3.12.23 - 48. itdesign-Nikolauslauf Tübingen

Winterwunderland im Schönbuch

von Günter Krehl
 

Im Vorfeld gab es Bedenken, ob der 48. Tübinger Nikolauslauf auf Grund des starken Wintereinbruchs stattfinden kann. Mit großem Engagement wurde die Strecke geräumt, präpariert und an heiklen Stellen gestreut. So gab es als Lohn der Mühe eine wunderbar zu belaufende Runde, die auf den von mir abgetrabten Teilen ungefährlich zu bewältigen war. Sicherlich kostete der teilweise hart gefrorene und schneebedeckte Untergrund je nach Schuhwahl 2, im hinteren Feld vielleicht sogar bis zu 10 Minuten. Bestzeiten gab es also nicht im Übermaß, aber mindestens für diejenigen, die noch keinen Halben gelaufen hatten.

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Entschädigt wurden aber alle durch einen prächtigen Wintertag. Bei der Anfahrt im Ammertal noch klirrende 10° unter Null, herrschen bei Windstille, etwa minus 7 Grad am Start. Bei deutlicher Erwärmung während des Rennens war es eine Freude, im herrlichen Sonnenschein durch den verschneiten Wald zu laufen. Nur Fotografen und schnürsenkelbindende Läuferinnen klagten über klamme Finger.

Winterwunderland im Schönbuch Unzählige Nikoläuse geben dem Rennen ihren Namen
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Wie in den letzten Jahren begaben sich im Wellenstart ab 10 Uhr die weiße, die blaue und die gelbe Gruppe auf den winterlichen Kurs. Beim Anstieg auf dem freigesalzenen Bettelweg hatte sich das Quartett mit den späteren Erstplatzierten gut 20 Meter von seinen Verfolgern abgesetzt. Sascha Chwalek, im letzten Jahr noch als Volksläufer im toten Rennen gemeinsam auf Platz 3, ist nun ein echter "LAV Tübinger" und folgte im Duo mit Luca Hauser vom TSV Glems.

Mit Anaïs Anaïs Sabrié (LAV Stadtwerke Tübingen) führte die Vielfachsiegerin knapp vor der Vorjahresersten Lea Hanle, die 2022 mit 1:19:06 auf der neu vermessenen Strecke eine Bestzeit aufgestellt hatte. Die Vorjahresvierte Sophie Stolte wies eine Lücke zu den Führenden auf und lag ihrerseits relativ deutlich vor Merle Brunnée (Post-SV Tübingen), der Dritten der letzten Ausgabe. An fünfter Stelle konnte man in ihrem unverwechselbaren eleganten Laufstil die "Grande Dame" der deutschen Laufszene, Sabrina Mockenhaupt-Gregor erkennen. Ihr folgte mit weiterem Abstand Katrin Köngeter (LAV Tübingen), die schon viele Topplatzierungen beim Nikolauslauf erreicht hatte.

Beim Anstieg auf dem freigesalzenen Bettelweg hatte sich das Quartett mit den späteren Erstplazierten gut 20 Meter von seinen Verfolgern abgesetzt Bald konnte sich Lorenz Baum gemeinsam mit Michael Wörnle absetzen

Lorenz Baum war in der Vergangenheit immer knapp am Gesamtsieg vorbeigeschrammt. Im Vorjahr fehlte er, weil er beim Marathon in Sevilla als bester Deutscher in 2:16:31 persönliche Bestzeit gelaufen war.

 

Bald konnte er sich gemeinsam mit Michael Wörnle absetzen. Zwischen Kilometer 7 und 8 forcierte der Deutsche Marathonmeister das Tempo und vergrößerte kontinuierlich seinen Vorsprung.

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Anders als in der Hitze von Köln fühlte sich Lorenz Baum sichtlich wohl und lief bei nicht ganz einfachen Bedingungen mit 1:10:51 eine starke Zeit. Bei der Pressekonferenz meinte Gerold Knisel schmunzelnd, dass ein Sieg in Tübingen sogar noch einen höheren Stellenwert als eine Deutsche Marathonmeisterschaft hätte.

