner wird gezeigt, wie der ph-Wert ins Gleichgewicht kommt, die Hormone optimiert werden, Hirn und Nerven vernetzt werden, um der Verbesserung der Läufernatur zu genügen. Jedes Unterkapitel führt ins Thema ein, diskutiert die Aspekte kurz und bietet dann immer eine Anzahl von Trainingsübungen an, die mit vielen Fotos veranschaulicht werden.

Im vorgelagerten ersten Teil (Bau dein Laufwissen auf) behandelt Magill kurz Fragen der Laufmotivation, der Laufausrüstung und der Fachtermini sowie der Geschichte des Laufen. Der dritte Teil erörtert den Wert der Regeneration, der Verletzungsprophylaxe und zeigt Wege zu einem sinnvollen Trainingsplan auf. Während der vierte Teil auf die Ernährung eingeht und ganz auf Proteine, Kalorien und Kohlenhydrate setzt, wird im letzten Teil der Läufer aufgefordert, eine Wettkampfstrategie zu entwickeln. Ein umfangreicher Anhang mit Glossar; Index und Literaturliste schließt die Darstellung ab.

Positiv an diesem Buch ist sicher die Darstellungsform. Der Text ist im Zweispaltenformat gedruckt und in kleine bis kleinste Abschnitte unterteilt. Manchmal ist ein Unterpunkt nur 10 bis 15 Halbzeilen lang. Das alles erleichtert die Lektüre und eignet sich auch für Lesehäppchen zwischendurch. Da die Übungen immer auch als Foto beigegeben sind, kann man beim Training eigentlich nichts falsch machen. Kurze Zusammenfassungen halten das Wesentliche fest. Nachteil dieser Aufbereitung ist, dass der große Zusammenhang schnell verloren gehen kann. Man findet auch kein Thema, das in sich geschlossen behandelt wäre. Positiv sicher auch, dass das Werk praxisorientiert ist und andere Ansätze vorstellt und diskutiert. Miteinbezogen sind auch Hilfestellungen in Form von Tipps und Orientierungspunkten, dass man sich nicht über- oder unterfordere.

Eine Schwäche ist, dass die Trainingspläne sehr wenig konkret sind, keine Zeitvorgaben machen und keinen Aufbau zeigen. Da heißt es dann, "20 bis 30 Minuten frei lockeres Laufen" oder "Langstreckenlauf 20 bis 40 Minuten", ohne dass dies präzisiert würde. Darunter mag man sich dann alles Mögliche vorstellen. Umständlich ist zudem, dass in den Trainingsplänen Verweise stehen auf andere Kapitel, die man nachschlagen muss, um zu wissen, was gemeint ist. Die Pläne sind auf 12 oder 6 Wochen ausgelegt, aber ohne klare Zielvorgabe. Es heißt lediglich: "6-Wochen-Trainingsplan für 5-km-Rennen - für fortgeschrittene Anfänger und routinierte Läufer".

Zum Thema Verletzungsvorbeugung ist zu sagen, dass es allgemein unter Läufern bekannt ist, wie das funktioniert und dass es sinnvoll ist. Wirklich neues kann Magill hier auch nicht bieten. Die Frage der Ernährung ist mittlerweile so zu einer Philosophie geworden und hat so viele unterschiedliche Ansätze und Diskussionen hervorgebracht, dass man den Überblick längst verloren hat und sich am besten wohl auf das eigene Körpergefühl verlässt. Denn wie schon Goethe sagte: Getretener Quark wird breit, nicht stark.

Fazit: Magills Buch ist ein guter Ratgeber für Übungen, die den Läufer abseits der Laufstrecke unterstützen, nämlich im Gymnastikraum oder in der Muckibude oder auch an Orten, die nicht fürs Sporttreiben eingerichtet wurden - etwa der Arbeitsplatz oder die eigenen vier Wände. Wenig hilfreich ist es aber für diejenigen, die sich präzise Pläne für vorgegebene Wettkampfdistanzen erhoffen. Vielleicht auch alternative Ansätze zu bestehenden Trainingsplänen. Alles andere, mit dem das Buch aufgebläht ist, wie Fragen zur Ernährung, zum Lebensstils, wird ein Läufer, der eine kleine Laufbibliothek zu Hause hat, schon in anderen Werken ausreichend behandelt finden. So ist das Buch vor allem für Laufanfänger zu empfehlen, die - sozusagen - noch weitgehend unbeleckt sind, und vielleicht für diejenigen, die zwar schon laufen, dies aber bisher ohne jede Literatur getan haben. Groß falsch machen kann man als Neuling mit dem Erwerb von Magills ultimativem Läufertraining sicher nicht, wohl aber als ambitionierter Stratege.

