Herbert Steffny wird 65 Jahre alt

Gewinn der Bronzemedaille bei der Europameisterschaft '86
war Karriere-Höhepunkt

… auch als Veranstalter von Lauf-Seminaren
und als Buchautor erfolgreich

von Winfried Stinn im September 2018 

Herbert Steffny, einer der erfolgreichsten deutschen Marathonläufer, wird am 5. September 65 Jahre alt. Der für den PTSV Jahn Freiburg startende Läufer feierte seinen größten Erfolg bei der Europameisterschaft 1986 in Stuttgart, wo er mit seinem dritten Platz als erster und einziger Läufer der damaligen Bundesrepublik eine Medaille bei einer internationalen Marathonmeisterschaft gewann. "Auch nach mehr als 30 Jahren werde ich auch heute noch auf den Medaillengewinn angesprochen. Natürlich kennen mich die Jüngeren eher über meine Bücher oder TV-Kommentierungen, aber die Mastersklasse gratuliert mir immer noch zu dem damaligen Erfolg", stellt Steffny erfreut fest. "Dieser internationale Erfolg hat neben den drei Frankfurt Marathon Siegen nicht nur mir zum Durchbruch verholfen, sondern auch damals maßgeblich zur Anerkennung des Marathonlaufs in der deutschen Leichtathletik beigetragen", führt der erfolgreiche Langstreckenläufer weiter aus.

Die Weltmeisterschafts- und Olympiateilnahme, 16 Titel bei Deutschen Meisterschaften, Siege und vordere Platzierungen bei City Marathons, ergänzen seine eindrucksvolle Erfolgsbilanz. Für Schlagzeilen sorgte Steffny, als er 1998 den damaligen amtierenden Außenminister Joschka Fischer bei dessen Marathon-Debüt in Hamburg zum Erfolg führte. Steffny hatte Fischer nicht nur am Marathontag begleitet, sondern ihn intensiv auf dieses Ereignis vorbereitet.

 

Nach seiner aktiven Laufbahn . machte sich Steffny einen Namen als Veranstalter von Laufseminaren im In- und Ausland als Co-Kommentator im Fernsehen bei City Marathons und als Journalist für Fachzeitschriften. Auch für LaufReport schreibt Herbert Steffny immer mal wieder Reportagen. Besonders erfolgreich ist er als Buchautor. Schon sein erstes Buch "Perfektes Lauftraining" wurde rund 500.000-mal verkauft. Auch die anderen Bücher wie "Marathontraining für Frauen" oder "Die Laufdiät" wurden Bestseller. Zum Standardwerk avancierte sein umfangreichstes Buch "Das große Laufbuch". Der "Longseller" ist bis heute in mehreren Sprachen übersetzt worden. "Besonders habe mich über die chinesische Übersetzung gefreut, obwohl ich sie nicht lesen kann. Die geht nun sogar in die zweite Auflage", so Steffny.

Nachdem der Badische Leichtathletikverband seit 2018 beim Freiburg Marathon mit "im Boot sitzt", fungiert Steffny dort auch als Berater. Mit Laufen und Radfahren hält sich Steffny weiterhin fit. "Bei meinen Seminaren und Laufreisen leite ich auch die Lauftreffs. Im Winter bin ich auch Skilangläufer. Im Sommer macht mir Rennradfahren mehr Spaß. Vor meiner Laufkarriere startete ich als Schüler schon bei Radrennen." Noch in den letzten Jahren nahm er auch immer wieder an Radrennen wie beispielsweise beim Schauinslandkönig- Bergzeitfahren, Prudential-Race, ein 165 Kilometerrennen in England teil. "Toll war die ‚Etappe du Tour', wo Originaletappen der Tour de France von Hobbyfahrern geradelt werden." Mit dem Rad fährt er auch regelmäßig von Titisee nach Zürich, wo seine Partnerin lebt. "Für die 90 km brauche ich drei Stunden, die wäre ich auch mit Bus und Bahn unterwegs."

Die Karriere von Anfang an

 

Seinen ersten Wettbewerb bestritt Steffny als neunjähriger Junge. Weil dem TVG Trier zwei Läufer für die 4 mal 50 Meter Staffel fehlten, sprangen er und sein jüngerer Bruder ein. "Die Urkunde habe ich heute noch", erinnert sich Steffny, der aus einer sportbegeisterten Familie stammt, gerne an sein erstes Wettkampferlebnis. Sein Bruder Manfred, Herausgeber der Laufzeitschrift "Spiridon", war 1968 und 1972 Olympiateilnehmer im Marathonlauf. Als Schüler hatte Herbert Steffny auch Erfolge im Mehrkampf. Vor allem der Hochsprung, und der damals neu aufkommende "Fosbory-Flop", bereiteten ihm Freude. "Ich sprang als 15jähriger 1,68 Meter und konnte mich damit im Rheinland unter den besten zehn platzieren."