Zwischen Kilometer 7 und 8 forcierte der Deutsche Marathonmeister Lorenz Baum das Tempo und vergrößerte kontinuierlich seinen Vorsprung. Hier bei Kilometer 14 weit voraus Der zweitplatziere Michael Wörnle bei Kilometer 14 Jens Ziganke als Gesamtdritter bei Kilometer 14 Vorjahressieger Daniel Noll wird Vierter

Michael Wörnle hatte eigentlich nicht vorgehabt, in Tübingen zu starten. Er übernahm kurzfristig den Startplatz seines Bruders und lief in 1:12:14 als Zweiter durchs Ziel. In der Athletendatei ist er seit 2019 (damals Bestzeit 1:08:40) nur noch selten zu finden. Der Läufer vom TV Konstanz war wie sein Vereinskamerad Jens Ziganke für das Intersport Räpple Running Team unterwegs.

 

Ziganke lief anfangs mit Daniel Noll (LG Glems), konnte sich dann aber deutlich absetzen und mit 1:13:03 als Dritter behaupten. Vorjahressieger Noll musste sich diesmal mit Rang vier in 1:14:29 begnügen und war damit knapp 3 Minuten langsamer als 2022.

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Von rechts: Felix Otto (6.), Luca Hauser (8.), und Niklas Unger (10.) nach Kilometer 13 Roland Golderer (1. M45), dahinter Timo Zeiler (2. M40) der frühere Berglaufmeister, am Bettelweg

Sascha Chwalek verschlechterte sich zwar um 2 Plätze, die 1:14:53 sind auf Grund der Bodenbeschaffenheit aber deutlich besser als seine 1:14:16 aus dem Vorjahr zu werten. Felix Otto (Post-SV Tübingen) und Friedrich Horn (LAV Tübingen) tauschten gegenüber dem Vorjahr ihre Plätze 6 und 7. Sie liefen mit 1:16:07 zeitgleich ins Ziel und verbesserten sich erstaunlicherweise sogar um 79 beziehungsweise 60 Sekunden. Luca Hauser fiel mit einer Sekunde Rückstand noch auf Platz 8 zurück.

 

War bei den Männern der Kampf um die beiden ersten Plätze schnell entschieden, wurde es dieses Mal bei den Frauen äußerst spannend. Anaïs Sabrié war nach eigener Aussage etwas zu schnell angelaufen. Die Berglaufspezialistin hatte "seit 13 Monaten keine Startnummer mehr getragen" und konnte erst im August nach langwieriger Verletzung wieder mit dem Training beginnen. Sie schwärmte vom "schönsten Laufwetter" ihrer langen Nikolauskarriere und genoss ihr Comeback in vollsten Zügen.

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Bei der ersten Bettelwegsteigung ist Vorjahressiegerin Lea Hanle (7.) noch knapp hinter Anaïs Sabrié Anaïs Sabrié vor dem Heuberger Tor nach Kilometer 7 knapp vor Merle Brunnèe

Charlotte Heim, die Baden-Württembergische Vizemeisterin über 10 Kilometer, ging ohne Vorgabe ins Rennen. Die Läuferin, die vom bayrischen TSV Altusried zum LV Pliezhausen 2012 gewechselt hat, lief im Vorjahr immerhin eine 2:52 beim Frankfurter Marathon. Sie profitierte vom Radbegleiter, der ihr die jeweiligen Abstände zu den wechselnden Verfolgerinnen mitteilte, nachdem sie sich an die Spitze gesetzt hatte. Kurz vor der zweiten Heuberger Tor Passage, war das Sophie Stolte, allerdings direkt dahinter Anaïs und mit kurzer Lücke Merle. Als Fünfte folgte ganz allein laufend Sabrina.

Siegerin Charlotte Heim bei km 13 knapp in Front Anaïs Sabrié bei Kilometer 13 Merle Brunnèe (3.) bei Kilometer 7 vor dem Heuberger Tor. Der Bändel am rechten Schuh sieht verdächtig lang aus

