21.5.11 - 35. Intern. Hundseck-Berglauf des TV Bühlertal

Absolut WM-Tauglich

von Axel Künkeler

In genau einem Jahr, am 19. Mai 2012, ist es soweit: Dann finden in der nur 8.000 Einwohner zählenden Gemeinde Bühlertal im Nord-Schwarzwald die 12. Berglauf-Weltmeisterschaften der Senioren statt. Die Vergabe der Titelkämpfe durch den Berglauf-Weltverband (WMRA) ist für Jürgen Brügel "ein echter Knaller" zum 100. Geburtstag des Turnvereins Bühlertal.

Die Austragung der Berglauf-WM stelle einen Höhepunkt nicht nur im Festjahr 2012, sondern in der gesamten Vereinsgeschichte dar. Der Organisations-Chef des Internationalen Hundseck-Berglaufes konnte jetzt bei der 35. Auflage der traditionsreichen Veranstaltung am 21. Mai unter Beweis stellen, dass die WMRA mit ihrer Entscheidung richtig liegt.

Blick über Bühlertal in die Rheinebene Blick vom Krieger-Denkmal oberhalb Bühlertal zum Ziel am Mehliskopf Blick vom Ziel zur Hornisgrinde, der höchsten Erhebung im Nordschwarzwald

Die Generalprobe für die Masters-Weltmeisterschaften im kommenden Jahr auf der gleichen Strecke kann jedenfalls als gelungen bezeichnet werden. "Der Hundseck-Berglauf ist absolut WM-tauglich", attestierte denn auch der anwesende DLV-Bergwart Wolfgang Münzel. Die Infrastruktur passe, der örtliche Ausrichter verfüge über viel Erfahrung und Kompetenz und die Strecke sei "fair und seniorengerecht". Mit 9,5 Kilometer Länge und 776 Meter Höhen-Differenz bei einigen Steigungspassagen von über 10 Prozent durchaus anspruchsvoll, aber für alle Altersgruppen sowie auch für ambitionierte Straßenläufer gut zu laufen. "Das wird eine tolle Sache mit sicherlich rund 800 Teilnehmern", freut sich Münzel über die WM im eigenen Land.

1817 Mannheim - Karl Drais erfindet das Zweirad. 1893 Bühlertal - diese Dampfmaschine geht in Betrieb. 1973 USA - die Geburtsstunde des MTB Los ging´s zunächst mit dem Start der Mountainbiker Nach gut 500m nahm das Läuferfeld am Ortsausgang die erste Rampe in Angriff

Die WM-Strecke ist identisch mit der des Hundseck-Berglaufes und führt vom Ortszentrum Bühlertal über den Sandbuckelweg in einer ersten stärkeren Steigung bergauf. Nach einem Flachstück werden auf dem Henkersweg und dem Briefträgerweg auf festen Waldwegen vorbei am Falkenfels bis zum Hotel Plättig die meisten Höhenmeter zurückgelegt. Nach einigen leichten Steigungen im Ortsteil Sand folgt dann der steile Schlussanstieg über einen Skihang zum Ziel auf dem 1.007 Meter hohen Mehliskopf. Mehr als 200 Voranmeldungen, darunter Läuferinnen und Läufer aus Frankreich, Österreich und der Schweiz, lagen dem TV Bühlertal diesmal vor. Eine respektable Teilnehmerzahl, auch wenn die von Jürgen Brügel insgeheim erhoffte 300er-Marke beim 35. Hundseck-Berglauf nicht geknackt werden konnte.

Hier liegt die erfahrene Britta Müller noch gleichauf mit der deutlich jüngeren Siegerin Nora Coenen Die jüngste Teilnehmerin folgt mit Männerbegleitung dichtauf - die erst 15-jährige Carla Holland läuft aufPlatz 2 Der 2. M60 Gerhard Baus (381) kann sich bis zum Ziel noch um 3 Minuten von dem 1. M65 Wolfgang Nehring absetzen

Die deutsche Berglauf-Elite war in Bühlertal diesmal leider ebenfalls nicht am Start, da am letzten Mai-Wochenende in der Schweiz die Qualifikation für die diesjährige WM in Bursa (Türkei) ausgetragen wird, wie Wolfgang Münzel erklärte. Dennoch gab es wieder einige gute Leistungen am Hundseck zu registrieren, wenn auch die Witterungsbedingungen nicht optimal waren. Beim Start um 15.30 Uhr am Haus des Gastes herrschten fast 30 Grad in der Sonne. Eine halbe Stunde zuvor waren bereits über 200 Biker auf die Strecke gegangen und zwischen den beiden Starts zeigte die Freizeitgruppe der Lebenshilfe Bühl mit einer Tanz-Vorführung ihr Können.

