4./5.6.11 - 21. Regensburg Marathon

Saids ihr guuaad drrrauf?

von Constanze & Walter Wagner

Vor 21 Jahren trafen sich zum Regensburg Marathon nur Extremsportler. Heute ist der Regensburg Marathon ein großes Fest für die ganze Familie. Diese Einschätzung ist aus dem Grußwort der Geschäftsführerin der Regensburg Marathon GmbH Marion Fuchs und die Vorstandvorsitzende des LLC Marathon Regensburg e.V. Sylvia Gingele entnommen. Und so ist auch die Ausrichtung für die Zukunft. Damit liegt Regensburg auf dem Kurs einer ganzen Reihe mittelgroßer Laufevents, die sich zum Überleben immer mehr von der Königsdistanz auf die früheren Nebenbewerbe verlagern, beziehungsweise Unterdistanzen, Staffelläufe, mitunter gar eine Kette von Rahmenveranstaltungen einführen.

Die Steinerne Brücke, neben dem Regensburger Dom eines der Wahrzeichen der Stadt Regensburg, gilt als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst und war früher in die Marathonstrecke eingebunden Nicht nur der Regensburger Dom ist begehrtes Fofomotiv - denn Achtung! macht man ein Foto von den "Klinik-Clowns", die bei den Kinderläufen am Samstag für eine großartige Stimmung sorgten, wird direkt die "Clownskamera" gegengezückt Beim "Einlass" zum Start der Kinderläufe, wurde, obwohl auf neun Stück verteilt, sogleich um die beste Startposition gerungen

 

Mit dem doch meist regionalen Einzugsgebiet einer Laufveranstaltung arrangiert man sich langsam und trägt diesem mit einer verstärkten umlandorientierten Austragung sogar Rechnung.

Die Zeiten des Aufbruchs, als man noch in jeder Stadt mit einem Aufstieg in die Liga der ganz großen Veranstaltungen spekulierte, sich gern im Verbund mit Berlin, Hamburg, Frankfurt, London und New York nannte und diesem Streben auch auf der Leistungsebene allerhand opferte, vielleicht sogar im Glauben an eine internationale Beachtung der Eliteathleten, diese Zeiten sind doch vielerorts beendet.

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Träumereien hat die Realität eingeholt.Wer nicht alljährlich aufs Neue desillusioniert seinen Marathon auswerten will, scheint gut beraten, sich, das eigene Team und die Sponsoren mit dem Erfolg der Gesamtveranstaltung zu beglücken und dem Marathon weniger Gewicht, keinesfalls die Hauptlast des Gelingens aufzubürden.

Berthold Fehlner, Radvorausfahrer für die Kinder und morgen selbst als Halbmarathonläufer unterwegs, steht Rede und Antwort. Vor 3 Jahren beim LLC Marathon Regensburg eingetreten, ist er schon 2x den HM mitgelaufen. Ebenfalls laufbegeistert ist Tochter Antonia, die im ersten Lauf über 2,1 km 2. wurde. Sein Ziel unter 2 Stunden zu laufen erreichte er am nächsten Tag mit 2:07:18 h nicht ganz Helferkette vor dem Start der Bambini - ein Versuch die jungen Sprinter mit neutralisiertem Start zum ökonomischen Loslaufen zu zwingen Zahlreiche Helfer und Moderatoren sind schon bei den Kinderläufen im Einatz. Diese hatten offensichtlich Spaß an der "Kinderarbeit"

"Wie lang ist ein Marathon?" - Diese Frage gestellt zu bekommen, ist auch nach Jahrzehnten mit einem Netz von City-Marathons selbst in Städten wie Regensburg nicht ungewöhnlich. Für viele ist Marathon ein Sammelbegriff für das Laufen schlechthin und nicht an eine bestimmte Distanz geknüpft. Nicht einmal an eine lange Strecke. Kommt man weniger in der Materie steckenden Zeitgenossen dann noch mit erzielten Zeiten, spätesten dann wird man einräumen müssen, dass die längste olympische Laufdisziplin noch immer ein Exote ist. Mehr noch, der Zenit scheint überschritten. Marathons verlieren nicht nur Teilnehmer, sondern auch Beachtung. Fernsehanstalten verabschieden sich und das heldenhafte Ansehen des Marathonläufers verblasst. Die Entwicklung geht zur kürzeren Distanz.

