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 Running forever - Buchbeiträge im LaufReport HIER

 

25 Läuferinnen und Läufer, die seit 30 Jahren und mehr regelmäßig laufen, haben für das im Herbst 2017 erschienene Buch "Running forever. Das Geheimnis lebenslangen Laufens" (Arete Verlag, Hildesheim) ihre Lauf-Lebens-Geschichte niedergeschrieben. Im LaufReport werden 4 der 25 Buchbeiträge vorgestellt. Den Auftakt machte Klaus Weidt, Sportjournalist und Buchautor. Der zweite Beitrag stammt von Oliver Schulte, Jg. 1967, Physiotherapeut, der sich als Spendenläufer betätigt. in Deutschland, Europa und Übersee. Der dritte Beitrag ist von Anita Kanderhandt, Lehrerin im Ruhestand: Vom Asthma-Inhalator zum Marathon-Erfolg

Lauftherapie in Lebenswelten

Grundlagen - Trends - Beispiele settingorientierter Gesundheitsförderung

 

Das Erscheinen dieses Buches, jetzt im Frühjahr 2018, lässt zunächst vermuten, es handele sich um eine Art Festschrift des Deutschen Lauftherapiezentrums (DLZ) aus Anlass seines parallel stattfindenden 30jährigen Bestehens. Doch dem ist nicht so, es ist wohl eher ein glückliches Zusammentreffen.

Die Bedeutung dieser Veröffentlichung besteht nicht nur in der Präsentation von Theorie und Praxis individueller Förderung gesundheitlicher Verhaltensprävention, sondern gleichermaßen in der Einbeziehung des Lebensumfelds (setting), der Lebenswelten bei jeglicher gesundheitsbezogener Fördermaßnahme.

Dieser Ansatz ist das zentrale Anliegen des Buches. Der Leser gewinnt einen tiefen und breit angelegten Einblick in die wissenschaftsgeleitete Arbeit des DLZ.

Das vorliegende Buch besteht aus einer erweiterten Zusammenfassung von Beiträgen einer zweitägigen Fachtagung gleichen Titels im Oktober 2016 in Bochum. Sie war in enger Kooperation mit der Krankenkasse VIACTIV initiiert und konzipiert worden.

Dass Bewegungsmangel in unserer immer vermeintlich bequemer ausgerichteten Gesellschaft nicht nur medizinisch und ökonomisch ein zentrales Problem darstellt, ist seit Jahren zu einem ständigen Mantra aller Experten geworden; eine prinzipielle Bewusstseinsveränderung findet jedoch nicht statt. Dass insbesondere Laufen eine der naheliegendsten Bewegungsformen ist, ist ebenso evident. Die Tatsache aber, dass Laufen, im besten Fall professionell angeleitet, einen nachgewiesen bedeutsamen positiven Wirkungsgrad für Körper und Seele besitzt, also therapeutisch im Sinn von Gesundheitsförderung wirkt, ist weit weniger bekannt. Der Begriff Laufen ist weitgehend assoziiert mit Leistungssport, mit Anstrengung, mit Wettkampf, mit Schweiß und Tränen. Doch es gilt das "andere" Laufen zu entdecken, ein langsames, sanftes Laufen, zwar nach bestimmten Regeln, dennoch relativ einfach zu erlernen. Der Lohn sind erstaunliche Veränderungen körperlicher und seelischer Art. Lauftherapie ist ein ganzheitlicher Prozess in Richtung gesundheitsfördernden Verhaltens. (Literatur zu Theorie und Praxis der Lauftherapie findet sich im Buch.)

Vor diesem Hintergrund der in langen Jahren gemachten Erfahrungen und der vorliegenden empirischen Ergebnisse fand die Tagung statt, wurden praktische Anwendungen vorgestellt, geprüft, diskutiert und neue Ansätze für unterschiedliche Lebenswelten offeriert.

Was macht das Buch so beachtenswert? Es ist die Heterogenität und Vielfalt der insgesamt 16 Beiträge oder Referate. Sie lassen einmal das Charakteristische der Tagung erkennen, viele Teilnehmer, viele Themen, viel Engagement, viel Diskussion, viele Kontakte usw., aber die Herausgeber haben eine stringente inhaltliche Struktur gefunden, die das Leitthema der Tagung abrundet und es sogar durch die Niederschrift der Referate weiter präzisiert. Vorgestellt werden fünf Themenfelder, zu denen jeweils 2 bis 4 Referenten in ihren Beiträgen Stellung beziehen. Diese Themenfelder repräsentieren die fünf hier relevanten Lebenswelten: (1) Laufen und Lauftherapie als Beitrag zur Gesundheitsförderung, (2) Lauftherapieangebote, Grundlagen und Effekte, (3) Lauftherapie in der Arbeitswelt, (4) Lauftherapie in Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen, (5) Weitere Praxisfelder, Zielgruppen und Methoden.