Herbert und Manfred Steffny gemeinsam im Journalisteneinsatz
beim Trierer Silvesterlauf - Foto © LaufReport

Sein Talent für die längeren Strecken kristallisierte sich erst nach einem Wachstumsschub heraus. Siege bei regionalen Crossläufen, Siege bei Kreis- und Bezirksmeisterschaften sowie zweite Plätze bei den Rheinlandwaldlauf- und Deutschen Crosslaufmeisterschaften, deuteten auf eine verheißungsvolle Karriere hin. Doch 1972 unterbrach er zunächst einmal seine Laufbahn. "Der Übergang in die Juniorenklasse hatte nicht ganz so geklappt wie ich mir das vorgestellt hatte, dazu kam noch das Biologie Studium. Das Studium war und ist mir bis heute sehr hilfreich. Die Biologie ist die Grundlage von Trainingslehre, Sportmedizin oder Ernährungswissenschaft. Insofern war meine Uni-Karriere nicht umsonst, das fließt in Bücher oder Vorträge mit ein."

Nach elf Jahren "Abstinenz" vom Leistungssport begann Steffny 1983 seine zweite Karriere. Der "Wahl-Freiburger" schloss sich dem PTSV Jahn Freiburg an. Im gleichen Jahr wurde er Deutscher Hochschulmeister und Deutscher Seniorenmeister (M30). Beide Titel errang er über 10.000 Meter. Nur ein Jahr später gewann er in Waldniel die Deutsche Meisterschaft über 25 km. Den Marathontitel hatte er zuvor als Zweitplatzierter nur um sechs Sekunden verpasst. Erstmals trug er 1984 das Nationaltrikot.

 

Trotz der guten Leistungen und der Erfüllung der Olympianorm wurde Steffny vom DLV nicht für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles nominiert. "Er sei zu alt", begründete der DLV gegenüber dem damals 31jährigen. Eine groteske Aussage, berücksichtigt man, dass gerade im Ausdauersport die Älteren ganz weit vorne zu finden sind. Mit Wut im Bauch schaffte er noch im Olympiajahr beim New York Marathon mit einem ausgezeichneten dritten Platz den internationalen Durchbruch. 1985, mittlerweile gehörte er zum B-Kader, verteidigte er seinen deutschen 25 km Titel und gewann die deutsche Marathonmeisterschaft.

Herbert Steffny siegt beim Frankfurt Marathon 1985 in 2:12:12. In Frankfurt steht er drei Mal ganz oben auf dem Siegerpodest
Foto © Gustav E. Schröder

1986 wurde Steffnys erfolgreichstes Jahr. Das Jahr 1986 stand ganz im Zeichen der Leichtathletik Europameisterschaft in Stuttgart. Zusammen mit Ralf Salzmann lief er sein größtes Rennen. Vor heimischem Publikum gewann er als Dritter vor Salzmann die Bronzemedaille mit der Zeit von 2:11:30 Stunden. Es war der erste und es blieb auch der einzige Medaillengewinn bei einer internationalen Meisterschaft im Marathonlauf für einen Läufer aus der damaligen Bundesrepublik. Nur wenige Monate später bestätigte er diese Top-Leistung und lief in Chicago mit 2:11:17 Stunden seine persönliche Bestzeit, die dann auch als seine Karriere-Bestzeit Bestand haben sollte.

Ebenfalls 1986 verlieh ihm die Deutsche Olympische Gesellschaft die "Fairplay-Medaille". Für eine Überraschung sorgte er 1987, als er bei der deutschen Meisterschaft über 10.000 Meter die Spezialisten besiegte und sich damit seine erste deutsche Meisterschaft auf der Bahn holte.

Ein weiterer Karrierehöhepunkt sollten die Olympischen Spiele 1988 in Seoul werden. Auf Grund seiner guten Resultate war er vom DLV für Seoul vornominiert, sodass er sich intensiv auf die Spiele vorbereiten konnte. Doch das Olympiapech blieb ihm treu, die Mannschaftsärzte erteilten ihm wegen einer fiebrigen Grippe unmittelbar vor dem Rennen Startverbot. Auch diese Enttäuschung steckte er weg und stellte die nacholympische Saison unter das Motto "Rache für Seoul". Den großen Worten ließ er prompt Taten folgen. Er gewann die Deutsche Crosslauf-Meisterschaft, wurde mit der Mannschaft Vizemeister im Cross und Deutscher Meister im Bergauf.