"Menschen, die keine sportliche Höchstleitung vollbringen können, sind bei uns nicht vergessen", begründete Brügel die traditionell enge Zusammenarbeit des Turnvereins mit der Lebenshilfe.

Der 8. Markus Riefer (418) und der 11. Thomas Kopf liegen hier noch vor dem späteren 5. Marco Wagner Andreas Schmoll gewinnt die nur mit 3 Läufern besetzte MHK als Gesamt-12 Roland Vetter wird Gesamt-6. und 2. M40 Holger Thoma hat den Sieg der M40 vor Augen und läuft noch auf Platz 4 Gesamt vor

Für die Sportler wurden die Bedingungen jedoch mit jedem Kilometer besser. Je höher es am Berg hinauf ging, umso angenehmer wurden die Temperaturen. Zwar setzte kurz bevor die ersten Läufer den Zielhang erreichten ein Donnergrollen aus dunklen, schwarzen Wolken die Teilnehmer und Organisatoren nochmal in Schrecken. Doch statt Blitz und Donner gab es nur etwas Regen, der für weitere Erfrischung sorgte. "Da haben wir uns fast die Dusche gespart", meinten einige gut gelaunt. Zuvor war aber den meisten die Anstrengung der schwierigen Strecke anzusehen. Einige, die sich auf den ersten Kilometern ihre Kräfte nicht ganz richtig eingeteilt hatten, mussten zudem Läuferinnen und Läufern, die hier noch mehr Körner übrig hatten, auf den letzten steinigen Metern den Vortritt lassen. So waren bei dem spannenden Rennverlauf einige interessante Positionskämpfe zu beobachten.

Joachim Benz wird 3.-Gesamt und Zweiter in der stark besetzten M45 Der 'fliegende' Holländer Maykel Geerdink wird 9. Gesamt und 4. M40 Ein Holländer kommt selten allein - Maykels Zwillingsbruder Björn Geerdink wird Gesamt-7. und 3. M40 Am Hundseck geht´s über 'Stock und Stein' zum Ziel

Martin Schedler vom LAZ Saarbrücken, der fürs Team Salomon startet und auch schon dem erweiterten Berglauf-Nationalkader angehörte, wusste schon vorher, dass er aufgrund eines Trainingsrückstandes nicht in Form ist. Trotzdem zeigte er sich auf dem ersten Kilometer an der Spitze des Feldes, wurde aber am Ende in einer Zeit von 49:15min. noch auf den 14. Platz "durchgereicht".

Ähnlich erging es seiner Schwester Michaela, die sich vor einigen Wochen beim Kyffhäuser Berglauf verletzt hatte und beim ersten Wettkampf seitdem mit Rang 8 in 57:43min. zufrieden sein musste.

Dagegen hielten sich Wolfgang von Tabouillot (TSG Heidelberg) und Joachim Katzer von der LG Fulda zunächst noch etwas zurück. Etwa bei KM vier hatte sich das Duo aber schon einige Meter Vorsprung auf die Verfolgergruppe mit Joachim Benz von der LG Brandenkopf, Holger Thoma (LT Furtwangen), Marco Wagner (LAG Obere Murg) und Roland Vetter (USC Freiburg) erarbeitet.

Am Ende alles richtig gemacht - Sieger Wolfgang von Tabouillot setzt sich im Zielhang ab Von Wolfgang Münzel beobachtet folgt Joachim Katzer auf Rang 2 Sie kann selbst im steilen Zielhang noch lächeln - Siegerin Nora Coenen Britta Müller kommt als 3. Frau und Siegerin der W45 ins Ziel

Erst auf dem Schluss-KM fiel die Entscheidung zwischen dem 49-jährigen Katzer und dem 53-jährigen Tabouillot. Mit 17 Sekunden Vorsprung im Ziel gewann der vier Jahre ältere Heidelberger (45:08) vor seinem hartnäckigen Konkurrenten aus Fulda, der erst vor einem Jahr mit dem Berglauf begonnen hatte und dabei gleich mit einem AK-Sieg gestartet war.

Hinter den Siegern der M50 und M45 belegte mit Joachim Benz (46:01) ein weiterer M45er den dritten Gesamtplatz vor dem Sieger der M40 Holger Thoma (46:18). In die Phalanx der M40-Plus-Läufer, die sich auf den Rängen 6 bis 11 fortsetzte, konnte mit Marco Wagner, der in 46:25 auf Platz 5 einlief, lediglich ein Läufer der M30 einbrechen. Und der Sieger der MHK, Andreas Schmoll vom gastgebenden TV Bühlertal, erreichte in 49:15 ‚nur' Platz 12 vor zwei weiteren M30ern: Christian Alles (Team Salomon) und eben Martin Schedler.