Die diesen Vorgaben jeweils zugeordneten Referate sind in sich abgeschlossen und behandeln jeweils andere Aspekte oder Gegenstände. Für den Leser ergeben sich nach dieser Systematik viele Vorteile, aber auch Nachteile, die nicht zu vermeiden sind. Der Leser kann sich je nach Interesse schnell und einfach orientieren, die Beiträge sind in der Regel nicht allzu umfangreich, sie sind praxisnah, informativ, lehrreich und überzeugend, kreativ und hin und wieder durchaus originell, es öffnen sich neue Welten des Zugangs. Man kann dies aber auch als Nachteil erleben, der Leser muss sich jedes Mal auf einen anderen Autor einlassen, auf einen anderen Schreibstil, einen anderen Anspruch, auf ein anderes Temperament, auf eine neue Person. Das ist bei insgesamt 16 Autoren manchmal nicht ganz einfach und stört hin und wieder den Fluss und die Stringenz. Andererseits verschlingt man ein solches Buch auch nicht in einem Rutsch, es dient vielmehr der Bestimmung der eigenen Position und unterstützt die weitere Professionalisierung. Dafür wird man das Buch öfter zur Hand nehmen.

Ein großes Kompliment muss hier dem ARETE-Verlag ausgesprochen werden. Die Aufmachung des Buches ist in jeder Beziehung vorzüglich geworden. Das beginnt mit der originellen Umschlagsgestaltung und setzt sich fort mit den besonders lesefreundlich aufgebauten Texten, die (bunten) Fotos aus dem Tagungsgeschehen sind an den passenden Stellen platziert usw. Schon beim Durchblättern ist das Buch eine Freude, chapeau!

Gelesen und besprochen von Dr. Arwed Bonnemann

Prof. Dr. Alexander Weber & Wolfgang W. Schüler (Hrsg.): Lauftherapie in Lebenswelten. Grundlagen - Trends - Beispiele settingorientierter Gesundheitsförderung. Arete-Verlag, Hildesheim, 2018. 134 S., zahlr. Abb. u. Fotos, Paperback, 19,95 € (D). ISBN 978-3-942468-95-4

Der Rezensent
Dr. phil. Arwed Bonnemann, geb. 1938, Diplom-Psychologe, ehem. Leiter des Zentrums für Hochschulforschung und Qualitätssicherung an der H. Schmidt Universität Hamburg; Läufer seit Ende der 1970er Jahre, über 100 (Ultra-) Marathonläufe

Berglauf Journal 2018

Im 28. Jahrgang ist das "Handbuch für Berg- und Trailläufer" erschienen.

 
  • Aktuelles aus der Berg- und Trail-Szene
  • Wichtige Läufe mit Streckenprofil
  • Kompletter Terminüberblick
  • Diverse Statistiken

Der Herausgeber Wilfried Raatz berichtet seit vielen Jahren vom Laufsport in den Bergen, vom Mittelgebirge bis in hochalpine Bereiche. Seine Kenntnisse sind so vielschichtig und über einen Zeitraum gesammelt, wie es kaum mehr übertroffen werden kann. Jahrzehnte aktiver Läufer, Organisator diverser Laufveranstaltungen, Trainer und als Journalist im Laufsport unersetzlich. Ein Tausendsassa, dessen Aktivitäten sich beinahe über alle Bereichen des Laufsports erstrecken.

Sein immenses Fachwissen, seine Begeisterung für den Laufsport und sein Mangel an Scheu, Themen mit Kritik zu begegnen, bereichert auch das aktuell erschienene Berglauf Journal.

Neben dem ausführlichen Termin- und Informationsteilen werden die organisatorische Zersplitterung der Landschaftsläufe behandelt, der Präsident des Berglauf-Weltverbands befragt und Veränderungen im Veranstaltungsangebot aufgegriffen. Inhalte sind die Ablösung des K78 durch den T88 beim Swissalpine, die Premiere am Stilfserjoch sowie aus Deutschland der Relaunch des Schwarzwald Berglauf-Pokals, der PfalzTrail und die Erfolgsgeschichte des Pfälzer Berglauf-Pokals.

Ein 240 Seiten starkes Handbuch mit umfassenden, nach Ländern sortierten Veranstaltungskalendern, vorrangig aus der Alpenregion, aber auch mit reizvollen Berg- und Trailläufen, die in Mittelgebirgen veranstaltet werden, sowie herausragenden Landschaftsläufen. Die Grenzen dieser Einteilung erweisen sich nicht selten als fließend und die Namensgebungen der Events sind mitunter mehr marktorientiert als von Höhenmetern beeinflusst. Von den 100 wichtigsten Bergläufen gibt es ausführliche Profile. Grafische Darstellungen der Steigungen und Gefälle sowie Symbole für vergleichbare Bewertungskriterien helfen die individuell passende Herausforderung auszusuchen.

Die Gestaltung und Übersichtlichkeit lassen keine Wünsche offen. Farbfotos lockern die Präsentation zudem auf. Das sehr informative, dennoch packende Handbuch ist sowohl für leistungsorientierte ‚Bergziegen', ambitionierte Hobby- als auch für Genussläufer gedacht und unabhängig von der jeweiligen Altersklasse ein gewinnbringender Saisonbegleiter.