Bei Kilometer 13 war dann Anaïs wieder die alleinige Verfolgerin. Sie zeigte am Ende wieder ihre Steherqualitäten, konnte aber am Sieg von Charlotte Heim nicht mehr rütteln. Der Abstand von 1:24:04 zu 1:24:18 zeugt aber von einem äußerst spannenden Ausgang. Bei der späteren Pressekonferenz erfuhren wir jedoch, dass Merle Brunnée zwischenzeitlich sogar die hartnäckigste Verfolgerin gewesen war. Ein "Anfängerfehler" kostete ihr vielleicht sogar den Gesamtsieg. Unterwegs war ihr Schnürsenkel locker geworden und ließ sich mit den klammen Fingern nicht öffnen und neu binden. Erst nach "angeblichen anderthalb" Minuten gelang es ihr mit gebundenen Schuh weiter zu laufen. Man kann so richtig mitfühlen, wie Läufer um Läufer an der verzweifelten Athletin vorbeigezogen waren. Im Damenrennen fiel sie von Position 2 auf 5 zurück und kämpfte sich wie im Vorjahr auf den Bronzeplatz. Ihre 1:25:07 sind somit stärker einzuschätzen als die 1:23:43 vom Vorjahr. Was ihre Siegesaussichten ohne die Panne betreffen bleibt Spekulation, vielleicht waren die 90 verlorenen Sekunden auch nur die "gefühlte Zeit".

Sophie Stolte (4.) bei Kilometer 13 Sabrina Mockenhaupt (1. W40) in ihrem unnachahmlichen Stil als Gesamtfünfte solo unterwegs Katrin Köngeter (6.) seit vielen Jahren vorne mit dabei Vorjahressiegerin Lea Hanle diesmal auf Platz 7

Sophie Stolte belegte wie im Vorjahr Rang 4 in 1:25:38. Sabrina Mockenhaupt lief ständig auf Position fünf ein kontrolliertes Rennen. Mit 1:26:20 und als überlegene Siegerin der W40 bestätigte sie ihre noch immer überragende Klasse. Noch für den LV Pliezhausen 2012 startend wechselt sie zur LAV Stadtwerke Tübingen, dem "Württembergischen Bayern München des Langstreckenlaufes". Für diesen Verein ist auch die sechstplatzierte Katrin Köngeter am Start, die 1:27:16 benötigte. Gerätselt wurde über die Vorjahressiegerin Lea Hanle, die auf Rang 7 mit 1:28:08 zurückgefallen war. Sie startete wie die Siegerin und die Vierte für das Running Team Intersport Räpple. Platz 8 belegte Sandra Burkhardt mit 1:28:29.

Auch dieses Jahr hatten die beiden Gesamtsieger in der relativen Altersklassenwertung keine Chance und belegten jeweils nur Platz 4. Silke Holzmanns 1:36:22 waren nach der Umrechnung 1:21:08 wert. Die Vorjahressiegerin musste sich diese Mal äußerst knapp ihrer Altersklassenkonkurrentin Karin Elsholz mit 1:36:18 bzw. 1:21:04 geschlagen geben. Sabrina Mockenhaupt belegte mit 1:21:51 Rang 3. Bei den Männern gab es einen vierfach Triumpf der Tübinger: Werner Bauknecht siegte mit 1:37:19/1:05:45 vor Matthias Koch 1:28:15/1:09:43 und Sascha Chwalek 1:14:53/1:10:25.

Auf dem Bettelweg hoch zum Heuberger Tor Wintertraum am Heuberger Tor

Als älteste Teilnehmer wurden der 80jährige Otto Müller (2:34) aus Heilbronn und die 76jährige Ingrid Hein (2:29) aus Esslingen geehrt. Im virtuellen Zehner wurden diese Altersleistungen mit Horst Engelhardt (88 Jahre/1:44) und Doris Maier (84 Jahre/1:15) noch übertroffen. Trotzdem "wird der Nikolauslauf jünger und weiblicher" wie Gerold Knisel schreibt. Der Altersschnitt ging von 40,5 auf 39 Jahre zurück und beim virtuellen Lauf herrscht sogar ein Gleichgewicht der Geschlechter. Lobenswert auch die Kooperation mit den Tübinger Schulen. Im Vorfeld wurde eine 10 Kilometerstrecke von 110 Schülern bewältigt. Es wäre wünschenswert, wenn diese Zusammenarbeit in Zukunft noch mehr angenommen würde. Der Probelauf 3 Wochen vor der Veranstaltung mit etwa 600 Teilnehmern sollte dafür lobenswertes Beispiel sein.

Immerhin 60 Männermannschaften mit je 5 Teilnehmern kamen in die Wertung. Es siegte die LAV Tübingen vor zwei Mannschaften vom Intersport Räpple Running Team. Bei den Frauen waren wie immer nur 3 Teilnehmerinnen gefordert, so kamen beachtliche 48 Mannschaften in die Wertung. Hier drehte das Intersport Räpple Running Team den Spieß um und verwies die Tübinger mit 10 Minuten Vorsprung auf Platz zwei. Dritte wurden die Damen des Post SV Tübingen.

