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Neu im Seniorensport? Tipps für ältere Läufer

Eichi? Den kennt jeder Läufer in der Pfalz (und Umgebung). Eichi ist eine Institution:

 

Hans-Jürgen Eichberger war in seinen jungen Jahren ein erfolgreicher Langstreckenläufer, ist aber inzwischen mehr noch durch sein Trainingswissen hoch geschätzt. Er hat schon viele Athleten zu einer nicht für möglich gehaltenen Bestzeit gebracht. Nun hat Eichi ein Ratgeber-Buch speziell für Senioren geschrieben. "50 - 60 - 70. Für Senior*innen und solche, die es werden wollen" ist in dem kleinen pfälzischen Verlag Hekma in Maikammer erschienen.

Schon auf dem Cover sind bekannte Seniorenläufer aus der Pfalz und dem Elsass wiederzusehen. Das Buch möchte Mut machen, denn im Seniorenalter gelten andere Gesetze: "Stagnation musst du akzeptieren!", schreibt Eichberger gleich im Vorwort.

Das Buch richtet sich mit vielen Tipps vor allem an Anfänger, beispielsweise was Bekleidung und Laufschuhkauf betrifft. Die Trainingspläne sind für Laufanfänger und Späteinsteiger.

Erfahrene Läufer finden manche nützliche Hinweise, beispielsweise bei welchen Fußproblemen welche Schnürung helfen kann. Hier spricht der Schuhexperte, denn Eichi eröffnete in den 90er Jahren Kandel einen Laufschuhladen und wurde zu einem gefragten Schuhexperten. Obwohl der Laden inzwischen übernommen wurde, ist Eichi immer noch dort bei der Kundenberatung aktiv.

Eichberger hat eine Marathon-Bestzeit von 2:19:52 Stunden (in Kandel) und schrammte mit 30:17 über 10.000m nur knapp an der 30Minuten-Grenze vorbei. Seine Stärke waren Landschafts- und Bergläufe.

Nett sind nostalgische Rückblicke: Zwei Briefe, in denen 1975 die inzwischen verstorbene Trainerlegende Ernst van Aaken ihm Tipps zum Langstreckentraining gibt, oder Fotos von alten Spikes oder Laufschuhen.

Gelesen und besprochen von Birgit Schillinger

Hans-Jürgen Eichberger: 50 - 60 - 70. Für Senior*innen und solche, die es werden wollen. Maikammer: Hekma-Verlag. 2023.
160 Seiten, Softcover. 14,90 Euro.
ISBN 978-3-946024-03-3

Vogelkalender 2024

Tagesabreißkalender zum Aufstellen oder Aufhängen von Herbert Steffny

 

Geschenkidee für Natur- und Vogelfreunde
... und andere!!!

Aus der "Not"lösung hat Herbert Steffny eine Tugend gemacht. Dem erfolgreichen Prototyp eines Tagesabreißkalenders für 2023, der dem Corona Lock-down geschuldet war, folgte nun der Kalender für 2024. Wieder ist es ein Vogelkalender, wie sollte es beim Diplom-Biologen Steffny anders sein? Nun ja, Schmetterlinge gingen auch, denn mit dem Lepidoptera, wissenschaftlich für Schuppenflügler, kennt er sich ebenfalls bestens aus. Und es gibt etwa 160.000 Arten, ergäbe rund 438 Jahre Tagesabreißkalender ohne Wiederholungen. Obendrein werden jährlich etwa 700 Schmetterlinge neu entdeckt…


Okay, es sind wieder Vögel! Und 2025, bereits in der Mache, werden es wieder Vögel sein. Herbert Steffny, Europameisterschaftsdritter im Marathon 1986, der seine Sportlerkarriere als Bestsellerautor, Veranstalter von Laufseminaren, als Referent, Fachjournalist und Co-Kommentator von TV-Marathonübertragungen fortsetzte, hat eben Ausdauer. Zum Glück! Denn es gibt bereits Liebhaber des analogen Jahresbegleiters, quasi Süchtige, die den täglichen Abriss brauchen und keinesfalls mit digitalen Klicks durchs Jahr zufrieden wären.

Schon die Vorfreude auf die eindrucksvollen Farbfotos, zu jedem Federtier gibt es zudem erläuternde Texte zu Biologie oder Verhalten, bringen den gewissen Kick. Und wer würde von sich behaupten, dass da nicht auch mal gespickt wird, was am nächsten Morgen kommt.

Eine super Geschenkidee. Es gibt Probeseiten im Internet. Gespannt darf man auf die kommende einjährige Fotosafari sein. Herbert Steffny verspricht: Noch bunter, noch internationaler - über 300 neue Bilder, mit kurzen, informativen, kritischen, aber auch spaßigen Begleittexten...

Vorgestellt von Walter Wagner

Vogelkalender 2024 - von Herbert Steffny
Tagesabreißkalender zum Aufstellen oder Aufhängen
Südwestverlag München - Euro 14,99 inkl. MwSt.
Abreißkalender, 11,0 x 15,0 cm, mit 366 Farbfotos
ISBN: 978-3-517-10197-2

 

Schrödingers Kasten

Ein Laufkrimi

Markus Heidl ist Wiederholungstäter geworden, hat seinem Debüt Bitte laufen Sie rechts ran! Träume eines Läuferlebens! ein weiteres Buch folgen lassen. Ein brutaler Kriminalfall mitten in der Marathonvorbereitung, der in der Rhein-Main-Metropolregion spielt, aber beim Marathon in Berlin eskaliert und endet. War sein Erstling noch eine Sammlung von 31 Geschichten, von denen allein sechs der attraktiven Kaisa Nieminen gehörten, widmet er in Schrödingers Kasten die 306 Buchseiten der laufsportbegeisterten angehenden Strafverfolgerin in Gänze.

Kaisa absolviert ihr Referendariat bei Hauptkommissar Joshua Grimm im Kommissariat Offenbach. Ideenreich und zielstrebig verfolgt sie die Aufklärung des Gewaltverbrechens. Joshua Grimm ist von ihr begeistert. Ja, entflammt. Seine Referendarin ist jedoch bereits vergeben. Ist sie? - Forsch geht sie ans Werk, mitunter unvorsichtig. Die Ermittlungen gehen gut voran. Das Bild wird klarer. Zeugenaussagen und medizinische Erklärungen belasten den Verdächtigen zusehends. Allein, es mangelt an Beweisen. Dann wird der Verdächtige selbst Opfer.

Während der Aufklärung heißt es für Kaisa den Trainingsplan für ihren ersten Marathon einzuhalten. Ein sehr ambitionierter Halbmarathon in der letzten Vorbereitungsphase läuft vielversprechend. Mit Interesse verfolgen Hauptkommissar und Täter das leistungssportliche Vorhaben von Kaisa Nieminen. Sind genauso gespannt auf den Ausgang des Rennens und der Ermittlungen wie wir Leser. Wie wird alles enden? Gibt es ein Happy End? Oder doch eine Katastrophe?

Nun ja, bespricht man einen Krimi, darf man nicht zu viel verraten. Markus Heidl hat was die Polizeiarbeit anbelangt einiges recherchiert und Rat eingeholt. Hinsichtlich der Marathonvorbereitung hat er selbst seine Erfahrungen gemacht. Für Läuferinnen und Läufer wirkt der Lesestoff zwiespältig: einerseits eine Anregung zum Training, aber andererseits gefesselt im Lesen und der Frage auf der Spur: Was hat Schrödinger im Kasten?

Gelesen und besprochen von Walter Wagner

Markus Heidl: Schrödingers Kasten - ein Laufkrimi Verlag ampelpublishing.de 2023
306 Seiten, 400g mit kaschiertem Einband und Klappen
16,00 € inkl. MwSt. (CHF 18,00), zzgl. Versandkosten
GTIN/EAN (ISBN): 978-3-9820781-9-9

 

MordsMarathon

Tote beim Dämmermarathon

Ein Anschlag auf den Mannheimer Marathon? Motivation: möglichst viele Tote! Dieser perfide Plan ist der rote Faden in dem neuen Regionalkrimi von Manfred Krämer. Der aktive Volksläufer Krämer, auch durch seine Kolumnen in Runner´s World bekannt, ist oft in der Rhein-Neckar-Region bei Laufveranstaltungen unterwegs. Daher kann der Krimi-Autor aus Lampertheim hier mit viel Insider-Wissen und -Witz punkten. Der Leser erkennt in der Lektüre die Lokalitäten, wenn Ermittler Lothar Zahn seine Trainingsrunden dreht oder überlegt, ob er die Rolltreppen zu der Startnummernausgabe im Rosengarten nehmen soll.

Aber der Krimi "MordsMarathon" ist nicht nur eine emotional nachvollziehbare Hommage an das größte Laufevent der Region, bei dem der Leser schon durch den Adrenalinschub Gänsehaut vor dem Start bekommt. Es steht nämlich eine Drohung im Raum, dass es bei diesem Marathon durch einen Anschlag tausende Tote geben wird. Wer steckt dahinter? Wohl ein Psychopath? Und wie will der Täter es erreichen?

Mehr wird nicht verraten. Nicht nur für Freunde des Mannheimer Dämmermarathons ist der Lokalkrimi eine lustige und spannende Unterhaltung. Es ist der siebte Krimi in der Solo&Tarzan-Reihe von Manfred H. Krämer. Das Ermittlerpärchen Tarzan und Solo haben in der neuen Ausgabe auch noch einige private Probleme zu klären.

Das Lesen macht etwas wehmütig: Das beliebte Großereignis wird in der Läuferszene schon sehr vermisst. Hoffentlich wird es eine Neuauflage des Dämmermarathons geben. Aber bitte friedlich wie immer…

Gelesen und besprochen von Birgit Schillinger

Manfred H. Krämer: MordsMarathon: Ein Mannheimer Rhein-Neckar Krimi (Solo & Tarzan), 2016 erschienen als Taschenbuch, 256 Seiten, Waldkirch Verlag 12,00 €
ISBN 978-386476-072-3

Herz auf Füßen

Ein "Lauf- und Lesebuch"

Herausgeber spannen einen Bogen vom Sport bis zum sozialen Engagement

 

Diese Buchbesprechung in einem Internetjournal für Lauf- und Ausdauersport darf von einigen Voraussetzungen zum Thema ausgehen. Bestimmt sind den meisten Lesern die "Jede Oma zählt"-Läufer schon bei Laufveranstaltungen aufgefallen, einige werden sich auch gefragt haben, um was für einen Verein oder was für eine Aktion es sich da wieder handelt(?). Nun, es ist eine Kampagne von HelpAge, ein sozialpolitisches und humanitäres Hilfswerk, im Internet ausführlich vorstellt unter www.helpage.de. Hier in Stichworten genannt, der weltweite Einsatz für die Bedürfnisse und Rechte älterer Menschen, die Bekämpfung von Altersarmut, die Linderung von menschlichem Leid. Zugesagt ist, dass die Erlöse des Buches komplett für die weitere Arbeit von HelpAge zur Verfügung gestellt werden.

