20.5.12 - 12. iWelt-Marathon Würzburg

2 Rekorde und 13 Schleppungen

von Constanze & Walter Wagner

Würzburg machte das Dutzend in Sachen Marathon voll und Organisationsleiter Günter Herrmann stand zum fünften Mal an der Spitze der Organisation. Im Jahr 2002 war er als Zuschauer an der Strecke und sofort Feuer und Flamme für diesen Sport.

 

Noch im gleichen Jahr absolvierte er seinen ersten Marathon. Im Folgejahr half er beim vom Stadtmarathon Würzburg e.V. veranstalteten Marathon mit. 2008 wurde er zum Vereinsvorsitzenden gewählt und fungiert seitdem auch als Organisationsleiter.

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Mit seinem bewährten Team sorgt er dafür, dass in der Mainfrankenmetropole ohne Unterbrechung alljährlich Marathon gelaufen werden konnte.

Die Loren der Trümmerbahn erinnern an die fast völlige Zerstörung Würzburgs am Ende des 2. Weltkriegs. Nach ihrem Wiederaufbau gilt die Stadt Würzburg heute als eine der schönsten barocken Städte Deutschlands

Dass dies nicht selbstverständlich ist, zeigt der Blick nach Regensburg, wo unter vergleichbaren Randbedingungen die 22. Auflage 2012 abgesagt wurde. Einen Vorteil für den iWelt-Marathon sieht OK-Chef Herrmann darin aber nicht. Die Teilnehmerdecke ist Region gestrickt. Regensburg liegt mit 211 Kilometern Entfernung außerhalb des Einzugsbereichs. Selbstverständlich gelingt es Sportler aus ganz Deutschland und aus dem Ausland zu gewinnen, aber das Rückgrat bilden die Unterfranken. Entsprechend häufig blitzt die Sondernummer für 10malige Teilnahme in den Reihen auf. Mit den Gegebenheiten zurecht zu kommen und die Veranstaltung darauf auszurichten, dies scheint in der Hauptstadt des Regierungsbezirks Unterfranken zu gelingen.

Schon für den Freitag konnte die "Get-together-Party", eine zweistündige Schiffahrt mit Sektempfang und Buffet, gebucht werden Eine stilvolle Nudelparty gab es am Vortag des Marathons im Congress Centrum

Freilich ist der iWelt-Marathon kein Agenturevent mit der Lizenz zum Gelddrucken. Ohne den Hauptsponsor "iWelt internet.dienste" gäbe es den Marathon in Würzburg nicht, ist zu hören. So ist die Zufriedenheit des Vorstandes dieser Würzburger Aktiengesellschaft am Ende der Veranstaltung vielleicht der wichtigste Gradmesser des Erfolgs. Und Vorstand Hans Stolz, selbst Marathonläufer, machte keinen Hehl aus seiner Begeisterung und ließ die Katze aus dem Sack: Mit dieser Mannschaft macht es Spaß weiter zu machen. Es sollte also nicht bei einem Dutzend Stadtmarathons in Würzburg bleiben.

Am Samstag fanden für Kinder diverse Läufe und Sommer-Biathlon im Ringpark statt - die Medaillenübergabe wurde von dem 2. Vorsitzenden des Würzburg Marathon Walter Schwittai persönlich vorgenommen

Ein Jahr Vorbereitungszeit macht das Unternehmen Marathon für das Kernteam zu einer Dauertätigkeit. Eine Belastung neben Beruf und Familie, die wie alles im Leben leichter weggesteckt wird, wenn sie mit Erfolg verbunden ist. Es gibt eine Reihe von Parametern, um diesen bei einer Laufveranstaltung zu messen. Die Leistungen der Sieger etwa, kann Anlass sein, einen Erfolg zu verkünden. Beim Halbmarathon wurden die Zuschauer Zeitzeugen gleich von zwei Streckenrekorden. Die Teilnehmerzahlen sind als Erfolgsparameter zu nennen, die man sich im Team um Günter Herrmann höher wünschen würde. Immerhin konnte man unterm Strich ein Plus gegenüber 2011 festhalten. In allen Bewerben zusammen genommen fanden 3.091 Einzug in die Ergebnislisten.