Erwähnt sei noch, dass auch das Berglauf-Journal 2018 Ressourcen schonend in der mit dem EMAS-Umweltmanagementpreis der Europäischen Kommission ausgezeichneten Druckerei Lokay in Reinheim produziert worden ist.

Gelesen und besprochen von Walter Wagner

Wilfried Raatz: Berglauf-Journal 2018. Erschienen im Verlag wus-media UG.
240 Seiten. Preis Euro 11,00 / SFr 12,50; bei Versand zzgl. Porto. Direktbezug über Verlag wus-media UG. Büro: Ludwigstr. 3, 64354 Reinheim oder im Internet. Im Buchhandel unter ISBN 978-3-929071-27-6

Running forever

Das Geheimnis lebenslangen Laufens

 

Warum sollte man mit dem Laufen aufhören? – Nun, häufig wird keine bewusste Entscheidung fallen, sich eher ein Prozess mit zunehmenden Laufpausen einschleichen. Ein Ratgeber sich dem zu entziehen, ist das vorliegende Buch nicht direkt. Gelüftet wird darin das Geheimnis lebenslangen Laufens von 25 prominenten und weniger prominenten Läuferinnen und Läufern, deren individuelle Lebenslaufgeschichten das Buch füllen.

Alle sind "Livetime Runner", die, mal mit dem Laufen in Berührung gekommen, das Bewegungstraining im weiteren Leben fortgesetzt haben. Und letzten Endes ist es ja genau dies, was lebenslanges Laufen ausmacht.

Das Geheimnis ist, – und damit beschäftigt sich das lesenswerte Buch –, wie man es schaffen kann, das regelmäßige Laufen über Jahrzehnte beizubehalten, wie man aufkommende Hemmnisse und Unbill überwindet und sich den Spaß am Bewegen erhält.

In seinem 10. Laufbuch hat Wolfgang W. Schüler, Läufer seit 1967, zusammen mit Mitherausgeber Klaus Richter, Läufer seit 1978, beide Lauftherapeuten und Dozenten für Lauftherapie am Deutschen Lauftherapiezentrum in Bad Lippspringe, anhand der individuellen Geschichten der Läuferinnen und Läufer zumindest deren persönliche Geheimnisse gelüftet. Denn wie es den 25 Autoren gelingt, das Laufen beizubehalten, erfahren wir im Buch. Anhand der Leitfragen beantworten sie, wie sie zum Laufen kamen und zeigen auf, wie mannigfach sich Laufkarrieren darstellen. Wie sind sie mit auftretenden gesundheitlichen Problemen umgegangen, um diese zu meistern? Worin sehen sie den Sinn ihres Laufens? Welche Wünsche, Erwartungen und Vorhaben haben sie noch?

Alle können auf mindestens 30 Läuferjahre zurückblicken, laufen teils schon 40, 50, 60 Jahre. "Laufen ist wie Zähne putzen" ein fester Teil des Tagesablaufs. Für manche ist der Beginn eines arbeitsintensiven Tages ohne den morgendlichen Lauf gar nicht denkbar, andere haben das Laufen gar zum Beruf gemacht. Die Läuferbiografien berichten von einer Regelmäßigkeit. Keinesfalls wird diese an Kilometerleistungen oder beinahe täglicher Aktivität festgemacht. So weitgefächert das Spektrum zurückliegender sportlicher Erfolge der Autoren ist, sind es auch ihre Motive und Motivation zur Bewegung, die sich im Läuferleben zudem verändern können. Manche bleiben dabei, sich mit anderen zu messen, andere wiederum verabschieden sich ganz vom Wettkampf, freiwillig oder aufgrund von Verletzungen und Krankheiten.

Die Biografien sind Unikate, Spiegelungen subjektiver Erlebnisse und Erfahrungen, heißt es in der Nachlese, und weiter: Das ‚Geheimnis lebenslangen Laufens' entzieht sich einer schnellen und schlüssigen Deutung. Lifetime Runner folgen nicht einfach einer guten Gewohnheit, sie praktizieren aus Freude an der Bewegung ein Ritual, schließen Wolfgang W. Schüler und Klaus Richter das Buch Running forever.

Für das Geleitwort ist es ihnen gelungen keinen Geringeren als den international angesehenen Prof. mult. Dr. med. h.c. mult. Wildor Holmann zu gewinnen. Der emeritierte Universitätsprofessor für Kardiologie und Sportmedizin erforscht seit beinahe 70 Jahren den Einfluss von Arbeit und Training sowie den von Bewegungsmangel unter Berücksichtigung der Alterungsvorgänge.

Es sind zwar spezielle, persönliche Beiträge, doch immer mit allgemeiner Gültigkeit und somit Inspiration zum Laufen. Running forever wendet sich an alle, die sich ihre lebenslange Freude am Laufen erhalten wollen. Mit Interesse habe ich die Laufbiografien mir teils bekannter Autoren gelesen und dabei Neues erfahren. Anregend und motivierend wirkte das Buch auf mich, das ich in einem Rutsch durchgelesen habe. Es ist aber durchaus auch in 25 Häppchen zu genießen und schlägt nie auf den Magen, so dass es gelingt, nach der Lektüre gleich die Laufschuhe zu schnüren und ein neues Kapitel des ganz persönlichen running forever aufzuschlagen.