Als erstes erscheinen die Führenden des 10 km Laufs auf der für alle Disziplinen gemeinsam gestarteten Runde. Mit der Nr. 8685 der Sieger Paul Kipkorir und der 2. Sammy Kipruto 3. und Regionalsieger wird Ralf Preißl vom LLC Marathon Regensburg 10 km Siegerin Gladys Kiprotich

Den Wechsel hat man in Regensburg längst vollzogen. Was 1990 gleich mit über 1000 Marathonläufern begann und 2005 mit 1642 Finishern über 42,195 Kilometer seinen Höhepunkt fand, ist sukzessive auf knapp 600 geschrumpft. Dass das Vorjahresergebnis nun leicht übertroffen wurde, sollten die Verantwortlichen aber getrost als positives Signal werten, schließlich war im Vorjahr eine Jubiläumsaustragung und mit 10 Grad viel bessere Bedingungen als in diesem Jahr, wo bei großer Hitze der fliegende Wechsel auf Halbmarathon nur zu verständlich, ja fast ratsam erschien. Da hat man dem Slogan "alles bleibt gut, manches wird besser" vertraut. Tatsächlich war vieles besser beim 21. Regensburger Marathon, wenngleich ein paar organisatorische Mängel beim runderneuerten Event Potential für eine noch bessere 22. Austragung ließen.

3. über 10 km wird die B-Jugendliche Julia Lettl. Matthias Lettl, hier vor ihr, wird schnellster B-Schüler mit gesamt Platz 12 (beide vom SC Spiegelau) Marco Sturm wird mit Platz 4. beim Halbmarathon bester Deutscher Halbmarathonsieger Thomas Krop Muke

Den Kopf in den Sand zu stecken, das ist dem LLC Marathon Regensburg nicht gegeben. Deutschlands großer Laufverein in der Region Oberpfalz startete ins dritte Marathonjahrzehnt mit einigen "Updates". Dabei könnte man den Umzug in die Donau Arena fast als neues Programm bezeichnen, denn damit ist die Zeltstadt auf dem Infineon Parkplatz Geschichte. Die Multifunktionshalle, die überwiegend als Eisstadion genutzt wird, bietet mit einer Haupthalle und einer Trainingshalle großzügig Platz für den Marathon mit allem Drumherum. Zudem ist der 7600 Besucher fassende Veranstaltungstempel mit einem Großparkplatz und einem weitläufigen Außenbereich ideal für das zweitägige Laufereignis. Aussteller äußerten sich sehr zufrieden über die Messeräume und das mehrstöckige Areal bot Zuschauern sowohl drinnen als auch draußen fast Logenplätze um dem sportlichen Treiben zu folgen. Mit dem Zieleinlauf in der Halle konnte auch die Attraktivität gesteigert werden, obgleich dieser an einem Regentag ungleich stärker zum Tragen kommen dürfte.

Richtung Domplatz kann man schon mal "Regensburger Domspatzen" begegnen

Und um Nägel mit Köpfen zu machen wurde der Umzug in Regensburg Osten gleich für eine neue Streckenlegung genutzt und obendrein hatte man auch am Konzept gefeilt und eine Regionalwertung eingeführt. Die Sorge eines Förderers, dass sich wegen der Kinderläufe kaum jemand zur Donau-Arena bewegen würde, war unbegründet.

Seit nunmehr 15 Jahren haben die ostwind Kinderläufe einen besonderen Stellenwert in Regensburg. Die Teilnahme ist auf 2000 limitiert und über drei Stunden wird ein läuferisches Feuerwerk abgefackelt, das auf eine rosige Zukunft der Leichtathletik hoffen lässt. Noch stimmt hie und da das Timing nicht, wird die zweite Runde arg lang, doch Übung macht bekanntlich Meister.

Über 770 m und 2,1 km tastet sich der Nachwuchs an den Mini-Marathon über 4,2 Kilometer heran, bei dem so manches Gesellenstück abgeliefert wird. In der A-Jugend siegte LLC Eigengewächs Thomas Schackmann überlegen in 14:52 min. Der vereinslosen B-Jugendliche Sven Setzer konnte sich in 15:38 durchsetzen und bei den A-Schülern zeigte Thomas Schien (run and bike Kelheim) in 15:52 min nicht nur seinen Vereinskameraden die Hacken. Mit Theresa Schmid hat der LLC Marathon Regensburg ein Talent in den eigenen Reihen, die noch B-Jugend in 16:44 min die schnellste Zeit ablieferte. Die Vereinskameradinnen Manja Boldt folgte in 18:04 min (1. A-Schülerin) und noch ein Jahr jünger Ann-Marie Mann in 18:10 min. Leonie Ehring konnte sich Rang vier mit dem Sieg der weiblichen A-Jugend in 18:12 min versüßen.