Die Mitarbeiter von HILiNE um Erwin Heinrich sorgten für die nötigen Absperrungen und die Beschallung Die "CaBaNauTeN" bereiten sich auf ihren Rekord fürs Guinessbuch vor - sie wollen den Marathon mit 73 aneinander geketteten Menschen laufen Der 1. Vorsitzende des Stadtmarathon Würzburg e.V. Günter Herrmann (rechts), der am liebsten in Gesellschaft läuft, lässt sich aber nicht mit an die Kette nehmen

Dass das Plus nicht von Marathonfinishern stammt, lag auch an den hohen Temperaturen. Viele nutzten die Möglichkeit des fliegenden Wechsels und beendeten nach einer Runde ihr Rennen mit der Halbdistanz. "Ich wäre heute auch Halbmarathon gelaufen", pflichtete Günter Herrmann diesem Verhalten bei, das ihm am Ende genau 600 Finisher über 42,195 Kilometer bescherte. Die Tendenz hin zum Halbmarathon ließ sich am Untermain nicht beenden. Mit 1160 Marathonfinishern hatte das Team um Günter Herrmann 2008 im ersten Jahr nochmals den Sprung zurück in die Vierstelligkeit geschafft. Seither geht es peu à peu auf die Hälfte zurück, scheint damit aber die Talsohle zu erreichen.

Der Kleinkaliberverein Lengfeld und Moderator Peter Maisenbacher halten das Starfeld bis zum Startschuss in Zaum

Bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten weiterhin grünes Licht für die zweite Runde geben und am Marathon festhalten. Letztendlich ist diese Tendenz hausgemacht, doch wäre ohne das Halbmarathonangebot die Veranstaltung gar nicht machbar. Alle Versuche gegenzusteuern, etwa mit einem Einrundenkurs über Marathon, haben nicht gefruchtet. Man erlebt beim Halbmarathon das volle Programm. Warum eine Wiederholung der Runde? Damit steht Würzburg in bester Gesellschaft mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen mit boomendem Halbmarathon. Mit 1869 Finishern über Halbmarathon und dem Verhältnis 3 zu 1 zählt Würzburg sogar zu den eher marathonlastigen Events und könnte bei einer Renaissance des Marathons bald ausgeglichene Felder erreichen.

In mehreren Blockstarts geht es auf die Würzburger Marathonpiste

Aber sicher gäbe es keine Einwände, würde die Teilnahme beim Halbmarathon wieder Richtung 3000 gehen und den Marathon weiter abhängen. 5000 Teilnehmer über alles, das ist die angestrebte Zahl und dem Stadtlauf Würzburg ist sie zu gönnen. Es wird eine Menge geboten und keine Mühen gescheut. Die Stadt bietet zudem eine großartige Bühne. Nachwuchs aus der Region heranzuziehen, dies dürfte in dem Maße wie alters- oder gesundheitsbedingt auslaufende Karrieren zu verkraften sind gelingen. Doch mehr Teilnehmer aus anderen Regionen anzuziehen, beim derzeitigen Terminkalender, dürfte weiterhin äußert schwierig sein. Zwar gibt es die Trikots, die vermuten lassen, dass an Kassel oder Duisburg vorbei eine Entscheidung für Würzburg fiel, doch dürfte dorthin auch der eine und andere Protagonist verloren gegangen sein.

Bei km 9 und für Marathonis nochmal bei km 29 geht es über die Alte Mainbrücke

Bleiben wir noch eine Runde bei der Analyse, bevor den Rennen unser Augenmerk gelten soll. Vergleicht man Würzburg mit anderen Marathons in Städten mit um 130.000 Einwohnern, dann stechen die nur 270 Finisher bei den Schülerläufen ins Auge. In Kassel werden 4000er Zahlen genannt und im unweit entfernten Aschaffenburg hatte man im gleichen Monat beim HVB Citylauf gerade über 2000 SchülerInnen im Ziel. Höher im Kurs stehen die Nachwuchsläufe beim Würzburger Residenzlauf. Die einst selbst gewählte Terminnähe schiebt hier den Marathonmachern einen Riegel vor. Mit dem Fun-Run über ungerade 10 Kilometer konnten weitere 311 Zieleinläufe bejubelt werden. Allen voran Patrick Freiderling in 34:07 bzw. Julia Lieb in 42:55 m Minuten, wie Marie-Therese Herich mit etwas schlechterer Nettozeit auf Rang 2. Das sportliche Treiben eröffneten und komplettierten 41 Walker.