Margarethe Grieshaber wird Gesamt-7. und 2. W45 Die Siegerin der W50 Heike Kellner läuft noch auf Rang 5 vor Erst im Zielhang wird Barbara Irmgraben noch von Kellner überholt, kommt als 6. Frau und 2. W50 ins Ziel Die 4. Frau Lea Bäuscher gewinnt die WHK

Während also in der Männer-Konkurrenz sich die Erfahrung gegen die jüngeren Jahrgänge durchsetzen konnte, triumphierte bei den Frauen die Jugend. Zwar konnte die erfahrene und sehr erfolgreiche Bergläuferin Britta Müller aus Freudenstadt lange Zeit mit der fast 30 Jahre jüngeren Nora Coenen (TSV Krofdorf-Gleiberg) mithalten. Doch im Ziel lag die 20-jährige Juniorin, die in den beiden Vorjahren jeweils Zweite der Deutschen Berglauf-Meisterschaften in ihrer Altersklasse wurde und auch heuer bei der DM vorne mit dabei sein möchte, fast zwei Minuten vor ihrer Konkurrentin. In einer Zeit von 52:40min. gewann Nora Coenen mit deutlichem Vorsprung vor der jüngsten Läuferin des gesamten Feldes, Carla Holland (53:51) aus Freiburg, die für das Droste Running Team startete.

Matthias Eller wird 3. MJ Marco Wagner wird Gesamt-5. und 1. M30 Günter Krehl gewinnt die M60 Nur wenige Zuschauer verfolgten bei Regen die Zieleinläufe

Sie bekam für ihre überzeugende Leistung eine spontane Einladung von DLV-Berglaufwart Wolfgang Münzel zur "Youth Challenge", musste die Teilnahme an dieser Jugend-/Junioren-WM jedoch gleich wieder absagen. Zwar startet Holland in der W16, hat aber als 15-jährige die Altersgrenze von 16 Jahren für die WM noch nicht erreicht. Britta Müller dagegen konnte sich in 54:30min. zumindest den dritten Podestplatz sichern vor der Siegerin der WHK Lea Bäuscher (55:13) vom Team Salomon.

Gleich dahinter auf Rang 5 folgte mit Heike Kellner (TV Heppenheim) eine weitere erfahrene Bergläuferin, die in 56:15min. die W50 gewann. Dabei hatte Kellner zu Beginn und in der Mitte des Rennens noch weiter hinten gelegen. Doch die Heppenheimerin machte in der zweiten Rennhälfte noch einige Plätze gut und überholte auf dem Schluss-Anstieg auch noch Barbara Imgraben (TV Britzingen). Imgraben wurde somit in 56:21min. Zweite der W50 und Gesamt-6. vor Margarethe Grieshaber (VfL Freudenstadt) in 56:45 Zweite der W45.

Pünktlich um 18.30h wurden die Sieger und Siegerinnen im Haus des Gastes geehrt, wobei der Tagesieger und die Tagessiegerin sich über ein Österreich-Wochenende freuen durften, das von der Gemeinde Pillersee gesponsert wurde. Zahlreiche Sachpreise gab es zudem für alle AK-Sieger/-innen, während sämtliche Teilnehmer für ihr Startgeld ein Funktions-Shirt bekamen. Rundum zufriedene Gesichter also bei Läuferinnen und Läufern, die an insgesamt drei Verpflegungsstellen an der Strecke sowie im Ziel zudem gut versorgt waren. Und im Haus des Gastes wartete dann noch ein reichhaltiges Kuchenbuffet.

In exakt 1 Stunde kam Miriam Köhler am Turm des über 1000m hohen Mehliskopf an Überdacht war auch die Zielverpflegung für die Läufer

Angesichts so viel Zustimmung sowohl von Sportlern als auch von DLV-Offiziellen können die Verantwortlichen des TV Bühlertal der Masters WM 2012 beruhigt entgegen sehen. In der Ausrichtung von Meisterschaften haben die Bühlertaler ohnehin umfassende Routine, denn schon 1988 sowie 1997 fanden hier Deutsche Meisterschaften statt. Mehrfach wurden im Bühlertal zudem Deutsche Senioren-Meisterschaften, Badische Meisterschaften, Wertungs-Läufe zum Schwarzwald-Pokal oder Qualifikationen für Welt- und Europameisterschaften ausgetragen. Erfolg versprechende Gespräche mit potenten Sponsoren sind ebenfalls bereits angelaufen. Die Masters WM 2012 kann also kommen und mit ihr 800 Sportler/-innen mit ihren Begleitern sowie den Offiziellen. Damit dürfte dann auch das Hotel- und Gaststätten-Gewerbe im Luftkurort Bühlertal und den umliegenden Gemeinden im "Land zwischen Wald und Reben" bestens ausgelastet sein und der Sport wieder mal als Tourismus-Motor dienen.

Bericht und Fotos von Axel Künkeler

Infos www.tv-buehlertal.de

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