Gelesen und besprochen von Michael Schardt

Pete Magill mit Thomas Schwartz und Melissa Breyer: Das ultimative Läufertraining. Maßgeschneiderte Fitness-Pläne für den Hobbylauf bis zum Ultramarathon - schnell, ausdauernd und verletzungsfrei laufen. Mit 400 Fotos von Diana Hernandez. Kandern: Unimedica im Narayana Verlag 2019, 449 + 11 S., Großformat, gebunden 24,80.- €, ISBN: 978-3-96257-066-8

Ein Höllenritt an Christi Himmelfahrt -

Der Radroman "Im Feld" ist eine Parabel auf das Leben

Eine Radausfahrt in einer Gruppe ist wie das Leben: Der Körper empfindet Höhen und Tiefen, die Strecke hat ihre Tücken, da gibt es einen Anführer, seine Anhänger, viele Mitläufer usw.

 

So eine Radausfahrt füllt sogar ein Buch: "Im Feld" von Joachim Zelter ist ein kurzer Roman, bei dem der Ich-Erzähler sein erstes Training mit einem fiktiven Freiburger Radtreff durch"lebt".

Ich-Erzähler Frank Staiger ist neu nach Freiburg im Schwarzwald gezogen und schließt sich - wie symbolisch - an Christi Himmelfahrt dem örtlichen Radtreff an. Die gemeinsame Ausfahrt wird zum Höllenritt, weil der Anführer, ehrfürchtig nur mit Nachnamen "der Landauer" genannt, die Gruppe an und über ihre körperliche und mentale Grenze bringt. Landauer ist ein Typ von Leithammel: charismatisch, subtil arrogant, dominant, scheinbar um das Team besorgt und doch egozentrisch. Keiner wagt zu widersprechen. So einen Landauer gibt es überall, in jeder Sportgruppe, in jedem Büro und in jedem größeren Team.

Drei Welten laufen parallel: die Radtour, der Lebenslauf des Erzählers und die sagenhaften Geschichten über Landauer. Um ironische Distanz zu schaffen, wird vieles über Landauer im Konjunktiv I erzählt: Er sei…, er habe…, er könne… Dazu im Kontrast die Brutalität der Gegenwart, wenn die Beine brennen, weil das Tempo verschärft wird.
Geschickt verknüpft der Autor die Eindrücke und die körperlichen Empfindungen mit den Gedanken und (Selbst-)Gesprächen des Radfahrers. Ausgerechnet während sich die Radler beispielsweise einen Berg hochquälen, muss Frank Staiger an seine berufliche Entwicklung denken: Die steigende Anstrengung ist gekoppelt mit der Erinnerung an den beruflichen Abstieg. Je mehr Höhenmeter, je müder die Beine, desto peinlicher das gleichzeitig beschriebene Abgleiten von befristeten Uni-Stellen in die Arbeitslosigkeit.

Wer selber Rennrad fährt, wird bei diesem Roman herzlich lachen können. Da der 1962 in Freiburg geborene Zelter ein leidenschaftlicher Radfahrer ist, kennt er die Szene und ihre leidenschaftlichen, teilweise besessenen Mitspieler. Die Ironie und der Sarkasmus erinnern an den Stil von Thomas Bernhard. Man kann die Erzählung auch als Parabel auf das Leben lesen. Ein Leben, das uns herausfordert, an die Grenze zu gehen - auch wenn es manchmal so sinnlos ist wie eine extrem lange Radausfahrt.