Über den Altdorfer Platz vorbei am Diözesanmuseum St. Ulrich geht es weiter zum Domplatz

Was mit dem Frühstückslauf am Samstagmorgen begann, von der Nudelparty begleitet im Marathon Café und Biergarten seinen Ausklang fand, setzte sich früh am Sonntagmorgen fort. Der ausdauersportliche Ausnahmezustand startete um 7.30 Uhr auf Rollen durch die Stadt. Beim Inline Skating über die Halbmarathondistanz wird Kopfsteinpflaster nicht gänzlich ausgespart, aber ein paar Umfahrungen gibt es schon. In diesem Bewerb, führt wie bei den Radrennfahrern meist das gute Teamwork zum Erfolg. Dass die Favoriten am Ende den Sieg unter sich ausmachen, ist für Insider wenig überraschend. Im Spurtentscheid hatte dieses Mal Felix Rijhnen in 32:39 vor seinem bekanntermaßen stärksten Gegner Stefan Rumpus die Schuhspitze vorn. Bei den Damen ergab sich das erwartete Duell zwischen Katharina Rumpus und Mareike Thum zu dem sich noch Katja Ulbrich gesellte. In dieser Folge stehen die Mädels auch an der Spitze der Ergebnisliste mit jeweils 38:02 min.

Schnellste Männer Marathonstaffel, das Team Sonnenkraft (kein Wunder bei dem Wetter) HM 2. Konstanze Groth wird auch Reginonalsiegerin Halbmarathonsiegerin wird Michaela Zwerger Auch bei der Marathonstaffel der Frauen gewinnt das Team Sonnenkraft

Maximal eine Stunde hatte man für die 188 Speedskater eingeplant, denn um 8.30 Uhr erfolgte der Start für alle weiteren Wettbewerbe. Marathon solo, als Staffel, Halbmarathon oder 10 km setzte sich in Bewegung um nach zwei Kilometern über die Nibelungenbrücke in das Stadtzentrum einzufallen. Erwärmung, Regenschutz, Wegwerf-T-Shirt waren kein Thema an diesem sonnigen Sonntagmorgen. Es wurde das vorhergesagte heiße Rennen. Mit dem frühen Start wollte man der Hitze ein Schnippchen schlagen, doch hätte man sich am 5. Juni 2011 am Honolulu Marathon orientieren müssen mit Start um 5.00 Uhr, um der Sonne aus dem Weg zu gehen. "Bei dem Wetter läuft man keinen Marathon", kommentierte ein Athletenmanager die hochsommerlichen Bedingungen. Internationale Eliteläufer waren zwar in diesem Jahr nicht mehr speziell eingeladen worden, ließen sich aber den Kampf um die Siegprämien nicht entgehen.

Auf dem Bismarckplatz bei km 16,5 erscheint Marathonläufer Joel Chepkopol als Führender Dem Kenianer dicht auf den Fersen, Stefan Groß vom TUS Deuz Auf Marathonplatz 3 läuft Triathlet Stephan Aitl

Einen sportlichen Höhepunkt boten die afrikanischen Läufer dann auch über 10 Kilometer. Paul Kipkorir siegte mit der Nettozeit von 28:58 min und konnte sich so zudem die Rekordprämie einstreichen, die es trotz geändertem Kurs zu verdienen gab. Sammy Kipruto folgte in 30:35 min. Eine klare Sache auch Platz drei für Ralf Preißl in 32:41 min (brutto hatten alle 3 zwei Sekunden mehr auf dem Konto), der als LLC Marathon Regensburg Läufer die Regionalwertung gewann. Noch unter 35 Minuten blieben die Folgenden, Florian Zimmermann (34:26) und der zeitgleich einlaufende Sebastian Bauer.