Der Main ist überquert ... ... ein Schlenker nach links vor dem Dom St. Kilian ... ... und weiter geht es auf dem Oberen Mainkai bis km 11 bzw. 32 nach Sanderau

Würzburg hat als Stadt beidseits des Mains ein Überangebot an Sehenswertem. Umzingelt von Rhön, Spessart und Steigerwald zwängt sich der Marathonkurs durch das Tal um die unerwünschten Anstiege zu vermeiden. Die Anfänge der Besiedelung gehen zurück auf eine keltische Fliehburg in der Zeit 1000 vor Christus. 650 nach Christus war hier ein fränkischer Herzogssitz. 742 wurde das Bistum Würzburg gegründet und mit 788 wird der erste Dombau datiert. Mit einer 1308-jährigen Stadtgeschichte ist man zwar jünger als etwa Regensburg oder gar Trier, doch viele Jahrhunderte älter als einige der Marathonkonkurrenten im Mai. Dabei kommt Würzburg nicht ergraut daher, denn mit einem hohen Anteil Studierender präsentiert man sich als lebendige moderne Universitätsstadt in historischen Gemäuern. Die Gebäude freilich sind wieder aufgebaut, denn nach der Bombardierung am 16. März 1945 stand praktisch kein Stein mehr auf dem anderen. Nur sieben Häuser der Innenstand überstanden jenen Tag unversehrt.

Mit Rockmusikbegleitung auf dem Oberen Mainkai, die Festung Marienberg und die Wallfahrtskirche Käppele im Blick

Den Marathonläufer erwartet eine perfekt restaurierte Stadt mit der Residenz als UNESCO Weltkulturerbe, eines der bedeutendsten Schlösser Europas, als Highlight. Doch füllte die Aufzählung allein der von der Strecke zu besichtigenden Sehenswürdigkeiten den Rahmen selbst eines LaufReport-Beitrags. Dabei kommt die Marathonorganisation Kulturempfänglichen mit einem dreitägigen Programm entgegen. Bereits am Freitag kann man sich einer Schifffahrt anschließen, bei der das Organisationsteam die Teilnehmer begrüßt und sich die fränkische Weinregion vom Wasser aus präsentiert. Ein ordentlich bestücktes warmes Büfett macht diesen lohnenden Ausflug zudem zu einem Schnäppchen.

Die beiden Halbmarathon-Spitzenläufer Patrick Mugur Ereng (58) und Micah Kipyego Kemboi nach km 9 auf der Alten Mainbrücke Die Marathonspitze mit John Kipkemoi Kirui (Nr. 1) und Mitei Kiplangat (Nr. 4), hinter ihnen William Kiptoo Chelinganyag, der 6. im Halbmarathon wird Die führenden Frauen im Halbmarathon Lucy Macharia (51) und Chelangat Sang hinter dem HM 11. Alemu Wondwossen

Samstags kann man sich beim Hörnchenlauf die Beine ausschlenkern und geht bei Müller Bäck nicht ohne Hörnchen weg. Dieser ist Teil des allgemeinen Leistungspakets. Die Kinder gehen am Nachmittag im Ringpark an den Start, der nur von einer Straße vom Congress Centrum Würzburg getrennt ist. Das CCW beherbergt nun schon traditionell die Marathonmesse. Dort werden auch die Nudeln aus der Hotelküche kredenzt und die Startunterlagen ausgegeben. Ein Marathongottesdienst in der Marienkapelle beschließt das Programm am Samstag. Wehrmutstropfen der diesjährigen Austragung war, dass der Dom wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist.

3. HM wird Evans Kibett Chalanga Marco Diehl (675) wird 3. beim Marathon. Bruno Schumi erreicht das Marathonziel nicht Die Marathonführende Lydia Rutto zwischen Stefan Heigl ( 9. Marathonmann) und Sebastian Apfelbacher (175, 18. Marathonmann) Manuel Fößel vom TV Ochsenfurt läuft auf Platz 12 beim Halben

War man am Freitag noch gut beraten eine Jacke griffbereit zu halten, stiegen am Samstag die Temperaturen deutlich an und blieben auch bis in den späten Abend im "T-Shirt-Bereich". Die für Sonntag angekündigten 27 Grad wurden sicher zeitweise sogar überschritten. In der Sonne zudem deutlich. Für den Ausgang des Halbmarathons war dies nicht hinderlich, doch bald wurde es selbst den afrikanischen Athleten auf der Marathonstrecke zu warm. Die Zuschauer dürften sich über die Sonnenstrahlen gefreut haben, die so recht zu den heißen Rhythmen gepasst haben, die entlang des Kurses den Sportlern Beine machten.