Gelesen und besprochen von Walter Wagner

Wolfgang W. Schüler und Klaus Richter (Hrsg.): Running forever. Das Geheimnis lebenslangen Laufens. Arete Verlag, Hildesheim, 2017.
168 S., Paperback, 16,80 € (D). ISBN: 978-3-942468-82-4

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Ultimative Ausdauer

 

Fleisch statt Nudeln. Von bösen Kohlenhydraten und optimalen Eiweißen. Autor Sisson empfiehlt Paleoprinzip für bestmögliche Ausdauer. Nicht immer drin, was draufsteht.

Anzuzeigen ist ein neues, umfangreiches Buch mit dem Titel "Ultimative Ausdauer", das im September im Narayana Verlag auf Deutsch erschien, nachdem es ein Jahr zuvor im englischen Original das Licht der Welt erblickte. Geschrieben hat es hauptsächlich der US-amerikanische Athlet und Autor Mark Sisson (Jahrgang 1953), dem assistiert wurde von Brad Kearns (Jahrgang 1964). Beide sind ehemalige Leistungssportler und hatten vor Jahrzehnten große Erfolge vor allem als Profitriathleten.

In späteren Jahren trat Sisson als Publizist von Ernährungsbüchern und "Erfinder" des von ihm so genannten Primalprinzips in Erscheinung. Sein "The Primal Blueprint Cookbook" traf in den USA den Nerv der Zeit mit dem Wunsch nach einer natürlichen Ernährung, denn es verkaufte sich über eine halbe Million Mal. Sisson wurde damit zu einem Guru für eine gesündere, ursprüngliche Lebensweise und zu einem Vorreiter in diesem Bereich auch für Breiten- und Leistungssportler. Doch was beinhaltet eigentlich das von ihm protegierte Primalprinzip?

Gedanklich knüpft das Primalprinzip als Ernährungskonzept an das zumindest in Deutschland bekanntere Paleoprinzip an. Im Kern besagt dies, dass sich der moderne Mensch wieder so ernähren soll wie der Mensch in der Altsteinzeit, also des Paläolithikums (daher auch der Name). Denn sein Körper, vor allem der Magen- und Darmtrakt, so die Annahme, habe sich seither kaum verändert und würde sich nach wie vor bestens eignen für die urzeitlich eingenommenen - eiweißhaltige - Speisen. Das sind vor allem Fleisch (bevorzugt von Wildtieren), Fisch, Gemüse, Obst, Eier, Pilze, Nüsse und Honig. Im Gegensatz dazu lehnt das Paleoprinzip industriell aufwendig verarbeitete, kohlenhydratlastige Nahrung ab, für die der heutige Mensch genetisch nicht prädestiniert sei. Auf der Verbotsliste stehen deshalb vor allem aus Getreide gewonnene Produkte wie Brot oder Nudeln. Auch Milch und Milchprodukte, Zucker, Alkohol und Fertiggerichte sind tabu sowie gewisse andere technisch verarbeitete Lebensmittel und Öle. Der weitgehend einzige wesentliche Unterschied zwischen Primal- und Paleoprinzip liegt darin, dass das Paleoprinzip Kohlenhydrate gänzlich verbietet, das Primalprinzip aber geringe Mengen zulässt, vor allem nach harten Trainingseinheiten. In "Ultimative Ausdauer" versucht Sisson nun, das im "Blueprint Kochbuch" entwickelte Primalprinzip für den Ausdauersportler nutzbar zu machen.

Das geht unmittelbar auch aus dem englischen Titel hervor, der schlicht "Primal endurance" lautet, was man vielleicht (wie im Inneren des Buches) mit "natürliche Ausdauer" übersetzen könnte. In der deutschen Ausgabe hingegen ist von ultimativer, also nicht mehr steigerungsfähiger, absoluter Ausdauer die Rede, ein Titel, der mehr verspricht als er halten kann und den der Autor so nicht im Sinne hatte. Die Irritationen gehen im Untertitel weiter: da ist vom Schnellerwerden mit weniger Training die Rede und von der Empfehlung, intuitiv zu trainieren (im Gegensatz zu systematisch). Auch davon ist auf der Titelseite des Originals keine Rede. Zuletzt hat der deutsche Verlag an hervorgehobener und grell unterlegter Stelle auf dem Deckblatt den Hinweis "Nach dem Paleo-Prinzip" hinzugesetzt, obwohl im Inneren immer vom Primalprinzip die Rede ist. Letzteres wohl geschehen mit Blick auf den deutschen Leser, dem das Primalprinzip nicht so geläufig ist wie dem amerikanischen.