Bei km 17 des Marathonlaufs liegt Andrea Schadewell noch in Führung Daniela Pivatta folgt knapp dahinter Marianne Odörfer wird 5. und 1. W40 beim Marathon 4. Marathonmann Stefan Heigl

Ähnlicher Ausgang bei den Frauen. Es siegte in 34:15 min Gladys Kiprotich vor Christine Chepkemei (34:54). Julia Lettl vom SC Spiegelau wurde Dritte in 38:25 min. Wieder das Spiel mit den 2 Sekunden mehr brutto bzw. 3 sec bei Julia Lettl. Sabine Dollinger lieferte in 39:12 min das vierte und letzte Ergebnis unter 40 Minuten ab. Sechste in 41:41 min wurde die Siegerin der Regionalwertung Eva Hastreiter (ebenfalls LLC Marathon Regensburg).

644 Finisher und fast so viele Frauen wie Männer im Ziel hatte man dieser "Kurzstrecke" zu verdanken, die für eine Sightseeingtour ziemlich viel zu bieten hatte.

Kirchen wohin man blickt - auch beim Laufen über den Neupfarrplatz

Die Trupps über die Langdistanzen verabschiedeten sich nach fünf Kilometern zum Luftschnappen in den Donaupark. Nach mehreren Kilometern am Donauufer stromaufwärts führte der Weg durch den Stadtteil Prüfening schließlich wieder zurück ins Zentrum, wo auf Parallelspur weitere Sakralbauten und Historisches erlaufen wurden. Nach 18 Kilometern führte der Weg des Halbmarathons direkt zur Nibelungenbrücken und zur Donau Arena wo Thomas Krop Muke nach 1:06:26 h als Sieger empfangen wurde vor seinen kenianischen Landsleuten David Kirui (1:07:27 h) und Benjamin Kemboi (1:09:26 h). Für den LLC Marathon Regensburg am Start lief Marco Sturm aus Altötting auf den vierten Platz in 1:15:09 h vor Tobias Plößl (SV Amberg in 1:15:37 h.

Zugläufer in auffälligem gelb-grün auf dem Neupfarrplatz Sascha Daniel musste nach einer 1:29 h Halbzeit eine 1:47 draufpacken und verlor so einen der begeehrten sub3h-Plätze Trio SV Ohmenhausen mit Markus Ruopp (links) und Peter Keinath, die nach 3:04 h ins Ziel liefen, der Mann in der Mitte. den es zu unterstützen galt, ging unterwegs verloren

Deutsche Siege gab es auch zu bejubeln. So war Michaela Zwerger von der BSG Infineon / Weissenbach 1:29:08 h nach dem Startschuss im Ziel. Zweite wurde die Regionalmeisterin Konstanze Groth vom LLC Marathon Regensburg in 1:29:48 h vor der Regensburgerin Stefanie Fuchs in 1:31:03 h. Mit 2368 gelisteten Finishern, davon 611 Frauen, war dieser Bewerb der stärkste Zahlenlieferant. Im Vorjahr konnten noch 2565 Finisher gezählt werden. Doch war man am Ende einfach glücklich, dass mit rund 500 Nachmeldungen über alle Bewerbe und somit weit über 5.000 Teilnehmern ein gutes Ergebnis erzielt werden konnte. So gab es am Ende einer aufwühlenden Vorbereitung mit Phasen wo kaum Voranmeldungen abgegeben wurden, einen sehr versöhnlichen Ausgang.

Viel historische Altstadt beim Marathon in Regensburg. Glücklicherweise gehören Henkersgeschichten, wahnsinnige Mörder und Gesetzlose in Regensburg der Vergangenheit an. Doch im Spannungsfeld kirchlicher und weltlicher Macht hat sich in den Gemäuern der "nördlichsten italienischen" Stadt Faszinierendes und Schauerliches zugetragen

Einen Namen als Ausländerfreundlich machten sich die Regensburger schon nach der Maueröffnung, als man finanzschwachen Osteuropäern das Startgeld erließ. 1991 starteten fast 400 Läufer aus dem Nachbarland Tschechoslowakei von denen sich 54 in der Top100 platzieren konnten. Auch 2011 fällt auf, dass man zuerst die Keniahymne spielt und erst danach die deutsche. Aber wieso zwei Hymnen? Das größte organisatorische Missgeschick passierte einem Führungsfahrer, der nach 18 Kilometern der Halbmarathonstrecke folgte, im Schlepp Joel Chepkopol, der gut gelaunt und siegessicher den Zuschauern zurück applaudierte. Dann kam die Stunde der Wahrheit. Stefan Groß räumte ein, dass man sich verlaufen konnte, was ihm aber nicht passierte. Dass er nach 18 Kilometern plötzlich in der Leaderrolle zur Wende auf der Straubinger Straße lief, fiel ihm aber lange nicht auf. Wo war der Kenianer abgeblieben, fragte er sich später schon.