Am Neumünster vorbei Altstadt mit Rathaus

"Die Stimmung war prächtig. Die Versorgung war optimal. Die Helfer bestens eingewiesen. Getränke wurden vorbildlich gereicht", solche Aussagen hörte man zuhauf von den Teilnehmern. Es war also alles wunschgemäß zubereitet und doch machte man sich Sorgen bei der Hitzeschlacht. "Im Ziel waren zwar einige Läufer dehydriert, aber zum Glück mussten wir keine schlimmeren Vorfälle verzeichnen", war dann die beruhigende Mitteilung des Einsatzleiters der Johanniter-Unfallhilfe. Günter Herrmann hatte noch am Start zum besonnenen Verhalten aufgerufen und fand wohl Gehör.

Auf der ersten Runde scharen sich noch reichlich Läufer um den 3:29 Stunden Tempomacher Thomas Wober (361) läuft nach vier Marathons in München das erste mal im "Ausland". Der Grafiker hatte schon am Freitag gemeinsam mit seiner Frau an der Schiffahrt teilgenommen und genoss überhaupt das gesamte touristische Angebot in Würzburg für ein paar Tage

Dass am Ende dennoch Streckenrekordprämien fällig wurden, war den afrikanischen Halbmarathonläufern zu verdanken. Dabei spielte sicher auch eine entscheidende Rolle, dass sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen sich Zweikämpfe um den Sieg entwickelten. Die Durchgangszeit von 30:15 min bei 10 Kilometer belegte, dass man sich nicht mit der Prämie für eine Zeit unter 1:08 h begnügen, sondern den Streckenrekord von 1:03:50 h aus dem Vorjahr pulverisieren wollte. Beide Prämien plus der Siegerbörse ergaben die Summe von 1000 Euro. Antrittsgeld wird seit dem Wechsel an der Organisationsspitze nicht mehr gezahlt, dennoch sollte am Ende in der Top-Ten nicht ein "Mutsungo" auftauchen. Trotzdem blieb beim Marathon ein Platz dem weißen Mann, denn dort waren nur zwei Afrikaner angetreten.

Auf dem letzten Kilometer in der Stadt in ... ... Richtung Ziel am Congress Centrum Pheidippides, der Urvater des Marathonlaufs, begnügt sich mit Halbmarathon und überlebt. Er startete im Rahmen des Würzburg Marathon als "Fackelläufer für die National Special Olympics"

Nach 1:03:46 hatte die 12. Auflage des iWelt-Marathon den Sieger des WVV Halbmarathon ermittelt. Patrick Mugur Ereng hatte sich im Spurt gegen seinen Landsmann Micah Kipyego Kemboi durchgesetzt, der in 1:03:50 h den alten Rekord (netto) auch noch einstellte (brutto 1:03:51). Evans Kibet Chalanga sorgte für ein rein kenianisches Podium als Dritter in 1:06:00 h. Sieben Männer unterboten die Marke von 1:10 Stunden. Bester Deutscher wurde als Zwölfter Manuel Fößel vom TV Ochsenfurt in 1:18:25 h.

Parallelen sah man beim Rennen der Frauen. In 35:31 offerierte auch deren Durchgangszeit bei Kilometer 10 die Möglichkeit eines neuen Rekords. Mit Lucy Macharia und Chelangat Sang führte wieder ein Kenia-Pärchen, welches sich nichts schenkte. Genau zehn Sekunden war im Ziel der Vorsprung von Lucy Macharia, die in 1:14:24 h den alten Streckenrekord von 1:14:48 vergessen machte. Auf die Dritte mussten die Beiden allerdings etwas warten, denn Landsfrau Prisca Kiprono passierte erst nach 1:19:32 h die Ziellinie. Der Zeitbonus für eine Zeit unter 1:20 h war ihr offenbar nicht unbekannt.

Auf dem Marktplatz mit Marienkapelle

Für Elke Brenner von der LG Neckar-Enz, die 2007 überraschend den iWelt-Marathon gewinnen konnte, blieb Platz 4 und der Sieg in der W50 in 1:25:21 h. Sie hat schöne Erinnerungen an Würzburg und kommt immer wieder gern. Nach ihrem Sieg folgte Platz 2 im Jahr 2008. Und 2010 wurde sie beim Halbmarathon Fünfte. Nachdem die Deutschen Marathonmeisterschaften von Hamburg nach München verlegt wurden, plante sie um und lief den St. Wendel Marathon in 2:55:22 h und dort als 2. Frau ihre zweitbeste Marathonzeit (PB 2:54:43). Der Halbmarathon in Würzburg passte in diesem Jahr besser in ihre Saisonplanung.