Wer das Buch in der Erwartung kauft, einen systematischen Trainingsratgeber zum Erwerb höherer Ausdauerfähigkeit zu bekommen, wird vielleicht eine Enttäuschung erleben, denn das bieten die Ausführungen Sissons in der Hauptsache nicht. Statt dessen wird er einen ausführlichen Appell finden zu einer kompletten und im Detail mühevoll zu realisierenden Ernährungsumstellung, die im Nachgang auch zu einem besseren physischen Wohlbefinden, zu weniger Körperfett, einer ansehnlicheren Figur und mehr Gelassenheit im Training führen wird, so die Versprechungen.

Dem bisherigen konventionellen Ansatz (KA) einer Ernährungs- und Trainingsgestaltung stellt Sisson im Zentrum seiner Überlegungen seinen natürlichen Ansatz (NA) entgegen. Bei der Ernährung heißt dies, die Kohlenhydrate weitgehend wegzulassen und durch Nahrung nach dem Primalprinzip zu ersetzen. Bei der Art zu trainieren, rät Sisson zu einer individuellen und intuitiven Gestaltung mit einem gesunden Ausgleich von Be- und Entlastung. Man soll wegkommen von der sklavischen Abarbeitung klar getakteter Trainingspläne und der Hörigkeit gegenüber dem Coach. Eine Mischung von hoch intensiven und langen, ausdauernden Einheit, wie sie meist praktiziert werden, kann er nicht empfehlen, gleichsam nicht eine Systematisierung im Wochenrhythmus. Vielmehr sei das eigene Körpergefühl zu befragen, was im Moment für einen richtig wäre. Bezüglich des Krafttrainings ist seine Aussage eindeutig: "Du trainierst entweder explosiv oder gar nicht. Dein Training besteht aus kurzen, intensiven funktionalen Ganzkörperübungen." Keinesfalls soll man beim Krafttraining Kraft und Ausdauer in einem Mischansatz bevorzugen. Schließlich will Sisson beim Schuhwerk weg von stabilen und gepolsterten Laufschuhen und hin zum Barfußlaufen. Insgesamt lautet sein Credo: "Zum Aufbau natürlicher Ausdauer musst du offen bleiben und das Training als ständiges Experiment betrachten. Das ist die beste Art, um mit diesem neuen Ansatz durchschlagende Erfolge zu feiern." Und: "Echte Quantensprünge in der sportlichen Entwicklung stellen sich oft erst dann ein, wenn der Betreffende eine Zeit lang sowohl die Kilometerzahl als auch die Intensität senkt." (!)

Fazit: Wer aus dem Buch Nutzen ziehen will, der muss bereit sein, sich der hier verbreiteten Trainingsphilosophie, der Trainingsweltanschauung, vollkommen anzuschließen. Von jeglicher Trainingssystematik muss er Abstand nehmen und voll der eigenen Intuition vertrauen. Außerdem ist erforderlich, die Mühen und Umständlichkeiten nicht zu scheuen, die bei der ständig zu kontrollierenden Umsetzung des Primalprinzips anfallen: beim Einkaufen auf dem Bauernhof, bei der Zubereitung zu Hause, beim Restaurantbesuch.

"Ultimative Ausdauer" bedient ein aktuelles, aber auch modisches Thema, das eine natürliche Ernährung propagiert, aber damit eine ursprüngliche, längst vergangene meint. Vegetarier und Veganer werden unter "natürlich" etwas anderes verstehen, als Fleisch und Fisch zur Grundlage eines Speiseplans zu machen. Die Methode einer intuitiven Trainingsgestaltung mag in Einzelfällen empfehlenswert sein, die meisten Laufsportler bedürfen aber eines klar geregelten Trainingsplans mit genauer Terminierung und Nennung eines Trainingsziels. Das ist Konsens in der Trainingswissenschaft. Beim Lesen des Buches kann man zuweilen den Eindruck gewinnen, dass sich der Autor Elemente aus verschiedenen Ansätzen herausfischt, modifiziert und zu einem eigenen Süppchen verrührt hat. So tauchen durchaus aus anderen Ansätzen bekannte Dinge auf, wie etwa das richtige Verhältnis von Be- und Entlastung, Lowcarb-Methode, natural Running, High-intensity-Training usw. An anderen Stellen gibt es Widersprüche: obwohl Sisson Wochenpläne ablehnt, gibt er im Anhang Periodisierungen für ein Ganzjahrestraining im Wochenrhythmus vor, als Gegner von Trainingsmischformen sind seine Vorschläge beim Krafttraining durchaus eine Mixedmethode von intensiven, gewichtslastigen Workouts im Wechsel mit langsamen, gewichtsarmen Einheiten.

Insgesamt hat man den Eindruck, dass Sisson in erster Linie ein aktuelles Lebensgefühl bedient und weniger ein Bedürfnis des Sportlers nach Trainingshilfen. Die Ausgangsfrage dürfte bei ihm gelautet haben, wie kann ich meinen Body bestmöglich formen, wie komme ich zu einem perfekten Körper, und nicht, wie kann ich mich sportlich verbessern. Die Vielzahl von Abbildungen von Menschen mit gestählten Leibern (manchmal in Bodybilderpose) verstärkt diesen Eindruck durchaus noch zusätzlich.