In Händen halte ich ein 428 Seiten starkes Buch, ein Sammelband verschiedenster Geschichten, Gedichte und Reiseberichte. Ehrlich gesagt, eine Rezension ist für mich da immer eine undankbare Aufgabe, denn umfassend besprechen und dabei allem gerecht zu werden, gelingt mir nicht. Keine neue Erkenntnis, und mich nur an der Oberfläche zu bewegen, sei mir bei durchaus interessantem und lesenswertem Zusammengetragenem gestattet. Die rund 40 Beiträge der am Ende des Buches in kurzen Biografien vorgestellten Autoren sind eine willkommene, unterhaltsame wie lehrreiche Ansammlung zum Ausdruck gebrachter LaufLEIDENschaft. Die Verbindung zu sozialem Engagement ist unaufdringlich vorgetragen und gewollt. Wie sollte es hier auch anders sein.

Einem kurzen Vorwort der Schauspielerin Hannelore Hoger, der Schirmherrin der 2006 ins Leben gerufenen "Oma"-Kampagne, folgt ein erklärender Beitrag von Lutz Hethey über die Entstehungsgeschichte, die zu überwindenden Schwierigkeiten und die mit der Kampagne entstandenen langjährigen Verpflichtungen. Auch beim nächsten Beitrag geht es nicht darum, wie schaffe ich es einen Marathon zu laufen. Nein, Aurelia Mlabi wird vorgestellt, eine 80jährige Afrikanerin. Ohne Wasser - kein Leben. Sie versorgt Enkel und Urenkel, ihre Kinder sind gestorben, HIV. Im Buch werden weitere Beiträge der afrikanischen Omas eingestreut, deren Alltagsprobleme geschildert und die geringen Hilfen erläutert, die ihnen ein lebenswertes Dasein ermöglichen. Der Bezug zu unterschiedlichen Kultur- und Lebensbereichen ist ein wichtiger Leitgedanke des Buches, heißt es in der Medienmitteilung.

Da viele Autoren sich der Laufgruppe "Jede Oma zählt" angeschlossen haben, ist ein Engagement für Integration und Bekämpfung der Armut, gegen Krieg und Vertreibung naheliegend. Die Botschaft eines aktiven, friedlichen, toleranten, wertschätzenden und integrativen Miteinanders auf der ganzen Welt ist ein weiterer wichtiger Aspekt des Buches.

Den Herausgebern Lutz Hethey und Heiko Schulze ist es gelungen eine interessante Mischung kurzweiliger Beiträgen zusammen zu tragen, darunter auch solche bekannter Persönlichkeiten aus Sport, Politik und Gesellschaft. Und wenn ich es bis hierhin auch noch nicht so mit Nachdruck genannt habe, es geht immer ums Laufen. Somit wird das Lauf- und Lesebuch zur Empfehlung. Man kann es am Wochenende wie einen Ultra in einem Rutsch lesen oder wie einen Etappenlauf angehen, täglich Story für Story. Ob man schließlich in Zukunft für "Jede Oma zählt" läuft? Begegnen wird der Leser den Läuferinnen und Läufern der Kampagne aber ab sofort mit einer großen Portion Anerkennung.

Ach ja, doch noch eine Kritik und man verzeihe sie mir: Es geht um das Schreiben mit dem gendergerechten Doppelpunkt. Beim Lesen dürfte es manche Leser:innen stören. Ob es tatsächlich erforderlich ist, die Sprache zu erneuern. Mit Neid blickt man da etwa auf das Englische, das vor derart Qualen schützt.

Gelesen und besprochen von Walter Wagner

Lutz Hethey und Heiko Schulze (Hg.): Herz auf Füßen - ein Lauf- und Lesebuch
448 S., 20 € inkl. MwSt.
ISBN 978-3-86685-900-5

Das Berglauf-Journal 2023

 

Das Handbuch für Berg- und Trailläufer
Das Berglauf-Journal erscheint jährlich seit 1991. Die Ausgaben seit 2004 stehen in meinem Bücherregal, bieten Zugriff auf 20 kompakt dargestellte Berglaufjahre und offenbaren die Entwicklung des Metiers. Waren die Berglaufveranstaltungen anfangs noch einigermaßen überschaubar, an den Ursprung des Extremen mit dem alleinigen Swissalpine gar nicht zu denken, präsentiert sich längst ein proppenvoller Terminkalender beinahe grenzenloser Herausforderungen an technischen Anspruch, Distanz und Höhenmeter. Der klassische Berglauf über relativ kurze Strecken und nur bergauf hat erdrückende Konkurrenz bekommen. Modern und im Trend sind die kaum mehr von den absoluten Insidern überschaubaren Trail-Läufe. Einen Überblick verschafft das alleinige Internetsurfen kaum mehr.

Das informative Nachschlagewerk mit verlässlicher Ordnung und hilfreichen Unterscheidungskriterien gibt den Leserinnen und Lesern für nur 11 Euro einen Guide in die Hände, der sich nur zu rasch mehr als amortisiert, sollte man einmal aufs falsche Pferd, respektive die Anmeldung bei einem ungeeigneten Event vorgenommen haben.

Doch damit nicht genug. Mit was sich die 2023er Auflage des Berglauf-Journals noch beschäftigt, darüber gibt die folgende Beschreibung bestens Auskunft.

18. März 2023, Walter Wagner

Interessante Lektüre zum Lesen und Laufen:

Das neue Berglauf-Journal macht Hoffnung auf ein "normales" Outdoor-Sportjahr 2023 - Die wus-media-Redaktion um den Fachjournalisten Wilfried Raatz hat auf 240 Seiten Stories, Veranstalter-Profile und vieles mehr zum Thema Berglauf und Trailrunning platziert

Es ist die Hoffnung auf ein "normales" Outdoor-Sportjahr 2023, die Seite für Seite im neuen Berglauf-Journal zu spüren ist. Waren in den beiden zuletzt erschienenen Ausgaben berechtigte Zweifel über die Austragung der exponiert dargestellten Event-Profilen zu spüren, so ist das Berglauf-Journal 2023 mit der 33. Ausgabe voller Hoffnung auf die Outdoor-Saison im Berglauf- und Trailrunning-Bereich. Auf 240 Seiten werden einmal mehr die vielfältigen Facetten des landschaftsbetonten Laufens deutlich. Für Generationen von Läufern ist das "Berglauf-Journal" längst zur unverzichtbaren Lektüre und zum Saisonplaner geworden, für viele hat das Taschenbuch längst einen exponierten Platz im Bücherregal erhalten.

Nach den vielen Unwägbarkeiten während der Corona-Pandemie mit zahlreichen Einschränkungen hat die Redaktion mit der 2023er Ausgabe auch journalistisch die Rückkehr zur Normalität eingeleitet, denn die 90 Event-Profile sind wie auch die Termine der deutschsprachigen Länder in der kalendarischen Sortierung platziert. Viele spannende und höchst informative Stories aus der Berglauf- und Trailrunning-Szene hat die Redaktion unter dem im Laufsport bestens bekannten Journalisten, Trainer und Organisator Wilfried Raatz verfasst und mit attraktiven Bildern ausgestaltet. Im Hauptteil des Taschenbuchs kommen Power-Läuferinnen wie Nienke Brinkman, Andrea Mayr und die beiden deutschen Shootingstars Rosanna Buchauer und Ida-Sophie Hegemann ebenso zu Wort wie der U20-Europameister Lukas Ehrle und der Masters-Weltmeister Markus Mey. Interessante Details gibt Österreichs Event-Macher Walter Zugriegel in einem flott geschriebenen Portrait preis. Zudem macht die Rückschau auf die Premiere der erstmals ausgetragenen Weltmeisterschaften im Berg- und Traillaufen in Thailand zugleich Lust auf das in der neuen Trailmetropole Innsbruck Anfang Juni zur Austragung kommende Weltchampionat in Verbindung mit dem Innsbruck Alpine Trail Festival. Alleine hier werden bei dieser Doppelveranstaltung mehr als 4000 Trailläufer aus 65 Nationen erwartet. Letztlich sind auch die spannenden Neustarts des Swiss Irontrail und des Davos-X-Trail ein Thema. Für Statistikfreaks gibt es natürlich auch wieder einen umfangreichen Ergebnisbereich aus den zurückliegenden zehn Jahren. Alle Beiträge spiegeln freilich die (wiedererlangte) Freude am Laufen in der Natur wider und sind Belege dafür, dass der Outdoor-Sport allgemein und speziell die Lauf-Aktivitäten in reizvollen Landschaften für Tausende ein Lebenselixier bedeuten.

Der Redaktion ist es gewiss ein weiteres Mal gelungen, die Berglauf- und Trail-Events in das richtige Licht zu rücken, die Herausforderungen in der Natur zusammen mit einigen interessanten Facetten des attraktiven Ausdauersports im neuen Taschenbuch zusammenzuführen. Viele attraktive Fotos zeugen von der Einzigartigkeit dieser vielgestaltigen Sportart.

Wilfried Raatz: Berglauf-Journal 2023
240 Seiten, 100 Farbfotos. Inhalt: Stories, Portraits. Eventprofile, Statistik, Preis €11,00 zzgl. Porto. Direktbezug über wus-media UG, Thujaweg 4, 76149 Karlsruhe, im Internet unter www.berglauf.info oder über den Buchhandel unter ISBN 978-3-929071-32-0

Einmal Marathon

 

Der Marathon ist für uns Jedermänner und -frauen das vielleicht letzte Abenteuer unserer Zeit. Man läuft los mit nichts als seinen Laufschuhen an den Füßen, seiner Startnummer auf der Brust sowie einem groben Zeitplan, wann man wo sein möchte und was man wo trinken und/oder essen will. Spätestens ab Kilometer 30 aber kommt man in einen Bereich, über den man im Vorfeld nur hoffen kann. Am Tag X kann alles passieren. Im schlechtesten Fall spuckt einen der Marathon am Streckenrand wieder aus.

Um dieses Szenario möglichst zu vermeiden, bereitet man sich typischerweise gewissenhaft über mehrere Monate auf das Abenteuer Marathon vor. Dabei übt man sich in Verzicht, Disziplin und Durchhaltevermögen, immer die Ziellinie vor dem inneren Auge.

So auch der Protagonist Simon aus Timo Mäkitalos Buch "Einmal Marathon", der aus seinem immer gleichen, von seiner Arbeit dominierten, Alltagstrott auszubrechen versucht. Da ist es nur passend, dass das Buch mit den Worten "Nur nicht nervös werden" beginnt.

Denn nervös werden kann man durchaus, sollte es bisweilen sogar, wenn man sich zum ersten Mal für einen Marathon anmeldet. Spannend und witzig beschreibt der Roman die Sicht auf uns Läuferinnen und Läufer aus dem Blickwinkel eines noch Außenstehenden, der sich erst in die Welt des Laufens einfinden muss. Aufregend ist dabei nicht nur der positive Wandel, den das Laufen in Simon verursacht, sondern ebenso die privaten Verstrickungen, die sich durch Simons Lebenswandel ergeben. Für ihn stellt sich die Frage, ob man wohl nach einem solchen Erlebnis wieder zurück in ein "normales" Leben finden kann.