Marathonis laufen in der zweiten Runde vorbei am Bockshorn Theater Würzburg

Wer würde nicht frühzeitig in den Zielkanal abdrehen? Die Spannung über Marathon war gegeben. Aufgewertet wurde dieser zudem mit der Titelvergabe des BLV. Eigentlich sollten die Meisterschaften in Regensburg stattfinden. Nach der Absage des Marathons an der Donau stellte sich Günter Herrmann sofort als Gastgeber zur Verfügung. Wie auch in Kassel, wo der Hessische Landesverband seine Besten ausfindig machte, blieb die Teilnahme hinter den Erwartungen zurück. Zum erforderlichen Mehraufwand einer Meisterschaft stehen die wenigen Meisterschaftsteilnehmer, die mitunter auch sonst gestartet wären, nicht in einem gesunden Verhältnis. Dennoch könnte sich die Titelverteidigung auch 2013 an gleicher Stelle abspielen.

3. der Bayrischen Meisterschaft wird Thomas Federsel vom LLC Marathon Regensburg 4. BLV-Meisterschaft und 1. M50 Bernhard Schlesag Keine Vereinszugehörigkeit, aber locker drauf, so läuft Florian Schüller auf Platz 6 beim Marathon

Über Marathon wiederholten sich die Zweikämpfe um die Siegprämien nicht. John Kipkemoi Kirui verhinderte in 2:18:13 h ein kleines Desaster. Den Streckenrekord anzugreifen, den Titus Kipchumba Kosgei 2011 in 2:14:12 h aufstellte, gelang ihm aber im Alleingang und aufgrund der rasant ansteigenden Quecksilbersäule nicht. Sein kenianischer Landsmann Mitei Kiplangat wurde Zweiter in 2:30:59 h.

Im Kampf um den verbleibenden Platz auf dem Stockerl spielte der Butzbacher Marco Diehl im Trikot des DVAG Marathon-Teams seine Routine aus und setzte sich in 2:39:32 klar durch. "Es war ein taktisches Rennen bei der Hitze und ein optimales Ergebnis", urteilte der 43jährige Vielstarter. Die erste Hälfte absolvierte er in 1:19:10 h. Nach dem Wien-Marathon, dem Trollinger-Marathon und vor dem Mittelrhein-Marathon schien ihm plötzlich der Marathon in Würzburg noch machbar.

Bayrischer Marathonmeister wird Steffen Wittman mit gesamt Platz 4 Wolfgang Müller (143) bei seinem Marathon Debüt in Begleitung von Vereinskollege Jochen Rüttiger vom TSV Ostheim v.d.Rhön Vize-BLV-Meister und 5. Marathon gesamt wird Timo Gieck

Steffen Wittmann von der Laufarena Allgäu konnte sich als Vierter in 2:41:34 h über den Titel des Bayrischen Meisters freuen. In 2:42:50 folgte der Vizemeister Timo Gieck auf Gesamtrang 5. Bronze ging an Thomas Federsel vom LLC Marathon Regensburg in 2:45:05 h, der hinter Florian Schüller (2:44:24) finishte. Mit 2:59:52 h siegte Sepp Ertl in der M55 und lieferte mit dem 24. Männerergebnis den letzten Eintrag unter drei Stunden.

Schon nach 10 Kilometern war Lydia Rutto allein auf weiter Flur. Eine 38er Durchgangszeit lag theoretisch im Bereich des sieben Jahre alten Streckenrekords von Olga Newkapsa aus der Ukraine (2:38:42). In Anbetracht der Bedingungen schlug sich kenianische Berufsläuferin auch beachtlich, konnte allerdings den erforderlichen negative split nicht liefern. Der Zeitverlust hielt sich aber trotz der hohen Temperaturen in Grenzen. Nach 2:42:37 h hatten die Würzburger eine afrikanische Siegerin. "It was very hot today", entschuldigte sich die mit einer Bestzeit von 2:31 h angetretene Läuferin, die ihre erste Deutschland-Tour absolviert.