Gelesen und besprochen von Michael Schardt

Mark Sisson / Brad Kearns: Ultimative Ausdauer. Werde schneller mit weniger Training. Werfe den Fettverbrennungs-Turbo an. Trainiere intuitiv. Reduziere Stress und hab mehr Spaß. Kandern: Unimedica im Narayana Verlag 2017, 371 S., Großformat, Klappenbroschur 29,80 €, ISBN: 978-3-946566-62-5

 

Hubert Karl: Lebens Prinzip Bewegung - Wege und Umwege eines Läufers

Hubert Karl gehört zu den großen deutschen Ultramarathonläufern. Nicht unbedingt aufgrund von Meistertiteln oder Rekorden - auch wenn er davon einige aufweisen kann - vielmehr weil seine Laufvita eine Konstanz und Beständigkeit aufweist, wie sie in der Ultralaufszene selten zu finden ist. Seit mehr als 30 Jahren läuft er, seine besondere Leidenschaft ist der Ultramarathon, im Laufe seines Lebens hat er mehr als 100 Läufe erfolgreich absolviert, wobei sich früh seine Leidenschaft und Begabung für Etappenrennen und Läufen mit mehr als 100 km manifestierte.

Einen besonderen Platz nimmt der Spartathlon ein, ein Nonstop-Rennen von Athen nach Sparta über 245 km, das den Spuren des griechischen Botenläufers Pheidippides folgt und innerhalb von 36 h bewältigt werden muss. Schon relativ früh in seiner Laufkarriere beendete er diesen Lauf erfolgreich und er wurde seine Passion.

Seit 2011 führt er die Liste der Teilnehmer mit den meisten Zielankünften an, im vergangenen Jahr hat er den Spartathlon, der längst zu den renommiertesten und gleichzeitig schwierigsten Ultrarennen weltweit zählt, als bislang erster Läufer zum 20. Mal erfolgreich beendet.

2003 hat Hubert Karl das Laufen auch zu seinem Beruf gemacht, als diplomierter Lauftherapeut leitet er inzwischen seine eigene Laufschule, vermittelt seine Kenntnisse und Erfahrungen in Seminaren und motiviert Menschen durch Vorträge.

Seine Erlebnisse und Erfahrungen hat er nun in einem Buch niedergeschrieben. Laufbücher gibt es inzwischen wie Sand am Meer, meist ist das Endprodukt entweder ein Trainingsbuch, ein Ratgeber oder biografisch gestaltet. Hubert Karls Buch dagegen vereint mehrere Komponenten. Es ist natürlich in erster Linie eine Biografie des Läufers, oder, wie Werner Sonntag es in seinem Vorwort treffend beschreibt, eine Bilanz, die sehr detailliert und ehrlich ausfällt. Darüber hinaus ist es aber auch ein Ratgeber und Nachschlagewerk, das durch zahlreiche Einwürfe und Aspekte sowohl für den Einsteiger als auch für den erfahrenen Ultraläufer interessant ist. Gleichzeitig gibt das Buch Antworten auf alle relevanten Fragen zum Ultramarathon.

Lebens Prinzip Bewegung - jeder Begriff kann für sich allein stehen, zusammen gelesen wird sofort deutlich, weswegen der Autor diesen Titel gewählt hat. Für ihn ist Bewegung während seines Lebens zu einem Lebensprinzip geworden, vor allem das Laufen.
Hubert Karl nimmt den Leser auf insgesamt 380 Seiten mit auf seine Lebensreise, wobei er jedes Laufjahr chronologisch in jeweils einem Kapitel zusammenfasst. Damit hat er geschickt die Problematik einer möglichen Überladung bzw. Ermüdung des Lesers umgangen, die Einteilung in Lauf-Jahreskapitel macht es leicht, ein Kapitel zu überspringen und später wieder einzusteigen. Einiges ist nur kurz und knapp erwähnt bzw. zusammengefasst, während die größeren Herausforderungen und Läufe, die für ihn mit besonderen Erlebnissen verbunden sind, ausführlich geschildert werden und den Leser so direkt teilhaben lässt an seinen Erlebnissen und Erfahrungen.

Großen Raum nimmt der Spartathlon ein, detailliert und fesselnd erzählt er von seiner ersten Teilnahme, damals noch gemeinsam mit Werner Sonntag. Darüber hinaus berichtet er ausführlich von den besonderen, herausragenden Läufen wie beispielsweise dem traditionsreichen Sakura Michi oder dem Peace Run (Japan), dem renommierten Badwater (USA), die Querung der Insel La Reúnion oder einem Spendenetappenrennen in den Anden.

Es ist eine Bilanz des Erreichten, Erlebten, eine Lebensgeschichte von Erfolgen, aber auch eine selbstkritische Reflektion der (wenigen) Niederlagen.

Diese Bilanz wird ergänzt und gleichzeitig aufgelockert durch zahlreiche Kapitel bzw. Einschübe, die alle wesentlichen Themen rund um das Laufen behandeln: gesunde Ernährung, Fragen rund um den Laufstil, Ausrüstung, Training und Methodik, grundlegende Informationen zu Muskulatur und Bewegungsapparat, Verletzungen, die Frage nach dem Sport im Alter und vieles mehr.