Dessen Freundin Anna sträubt sich nämlich gegen den Marathon und das Laufen im Allgemeinen. Gerade deshalb muss auch sie sich aber die Frage stellen, was ihr Ziel im Leben ist. Passt es noch mit Simons zusammen?

Timo verbindet in seiner Erzählung das Marathonrennen mit der Lebensgeschichte seiner Protagonisten sowie philosophischen Abschnitten, die lesenswert für alle Laufenden sind. Beispielsweise steht es normalerweise für Optimismus, wenn es aufwärts geht. Nur wir Läuferinnen und Läufer haben es für eine schnelle Zeit lieber, wenn es möglichst flach ist.

"Einmal Marathon" - ein Roman, der dem Abenteuer Marathon Tribut zollt.

Gelesen und besprochen von Markus Heidl

Timo Mäkitalo: Einmal Marathon. Verlag: Books on Demand 2022. 290 Seiten, Paperback, 12,00 € inkl. MwSt. / portofrei
ISBN-13: 9783756256198

Prof. Weber and the Paderborn Model of Running Therapy

 

Das Buch "Prof. Weber and the Paderborn Model of Running Therapy" ist eine von zwei Neuerscheinungen zur Lauftherapie von Wolfgang W. Schüler, Lauftherapeut und Autor bzw. Herausgeber zahlreicher Bücher zum gesundheitsorientierten Laufen. Es handelt sich um eine Festschrift, gewidmet Professor Dr. Alexander Weber, der im Juni 2022 seinen 85. Geburtstag beging. Zuvor war ihm vom Forum für Sportgeschichte Berlin der Horst-Milde-Award verliehen worden. Dieser Ehrenpreis wird zur Würdigung besonderer Lebensleistungen für den Laufsport vergeben.

Der Autor setzt mit dieser Festschrift die Reihe "International Studies on Running Therapy" fort.

Der erste Band "Dr. Kostrubala and the Invention of Running Therapy" war 2020 als Festschrift zum 90. Geburtstag von Thaddeus Kostrubala, Wegbereiter der US-amerikanischen Lauftherapie, erschienen. Wie dort ist der Text des neuen Werks in den Sprachen Englisch, Spanisch, Französisch und Deutsch verfasst. Dadurch wird zum einen die Verbindung zwischen beiden Bänden deutlich, zum anderen wird so die internationale Bedeutung des von Alexander Weber entwickelten Paderborner Modells der Lauftherapie hervorgehoben. Gleichzeitig wird durch die Darstellung in vier Sprachen der internationale Austausch zum Thema Lauftherapie erleichtert. Optisch wird der Bezug zum ersten Band durch das sich ähnelnde Design hergestellt.

Im hinteren Teil des 208 Seiten umfassenden Buches hat der Autor eine Vielzahl von zumeist farbigen Fotos zusammengestellt. Dadurch erhalten die Leser nicht nur einen Überblick über das Schaffen von Professor Weber, sondern bekommen auch einen visuellen Eindruck vom Läufer und Menschen Alexander Weber. Anhand der Bilder wird zudem das Deutsche Lauftherapiezentrum e. V. (DLZ) vorgestellt, dessen Gründer und Leiter er war. Abgerundet wird das Buch von einer ausführlichen Bibliografie zu den Weber'schen Publikationen zur Lauftherapie und von einer Übersicht zu den Publikationen über Weber und das DLZ aus der Feder von Wolfgang W. Schüler selbst.

Zu Beginn seiner Ausführungen stellt Schüler die Laufanfänge von Alexander Weber und dessen Beweggründe dar. Weber, Pädagoge und Psychologe, der gerade die Dreißig überschritten hatte, lief zunächst aus gesundheitlichen Gründen. Mit der Zeit stellte er weitere Wirkungen des Laufens an sich fest: "Beim Laufen kamen mir gute Ideen zugeflogen", zitiert ihn Schüler.

Die vom Autor beschriebenen Laufanfänge Webers verdeutlichen, dass Selbsterfahrung und Reflexion den Anstoß für alles Weitere gegeben haben. Der Wissenschaftler Weber, seinerzeit Professor an der Gesamthochschule Paderborn, war neugierig geworden und begann Untersuchungen und Studien durchzuführen, um die Wirksamkeit des Dauerlaufs näher zu beleuchten. Dabei standen vor allem und erstmals die psychischen Aspekte im Fokus. Hervorzuheben sind die Untersuchungen an Volkslaufteilnehmern und Hausfrauen sowie die Studien zum Laufen mit Alkoholkranken und Psychosomatikern. Bei den Teilnehmern der Laufprogramme wurden beispielsweise weniger Angst, weniger depressive Gestimmtheit, größere emotionale Ausgeglichenheit, höhere Selbstachtung, ein günstigeres Selbstkonzept und größere Widerstandsfähigkeit in Stress-Situationen beobachtet. Es ist das große Verdienst von Weber, wissenschaftliche Belege für diese Wirksamkeiten des Laufens erbracht zu haben. Schüler wiederum stellt die Untersuchungsergebnisse in chronologischer Reihenfolge, prägnant und aussagekräftig dar.

Im Anschluss wird die Gründung des Deutschen Lauftherapiezentrums e. V. (DLZ) durch Alexander Weber und weitere Personen im Jahr 1988 (zunächst unter dem Namen Zentrum für Lauftherapie e. V.) beschrieben. Ein Institut, das sich den prophylaktischen und therapeutischen Möglichkeiten des Laufens widmete, gab es bis dahin in Europa noch nicht. An diesem Institut, beheimatet im ostwestfälischen Bad Lippspringe, wurden ab 1991 erstmals Lauftherapeuten ausgebildet und damit ein neues (neben-) berufliches Tätigkeitsfeld eröffnet.

Der Autor stellt ebenso dar, wie Weber und Mitstreiter das Paderborner Modell der Lauftherapie zu einer "Systemischen Lauftherapie" weiterentwickelten. Hierbei steht die ganzheitliche Gesundheitsvorsorge im Vordergrund. Neben Bewegung und gesunder Ernährung werden Entspannung und der Aufbau guter sozialer Beziehungen angestrebt. Gleichzeitig wurde das DLZ-Ausbildungssystem zu einer sog. "Lebensschule Laufen" erweitert, indem neben der Weiterbildung zum Lauftherapeuten auch solche zum Laufgruppenleiter und zum Laufpädagogen (Laufcoach) angeboten wurden.

 
Der Autor Wolfgang W. Schüler mit
seinen beiden neuen Werken
  Der Jubilar Prof. Dr. Alexander Weber, dem beide Bücher gewidmet sind

Die Festschrift "Prof. Weber and the Paderborn Model of Running Therapy" beschreibt ausführlich all diese Entwicklungen. Dabei gelingt es Wolfgang W. Schüler, die Leser mit auf diesen Weg zu nehmen. Als Insider des DLZ - dort ausgebildeter Lauftherapeut, langjähriger Dozent und Kommissionsleiter - liefert er Informationen aus erster Hand und schafft es, die Inhalte auch Außenstehenden nahezubringen, verständlich und klar strukturiert. Die Festschrift stellt nicht nur eine Zusammenfassung und Würdigung des Beitrags von Alexander Weber als Impulsgeber und Wegbereiter der Lauftherapie dar, sondern unterstreicht auch die Bedeutung seiner Erkenntnisse für die Zukunft. Nach dem Vereinsbeschluss zur Auflösung des DLZ im Jahr 2022 gewinnt das Buch umso größere Bedeutung, als es all dies in seinen verschiedenen Facetten dokumentiert, eine über 40 Jahre währende, erfolgreiche Entwicklungsarbeit festhält und dem "kollektiven Gedächtnis" zuführt.

Das Buch ist eine spannende und kurzweilige Zeitreise. Es ermöglicht eine selbstvergewissernde Rückschau und kann ebenso als Aufforderung zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Lauftherapie verstanden werden. Zu hoffen bleibt, dass der Weber'sche Funke noch auf viele überspringt. Es sieht ganz danach aus: mittlerweile gibt es in Deutschland mehrere Ausbildungsträger zur Lauftherapie.

Ich empfehle das Buch nicht nur allen ausgebildeten und in Ausbildung befindlichen Lauf- und Sporttherapeuten sowie Lauftreff- und Übungsleitern, sondern gerade auch all jenen Läufern, die am gesundheitsorientierten Laufen interessiert sind, ja vielleicht schon einmal überlegt haben, selbst an einem Weiterbildungskurs zum Lauftherapeuten teilzunehmen.

Gelesen und besprochen von Ralph Schmitt

Wolfgang W. Schüler (2022): Prof. Weber and the Paderborn Model of Running Therapy. Festschrift commemorating his 85th birthday in four languages: English - Español - Français - Deutsch (International Studies on Running Therapy, Vol. 2, edit. by Wolfgang W. Schüler). Hamburg: Verlag tredition (208 S.) - Hardcover ISBN 978-3-347-58670-3, Softcover ISBN 978-3-347-58666-6

 

Der Rezensent

Ralph Schmitt, geb. 1969, ist seit seiner Schulzeit Läufer. 2002/03 absolvierte er die Ausbildung zum Lauftherapeuten am DLZ. Er war leistungsorientierter Hobbyläufer (Marathonbestzeit von 2:37:18 Std) und läuft mittlerweile überwiegend zur Erhaltung seiner körperlichen und psychischen Fitness. Er hat Lauf(therapie)kurse mit Jugendlichen durchgeführt und richtet sein Augenmerk heute auf das Laufen im Sportunterricht. Er ist Schulleiter an einer Förderschule in Bayern.

299 schlaue Dinge über Sport die jedes Kind wissen sollte

 

Schlaues Wissen über Sport - nicht nur für Kinder
Witzige und nützliche Fakten und Anregungen liefert dieses Sportbuch: "299 schlaue Dinge über Sport, die jedes Kind wissen sollte" ist ein motivierendes Sammelsurium. Informiert wird in kleinen Beiträgen über bekannte und gänzlich unbekannte (und ausgestorbene) Sportarten, über Sportler*innen und Bewegungsspiele, die das Ausprobieren lohnen.

Erstaunliches können Kinder (und ihre Eltern) nachlesen. Beispielsweise hat 2015 Bahnradsportler Robert Förstemann ein Toastbrot im Toaster zu bräunen versucht, indem er auf dem Hometrainer Strom erzeugt. Er hat es geschafft, musste aber knapp zwei Minuten 700 Watt bringen - für Durchschnittsradfahrer eher nicht möglich. Und um ein Flugzeug zum Fliegen zu bringen, bräuchte es dann 43000 Roberts.

Besonders nett sind die Bewegungstipps: Da findet sich so manch ungewöhnliches Training, das auch in den Sportunterricht eingebaut werden könnte. Reizvolle Laufspiele können Motivation wecken. Informative Erklärungen beispielsweise den Disziplinen der Leichtathletik oder zu Ballsportarten gehören ebenso zum Inhalt wie Filmtipps.

Eine inspirierende Zusammenstellung, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene (darunter Trainer und Sportlehrer) gerne lesen werden.