Gelesen und besprochen von Birgit Schillinger

Joachim Zelter: Im Feld Roman einer Obsession. 156 Seiten, geb. mit Schutzumschlag. Verlag Klöpfer & Meyer. 2018, 2. Auflage 2018. € 20. ISBN: 978-3-86351-461-7

Laufsport mit Sehbehinderung

 

In Deutschland leben ca. 1 Million Menschen mit Sehbehinderung und Blindheit. Für sie ist, wie für alle Menschen mit Behinderungen, von grundlegender Bedeutung, welche Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe sie vorfinden. Mit Zugängen zu Bewegungs- und Sportangeboten öffnen sich in gleich mehrfacher Weise Aktions- und Interaktionsräume, die mit einer Verbesserung des Befindens und der Lebensqualität der Ausübenden einhergehen.

Zu den Bewegungs- und Sportarten, die für sie besonders geeignet sind, zählen Gehen und Laufen, jene Bewegungsmuster, die motorisch gleichmäßig und ruhig vonstatten gehen. Hierbei versteht sich von selbst, dass jenseits des Laufbands das Sich-Bewegen im Freien die aktive Begleitung voraussetzt - in aller Regel eins-zu-eins.

Kürzlich erschien hierzu eine Broschüre, die Laufbegleitern wertvolle Informationen für die Praxis bietet: "Laufsport mit Sehbehinderung", geschrieben von Gabor Szirt.

Der Autor, Jg. 1949, ist gestandener Läufer und Vorsitzender der in Basel/CH ansässigen Vereine "Lauftreff beider Basel" und "Blind-Jogging". In 2006 begann er mit Unterstützung der örtlichen Sehbehindertenhilfe das Projekt "Laufsport für Sehbehinderte" aufzubauen, in dem Betroffene das Laufen erlernen und pflegen können - bis hin zur begleiteten Teilnahme an Volksläufen. Um dem vor Ort stets größer gewordenen Bedarf gerecht zu werden, bildete er zunehmend mehr Guides aus und schuf dafür einen anerkannten Ausbildungsrahmen mit Zertifikat. Mittlerweile bedient er Ausbildungsanfragen auch aus anderen Schweizer Kantonen, die zur weiteren Verbreitung des "blind jogging" im Land beitragen, wie auch solche aus den Nachbarländern. Grund genug, sein 2009 veröffentlichtes und weithin vergriffenes Werk "Laufsport für und mit Sehbehinderten" in überarbeiteter Form und unter abgewandeltem Titel neu aufzulegen, wofür er im Verband "PluSport Behindertensport Schweiz" einen renommierten Herausgeber fand.

"Laufsport mit Sehbehinderung" beschreibt und bildet ab, wie man der anspruchsvollen Aufgabe der Begleitung und Führung gerecht werden kann. Beantwortet werden Fragen wie: Welche Aufgaben kommen auf den Guide zu? Welche Formen des geführten Laufens gibt es? Wie sollte die Kommunikation zwischen Guide und geführtem Läufer aussehen? Wie bewegt man sich miteinander? Mit welcher Ausrüstung? Wie umgeht man Hindernisse - unbewegliche und bewegliche? Wie kann die "Laufschule" bei Sehbehinderung umgesetzt werden? Was ist bei der Teilnahme an Volksläufen zu beachten? Was dient der letztlichen Sicherheit des Schützlings?

Diese Fragen werden in Texten und Bildern sehr anschaulich und gültig beantwortet. Insgesamt ermutigt die Broschüre zum Laufen mit Sehbehinderten. Und sie gibt Interessenten, ob Läufern oder Vereinen, Informationen zur möglichen Ausbildung zum Blindenguide. Ob die Broschüre, die ein Handout zur Ausbildung darstellt, letzte ersetzen kann? Nein. Begleitete Praxiseinheiten und persönlicher Erfahrungsaustausch sind eine Qualität für sich.

Gelesen und besprochen von Wolfgang W. Schüler

PluSport Behindertensport Schweiz (Hrsg.) / Gabor Szirt (Autor): Laufsport mit Sehbehinderung. Ingold Verlag/CH, 2018, 36 S., zahlr. Fotos, CHF 18,-. Bestellungen bei: https://www.plusport.ch/de/ausbildung/lehrmittel

Doll`s Schwarzwaldlust - Das sportliche Genießerbuch

 