Winterliche Halbmarathonpfade Bei Kilometer 13 geht es in die 2. Runde

Eine Besonderheit in Tübingen ist die Beibehaltung des virtuellen Nikolauslaufes. Bei Corona wurde diese Wettbewerbsform 2020 über Halbmarathon und 10 Kilometer eingeführt und mit insgesamt 2.788 Teilnehmern sensationell angenommen. 2021 durften nur Geimpfte starten, deshalb waren die 370 "Virtuellen" über beide Strecken nicht verwunderlich. 2022 konnte man nur noch den Zehner auf beliebiger Strecke laufen und selbst stoppen. Dass die Teilnehmerzahl auf 423 anstieg war doch sehr verwunderlich. Man mag zu der Art Wettbewerb geteilter Ansicht sein, Fakt ist, dass doch erstaunlich viele Sportler diese Art "Wettkampf" positiv sehen. Nur so ist der erneute Anstieg auf bisher 457 Athleten zu erklären. Immerhin haben sich von Sonntag auf Montag noch 45 "Nachmelder" eingetragen. Erfreulich ist, dass in der Ergebnisliste keine "Sensationszeiten" stehen. Nur der Ulmer Devin Özen (38:09) und die schnellste Dame, die W35 Athletin Katrin Kommer (39:34) blieben unter 40 Minuten. Mehr als 50 % blieben über einer Stunde und eine größere Gruppe wurde als mehr oder weniger schnelle Wanderer registriert. Das zeigt, dass das virtuelle Rennen zukünftig Teil der Veranstaltung bleiben sollte. Es bietet Menschen, die weder der Streckenlänge noch dem Tempo selbst in den hinteren Reihen gewachsen sind, Teil der großen Nikolauslaufgemeinschaft zu werden.

Dieses Jahr unterstützt der Tübinger Lauf das Tumorzentrum CCC der Tübinger Uniklinik mit einer größeren Geldspende. Es ist jedes Jahr beeindruckend, wie die Organisation des Nikolauslaufes ein besonders ausgewähltes soziales Projekt unterstützt. Da passt folgende Mittteilung wie die Faust aufs Auge: "Der GRR-Preis für Organisatoren von Laufveranstaltungen ging an den Post SV Tübingen für dessen itdesign-Nikolauslauf. Dieses Event würdigte mit Horst Milde der GRR-Ehrenvorsitzende und "Erfinder" des Berlin-Marathon in einer stimmungsvollen Laudatio. Insgesamt wurden bei den Abstimmungen, die vom DLV unterstützt wurden, mehr als 13.000 Stimmen für die verschiedenen Preisträger abgegeben".

Nach der Laufstrecke durch den verschneiten Wald, im herrlichen Sonnenschein Richtung Ziel
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Cheforganisator Gerold Knisel war über 2.746 Teilnehmer (804 Frauen und 1.942 Männer) im Ziel hoch erfreut. Das waren nur 67 weniger als beim Teilnehmerrekord 2019 und immerhin 127 mehr als 2022 bei 10 Grad wärmeren Bedingungen. Knisel konnte es sich sogar erlauben, selber mitzulaufen und in 1:47:23 Platz 3 in der M65 zu belegen. Das ist nur möglich, weil die Veranstaltung 20 Spartenleiter hat, die ihren Bereich selbständig regeln, insgesamt stehen ihnen etwa 250 Helfer zur Verfügung. Einen will ich dieses Mal besonders hervorheben, ich habe ihm persönlich gedankt. Er wechselte die Handtuchrollen und ergänzte das Papier im Toilettenraum der Schule. Auch solche Kleinigkeiten sind wertvoll herauszuheben. Nicht zu vergessen sind auch die fleißigen Schüler, die Essenbons verkauften und Geschirr abtrugen.

So lohnt es sich, weiterhin positiv nach vorn zu schauen. Dezember 2025 mit dem 50 jährigen Jubiläum leuchtet am Horizont. Zuerst aber gibt es die spannende Frage, wer 2024 auf dem roten Siegersofa sitzen wird.

Bericht und Fotos von Günter Krehl

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Ergebnisse my.raceresult.com & Infos nikolauslauf-tuebingen.de
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