Gelesen und besprochen von Birgit Schillinger

Andreas Beune: 299 schlaue Dinge über Sport, die jedes Kind wissen sollte.192 Seiten, Hardvover, Covandonga-Verlag 2021, 19,80 €, ISBN: 978-3-95726-042-0

 

Running forever
Wie Frauen zu lebenslangen Läuferinnen werden

Zwei Dutzend Läuferinnen haben für das im Frühjahr 2021 erschienene Buch "Running forever. Wie Frauen zu lebenslangen Läuferinnen werden" (Arete Verlag, Hildesheim) ihre Lauf-Lebens-Geschichte niedergeschrieben. Die Herausgeber:innen des Buches interessierte, wie die Betreffenden sich die Freude am Laufen bewahrt haben und zu welchen "Konzepten" lebenslanger Ausübung sie gekommen sind. Im LaufReport werden drei der 24 Beiträge vorgestellt.
  Buchbeiträge im LaufReport HIER

Ultramarathon & mehr

 

"Es ist kein Schiller und kein Goethe - es ist ein INGO". So das Originalzitat des Autors über das neue Werk, sein insgesamt 5. Buch und, wie ich meine, sein bisher bestes. Schulze gilt in Deutschland als Pionier im Organisieren von Mehrtagesläufen, die in der Fachsprache auch als Multi-Day-Races bezeichnet werden. So geht der erste gesamtdeutsche Deutschlandlauf 1998, 1225 km von Kap Arkona nach Lörrach, auf sein Konto. Ebenso der erste Transeuropalauf 2003 über 5036 km von Lissabon nach Moskau. Zwar erreichte die Hälfte der 44 Teilnehmer das Ziel am Roten Platz, aber dieses Monsterrennen war für ihn und Mitorganisator Manfred Leismann damals ganz klar ein paar Nummern zu groß. Es war eine Expedition, die sich permanent am Rande des Abgrunds bewegte. Der Rezensent, selbst Mitläufer und "Überlebender", ging damals mit beiden hart ins Gericht.

Auch sein Erstlingswerk (Transeuropalauf 2003, ISBN 3-937290-71-0) erntete, ob seiner dilettantischen Herangehensweise und Produktion in einem book-on-demand - Verlag (= Buch auf Bedarf) harsche Kritik, so dass er sich zu einer erheblich verbesserten Zweitauflage entschied (ISBN 3-86703-437-0). Schulze ging in sich und stellte (ohne Leismann) sechs Jahre später, sowie um die Erfahrungen der Organisation von 4 weiteren Deutschlandläufen reicher, mit dem 2. Transeuropalauf von Bari ans Nordkap (4488 km) ein nahezu perfektes Rennen auf die Beine, über das sogar ein Kinofilm mit dem Titel "I want to Run - das härteste Rennen der Welt" produziert wurde. Nun endlich auf Augenhöhe mit den Dimensionen und Herausforderungen eines derartigen Rennens angekommen, komplettierte er 2012 mit dem 3. Transeuropalauf und "bescheidenen" 4176 Kilometern von Skagen nach Gibraltar seine Transkontinentalen Eroberungen. Pionierleistungen ohne Zweifel, und die einzigen Wettkämpfe bisher, die den zweitkleinsten Erdteil auf dem Globus durchquerten. Auch hierüber publizierte er im Anschluss jeweils ein Buch (Transeuropalauf 2009, ISBN 978-3-86901-782-2 und Transeuropalauf 2012, ISBN 978-3-95488-207-6).

Auch als Aktiver ist Ingo Schulze, der sich selbst als "Ultraschlappschrittläufer mit der Beweglichkeit einer Eisenbahnschwelle" charakterisiert, kein unbeschriebenes Blatt. Unzählige Ultraläufe zieren seine Vita. Hervorzuheben sind dabei seine beiden Sololäufe durch Deutschland, 1983 durch die alte Republik und 1993 durch das wieder vereinte Deutschland, die jeweils einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde erhielten. Ab 1998 lösten seine Ambitionen als Organisator die Ultralaufkarriere weitest gehend ab und endete schließlich, als ihm 2011 ein Herzschrittmacher gesetzt wurde.

Warum nun dieses Buch? Das ich -interessanter Zufall- just an dem Tag anfing zu lesen, als die ARD in der Kultsendung "Druckfrisch" von Literaturkritiker Denis Scheck ein Interview mit dem vielfach ausgezeichneten Schriftsteller und Namensvetter Ingo Schulze ausstrahlte. Nach 21 Jahren und der Organisation von 18 Mehrtagesläufen mit einer Gesamtlänge von 24.578 km und 357 Renntagen, sowie etlichen Volks- und Stadtläufen, endete mit dem 3. Schwarzwaldlauf im Jahre 2018 auch Schulzes Karriere als Veranstalter. Sollten all die über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen als Ultralangstreckenläufer und Veranstalter in einer der untersten verstaubten Schubladen verschwinden? Wenn Läufer und Organisatoren auf diese Erfahrungen zurückgreifen könnten, ließen sich unnötige Fehler und Niederlagen vermeiden, so seine Motivation. "Das Rad muss nicht neu erfunden werden, aber man kann es weiter entwickeln" lautete sein Motto.

In dem Buch geht es im Wesentlichen um die Abläufe von Mehrtagesrennen aus der Perspektive des Organisators. Es geht um Stimmungsschwankungen der Protagonisten und der Betreuer. Unzählige Themen werden behandelt: Verkehrsrechtliche Anordnung, Ernährung, Kalorienverbrauch, Zustandekommen eines Mehrtageslaufes, Sponsoren und Presse, Doping bei Ultralangstreckenläufen, Notfallszenarien und vieles mehr. Schulze plaudert aus dem Nähkästchen. So erfährt der Leser zum Thema Schmiergeld in den osteuropäischen Ländern während dem 1. Transeuropalauf: Ich erkundigte mich beim Finanzamt Freudenstadt und wollte wissen, wie ich reagieren soll, wenn man Forderungen an mich stellt. Überraschend erklärte mir der Finanzbeamte, dass ich ohne Erfüllung dieser Forderungen nicht weit kommen werde. Ich durfte also die Händchen mit einigen Euros füllen. Musste dies aber unter Zeugen tun. Diese unterschrieben mir dann den entsprechenden "Schmiergeldbeleg".

Fragmentarisch geht der Autor auf verwandte Themen ein: Pionierveranstaltungen wie Marathon des Sables, Badwater-Race, Spartathlon; Tote beim Zugspitz-Extremberglauf; Frauenmarathon; Laufsucht; Alkoholgenuss beim Laufen; Vorstellung der Deutschen Ultramarathonvereinigung etc. Bei der Zusammenfassung der 3 Transeuropaläufe, wie auch bei einigen Spezialthemen, lässt er Gastautoren zu Wort kommen. Beeindruckend das Statistikwerk! Eine Aufstellung aller bisher 13 Transkontinentalläufe, vom Bunion Derby 1928 (Los Angeles - New York über 5506 km) bis zum Trans Europe Foot Race 2012 (Skagen - Gibraltar über 4176 km) und sämtlicher Finisher -insgesamt 8 Frauen und 181 Männer, sowie total 239 Zieleinläufen (inkl. erfolgreicher Mehrfachteilnahmen) -, Ausfallquoten, Namen der Veranstalter. Es folgt eine Vorstellung aller bekannten Weltläufer, also Menschen, die den Globus zu Fuß umrundet haben. Das sind immerhin 6 Männer und eine Frau.

Sämtliche Deutschlandläufe von 1975-2017, 22 an der Zahl, porträtiert Schulze nach 5 Kategorien: Alleingänge, Abenteuerlauf, Wettkampf, Gruppenlauf, Staffellauf. Eine enorme Fleißarbeit des Autors! Natürlich alles ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Gewähr. Übrigens stehen die Nachfolger von Schulze schon in den Startlöchern. Oliver Witzke hat für 2022 das Race Across Europe - von Tallinn nach Lissabon/4750 km in 64 Tagen - ausgeschrieben. Und Thomas Dornburg, der 2021 bereits erfolgreich einen Deutschlandlauf von Flensburg nach Lörrach realisierte, denkt an einen Transeuropalauf light, von Bremen nach San Marino, 2247 km in 41 Tagesetappen.

Wer nach so viel Ultra und Zahlenspielerei einen Themenwechsel braucht, dem sei Ingo Schulzes 4. Werk empfohlen: "Passagier auf einem Frachtschiff" (ISBN 978-3-95488-492-6). Dieses Buch hat mit der Lauferei absolut nichts zu tun. Es beschreibt die Erlebnisse des Autors während einer 49-tägigen Reise als einziger Passagier auf einem Containerschiff nach Südamerika im Jahre 2013. Denn in seinem ersten Leben fuhr der gebürtige Hamburger, der mit seiner Familie seit 1985 in Horb am Neckar lebt, als Schiffskoch zur See.

Gelesen und besprochen von Stefan Schlett

Ingo Schulze: Ultramarathon & mehr - Laufen ohne Grenzen, Engelsdorfer Verlag
211 Seiten, 18.- Euro, ISBN: 978-3-96145-769-4

… auf den letzten Metern. Momente des Zieleinlaufs

 

Wir Läufer:innen kennen sie: die letzten Meter, die uns klein oder groß machen - vor anderen, vor allem aber vor uns selbst. Jene Meter, die darüber entscheiden, ob wir einen Lauf als Erfolg oder Misserfolg werten. Liegen wir unter, auf der Höhe oder über unseren Erwartungen? Laufen wir zweifelnd oder gewiss, enttäuscht, zufrieden oder beglückt dem Ziel entgegen?

Wie Läufer:innen die letzten Meter erleben, was sie auf ihnen fühlen, denken und tun, fächert die neue Textsammlung von Detlef Kuhlmann auf. Zu 200 Seiten hat er 50 literarische Texte zusammengetragen, die er Laufbüchern wie auch Romanen entlehnt. Hier und da ein Gedicht, überwiegend aber Erzählungen, Auszüge aus längeren Abhandlungen. Geschickt portioniert.

Lang genug, um als Leser:in nicht nur in die Dramatik des "Endspurts" hineingezogen zu sein, sondern sich vorab auch der Dramaturgie des Laufs vergewissern zu können. Kurz genug, um konzentrierte Spannung zu erleben, die wie ein Sog wirkt: Man möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, stattdessen immer weiterlesen, von Lauf zu Lauf.

Ob nun Laufanfänger:innen, erfahrene Läufer:innen oder gar Olympioniken berichten …, ob sie zu einem Trainings-, Volks- oder Meisterschaftslauf aufbrechen …, ob sie die 1.500 oder 5.000 m, den Halb- oder Marathon, 100 Meilen oder den Spartathlon zurücklegen …, gar untertage eines Bergwerks, in der Hitze Afrikas oder in der Eiseskälte Sibiriens laufen - alle Beiträge nehmen uns mit auf die Strecke, lassen uns Höhen und Tiefen des Laufs miterleben, uns unweigerlich mitfiebern und mitbangen, ja mitleiden und mitfreuen. Sofort fallen einem jene Läufe ein, bei denen es einem selbst so oder ähnlich ging.