Diese Kapitel vermitteln knapp und präzise Grundlagenwissen, ergänzt durch individuelle Erfahrungen und Erkenntnisse, wobei schnell deutlich wird, dass sich der Autor intensiv und umfassend mit der Thematik auseinandergesetzt hat und über ein fundiertes Wissen verfügt.

Obwohl viele Anregungen zu Training und Wettkampf, auch Wettkampfverhalten und Ernährung enthalten sind, ist es dennoch kein Trainingsbuch. Hubert Karl gibt Einblicke, wie er trainiert hat und womit er gute Erfahrungen gemacht hat, überlässt eine Beurteilung aber dem Leser.

Kurzweilig, interessant, lesefreundlich, damit kann man das Buch kurz und knapp beschreiben. Vor allem aber hebt es sich ab durch einen erfrischend ehrlichen und gleichzeitig sehr guten Schreibstil, wie er gerade heute nur noch selten anzutreffen ist. Es ist eine Lektüre, die nicht nur Läufern, sondern auch dem interessierten Leser uneingeschränkt empfohlen werden kann.

Ich habe lange kein Laufbuch gelesen, das mich so angesprochen hat. Vielleicht nicht zuletzt auch deshalb, weil ich viele Aspekte meiner eigenen Lauf- und Trainingsphilosophie wiedererkannt habe. In wenigen Wochen steht Hubert Karl wieder in Athen an der Startlinie, um seinen 21. Spartathlon zu bestreiten und ich freue mich, ihn dort zu treffen.

Gelesen und besprochen von Antje Krause

Hubert Karl: lebens prinzip bewegung - Wege und Umwege eines Läufers
Hardcover: 352 Seiten, 1. Auflage (Dezember 2016), Preis: 29,95 € zzgl. Versandkosten (Deutschland 4,90 €, EU 5,90 €) ISBN: 978-3-00-054451-4

Nichts für Hobbyläufer und Lauftreffleiter

Ein neues Buch erklärt, wie Spitzenleistungen im Langstreckenlauf durch systematischen Leistungsaufbau möglich werden.

 

Es ist ein opulentes Werk, das hier anzuzeigen ist - 480 Seiten stark, mit 97 Fotos, 38 Abbildungen und 204 Tabellen versehen, durchgängig farbig gedruckt und im Großformat gefertigt. Es verspricht im Untertitel "Leistungssteigerung mit System" für Langdistanz- und Marathonläufer. Verfasst hat es der Lauftrainer und Sportwissenschaftler Frank Hennig, 51 Jahre alt, der unter anderem von 2007 bis 2011 die Leichtathletikabteilung des SC DHfK Leipzig führte und aktuell Trainer des LAZ Leipzig ist. Er trainierte einige Athleten der erweiterten deutschen Spitze und beschäftigt sich zudem mit den Themen Präventionssport, Leistungsdiagnostik, Trainingsplanung sowie Laufanalyse. Darüber hinaus hält er Vorträge und gibt Seminare.

Mit seiner Publikation möchte Hennig "leistungsorientierte Läufer und Triathleten ebenso ansprechen wie Trainer und Sportwissenschaftler", heißt es im Vorwort, um ihnen ein "systematisches Konzept zur Entwicklung von Spitzenleistungen im Langstreckenlauf bzw. Marathonlauf" vorzulegen. Es gehe um einen systematischen und langfristigen Leistungsaufbau, um Athleten auf das Niveau internationaler Meisterschaften zu heben, so der Autor weiter. Das Buch sei ein Versuch, eine Brücke zwischen sportwissenschaftlicher Abhandlung und praktischem Ratgeber zu schlagen. Für seine Analyse verwertete er überwiegend Daten aus "früheren leistungssportlichen Zeiten ..., Diplomarbeiten verschiedener DDR-Leistungssportler, Studienmaterialien der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (Leipzig)", Lehrmaterialien des DLV sowie die eigene Diplomarbeit und eigene Trainererfahrung aus.

Zu Beginn seiner Darstellung klärt Hennig die Schnelligkeitsvoraussetzungen für Langstreckler in den Unterdistanzen. Dazu zieht er unterschiedliche Daten heran, Weltrekorde, Normen, Kaderrichtwerte für unterschiedliche Distanzen und Altersklassen für Männer und Frauen. Im Kapitel 3 (Kraftfähigkeiten), 4 (Ausdauerfähigkeit) und 5 (Aerob-Anerobe Voraussetzungen) setzt er sich mit zentralen Voraussetzungen des Athleten und deren Trainierbarkeit auseinander. Thematisiert werden etwa Schrittlänge und -frequenz, Sauerstoffaufnahme und die Geschwindigkeitsbereiche des Trainings. Dabei hält er die übliche Differenzierung nach GA1 und GA2 für nicht ausreichend und schlägt "zwingend" ein Dreistufenmodell vor. In dem Zusammenhang diskutiert der Autor unterschiedliche Trainingsformen (Intervalle, Tempoläufe, Fahrtspiel). Weitere Kapitel (6 bis 9) widmen sich dem Höhentraining, dem Klimatraining und Besonderheiten des Lauftrainings für den Marathon und bei Frauen.