Lokalmatadorin Carolin Meyer bricht den Marathon ab und läuft als 5. Frau ins Halbmarathon Ziel 3. Halbmarathon Frau wird Prisca Kiprono Lucy Macharia (51) und Chelangat Sang machen den HM-Sieg untereinander aus. Macharia gewinnt mit 10 sec Vorsprung Die Würzburg Marathon Siegerin von 2007 Elke Brenner läuft auf Platz 4 beim Halbmarathon

Und um ein Haar wäre eine Würzburgerin zum Sieg gelaufen, den man natürlich gern gefeiert hätte. Unter ihrem Mädchennamen Friederike Back ist sie auch wahrlich keine Unbekannte in Würzburg. Nach ihrer Vermählung blieb sie als Rike Schmidt zunächst unerkannt, zumal sie als Zug- und Bremsläuferin für 2:59 h gestartet war. Im Mai 2010 wurde sie Mutter eines Sohnes und war etwa zwei Jahre bei keinem Wettkampf anzutreffen. Für die Teilnahme in Würzburg entschloss sich die 33-Jährige erst vor zwei Wochen. Da sich um sie überhaupt keine Gruppe bildete, gab sie später noch Gas, finishte in 2:54:45 als Zweite und verbesserte obendrein ihre alte Hausmarke von 2:55 h aus dem Jahr 2008. Ehemann Stefan, auch Marathonläufer, lernte die "Spaßläuferin" beim Würzburg-Marathon 2003 kennen. Sie war noch nie Mitglied eines Leichtathletikvereins und somit auch keine Anwärterin auf den Titel.

Rike Schmidt auf dem Weg zum 2. Marathonplatz bei den Frauen ... ... gefolgt von den Bayerischen Meisterschafts-Teilnehmerinnen Andrea Lutz (5. Frau und 3. BM) Christine Ramsauer (4. Frau und 2. BM) Ulrike Mayer-Tancic (3. Frau und 1. BM)

Der ging an die Drittplatzierte Ulrike Mayer-Tancic. Die Läuferin im Trikot der LG Telis Finanz Regensburg gewann 2010 den Marathon in Würzburg. Nun wurde die 47-jährige Mutter von erwachsenen Zwillingen, beide auf der Mittelstrecke bei Quelle Fürth aktiv, in 3:07:53 auch Siegerin in der W45. Anders als Schmidt ist sie Meisterschaftsläuferin, weiß aber zwischen den Meisterschaftsläufen auch nur zum Spaß zu starten und zu genießen. Ihre nächsten Starts sind bei den Senioren Europameisterschaften in Zittau Ende August über Marathon und dann bei der Marathon-DM in München Mitte Oktober geplant. Ihre persönliche Marathonbestzeit von 3:02 lief sie erst im vergangenen Jahr beim Dreiländermarathon am Bodensee, wo sie bayrische Vizemeisterin wurde. 2002 ist sie ihren ersten Marathon gelaufen. Eigentlich mag sie Wärme, dafür Kälte und Regen überhaupt nicht. Aber Tribut forderte dieser Lauf auch von ihr.

Günter Heilmann, der für Pulsschlag Würzburg den Halbmarathon lief, hat sie, die Jubiläums-Club Nummer für 10malige Teilnahme Der Blinde Anton Luber und sein Guide Christian Dyrschka laufen 4:06:00 h über Marathon Marion Däppen aus der Schweiz läuft mit ihrem persönlichen Pacemaker Lionheart Bittel, den es im Vorfeld bei einem Online-Spiel zu gewinnen gab, nach 4:11:35 h ins Marathonziel Lydia Rutto läuft neben der Führungsradbegleitung und nach 2:42:37 h als Marathonsiegerin ins Ziel

Silber und Bronze der Verbandsmeisterschaften gingen an die direkt folgenden Läuferinnen Christine Ramsauer (LAC Quelle Fürth - W40) in 3:09:06 h und Andrea Lutz von der DJK Teutonia Gaustadt in 3:09:26 h. Acht Läuferinnen unterboten die Zeit von 3:20 h.

Besondere Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit genossen 73 Cabanauten. Diese sorgten für einen Weltrekord in Würzburg und brachten den Marathon nach gut sechs Stunden hinter sich. Dabei war die Schwierigkeit, dass sie aneinander gekettet waren und zwei Sportler von Krämpfen geplagt ins Ziel bugsiert werden mussten. Als hätte die Kette nicht gereicht, trat das Grüppchen ziemlich karnevalistisch an.