Wer kennt sie nicht - Aussagen wie "Mein Körper schien kurz davor zu sein auseinanderzufallen." (Haruki Murakami) "Jede Muskelanspannung fühlte sich an wie ein Hammerschlag." (Tom Ockers) "Ich will das erste Mal in meinem Leben einen Lauf abbrechen." (Sandra Mastropietro) "Tränen laufen über mein Gesicht, … Tränen der Angst, der Wut und der Verzweiflung." (Iris Gehrmann) "Fuck." (Ina Lange) "Jeder Meter ein Kampf gegen das Aufgeben." (Klaus Weidt) "Hinsetzen darf ich mich jetzt nicht, sonst komme ich nicht mehr hoch." "Die Gedanken zerfasern." (Marcus Pinsker) "Ich laufe wie in Trance." (S. M.) Aber auch: "Ich kann mir gut vorstellen, wie es mir in der nächsten Woche ging, wenn ich jetzt aufhörte: Ich würde mich hassen." (Mark Rowlands) "Es machte mich zur Heldin …, dass ich den Schmerz überwand." (Kathrine Switzer) "Ich entwickle plötzlich ungeahnte Kräfte." (S. M.) "Die Mauer." "Der zweite Wind". (Ulrich Pramann) "Bloß nicht übermütig werden." (Joschka Fischer)

Und wer Gegner bezwingen muss: "Ich werde ihnen weglaufen, sagt mein Film." (Dieter Baumann) "Einmal ließ ich ihn absichtlich zwei Meter von mir davonlaufen und wechselte dabei blitzschnell auf die rechte Seite. (…) Er verdrehte sich beinahe den Hals, ohne mich zu erspähen. In dem Moment lief ich rechts an ihm vorbei." (Waldemar Cierpinski)

Dann, mit der Ziellinie vor Augen: "Meine Spurtkraft reicht nicht mehr aus." (D. B.), "torkelte ich mehr …, als dass ich lief." (Norbert Schläbitz) "Wo kommt denn diese Kraft für den Endspurt plötzlich her?" (Isabel Bogdan) "Gänsehaut am ganzen Körper". (Hubert Karl) "Sicher lächele ich ein bißchen gepeinigt." (U. P.) "Hinein ins schäumende Überlauf-Becken der Endorphine." (Andrea Wechsler)

Im Ziel: "Auf einmal ist alles still." (Heidi Schmitt) "Das Ziel verfehlt." (Alexander Weber) "Selbstmitleidstränen". (Günter Herburger) "Es hat nicht gereicht, ich bin Vierter." (D. B.) "Bittere Enttäuschung". (H. K.) "Ich hatte es geschafft. … Ich war der glücklichste Mensch der Welt." (Philipp Jordan), "überglücklich - aber auch ein bißchen leer." (Klaus-Rainer Martin) "Ich habe es geschafft. Ich kann alles schaffen." (I. B.) "Dankbarkeit erfüllt mich, dieses Abenteuer erlebt zu haben." (K.-R. M.)

"Erst nach dem Zieleinlauf registriert man, was gerade passiert ist", resümiert Christian Bruns, und Matthias Politycki meint: "Eine Niederlage zu verkraften, ist schwer; ein Ziel erreicht zu haben, ist schwerer." "Raus aus der Performance-Falle" (Hajo Schumacher) lautet ein neuer Vorsatz und "Ich befand mich in einer handfesten Laufkrise" (A. W.) ein Eingeständnis. Werner Sonntag beruhigt: "Von Lauf zu Lauf wächst du."

Man möchte am liebsten jede:n Autor:in nennen und zitieren, ob Bernd Stelter, Matthias Brandt, Volker Schlöndorff, Heinz Florian Oertel, Manfred Steffny, Ronald Reng, Gerhard Uhlenbruck und wie sie alle heißen. Das Buch liest sich als ein "Best of", sprachlich von stets hoher Qualität. Es bietet beste, da spannende Unterhaltung. Es lässt uns teilhaben an den Laufstrategien und -manövern seiner Protagonist:innen und eröffnet dadurch vielseitige Vergleichsmöglichkeiten und Erkenntnisgewinn. Hier und da kommt ein Beitrag verschmitzt daher, auch mal fiktiv, aus der Sicht des Reporters und Zuschauers, philosophisch exkursiv oder analytisch.

Nachdem ich das Buch in einem Rutsch gelesen hatte, ging es mir wie der TV-Moderatorin Katrin-Müller-Hohenstein - die das Vorwort geschrieben hat - nach einem ihrer Läufe: "Ich bin erschöpft aber glücklich." Ein gutes Zeichen!

"… auf den letzten Metern" ist mit einem schön gestalteten, stabilen Klappumschlag versehen. Das Coverfoto zeigt die letzten Meter des Berlin Marathon ab dem Brandenburger Tor. Wer die ins Ziel strebenden Läufer:innen genauer anschaut, ihre Körperhaltungen und Gesichtsausdrücke, weiß bereits um die Vielfalt erlebbarer "Momente des Zieleinlaufs" (Untertitel).

Gelesen und besprochen von Wolfgang W. Schüler

Detlef Kuhlmann (Hrsg.): "… auf den letzten Metern. Momente des Zieleinlaufs". Eine Anthologie. Arete Verlag Hildesheim, 2021, 200 S., 20,00 €, ISBN 978-3-96423-058-4

 

Der Herausgeber

 

Dr. Detlef Kuhlmann ist Professor am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Er gehört zu jenen, die nicht nur lehren, forschen und publizieren, sondern sich auch um Transfers der Theorie in die Praxis kümmern. Als Läufer hat er jeweils Dutzende Male am Berlin-Marathon und Hermannslauf teilgenommen. Ein "Steckenpferd" ist seine Vorstellung und Herausgabe literarischer Bücher zum Laufen. 1990 hob er den Literarischen Berlin Marathon aus der Taufe, den er seitdem als kulturelle Anreicherung des Rahmenprogramms dieses Laufs moderiert.

Foto © Horst Milde  

Bitte laufen Sie rechts ran!

 

Träume eines Läuferlebens

Der Autor Markus Heidl ist LaufReport-Lesern bekannt durch seine Reportagen über Laufveranstaltungen und seine Kolumne Pro & Kontra. Während seines Studiums entdeckte der promovierte Ingenieur seine Liebe zum Laufsport und seine Neigung, darüber zu schreiben. Den Veröffentlichungen in seinem Blog "laufen hilft!" und bei LaufReport folgen nun 31 Geschichten auf rund 300 gedruckten Seiten. Ein Buch zu schreiben war ein lang gehegter Wunsch des Autors, nun hat er ihn sich erfüllt. Gewinner seines Fleißes sind die Leserinnen und Leser, die sich bequem an den kurzweiligen, fantasievollen, manchmal lehrreichen und immer unterhaltsamen Storys bereichern können. Ja, bereichern, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis des Buches ist hervorragend.

"Eins, zwei, Polizei!", "Drei Hunde", "Die Initiative gegen mickrige Muskeln", "Muss mein Essen super sein?", "Laufen mit Köpfchen" - alle Geschichten sind knapp gehalten. Die etwas umfangreicheren sind geschickt unterteilt wiedergegeben. Wobei die wie ein Krimi anmutende Erzählung über die Erlebnisse der Läuferin Kaisa Disziplin abverlangt, will man nicht die fünf Teile am Stück konsumieren. Dabei scheint nichts dagegen zu sprechen, die vorgegebene Abfolge der Geschichten nicht einzuhalten und ganz nach Lust und Laune den Tag mit einer oder gleich mehreren ausklingen zu lassen.

Mehrheitlich werden die Leserinnen und Leser aber wohl der Vorgabe des Autors folgen. Bestimmt hat Markus Heidl die Reihenfolge der Storys genau bedacht. Oder nicht? Und was ist ihm bei der Leistungsläuferin Kaisa durch den Kopf gegangen? Diese Geschichte geht mir beim Joggen durch den Kopf. Hat das ambitionierte Lauftraining nicht auch etwas Zerstörerisches, etwas von Grenzen überschreiten und einer Verbissenheit, ohne die man das Optimale nicht erreicht?

Das Buch ist ideenreich und anregend. Mal ändert der Autor den Stil, überrascht gar mit eingestreuten Gedichten. Mal lässt er seiner Fantasie und seinen Träumereien freien Lauf, mal schildert er wahre Begebenheit, erzählt detailliert etwa von seinen Angriffen auf schnellste bekannte Zeiten. Er thematisiert Doping, Ernährung und Trainingslehren. Dabei wird er nie aufdringlich, beschreibt immer im Bewusstsein, sich auf eigene Erfahrungen und auf persönliche Meinung zu beziehen.

Sportlich ist Markus Heidl ein "Regiostar", einer der sich regelmäßig einen Platz auf dem Siegertreppchen bei Volksläufen erobert. Dafür braucht es Talent und Trainingsfleiß sowie die richtige Herangehensweise. Dies alles bringt der Autor mit, dessen Sympathie allen Läuferinnen und Läufern gilt. Wer sich vom Sofa auf und in die Laufschuhe schwingt, wenigstens erwägt damit zu beginnen, wird sich von den Geschichten genauso angesprochen fühlen, wie langjährige Laufcracks, die das Beschriebene kennen: sich überwinden loszulaufen, die wunderbaren Momente in Wald und Flur, die überraschenden Begegnungen, das erweiterte Bewusstsein.

Dem Autor gelingt es zu unterhalten, zu informieren und zum Laufen zu motivieren. Das Buch endet mit 15 Laufregeln, auch diese kompakt vorgetragen und zum Inhalt verknüpft. Noch näher auf die Kurzgeschichten einzugehen verbietet sich. Wer wollte schon in einer Rezension erfahren, wer der Mörder ist. Es geht zwar nicht um einen Krimi, aber zu viel über den Inhalt verrate ich nicht.

Gelesen und besprochen von Walter Wagner

Markus Heidl: Bitte laufen Sie rechts ran! Träume eines Läuferlebens! Verlag: Books on Demand 2021. 306 Seiten, Paperback, 11,99 € inkl. MwSt. / portofrei
ISBN-13: 9783753424170

Running forever.

Wie Frauen zu lebenslangen Läuferinnen werden

 

Ein Laufbuch mit demselben Haupttitel (Running forever), jedoch mit dem Untertitel "Das Geheimnis lebenslangen Laufens", war 2017 erschienen. Die hier vorliegende aktuelle Anthologie ist jedoch keine bloße Fortsetzung oder Ergänzung zum damaligen Konzept, es ist vielmehr eine Präzisierung und Konzentration auf ein Defizit in der Laufliteratur. Im und für den Laufsport engagierte Frauen sprechen von ihren langjährigen Lauferfahrungen. Das zugrunde liegende Konzept der Herausgeber aus dem vorangegangenen Buch in Form einer Art Gliederungsvorgabe der Beiträge ähnelt allerdings, es hatte sich bewährt. Dazu gehörte auch, dass die einzelnen Beiträge vier bis sechs Seiten möglichst nicht überschreiten sollten.