Recht zentral in der Abhandlung steht das Kapitel zehn, in dem der Autor vier der seiner Meinung nach fundamentalsten Trainingssysteme referiert und auf ihre Brauchbarkeit untersucht, die von Arthur Lydiard, Waldemar Cierpinski, Renato Canova und Arne Gabius. Dem folgen zwei umfangreiche Kapitel über Trainingsteuerung (11) und Trainingsplanung (12), bevor auf über 100 Seiten ein Tabellenteil (13) folgt mit differenzierten Trainingsplänen für Hochleistungssportler. Die letzten drei eher kurzen Kapitel widmen sich alternativen Trainingsformen (14) wie Aquajogging oder Inlinern, der Verletzungsprophylaxe (15) und der Ernährung (16). Im Anhang finden sich das Literaturverzeichnis, einige weitere Tabellen sowie vom Autor entwickelte Zielzeitrechner, die auf Unterdistanzzeiten basieren.

Es ist keine Frage, dass der Autor weiß, wovon er spricht, dass er in der Materie zu Hause ist. Er hat ein Buch vorgelegt, dessen Zielgruppe sehr klein ist und sich vor allem an Spezialisten im Langstreckentraining richtet, an engagierte Trainer im Leistungssport (Erwachsene und Jugendliche), an ambitionierte Langstreckler, die bereit sind, sich mit differenzierten Sachverhalten und komplizierten Auswertungen ihres eigenen Trainings auseinanderzusetzen und an Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Ausdauersport.

Diese Rezipientengruppe wird das Buch im Detail sicher viele Anregungen zur Gestaltung des Trainingsaufbaus auch dann geben, wenn der Einzelne mit einigen entwickelten Vorstellungen des Autors nicht übereinstimmt und beispielsweise sein Dreistufenmodell im Geschwindigkeitsbereich nicht übernehmen möchte. Günstig hier sicher, dass die Theorie und die technisch-medizinische (Laktat, Vmax, Herzfrequenz) Spezifikation des Trainings immer in Bezug zur Trainingspraxis und zur eigenen Trainingserfahrung gesetzt wird. So trägt Frank Hennig Vorgänge aus seinen Trainingsgruppen vor, etwa im Zusammenhang bei der Vorbereitung seines Schützlings Jakob Stiller im Vorfeld seiner deutschen 10.000-m-Vizemeisterschaft 2015 oder dem Trainingsfrust seiner Läuferin Laura Clart, die trotz der Umsetzung aller Vorgaben in einem Jahr keine entsprechenden Fortschritte machen konnte.

Ein Lesebuch ist Hennigs Werk nicht, aber ein vielversprechendes, auf langfristige Erfolge zielendes Arbeitsbuch. Man wird ihm Kapitel- oder Themenweise mit Textmarker, Bleistift und Notizblock zu Leibe rücken und akribisch die Geschwindigkeits- und anderen Tabellen in den unterschiedlichen Trainingsphasen ein ums andere Mal studieren. Außerdem dürften einige Thesen und Gedankengänge Anregungen für fachliche Diskussionen geben.

Einen weitgehend homogenen Eindruck gewinnt man nach der Lektüre jedoch nicht. Zum einen liegt das an der Materialbasis. Während die Basisdaten aus der Zeit vor der Wende (sämtliche auf DDR-Archive oder DDR-Publikationen zurückgehend) sehr dicht und umfangreich sind, bleiben sie für die Zeit nach 1990 eher spärlich und manchmal sogar zufällig. Etwa wenn der Autor im Internet auf veröffentlichte Versuchsreihen von Arne Gabius stößt, die zudem nicht die Charakteristika erfüllen, die die anderen Materialien haben (Häufigkeit, Dauer). Das wird vermutlich daran liegen, dass wichtige Kapitel des Buches (bis Kapitel 10) auf des Autors eigener Diplomarbeit beruhen, die vor über einem Vierteljahrhundert, 1990, erstellt wurde und aus der eigentlich noch eine Dissertation erwachsen sollte, die aber nicht zustande kam.

Etwas aus dem Rahmen einer intensiv Daten und Zahlen gestützten Argumentation fallen einige eher "erzählende" Kapitel, wie etwa das zum Klimatraining, in dem sogar günstige Trainingsorte in der Toskana oder Portugal empfohlen und mit Fotos illustriert werden. Die Kapitel zur Ernährung, zum Alternativtraining und zur Vorbeugung von Verletzungen passen nicht recht zum Ganzen und wirken nicht wie eine gelungene Abrundung, sondern eher wie eine vom Lektorat auferlegte Pflichtübung, um doch ein etwas breiteres Publikum anzusprechen.

Gelesen und besprochen von Michael Schardt

Frank Hennig: Marathon & Langdistanz. Leistungssteigerung mit System. Aachen: Meyer & Meyer Verlag `17, 480 S., Klappenbroschur 36.- €, ISBN: 978-3-89899-925-0

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