Die Straßencafés waren gut besucht In der zweiten Runde erneut vorbei am Rathauskeller wurde es für Marathonläufer einsamer

1:13:00 wurde Stefan Groß bei Halbzeit festgehalten. Der hagere Ingenieur, der für Post Telekom Trier startete und nur gelegentlich auf sich aufmerksam machte, wurde nach seinem Umzug ins nordrhein-westfälische Wilnsdorf sofort vom TUS Deuz entdeckt und angeheuert. Seine Marathonbestzeit von 2:21:27 h lief er 2003 und 2008 in 2:23 h bei der DM in Mainz. Beruf, Familie mit 14 Monate altem Kind und Hausbau nahm er zum Anlass die Sportkarriere zum Abschluss zu bringen. Mit den Vereinkameraden gab es noch Medaillenhoffnungen für die Deutschen Meisterschaften in Hamburg. Davor platzte bereits in Griesheim der Halbmarathonmedaillentraum wegen einer Magendarmgrippe und vor Hamburg brach er sich im Training den Zeh und stieg mit großen Schmerzen deshalb nach 12 Kilometern aus.

Neue Strecke, neuer Zieleinlauf auf rotem Teppich in der Donau Arena - wo die Medaillen-Crew schon wartet

Als Ziel hatte er im Frühjahr 2:19 h für Hamburg angegeben. Nun wollte der 37-Jährige mit einem anderen schnellen Marathon seinen Abschied nehmen. Luxemburg schien ihm dafür zu profiliert. So lief er nun erstmals in Regensburg. Doch das Wetterglück ist nichts für den Marathon und am Ende freute er sich zu Recht in 2:30:18 h als Sieger in die Donau Arena einzulaufen. Sieben Minuten später kam Joel Chepkopol. Was war passiert? Nachdem der Lapsus klar wurde, fuhr man den Kenianer ohne weiter zu fackeln mit dem Motorrad zurück auf die Marathonstrecke und ließ ihn die fehlenden Kilometer abspulen. Seine Überlegenheit auf der ersten Hälfte, nach 10 Kilometern ist er mit 25 Sekunden Vorsprung erfasst, legte man zugrunde für die Vermutung, er hätte bei einem regulären Ablauf gewonnen. Das Schiedsgericht entschied sich Chepkopol und Groß als Sieger zu ehren. Stefan Groß willigte sportlich fair diesem Vorhaben zu. Es bleibt im Bereich der Spekulation, wie ein tatsächlicher Vergleich ausgegangen wäre, bei dem bekanntlich der Verfolger nicht selten den Abstand rasant verringern kann und die Siegaussicht Beine schwer machen kann. Nun stehen für beide netto 2:30:15 h zu Buche.

Ob mit Tochter oder Zugläufer an der Hand, der Zieleinlauf in die Donau Arena wird zelebriert

Ganz außen vor ist Stephan Aitl als Dritter in 2:43:49 h und acht Minuten Vorsprung vor dem Vierten, Stefan Heigl (2:51:47 h). Stephan Aitl ist Physiotherapeut und seit 2008 beim Triathlon. In Klagenfurt konnte er sich 2010 mit 9:13 h für Hawaii qualifizieren, wo er finishte. Erst Mitte Mai stellte er als bester Deutscher beim verregneten Salzburg Marathon seine aktuelle Bestzeit von 2:39:37 h auf. Den 29-jährigen Vielstarter wird man bereits am kommenden Wochenende in Kulmbach bei den Deutschen Mitteldistanz Meisterschaften wieder als Triathleten erleben. Elf Teilnehmer erreichten vor Ablauf von drei Stunden das Ziel.

Groß war die Freude eine Vertreterin aus der Partnerstadt als Marathonsiegerin zu ehren. Daniela Pivetta aus Brixen in Südtirol (Italien) siegte in 3:13:01 brutto (3:12:49 netto). Mit 49 Jahren startet sie bereits in der W50 und für die SG Eisacktal. Das war ihr erster Marathonsieg, quasi im 15. Anlauf. In Regensburg war sie auch 2006 dabei, lief damals eine Zeit von 3:25 h. Ihre Bestzeit lieferte sie ebenfalls in Bayern ab, mit 3:04 h in München.