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Ride inside: Radfitness zu Hause aufbauen

  Radfahrtraining im Winter? Bis man unter der Woche nach Hause kommt, ist es dunkel und am Wochenende passt das Wetter auch nicht immer. Da gerade alle Fitness-Studios geschlossen sind, könnte man auf die Idee kommen, sich einen Rollen- oder Smarttrainer (irgendetwas, mit dem man zu Hause radeln kann) zuzulegen. Ja, wenn da nicht noch viele andere auf diesen Kaufgeschmack gekommen wären. Radtrainer sind fast überall ausverkauft. (Es wird sogar schon vor Betrügern im Netz gewarnt, die im Internet solche Teile anbieten, Geld kassieren und nicht liefern.) Aber wer in der glücklichen Lage ist, so ein Indoor-Trainingsgerät zu besitzen, der freut sich auch über ein paar Anregungen, denn das schlichte Radeln ist doch sehr eintönig. Und wie man sich auch denken kann, bringt es viel mehr, wenn man gezielt die Belastungen variiert.

Radsport- und Triathlon-Coach Joel Friel (einer der ersten, der Bücher über wattbasiertes Radtraining geschrieben hat) zeigt in seinem Ratgeber "Ride Inside", wie man aus dem Heim-Radeln ein effektives Training machen kann.
Schon nach dem ersten Blick ins Buch bekommt man Lust, auf die Rolle (oder ähnliches) zu steigen. Die Vorteile sind überzeugend:

Größer ist da schon die Qual der Wahl, was das richtige Trainingsgerät betrifft. Friel erklärt die Besonderheiten der verschiedenen Modelle - von der Rolle über den Smarttrainer bis zum Spinningrad im Fitness-Studio. Hier hätte ich mir ein paar Fotos dieser Modelle gewünscht. Auch bei dem Trainingsteil wären beispielsweise Tabellen und konkrete Wochenpläne hilfreich gewesen, die auf den schnellen Blick nutzbar sind. So aber muss man die Trainingsanleitungen aus dem Fließtext herauslesen.

Hilfreich sind die Anregungen, öfter Sprints und harte Intervalle einzubauen, denn dafür ist das Indoor-Cycling ideal. So kann die persönliche Belastungsgrenze in höhere Bereiche verschoben werden - was ja sonst draußen eher nur bei guten Bedingungen gelingt.
Auch die Möglichkeiten, virtuell Klassiker wie den Anstieg nach Alpe d`Huez zu erklimmen oder online gegen andere ein Rennen zu fahren, sind sicher neue Herausforderungen, die das Training bereichern.

Fazit: Ein motivierender Ratgeber für Einsteiger, der jedoch noch konkreter hätte sein können.

PS1: Joe Friel ist eine Trainer-Legende und hat durch seine Erfahrungen sowie seine Bereitschaft, neue Trends aufzugreifen, viele Fans. Sein Ratgeber "Schnell + fit ab 50: Wie Sie noch viele Jahre erfolgreich trainieren und Wettkämpfe bestreiten" hat mir bisher am besten gefallen, denn er ist ebenfalls sehr motivierend, liefert aber mehr einfach umsetzbare Trainingstipps - für leistungsorientierte Senioren.

PS2: Könnte man nicht die beim Radeln erzeugte Energie sinnvoll nutzen? Vielleicht, um den Wasserkocher zu aktivieren? So verlockend das klingt, so frustrierend ist die Wattleistung, die der Mensch schafft: Für einen Wasserkocher (2400 Watt) müssten schon sechs leistungsstarke Radfahrer ordentlich in die Pedale treten. Als Freizeitsportler schafft man beim Training eher nur 200 Watt - da läuft die Waschmaschine (2300 Watt) aber nicht rund…

Gelesen und besprochen von Birgit Schillinger

Joe Friel & Jim Rutberg: Ride inside. Kartoniert, Paperback, 224 Seiten, 17,80 €. Verlag Covadonga, Ersterscheinung 1.12.2020, ISBN: 978-3-95726-047-5

Füße gut, alles gut

Ein ganzes Buch über die Ferse? Ja, es ist schon sehr beeindruckend, was es zum Thema Ferse zu wissen gibt. Viele Läufer haben irgendwann einmal ein Problem mit ihren Füßen, sei es in Form eines Fersensporns oder einer Achillessehnenentzündung.

Carsten Stark ist Fußspezialist, hat eine Praxis in München und in der Schweiz. Seine langjährige Erfahrung mit "therapiefrustrierten" Patienten hat ihm gezeigt, dass es - leider - die eine einzige Lösungsmethode nicht gibt. Er verfolgt konsequent einen ganzheitlichen Ansatz. Natürlich spielen die Körperhaltung beim Gehen, der Gang (Vorderfuß oder Ferse) und die Schuhe eine Rolle. Aber Carsten Stark bringt auch die Psyche, Hormone und die Körperspannung ins Spiel.

Er empfiehlt, sein Buch von vorn bis hinten zu lesen und nicht gleich zum praktischen Teil zu springen. Das ist richtig, denn die Zusammenhänge sind sonst nicht verständlich. Gegen Ende kommen dann die konkreten Tipps: Übungen, die die Muskulatur stärken oder entsprechende Sehnen dehnen, sowie Checklisten, was bei welchen Problemen überprüft werden sollte.

Auch wenn es DAS Allheilmittel nicht gibt, erfährt der Leser/Läufer viele Tipps, wie er seine Gewohnheiten auf den Prüfstand stellen und ändern kann.

Auch "Das Buch für den Hallux" betrachtet das Problem von vielen Seiten. Der Fußspezialist macht nicht nur die Anatomie zum Thema, sondern beispielweise auch den Stoffwechsel und die emotionale Einstellung zu den Füßen. Auch hier ist es nicht einfach mit Gesundheitsschuhen, Barfußlaufen oder einer Hallux-Schiene getan. Es gilt den Hallux valgus, dem Hallux rigidus und dem Hallux limitus zu unterscheiden. Durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen kann das jeweilige Hallux-Problem behandelt werden.

Sein Motto ist "Füße gut, alles gut". Letztendlich geht es darum, die Füße stark zu machen. Da finden sich in beiden Ratgebern viele nützliche Fakten und Anregungen.

Gelesen und besprochen von Birgit Schillinger

Carsten Stark: Das Buch für die Ferse. Suedwest Verlag, 2020, 189 Seiten, 20 Euro, ISBN-13: 9783517098647

Carsten Stark: Das Buch für den Hallux - Füße gut, alles gut, 160 Seiten, 17 Euro,
ISBN-13: 9783517095264

Onkel Johannes Kurzgeschichte aus Kindertagen...

  ... die im Januar 1996 entstand und im Mai und Juni 2020 durch eine Läufererinnerung ergänzt wurde: Man kann die ursprüngliche Kurzgeschichte auch am Stück lesen, indem man die kursiv geschriebenen Läuferteile jeweils übergeht. Die Mühle von Sanssouci war wirklich in meiner Kindheit ein mystischer Ort, von dem ich annahm, dass es ihn in Wirklichkeit nicht geben würde. Poetisches von Günter Krehl HIER

Einzigartige Dokumentation: aus den Anfängen der modernen Laufbewegung in den USA

 

Mit dieser Festschrift macht Lauftherapeut Wolfgang Schüler seinem Freund und Kollegen Dr. med. Thaddeus Kostrubala zu dessen 90. Geburtstag ein persönliches Geschenk. Der so geehrte Jubilar ist ein US-amerikanischer Psychiater und berühmt geworden durch sein unermüdliches Engagement, lauftherapeutische Erkenntnisse und Verfahren in der Medizin und generell für gesundheitliche Prävention zu nutzen und zu institutionalisieren.

Es ist ein in mehrfacher Hinsicht interessantes Buch geworden. Schüler beschreibt hier eindrucksvoll das bewegte Leben eines Mediziners auf seinem Weg von einer sehr erfolgreichen traditionellen Berufslaufbahn hin zu einer ganz anders gearteten beruflichen Karriere und Lebensform. Kostrubala entwickelt in den 1970er Jahren oder besser, er entdeckt ungemein positive lauftherapeutische Effekte und integriert sie als eine wirksame Behandlungsmethode bei seinen Psychiatriepatienten.

Doch zunächst: Wenn man das Buch - hier Paperback-Ausgabe - in die Hand nimmt, fasst es sich angenehm, stabil und professionell hergestellt an, das Deckblatt ist farbig, man wird von einem freundlichen älteren Herrn angeschaut und neben dem Foto steht der Titel des Buchs in englischer Sprache (s. o.). Für den interessierten deutschen Käufer mag dieser Umstand erst einmal ungewöhnlich erscheinen, das Buch könnte evtl. durchgehend in englischer Sprache gehalten sein, doch bei genauerem Hinsehen wird klar, die deutschsprachige Laudatio ist in 3 weitere Sprachen übersetzt und in das Buch übernommen: Englisch, Spanisch und Französisch. Plausibel wird diese Vorgehensweise, wenn man Bezug nimmt auf Kostrubalas' außerordentlich erfolgreiches Buch "The Joy of Running" (Philadelphia, New York 1976). Schüler schreibt: "… es wurde in Mexiko, Italien, Australien / Neuseeland und Japan aufgelegt. Bis heute hat es schätzungsweise 1 Million Käufer gefunden." (S. 127) Kostrubala hatte eine internationale und damit vielsprachige Leserschaft gewonnen, sein Name hat immer noch nicht nur in Fachkreisen Strahlkraft und Bedeutung.

In der konzeptionellen Gestaltung des vorliegenden Buchs verwendet Schüler ein weiteres hier stimmiges Medium. Nach den Texten schließt sich noch ein knapp 30-seitiger Part farbiger und zum Teil ganzseitiger, zumeist bisher unveröffentlichter Fotos an. Sie spiegeln das läuferische Leben und lauftherapeutische Wirken eindrucksvoll und lebendig wider. Diese Foto-Vita ist ein besonders schöner redaktioneller Einfall. So rundet sich das konzeptionelle Erscheinungsbild des Buchs.

 

Das Entscheidende ist jedoch die Darstellung und Würdigung des unruhigen, neugierigen, unkonventionellen, von Erfolgen und Misserfolgen geprägten Lebens einer visionären Persönlichkeit. Der Leser spürt förmlich, wie Schüler, selbst in Deutschland tätiger Lauftherapeut, mit Hingabe, Bewunderung und Faszination nachzuvollziehen versucht, welche Motive und Umstände letztendlich diese Laufbiographie bestimmt haben.

Wolfgang W. Schüler und Dr. Kostrubala in Santa Fe,
New Mexico, im Sommer 2012

Eine eindimensionale Antwort kann es nicht geben, aber die vielen von Schüler sorgfältig recherchierten Daten und Ereignisse aus seiner privaten und beruflichen Lebensgeschichte lassen die allmähliche aber konsequente Spur einer Abkehr von einmal gelernten Kenntnissen und Standards erkennen hin zu einer mehr erfahrungsgeleiteten Sichtweise im beruflichen Handeln. Bewegung wird zu einem bedeutenden Prinzip, die Arbeit zwischen Patient und Arzt verlagert sich weg vom räumlichen Drinnen in das natürliche Draußen. Ein derartiger Ansatz war revolutionär in den USA jener Jahre.