"Mit Leidenschaft kochen, mit Lust essen und mit Spaß Sport treiben" ist das Motto von Charly und Benedikt Doll, die kürzlich ihr erstes gemeinsames Buch "Doll`s Schwarzwaldlust - Das sportliche Genießerbuch" präsentierten.
    Charly Dolls Leidenschaft fürs Kochen ist hinlänglich bekannt. Der frühere Weltklasse Bergläufer (er gewann 1986 und 1987 Bronze und Silber bei den Berglauf-Weltmeisterschaften) veranstaltet seit mehr als drei Jahrzehnten, vor allem in Laufseminaren, Vollwertkochkurse. "Mein Ziel war und ist es, interessierten Hobbyköchen zu vermitteln, dass man mit wenig Aufwand gesunde, nahrhafte und schmackhafte Vollwertkost zubereiten kann."
   Sohn Benedikt, der zu den besten Biathleten der Welt zählt, begeisterte sich schon als Kind fürs Kochen.

Winfried Stinn war bei der Buchpräsentation und berichtet für LaufReport HIER

 Running forever - Buchbeiträge im LaufReport HIER

 

25 Läufer*innen, die seit 30 Jahren & mehr regelmäßig laufen, haben für das im Herbst 2017 erschienene Buch "Running forever. Das Geheimnis lebenslangen Laufens" (Arete Verlag, Hildesheim) ihre Lauf-Lebens-Geschichte niedergeschrieben. Im LaufReport werden 4 der 25 Buchbeiträge vorgestellt. Den Auftakt machte Klaus Weidt, Sportjournalist und Buchautor. Der 2. Beitrag stammt von Oliver Schulte, der sich als Spendenläufer betätigt. Der 3. Beitrag 'Vom Asthma-Inhalator zum Marathon-Erfolg' ist von Anita Kanderhandt. "Bewegung als Lebensprinzip" von Hubert Karl, Ultraläufer mit über 160.000 Laufkilometern und 20facher Spartathlon Finisher, lautet der 4. Beitrag.

Mit Leidenschaft und Ehrgeiz zum Erfolg

 

Frodeno ist zurück. Diese Saison meldete er sich vor allem mit seinem beeindruckenden Sieg - und damit Europatitel - beim Ironman in Frankfurt zurück. Letztes Jahr hatte sich der zweifache Hawaii-Sieger von 2015 und 2016 von Rückenschmerzen geplagt bei der WM in Hawaii ins Ziel geschleppt. Da dachten schon einige Fans, dass das Ende seiner Karriere sei. Aber nun scheint es 2018 wieder zu laufen. Und wie!

Passend dazu kam gerade sein Buch "Eine Frage der Leidenschaft" auf dem Markt. Er schildert hier, wie er schon als Kind extrem sportbegeistert und bewegungshungrig war. Geboren wurde der heute 36jährige Triathlet bei Köln.

Mit elf Jahren zogen seine Eltern mit ihm nach Kapstadt/Südafrika. Dort hat er sich sofort wohl gefühlt: "Das ganze Leben dort war aktiver als in Deutschland. Die Menschen haben mehr miteinander unternommen, alles hat sich draußen abgespielt." Mit 15 Jahren wollte er Surfsport betreiben, aber dazu sollte er zunächst richtig gut schwimmen lernen. Im Schwimmverein hat er bei einem ungarischen Trainer zum ersten Mal ein hartes, organisiertes Training kennengelernt. Seine Eltern fuhren ihn zum 30km (einfach) entfernten Schwimmtraining - und das ein- bis zweimal pro Tag. Im Rückblick meint Frodeno, dass er hier "die richtige Arbeitsmoral" gelernt habe.

Nachdem er das reine Schwimmtraining aufgegeben hatte, bestritt er Wettkämpfe als Rettungsschwimmer. Und sah im Fernsehen 2000 die Olympia-Premiere des Triathlons: Die Silbermedaille von Stephan Vuckovic war die große Motivation für den 19jährigen Frodeno. (Hier ist im Buch ein großer Sprung: Plötzlich ist er im deutschen Kader.) 2004-2008 bereitete er in Saarbrücken im Olympiastützpunkt sich auf die Olympischen Spiele vor. In einem Seminar über Karriereplanung sollte er seine Ziele referieren - da hatte er gerade den Startplatz für Peking 2008 erhalten: "Ich möchte Triathlon-Olympiasieger werden. Aber ich habe keinen Plan B - also muss Plan A funktionieren." Typisch Frodeno. Als ob es so einfach wäre…

Gut, das mit dem Olympiasieg hat geklappt. Dann brauchte es einige Jahre, bis er bereit für ein neues Ziel war: Ironman. In Hawaii gewann er dann 2015 und 2016. Und 2017 folgte der Tiefpunkt - aus dem er sich nun wieder herausgearbeitet hat.