1995 gelang dem zwischenzeitlich 42jährigen Ausnahmeläufer, nach einer längeren verletzungsbedingten Wettkampfpause, ein eindrucksvolles Comeback. Schon im Frühjahr lief er beim Boston Marathon 2:21:38 Stunden. Mit 2:18:35 Stunden blieb er im Herbst beim Twin City Marathon erstmals wieder unter der begehrten 2:20 Stunden Marke. Zuvor hatte er bereits im Halbmarathon mit 1:05:41 Stunden einen neuen deutschen Masterrekord aufgestellt. Ein Jahr später trumpfte Steffny nochmals ganz groß auf. Er gewann beim 100. Boston Marathon die Masterswertung. Trotz starker Schmerzen hielt er den Lauf durch, lief nochmals mit 2:19:33 Stunden eine akzeptable Zeit. Ein erneutes Comeback feierte Steffny mit 50 Jahren und wurde Deutscher Seniorenmeister in der M50 im Cross- und Marathonlauf sowie über 10 Kilometer, wobei er mit 32:31 Minuten eine deutsche Seniorenbestleistung aufstellte.

Seinen letzten Marathon bestritt Steffny 2006 beim Medoc Marathon in Bordeaux "Das war aber ein nicht zu ernst zu nehmender Lauf. Unterwegs gab es Rotwein, Schinken, Kuchen und Austern. Das hat riesig Spaß gemacht und ich genoss ohne Leistungsdruck diesen Lauf als Gourmetläufer durch die Weinlandschaft. Nach 6:26 Stunden erreichte ich das Ziel", erzählt er schmunzelnd. Ansonsten nimmt er bei einigen Rennen als Zugläufer bzw. Tempomacher teil. Ernsthafte Rennen mache er nicht mehr.

 

Seit 1989 veranstaltet Herbert Steffny Ausdauerseminare, die bis zum heutigen Tag auf große Resonanz stoßen. Die Seminare finden im In- und Ausland statt. Dabei sind so reizvolle Urlaubsziele wie Fuerteventura, Andalusien, Hawaii und St. Moritz die Highlights. Und zwischendurch gibt es immer wieder Laufseminare in seiner Wahlheimat Schwarzwald. Bei den Seminaren im Hochschwarzwald wird das Laufen im Sommer durch Mountainbike und im Winter durch Skilanglauf ergänzt. Mit dem mehrfachen Deutschen Berglaufmeister und Olympiakoch Charly Doll, dem Olympiasieger in der Nordischen Kombination von 1960 Georg Thoma, dem mehrfachen Deutschen Skilanglaufmeister Peter Zipfel, um nur einige zu nennen, hat Steffny ein namhaftes Referententeam zusammengestellt, welches durch bekannte Sportärzte ergänzt wird. Seine Laufseminare richten sich an Anfänger und Fortgeschrittene. "Jedes Jahr will ich weniger machen, aber es wird dann doch das gleiche Programm, da es mir einfach Spaß macht, andere zu begeistern."

Herbert Steffny auf Fuerteventura -
Foto Anja Janoschka © www.steffny.com

Neben dem Laufsport begeistert sich der Biologe Steffny für die Natur. "Auch bei meinen Dauerläufen beobachte ich die Natur, das ist gerade hier oben im Schwarzwald faszinierend. Seit Jahren interessiere ich mich für Vögel, die ich als Sportfotograf, nebenbei natürlich auch mit dem Teleobjektiv jage. Bei der Kenia Reise bin ich nicht nur als Sporttrainer, sondern auch als Zoologe dabei, um den Teilnehmern die Tierwelt und die Natur Afrikas näher zu bringen."

So lassen sich die beiden Hobbys Sport und Natur, die Steffny zum Beruf machte, optimal mit einander verbinden und so wird es Steffny auch im "Rentenalter" nicht langweilig werden.

Seine größten Erfolge:

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Bronzemedaille 1986 bei der Europameisterschaft in Stuttgart im Marathonlauf

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Teilnehmer an den Olympischen Spielen 1988 und an Weltmeisterschaften

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16 Deutsche Meisterschaften (einschließlich Seniorentitel) im Einzel und Mannschaft

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Sieger verschiedener City Marathon, u.a. dreimal Frankfurt

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3. Platz beim New York City Marathon

 

Bestzeiten

5.000 Meter

13:46 Minuten

1987

10.000 Meter

28:31 Minuten

1987

Halbmarathon

1:03:35 Stunden

1987

25 km

1:14:33 Stunden

1986

Marathon

2:11:17 Stunden

1986

Herbert Steffny

geb. 5. September 1953 in Trier
wohnhaft seit 1992 in Titisee/Schwarzwald

Heute: Buchautor, Veranstalter von Laufseminaren, Fachjournalist, Co-Kommentator bei City-Marathons, Referent

Infos: www.herbertsteffny.de

 

Das Portrait "Herbert Steffny" erstellte Winfried Stinn
Fotos © Winfried Stinn, Gustav E. Schröder, Constanze Wagner, Herbert Steffny

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