Mit Ende 30 Jahren hatte Dr. Kostrubala in Chicago bereits eine beruflich-bürgerliche Existenz geschaffen (anspruchsvolle Praxis, berufliche Reputation, teure Sportwagen, teures Boot usw.), die ihn aber in anderer Hinsicht einen hohen Preis kostete, sowohl körperlich (stark übergewichtig) als auch seelisch (ausgebrannt). Das sogenannte "gute Leben" hatte sich als falsch erwiesen. Er verließ Chicago, führte jedoch seinen hohen beruflichen und ökonomischen Lebensstil vom Prinzip her weiter, seine Lagebefindlichkeit verbesserte sich allerdings nicht.

In dieser Situation vertraute er sich einem Herzspezialisten an, der statt Tabletten und /oder Apparatemedizin hauptsächlich Bewegung als Behandlungsverfahren praktizierte, damals ein sehr ungewöhnlicher Zugang. Auch Kostrubala blieb skeptisch, doch er partizipierte mit anderen Herzpatienten über längere Zeit an einem Laufkurs. Die verblüffenden Erfolge blieben nicht lange aus, die eigene Laufleistung und die der Gruppenmitglieder verbesserten sich kontinuierlich, das Körpergewicht nahm ab, die seelischen Verstimmungen wurden seltener und schwächer. Welch eine existenzielle Erfahrung! Sein Entschluss nach dem Kurs stand fest: Weiterlaufen und Integration in das eigene ärztliche Praktizieren.

In Folge (ab 1973) stellte er Laufgruppen besonders schwieriger Psychiatriepatienten zusammen, begleitete und beobachtete deren Laufverhalten, verfolgte und maß die jeweiligen Effekte bzw. Fortschritte mit entsprechenden Untersuchungs- und Testverfahren. Erfolge waren auch hier zu verzeichnen. In der psychiatrischen Zunft brachte es ihm keine größere Aufmerksamkeit ein, die Theorien und Praktiken der Psychoanalyse und ihrer Weiterentwicklungen waren und blieben Maßstab psychiatrischen Handelns. Kostrubala gab nicht auf, im Gegenteil, er war überzeugt, die Kombination von Laufen, therapeutischem Gespräch und maßvoller Medikation (in dieser Rangfolge) machten den Erfolg seiner spezifischen Arbeit aus.

Das Phänomen Laufen (über längere Strecken) und seine immer wieder erstaunlichen Wirkungen nahmen für Kostrubala einen immer größeren Stellenwert an. Mit Versuchsanordnungen z. B. führte er weitere Forschungen, unter anderem an einer Universität und Schule durch, wiederum waren die Ergebnisse bemerkenswert insofern, als er bei den Schülern einen Zusammenhang von Laufen und positiven Veränderungen im Verhalten und in den Schulleistungen nachweisen konnte.

Dr. Kostrubala wurde immer bekannter in der Öffentlichkeit, der Kreis der Interessenten an seiner Arbeit und die Zahl der Läufer bei seinen Laufangeboten expandierte, er kooperierte mit bekannten Marathonläufern, seine Laufaktionen stießen auf immer größer werdende Resonanz. In dieser Zeit Mitte bis Ende der 1970er Jahre hatte er viele Erfahrungen, Fakten und Ergebnisse gesammelt, er veröffentlichte und hielt Vorträge, mehr noch, er schrieb sein berühmt gewordenes Buch "The Joy of Running", das 1976 erschien. Hier wurde erstmalig insbesondere die psychologisch-psychiatrische Bedeutung der lauftherapeutischen Wirkungen gewürdigt, Laufen als Therapie, als ein neuer wissenschaftsbezogener Ansatz vor dem Hintergrund seiner signifikanten Erfahrungen. Diese Thematik ließ ihn nicht mehr los; wie könnte eine Weiterentwicklung gestaltet werden, wie könnte z. B. eine Professionalisierung von Personal, von Lauftherapeuten aussehen, welche fachlichen Qualifikationen und welche Eigenschaften wären erforderlich, aus welchen traditionellen Berufsfeldern wären sie zu rekrutieren, wie viel Lauferfahrung sollten sie idealerweise mitbringen? Anspruchsvolle Fragen, die nicht leicht zu beantworten und in die Realität umzusetzen waren.

Zunächst folgte 1980 ein anderer bedeutsamer Schritt: Zusammen mit seiner Frau, einer klinischen Psychologin und einem Psychiaterkollegen gründete er 1980 in San Diego ein Institut, das ausschließlich an die Belange und die Fortentwicklung von Lauftherapie ausgerichtet war, die "International Association of Running Therapies" (IART). Kostrubala versprach sich einen neuen Aufbruch seines beruflichen Wirkens; die Vielfalt seines Engagements und seiner Ideen wurden mehr und mehr zu einem full-time-job, bis ein unfallbedingter schwerer Knieschaden seine Träume einer Etablierung der Lauftherapie in der Medizin und der Gesundheitsprävention zunichtemachte. Er war gezwungen, in seinen ursprünglichen Beruf als Psychiater zurückzukehren. Der Verzicht aufs Laufen muss für ihn eine große Enttäuschung gewesen sein und für die Weiterentwicklung des Laufgeschehens war es ein herber Verlust. Schüler resümiert: "Es gehört zu den Merkwürdigkeiten in den USA, dass es … keinen ernsthaften Versuch mehr gab, Lauftherapeuten auszubilden. (S. 137).

Man kann Kostrubala, sein Wirken und seine Verdienste als einen Meilenstein in der Geschichte des Laufens bezeichnen, wenn der Vergleich erlaubt ist. Er ist der Pionier und Visionär der großen Idee eines neuen, modernen und wirkungsvollen Therapieansatzes. Er ist dabei eine lebensbejahende, zugewandte, freundliche, neugierige, kluge, wissbegierige, bewegliche und in all diesen Eigenschaften eine erfolgreiche und bekannte Persönlichkeit geblieben, so berichtet Schüler nach seinem Besuch in den Staaten. Dr. med. Kostrubala wird an seinem Geburtstag im September 2020 auf ein pralles, variantenreiches und erfülltes Leben zurückschauen können. Die Leser/innen des ihm gewidmeten Buches erwartet eine spannende Lektüre.

Gelesen und besprochen von Dr. Arwed Bonnemann

Wolfgang W. Schüler: Dr. Kostrubala and the Invention of Running Therapy. Festschrift commemorating his 90th birthday in four languages: English - Español - Français - Deutsch (International Studies on Running Therapy, Vol. 1). Hamburg: Verlag tredition 2020, 186 Seiten, Paperback, 14,80 €uro, ISBN: 978-3-347-04477-7

Der Rezensent
Dr. phil. Arwed Bonnemann, geb. 1938, Dipl.-Psychologe, ehem. Leiter des Zentrums für Hochschulforschung und Qualitätssicherung an der H. Schmidt Universität Hamburg; Läufer seit Ende der 1970er Jahre, über 100 (Ultra-) Marathonläufe; Autor, Mitherausgeber des Buches "Laufen und Lauft

Grundlagenwerk zum Thema "Dehnen"
... räumt auch mit Irrtümern und Mythen auf

Erkenntnisse aus zwanzig Jahren Forschungsarbeit

Wer hätte es gedacht, dass man mit dem Thema "Dehnen" ein großformatiges Buch von annähernd 500 Seiten füllen kann? Mit einem Thema also, das in den letzten Jahren differenziert diskutiert und bewertet wurde, um das sich Mythen und Irrtümer bildeten, aber bei Langläufern immer schon eher ein Schattendasein führte als dass es im Zentrum stand.

 

"Optimales Dehnen" ist der Titel des jetzt im Spitta Verlag erschienenen Buches, dass das Zeug hat, ein Standardwerk zu werden, wenn es dies nicht schon ist. Autor des Buches ist der Universitätsprofessor Jürgen Freiwald, dessen Arbeitsbereich am Sportwissenschaftlichen Institut der Uni Wuppertal die Bewegungs- und Trainingswissenschaft ist. Gleichzeitig leitet er dort das Forschungszentrum für Leistungsdiagnostik und Trainingsberatung. Neben zahlreichen Aufsätzen veröffentlichte er Bücher zu Themen wie Rehabilitation nach Sportverletzungen, zur Kraftausdauer zum Bewegungsapparat. Zentral beschäftigt er sich seit über zwei Jahrzehnten mit Dehnen, Gelenkigkeit, Faszien und Gewebestruktur. Aus dieser Arbeit ging schon 2007 die erste Auflage des hier anzuzeigenden Buches hervor, das 2013 eine zweite Auflage erlebte.

Für die nun vorgelegte dritte Auflage mit dem Untertitel "Sport, Prävention, Rehabilitation" wurde das Werk vollständig überarbeitet und erweitert. Die wichtigste aber nicht einzige Neuerung ist das Kapitel "Faszientraining und Physiologie", womit einem aktuellen Thema Rechnung getragen wird. Freiwalds breit angelegtes Werk beruht nicht hauptsächlich auf selbst durchgeführten Studien, sondern auf der akribischen Durchsicht, Darlegung und kritischen Wertung bestehender Forschungsliteratur. Im Blick hat er dabei nicht eine bestimmte, sondern alle relevanten Sportarten und Disziplingruppen. Insofern ist es kein Buch speziell für Läufer oder andere Ausdauersportler. Die Zielgruppe dürfte sich vornehmlich aus Trainern, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern, Sportlehrern und Sportmedizinern rekrutieren. Sind die Ausführungen auch in klarer Sprache verfasste, setzt die Lektüre doch Vorkenntnisse über Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers und themenspezifischer Termini voraus.

In seinem Vorwort weist Freiwald darauf hin, dass sich in den letzten Jahren im Bereich des Dehnens viel bewegt habe, wie die zahlreichen Studien zeigten. Dennoch gebe es eine Verunsicherung, hervorgerufen durch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse - etwa im Bereich des Bindegewebes (Faszien), der Beweglichkeit und bei "der Umsetzung in die Methodik des Trainings und der Therapie". Das Buch sei kein bequemes, so der Autor, weil sich der Leser gezwungen sieht, "lieb gewonnene Gewohnheiten, Begründungen und Erklärungen zu überdenken." Absolute Wahrheiten und Sicherheit seien darin aber nicht zu finden.