Die Kettenläufer sind bei km 20 in der ersten Runde noch erstaunlich munter Ist die Runde in der Altstadt beendet, ist es nicht mehr weit bis zum Ziel am Congress Centrum

Besondere Aufmerksamkeit bei LaufReport genoss Thomas Wober aus München. Er war mit seiner Frau bereits auf dem Ausflugsschiff. Seinen offiziell fünften Marathon wollte er laufen. Zwei Mal hat er die volle Distanz auch schon in Trainingsmarathons geschafft. Dass die nicht zählen, hatte er aber schon gelernt. Bisher startete er immer in München. Es war also sein erster "Auslandsstart" und sein Ziel war 3:45 h. Er ist selbstständiger Grafiker und startet für das Sport Ruscher Team. Die angekündigte große Hitze hatte ihn schon ahnen lassen, dass er Federn lassen würde. Mit 3:56:53 netto schlug er sich aber wacker und ist auf gutem Weg zu seinem ersten richtigen Auslandsstart, über das Frankenland hinaus. Sein sechster Marathon ist im November geplant: New York City-Marathon.

Gezeichnet: Werner Beuschel von der TG Kitzingen, M65 Sieger und Bayerischer Meister in dieser Altersklasse Geehrt: Alle Zieleinläufer erhalten eine Medaille, auch Björn Schwinn, nach 3:14:29 h Doch nicht so einfach: Marathon Debütant Wolfgang Müller nach 3:14:17 im Ziel. Er wollte eine Zeit unter 2:50 h

Lehrgeld zahlte Wolfgang Müller vom TSV Ostheim/Rhön. Bereits in Mannheim, wo er als Staffelläufer startete, ist uns sein Marathondebüt beim Würzburg-Marathon bekannt geworden. Sein Ziel: 2:48 Stunden. Mit Bestzeiten von 31:56 min über 10 km und 1:11:53 h über Halbmarathon also eher Understatement? Die Zeiten hatten schon sechs Jahre auf dem Buckel. Die letzten drei Jahre war er mal verletzt und dann mit dem Aufbau seiner Selbständigkeit beschäftigt. Seit 3 Jahren betreibt er ein Gesundheitstrainingsstudio in Bad Nauheim/Saale. Der Kaufmann für Sport und Fitness kämpfte sich bravourös durch und man litt mit ihm als er nach 3:14:20 h die Ziellinie querte. Nach dem Marathon ist vor dem Marathon, Wolfgang.

Johannes Gisser aus Österreich bei der wohlverdienten Verköstigung nach 3:42:42 h Laufzeit Das schönste am Marathonlaufen ist ...

In der Verpflegungszone waren die Kräfte bald zurückgekehrt und Zeit für einen Besuch eines Straßencafes mit Blick auf die Marathonstrecke war auch noch vorhanden. Rund 50 Versorgungen meldeten die Lebensretter. Alles keine große Sache. Neun Läufer nutzten eine medizinische Beratung vor dem Start, davon wurde zwei von der Teilnahme abgeraten. Die Polizei konnte mit 13 Schleppungen auch keine Schlagzeile liefern - oder doch?

Willi Wahl vom Bayerischen Leichtathletik-Verband und Moderator Peter Maisenbacher mit der Bayerischen Meisterin Ulrike Mayer-Tancic in ihrer Mitte Der 1. Vorsitzende des Würzburg Marathon Günter Herrmann und Hans Stolz (re.), Vorstand des Titelsponsors iWelt AG bei der Siegerehrung der schnellsten 3 Marathonfrauen

"Würzburg ist geil. Danke an das Publikum." Diese Aussage holte sich Peter Maisenbacher als hitzebeständiger Moderator von der Landesmeisterin direkt im Ziel ins Mikro. "Für uns ist der Marathon ein fantastisches Podium. Ich bewundere das idealistische Team", so Hans Stolz von der iWelt AG. Nun, das Votum bleibt den Läuferinnen und Läufern vorbehalten. Melden sie 2013 in Würzburg? Wem sich die Gelegenheit demnächst bietet die Stadt zu besuchen, sollte dies nicht versäumen. Spätestes danach sollte sich das Anmeldeformular zum Goldenen 13. wie von selbst ausfüllen.

Bericht und Fotos von Constanze & Walter Wagner

Infos www.wuerzburg-marathon.de

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