In seiner Biografie betont er immer wieder, dass er "sehr, sehr ehrgeizig" sei und sehr hart an sich arbeiten kann. Für den Leser fallen da so manche Motivationssprüche ab. Auch zu Ernährung und mentalem Training gibt Frodeno ein paar Erfahrungen preis. Konkrete Trainingstipps darf man natürlich nicht erwarten. Dennoch gibt das Buch einen kleinen Einblick in den Alltag eines Profisportlers.

Eine unterhaltsame Lektüre.

Gelesen und besprochen von Birgit Schillinger

Jan Frodeno: Eine Frage der Leidenschaft: Mit Mut und Motivation zum Erfolg Gebundene Ausgabe. Ariston Verlag. 224 Seiten. € 20. ISBN: 978-3-424-20167-3

Lauftherapie in Lebenswelten

Grundlagen - Trends - Beispiele settingorientierter Gesundheitsförderung

 

Das Erscheinen dieses Buches, jetzt im Frühjahr 2018, lässt zunächst vermuten, es handele sich um eine Art Festschrift des Deutschen Lauftherapiezentrums (DLZ) aus Anlass seines parallel stattfindenden 30jährigen Bestehens. Doch dem ist nicht so, es ist wohl eher ein glückliches Zusammentreffen.

Die Bedeutung dieser Veröffentlichung besteht nicht nur in der Präsentation von Theorie und Praxis individueller Förderung gesundheitlicher Verhaltensprävention, sondern gleichermaßen in der Einbeziehung des Lebensumfelds (setting), der Lebenswelten bei jeglicher gesundheitsbezogener Fördermaßnahme.

Dieser Ansatz ist das zentrale Anliegen des Buches. Der Leser gewinnt einen tiefen und breit angelegten Einblick in die wissenschaftsgeleitete Arbeit des DLZ.

Das vorliegende Buch besteht aus einer erweiterten Zusammenfassung von Beiträgen einer zweitägigen Fachtagung gleichen Titels im Oktober 2016 in Bochum. Sie war in enger Kooperation mit der Krankenkasse VIACTIV initiiert und konzipiert worden.

Dass Bewegungsmangel in unserer immer vermeintlich bequemer ausgerichteten Gesellschaft nicht nur medizinisch und ökonomisch ein zentrales Problem darstellt, ist seit Jahren zu einem ständigen Mantra aller Experten geworden; eine prinzipielle Bewusstseinsveränderung findet jedoch nicht statt. Dass insbesondere Laufen eine der naheliegendsten Bewegungsformen ist, ist ebenso evident. Die Tatsache aber, dass Laufen, im besten Fall professionell angeleitet, einen nachgewiesen bedeutsamen positiven Wirkungsgrad für Körper und Seele besitzt, also therapeutisch im Sinn von Gesundheitsförderung wirkt, ist weit weniger bekannt. Der Begriff Laufen ist weitgehend assoziiert mit Leistungssport, mit Anstrengung, mit Wettkampf, mit Schweiß und Tränen. Doch es gilt das "andere" Laufen zu entdecken, ein langsames, sanftes Laufen, zwar nach bestimmten Regeln, dennoch relativ einfach zu erlernen. Der Lohn sind erstaunliche Veränderungen körperlicher und seelischer Art. Lauftherapie ist ein ganzheitlicher Prozess in Richtung gesundheitsfördernden Verhaltens. (Literatur zu Theorie und Praxis der Lauftherapie findet sich im Buch.)

Vor diesem Hintergrund der in langen Jahren gemachten Erfahrungen und der vorliegenden empirischen Ergebnisse fand die Tagung statt, wurden praktische Anwendungen vorgestellt, geprüft, diskutiert und neue Ansätze für unterschiedliche Lebenswelten offeriert.