Schon als Jugendliche ist sie gelaufen, hatte aber nach der Geburt ihrer zwei Kinder 5-6 Jahre ausgesetzt. Etwa mit 32 Jahren fing sie dann wieder an. 1:28:07 h ist ihre Halbmarathon-Bestzeit, in Regensburg ging sie nach 1:33:57 auf die zweite Hälfte. Die neue Strecke war reizvoll, aber auf dem Stück an der Donau entlang, gab es zu wenig Wasserstellen, kaum Zuschauer und auf dem Schotter ließ es sich nur schwer laufen, gab sie ihre Eindrücke im Ziel wieder. Das Versorgungsproblem wurde häufig bemängelt. Bei den Temperaturen hätten sicher Verpflegungspunkte im 500 Meter Abstand reißenden Absatz gefunden.

Im Spurt, mit Familie oder mit Laufpartner, der Zieleinlauf ist für jeden immer etwas Besonderes

Andrea Schadewell (GER) vom Verein Team Icehouse wurde Zweite in 3:16:15 Zielzeit (3:16:10 netto). 2009 hatte sie den Marathon in Fürth gewonnen. Die 34-Jährige kam fast an ihre Bestzeit von 3:14 h heran. Ihr halbes Leben läuft sie schon, also 17 Jahre und Marathons sind es nun auch schon 9 oder 10. Sie lag bei Halbzeit fast genau vier Minuten über ihrer Halbmarathonbestzeit von 1:30:16 h. Sie fand die Strecke winkelig, obwohl jetzt mehr Zuschauer kommen als bei der alten, die sie auch schon gelaufen war. Eine Woche nach einem Halbmarathon in Bayreuth waren ihre Beine noch nicht gänzlich ausgeruht.

Das Siegerpodest komplettierte die Regionalmeisterin Tatiana Mitkina aus der Nähe von Novosibirsk. Seit zweieinhalb Jahren lebt und arbeitet die 27-jährige promovierte Chemikerin in Regensburg. Ihr Ziel, 3:15 h zu laufen, lag bei Halbzeit in 1:37:45 h im Bereich des Möglichen, doch war Platz drei in 3:19:47 h (brutto 3:20:14) ein schöner Ausgang bei ihrem dritten Marathon nach München 2009 und bereits im Vorjahr Regensburg. Während ihres Studiums in Karlsruhe war sie beim Baden-Marathon die halbe Distanz gelaufen. Sechs Frauen blieben unter der Marke von dreieinhalb Stunden.

Die 49jährige Daniela Pivetta (rechts) aus Brixen in Südtirol Italien gewinnt den Marathon bei den Frauen, 2. wird die 34jährige Andrea Schadewell 3. und schnellste Regionalläuferin wird die Russin Tatiana Mitkina. Die promovierte Chemikerin arbeitet im Dienste der Wissenschaft an der Regensburger Universität Stefan Groß und Joel Chepkopol teilen sich den Marathonsieg

Man mag verstehen, dass es für Regensburger ein hoher Preis ist, die Altstadt zu erobern, die sie ja zur Genüge kennen. Sascha Daniel aus dem nahen Straubing lief zum sechsten Mal in Regensburg und ihm gefiel der Kurs hinaus zur Walhalla am besten. In München lief er in 2:57 h den bisher schnellsten seiner 22 Marathons. Heute startete er in 1:29 h durch, packte dann aber eine 1:47 h drauf. Vielleicht klappt es am Main besser als an der Donau. Ende Oktober geht es mit dem Verein zum Frankfurt Marathon.

25 Teamstaffeln teilten sich noch die Marathondistanz, so dass 3884 Teilnehmer den Einlauf über den roten Teppich genossen. Dazu kamen noch rund 2000 Kinder, die vor der Donau Arena finishten, sicher gern auch drinnen einlaufen würden. Dass in Regenburg auch Kinderschminken und action-points zum Programm gehören, ist selbstredend. Sport, Kunst und Kultur, unter diesem Motto lohnt sich ein Ausflug an den Zusammenfluss von Naab, Regen und Donau sowieso immer. Das UNESCO Welterbe Regensburg lässt sich aber nur mit einem Marathon nicht erobern. Ein langes Wochenende ist das Minimalprogramm in den historischen Gemäuern mit angeblich so vielen Kirchen wie das Jahr Tage hat.

Bericht und Fotos von Constanze & Walter Wagner

Infos www.regensburg-marathon.de

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