Nach einer kurzen historischen Einleitung (Kap. 1) und Erläuterung zentraler Begriffe (Kap.2) werden in den folgenden 14 Kapiteln nahezu alle denkbaren Themen, das Dehnen betreffend, dargestellt und diskutiert. In Kapitel 3 etwa wird der Aufbau und die Funktion der Gelenke und die Bewegungsreichweite, und in Kapitel 5 und 6 die Rolle der Muskulatur und der Faszien thematisiert. Zentral fürs Dehnen ist auch die Bedeutung des Nervengewebes (7) und der Blutgefäße (8). Nicht ausgespart werden Einflüsse von Geschlecht, Wachstum und Alter (10) sowie soziale und psychologische Bereiche (11). Außerdem beschäftigt sich der Autor mit neuromuskulären Dysbalancen (13), biomechanischen Aspekten und der Messung von Beweglichkeit (15). - Im zentralen Kapitel 14 "Fakten statt Legenden" räumt Freiwald mit Mythen und Irrtümern auf. Beispielsweise, so der Autor, weisen alle von ihm gesichteten Studien bei der Frage, ob Dehnen vor Verletzungen schütze, in die gleiche Richtung: Das Dehnen habe keinen präventiven Einfluss. Gleichfalls könne Muskelkater durch Dehnen nicht verhindert werden. Eine Leistungssteigerung durch Dehnen sei fraglich und werde in der Literatur unterschiedlich bewertet. Außerdem macht Freiwald auf methodische Fehler mancher Studien aufmerksam, wo voreilige Schlüsse gezogen werden, wenn Ergebnisse, die an Tieren gewonnen wurden, auf den Menschen übertragen werden. - Ab Kapitel 16 widmet sich das Buch der Praxis zu und stellt die Methoden des Dehnen in den Mittelpunkt (16), erläutert trainingswissenschaftliche Punkte bei der Trainingsplanung (17) und gibt Anleitung zu einem Dehnprogramm (18). Im abschließenden Kapitel "Training der Beweglichkeit" werden bebilderte Übungsbeispiele aller relevanten Körperpartien vorgestellt mit Hinweisen zur korrekten Ausführung. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis sowie Register schließen den Band ab.

Das Buch von Freiwald ist ein ausführliches Kompendium zum Thema Dehnen, ein Nachschlage- und Lehrbuch für professionelle oder wenigstens semiprofessionelle Anwender. Man kann sich aber auch als interessierter Laie tiefgründig in das Thema einfuchsen, wenn man Zeit mitbringt. Normalerweise wird es beispielsweise für einen Lauftreffleiter oder Hobbylauftrainer zu umfangreich und detailliert sein. Da wäre ein Destillat aus dem Ganzen, konkret bezogen auf die Sportart Langlauf, wohl hilfreicher und praktikabler für die Laienklientel. Auf die Gretchenfrage, ob man vor, nach oder vor und nach dem Laufen dehnen sollte, gibt Freiwald jedoch keine endgültig Antwort. Aber ein Hinweis lässt sich doch entnehmen: "Vor und nach Ausdauerbeanspruchungen", heißt es auf S. 367, "sind Dehnungen nicht unbedingt nötig. Zur Vorbereitung auf Lauf-, Radfahr- und Schwimmbelastungen im Freizeitbereich genügen vor dem Laufen lockeres 'Einlaufen'. Nach dem ... Joggen sind Dehnungen zur Regeneration nicht notwendig." Auch zur Bedeutung des Modethemas Faszien und Training mit der Faszienrolle äußert sich der Autor zurückhaltend. Der Nutzen sei in einigen Bereichen noch nicht erwiesen, müsse erforscht werden. Geradezu abschreckende Wirkung hat ein Foto, auf dem ein Sportler mit riesigem Oberschenkelhämatom zu sehen ist, hervorgerufen durch Übungen mit der Rolle.

Positiv hervorzuhebend sind die Darstellungsmethode und der Aufbau der Kapitel. Nach einer stichpunktartigen Vorschau auf das Kapitel folgt die inhaltliche und kritische Einlassung, die mit farblich unterlegten Merksätzen, Exkursen oder umfangreichem Tabellenmaterial ergänzt ist. Eine kompakte Zusammenfassung der Ergebnisse bildet deren Abschluss.

Für einen Kaufpreis von 45 Euro hält der Leser das geballte Wissen zum Thema Dehnen in Händen.

Gelesen und besprochen von Michael Schardt

Jürgen Freiwald: Optimales Dehnen. Sport - Prävention - Rehabilitation. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Balingen: Spitta Verlag 2020, 472 Seiten, Großformat, Broschur 44,80 €uro, ISBN: 978-3-941964-71

Laufen. Ein Roman von Isabel Bogdan

 

"Laufen" ist die Geschichte einer Frau, Anfang 40, die den Freitod ihres Partners bewältigt. Es ist ein Roman über Depression und die Unfähigkeit der Ich-Erzählerin damit umzugehen, es ist ein Buch über Verlust und Trauer, über den Weg zurück ins normale Leben. Es ist eine fiktive Geschichte ("Glücklicherweise ist es nicht meine eigene Geschichte", sagt Isabel Bogdan), ein absolut lesenswertes Buch. Allerdings ist "LAUFEN", anders als der Titel vermuten lässt, kein Sachbuch, schon gar nicht über das Laufen.

Die 1968 in Köln geborene, in Hamburg lebende Autorin läuft mit Unterbrechungen seit ihrem 14. Lebensjahr, aber "genauso unambitioniert wie meine Protagonistin", erzählt sie in einem Zeitungsinterview, "zweimal die Woche eine Dreiviertelstunde, vielleicht sieben Kilometer. Ich muss keinen Marathon laufen."

Genauso läuft die W40erin in dem Roman, ein Jahr nach dem ihr depressiver Lebenspartner sich das Leben genommen hat. Laufen als Möglichkeit, Verlust und Trauer zu bewältigen und wieder neu durchzustarten. Ein Weg, den schon Viele im realen Leben "laufend" genommen haben dürften.

Die Möglichkeiten dieses Weges werden von Isabel Bogdan jedoch nur unzureichend und teils widersprüchlich dargestellt. "Laufen ist so schön stumpf, man muss gar nicht denken, ich kann sowieso nur über das Laufen nachdenken und gar nicht über den ganzen anderen Mist… ich laufe mir die Grübelei weg, andere Leute laufen angeblich, weil sie dabei gut nachdenken können…", heißt es schon auf den ersten Seiten. Dabei besteht das Buch von Anfang bis Ende aus den Grübeleien und dem Nachdenken der Protagonistin "über den ganzen anderen Mist", über Depression als Krankheit, über die Frage warum ihr Partner Selbstmord beging und sie ihm nicht helfen konnte, über die Gespräche mit Freundin Rike und die mit ihrer Therapeutin.

Jedoch wird die Wandlung von der trauernden, verzweifelten Frau zu der Person, die wieder zunehmend Lust am Leben gewinnt, von Isabel Bogdan spannend und absolut nachvollziehbar erzählt. Die Story trieft nicht vor Kitsch, im Gegenteil: Die Autorin überzeugt mit einer klaren, erfrischenden Sprache und einem Sprachfluss, der schon beim Lesen ans Laufen erinnert. Nur die ständigen Anspielungen auf die Atemtechnik beim Laufen ("ein ein aus aus aus aus", im zweiten Teil des Buches "ein-atmen aus-atmen aus-atmen") wirken etwas störend.

Und der Widerspruch zwischen dem, was Bogdan ihre Protagonistin sagen lässt und dem, was diese beim Laufen macht, bleibt offenkundig. Laufen wird von ihr zudem überwiegend auf die körperlichen Aspekte reduziert, die Belastungen und der innere Schweinehund stehen meist im Vordergrund: "Dem Körper wehtun, das tut gut, ich kann nicht mehr…". Von der Freude am Laufen ist bei der Ich-Erzählerin kaum etwas zu spüren. Nur einmal kommt es vor, als sie beim Hamburger Alsterlauf das Gemeinschaftsgefühl der Läufer, die Begeisterung und Anfeuerung der Zuschauer erlebt.

Auch die mentalen Effekte des Laufens kennt die Autorin offenbar nicht, ihr fehlen wie ihrer Protagonistin wohl die längeren Läufe, bei denen die Endorphine ausgeschüttet werden. Den Flow beim Laufen, das Gefühl, dass sich beim Laufen und durch das Laufen Probleme quasi von selbst lösen, plötzlich Lösungen im Kopf entstehen, an die man/frau vorher nicht gedacht hat, all das findet sich in dem Buch nicht, obwohl es doch gerade zu dieser Geschichte so gut passen würde.

Ebenso wenig die Erfahrung, dass man durch intensives Laufen bis hin zum Marathon (Klar, es MUSS nicht jede/r Marathon laufen!) fürs Leben lernen kann. Man lernt, sich Ziele zu setzen. Man lernt, dass man sich planmäßig darauf vorbereiten muss, wenn man etwas erreichen will. Man lernt Disziplin und Ausdauer. Bei langen Läufen macht man die Erfahrung, dass man teils alleine läuft, dass man andere überholen kann oder selbst überholt wird, dass man einen Teil der Strecke mit anderen gemeinsam bewältigt und dann doch wieder alleine ist/läuft.

Beim Marathon wartet irgendwann, meist bei Kilometer 35, der "Mann mit dem Hammer". Man gerät in das ein oder andere Tief und denkt, es geht nicht mehr. Plötzlich bekommt man die "zweite Luft", wie beflügelt geht es wieder weiter. Die Parallelen zum richtigen Leben und zu solchen Lebenskrisen wie sie die Ich-Erzählerin im Buch "Laufen" macht, sind offenkundig. Doch diese Parallelen sieht Isabel Bogdan nicht. Man hat beim Lesen nie das Gefühl, dass ihre Protagonistin Kraft aus dem Laufen bezieht, dass sie mit Hilfe des Laufens ihre Lebenskrise überwindet. Sie spricht zwar davon, "…dass ich wieder wohin laufen will und nicht nur weg."

Und tatsächlich ist es ja nicht nur ein Weglaufen, sie findet den Weg in ein neues Leben. Hin zu neuen, alten Hobbies, zum Ausgehen im roten Abendkleid, zu körperlicher Nähe, zu Sex, zu neuen Partnerschaften, zum Wieder-Mut-fassen zum Solo-Auftritt als Musikerin. Erkennbar wird jedoch nicht, ob sie mit dem Laufen diesen Weg zurück findet. Es sind wohl mehr die Gespräche mit ihrer Freundin Rike und ihrer Therapeutin, Frau Mohl, die ihr dabei helfen.

Fazit: Nach ihrem Debut-Roman "Der Pfau", der über 42 Wochen lang in den Bestseller-Listen stand, hat auch das zweite Werk von Isabel Bogdan "Laufen" das absolute Potenzial zu einem Topseller. Ein tolles Buch mit einer berührenden Story, aus der Trauer zurück zur Lust auf das Leben. Traurig, aber auch humorvoll erzählt in einer erfrischenden Sprache, ein Mutmacher! Nur der Titel ist etwas irreführend: Statt LAUFEN sollte das Buch eher lauten: RIKE oder FRAU MOHL. Aber selbstverständlich auch für die Literatur-Liebhaber unter den LäuferInnen sehr zu empfehlen! Nur ein Lauf-Buch sollte man nicht erwarten!

Gelesen und besprochen von Axel Künkeler

Isabel Bogdan: LAUFEN. Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 200 Seiten; Gebundene Ausgabe €20,00; E-Book €16,99; 1. Auflage 2019;
ISBN: 978-3-462-05349-4.

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