Was macht das Buch so beachtenswert? Es ist die Heterogenität und Vielfalt der insgesamt 16 Beiträge oder Referate. Sie lassen einmal das Charakteristische der Tagung erkennen, viele Teilnehmer, viele Themen, viel Engagement, viel Diskussion, viele Kontakte usw., aber die Herausgeber haben eine stringente inhaltliche Struktur gefunden, die das Leitthema der Tagung abrundet und es sogar durch die Niederschrift der Referate weiter präzisiert. Vorgestellt werden fünf Themenfelder, zu denen jeweils 2 bis 4 Referenten in ihren Beiträgen Stellung beziehen. Diese Themenfelder repräsentieren die fünf hier relevanten Lebenswelten: (1) Laufen und Lauftherapie als Beitrag zur Gesundheitsförderung, (2) Lauftherapieangebote, Grundlagen und Effekte, (3) Lauftherapie in der Arbeitswelt, (4) Lauftherapie in Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen, (5) Weitere Praxisfelder, Zielgruppen und Methoden.

Die diesen Vorgaben jeweils zugeordneten Referate sind in sich abgeschlossen und behandeln jeweils andere Aspekte oder Gegenstände. Für den Leser ergeben sich nach dieser Systematik viele Vorteile, aber auch Nachteile, die nicht zu vermeiden sind. Der Leser kann sich je nach Interesse schnell und einfach orientieren, die Beiträge sind in der Regel nicht allzu umfangreich, sie sind praxisnah, informativ, lehrreich und überzeugend, kreativ und hin und wieder durchaus originell, es öffnen sich neue Welten des Zugangs. Man kann dies aber auch als Nachteil erleben, der Leser muss sich jedes Mal auf einen anderen Autor einlassen, auf einen anderen Schreibstil, einen anderen Anspruch, auf ein anderes Temperament, auf eine neue Person. Das ist bei insgesamt 16 Autoren manchmal nicht ganz einfach und stört hin und wieder den Fluss und die Stringenz. Andererseits verschlingt man ein solches Buch auch nicht in einem Rutsch, es dient vielmehr der Bestimmung der eigenen Position und unterstützt die weitere Professionalisierung. Dafür wird man das Buch öfter zur Hand nehmen.

Ein großes Kompliment muss hier dem ARETE-Verlag ausgesprochen werden. Die Aufmachung des Buches ist in jeder Beziehung vorzüglich geworden. Das beginnt mit der originellen Umschlagsgestaltung und setzt sich fort mit den besonders lesefreundlich aufgebauten Texten, die (bunten) Fotos aus dem Tagungsgeschehen sind an den passenden Stellen platziert usw. Schon beim Durchblättern ist das Buch eine Freude, chapeau!

Gelesen und besprochen von Dr. Arwed Bonnemann

Prof. Dr. Alexander Weber & Wolfgang W. Schüler (Hrsg.): Lauftherapie in Lebenswelten. Grundlagen - Trends - Beispiele settingorientierter Gesundheitsförderung. Arete-Verlag, Hildesheim, 2018. 134 S., zahlr. Abb. u. Fotos, Paperback, 19,95 € (D). ISBN 978-3-942468-95-4

Der Rezensent
Dr. phil. Arwed Bonnemann, geb. 1938, Diplom-Psychologe, ehem. Leiter des Zentrums für Hochschulforschung und Qualitätssicherung an der H. Schmidt Universität Hamburg; Läufer seit Ende der 1970er Jahre, über 100 (Ultra-) Marathonläufe

Running forever

Das Geheimnis lebenslangen Laufens

 

Warum sollte man mit dem Laufen aufhören? – Nun, häufig wird keine bewusste Entscheidung fallen, sich eher ein Prozess mit zunehmenden Laufpausen einschleichen. Ein Ratgeber sich dem zu entziehen, ist das vorliegende Buch nicht direkt. Gelüftet wird darin das Geheimnis lebenslangen Laufens von 25 prominenten und weniger prominenten Läuferinnen und Läufern, deren individuelle Lebenslaufgeschichten das Buch füllen.

Alle sind "Livetime Runner", die, mal mit dem Laufen in Berührung gekommen, das Bewegungstraining im weiteren Leben fortgesetzt haben. Und letzten Endes ist es ja genau dies, was lebenslanges Laufen ausmacht.

Das Geheimnis ist, – und damit beschäftigt sich das lesenswerte Buch –, wie man es schaffen kann, das regelmäßige Laufen über Jahrzehnte beizubehalten, wie man aufkommende Hemmnisse und Unbill überwindet und sich den Spaß am Bewegen erhält.

In seinem 10. Laufbuch hat Wolfgang W. Schüler, Läufer seit 1967, zusammen mit Mitherausgeber Klaus Richter, Läufer seit 1978, beide Lauftherapeuten und Dozenten für Lauftherapie am Deutschen Lauftherapiezentrum in Bad Lippspringe, anhand der individuellen Geschichten der Läuferinnen und Läufer zumindest deren persönliche Geheimnisse gelüftet. Denn wie es den 25 Autoren gelingt, das Laufen beizubehalten, erfahren wir im Buch. Anhand der Leitfragen beantworten sie, wie sie zum Laufen kamen und zeigen auf, wie mannigfach sich Laufkarrieren darstellen. Wie sind sie mit auftretenden gesundheitlichen Problemen umgegangen, um diese zu meistern? Worin sehen sie den Sinn ihres Laufens? Welche Wünsche, Erwartungen und Vorhaben haben sie noch?

Alle können auf mindestens 30 Läuferjahre zurückblicken, laufen teils schon 40, 50, 60 Jahre. "Laufen ist wie Zähne putzen" ein fester Teil des Tagesablaufs. Für manche ist der Beginn eines arbeitsintensiven Tages ohne den morgendlichen Lauf gar nicht denkbar, andere haben das Laufen gar zum Beruf gemacht. Die Läuferbiografien berichten von einer Regelmäßigkeit. Keinesfalls wird diese an Kilometerleistungen oder beinahe täglicher Aktivität festgemacht. So weitgefächert das Spektrum zurückliegender sportlicher Erfolge der Autoren ist, sind es auch ihre Motive und Motivation zur Bewegung, die sich im Läuferleben zudem verändern können. Manche bleiben dabei, sich mit anderen zu messen, andere wiederum verabschieden sich ganz vom Wettkampf, freiwillig oder aufgrund von Verletzungen und Krankheiten.

Die Biografien sind Unikate, Spiegelungen subjektiver Erlebnisse und Erfahrungen, heißt es in der Nachlese, und weiter: Das ‚Geheimnis lebenslangen Laufens' entzieht sich einer schnellen und schlüssigen Deutung. Lifetime Runner folgen nicht einfach einer guten Gewohnheit, sie praktizieren aus Freude an der Bewegung ein Ritual, schließen Wolfgang W. Schüler und Klaus Richter das Buch Running forever.

Für das Geleitwort ist es ihnen gelungen keinen Geringeren als den international angesehenen Prof. mult. Dr. med. h.c. mult. Wildor Holmann zu gewinnen. Der emeritierte Universitätsprofessor für Kardiologie und Sportmedizin erforscht seit beinahe 70 Jahren den Einfluss von Arbeit und Training sowie den von Bewegungsmangel unter Berücksichtigung der Alterungsvorgänge.

Es sind zwar spezielle, persönliche Beiträge, doch immer mit allgemeiner Gültigkeit und somit Inspiration zum Laufen. Running forever wendet sich an alle, die sich ihre lebenslange Freude am Laufen erhalten wollen. Mit Interesse habe ich die Laufbiografien mir teils bekannter Autoren gelesen und dabei Neues erfahren. Anregend und motivierend wirkte das Buch auf mich, das ich in einem Rutsch durchgelesen habe. Es ist aber durchaus auch in 25 Häppchen zu genießen und schlägt nie auf den Magen, so dass es gelingt, nach der Lektüre gleich die Laufschuhe zu schnüren und ein neues Kapitel des ganz persönlichen running forever aufzuschlagen.

Gelesen und besprochen von Walter Wagner

Wolfgang W. Schüler und Klaus Richter (Hrsg.): Running forever. Das Geheimnis lebenslangen Laufens. Arete Verlag, Hildesheim, 2017.
168 S., Paperback, 16,80 € (D). ISBN: 978-3-942468-82-4

 Running forever - Buchbeiträge im LaufReport HIER

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