11.12.22 - 50. Honolulu Marathon (Hawaii)

Honolulu Marathon - Zum Jubiläum äthiopischer Doppelsieg

für Laufreport.de von Herbert Steffny aus Honolulu 

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Bei der 50. Jubiläumsveranstaltung des Tropenklassikers auf Hawaii beendete der Äthiopier Asefa Mengstu in 2:14:40 Stunden die langjährige kenianische Siegesserie mit einem überlegenen Sieg. Auch bei den Damen konnte sich mit Bere Ayelew eine Äthiopierin als Vierte des Gesamteinlaufs in 2:30:58 Stunden durchsetzen und ebenfalls eine 25.000 Dollar Siegprämie mit nachhause nehmen. Durch ungewöhnlich starken Passatwind waren die Streckenrekorde allerdings außer Gefahr. Nach dem Corona-bedingten Ausfall 2020 und einer abgespeckten Auflage 2021 fast ohne ausländische Beteiligung waren diesmal die japanischen Lauftouristen wieder beim "Peoples Race" stark vertreten. Im Rahmen der Marathonveranstaltung wurde auch ein 10 Kilometer Lauf und am Vortag ein Meilenrennen angeboten.

People's Race - als die Afrikaner bereits im Ziel waren, joggten und walkten die Massen in der Dämmerung noch bei Kilometer 10
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Zwischen Normalität und Sparflamme

Rechtzeitig zur 50. Jubiläumsausgabe des Honolulu Marathons lockerten sich die Corona-Vorgaben, so dass nach dem Ausfall 2020 und der Sparauflage 2021 schon fast wieder Normalität einkehrte. Fand der Marathon 2020 nur virtuell statt, so waren 2021 z.B. nur 566 Japaner am Start, die 2019 noch mit rund 16.000 Teilnehmern den Löwenanteil des Läuferfeldes stellten. Allerdings waren 2022 mit rund 5.600 Marathonis immer noch deutlich weniger Läufer aus dem Land der aufgehenden Sonne angereist. Hier und da merkte man daher auch, dass weniger Geld im Etat war. Die Elitefelder waren schwächer als früher besetzt. Der Shuttle Service zur Startnummernabholung mit den romantischen Trolleys aus Waikiki, der Hotelstadt Honolulus wurde gestrichen.

Ebenso gab es im Vorfeld der Siegerehrungen keine Musik- und Tanzdarbietungen mehr. Eine organisatorische Panne leisteten sich die Veranstalter beim Transport der Läufer aus Waikiki früh morgens zum Start. Zu wenig Busse wurden eingesetzt, was dazu führte, dass viele Läufer erst nach dem um 5.00 Uhr morgens erfolgten Startschuss ins Startgelände gelangten. Zwar gibt es Nettozeiten, aber für Ambitionierte hieß es dann mit 20 Minuten Verspätung in Schlangenlinien sich den Weg in der Dunkelheit durch die walkende und joggende Masse zu bahnen. Unterwegs war ein Teil der Wasserstationen neuerdings Selfservice, man musste sich das kühlende Nass selber zapfen. Offenbar gab es also auch Personalmangel beim Streckendienst.

Sparsam bekleidet, dafür aber voll patriotisch - wenn nur die Schuhe noch rot-blau-weiß gewesen wären!? Ein verschärftes Training im schwitzigen Armee-Outfit und mit Rucksack bewaffnet mutet sich dieser Rekrut zu Corona oder Darth Wader? Vermummt und mit Sonnenbrille in der Dunkelheit? Aber die Startnummer hilft weiter: es ist Nobuko aus Japan

Genug gemeckert! Neu war zum Jubiläum am Freitag und Samstag abends eine kostenlose Fackelshow mit Musik und Hula-Darbietungen. Auch das traditionelle Feuerwerk am Start setzte wieder einen festlichen Rahmen. Wie auch bei anderen Veranstaltungen zuvor hatte man den Eindruck, dass die Laufgemeinde happy war ihren Honolulu Marathon wieder zurückzuhaben. Analog natürlich, nicht virtuell oder digital! Das Wetter spielte allerdings nur teilweise mit. Zwar gab es zu Beginn bei 23 Grad Celsius nur kurz Nieselregen, dann wurde es sonnig und wärmer, aber nicht ganz so heiß wie in vergangenen Jahren. Probleme bereitete der diesmal stellenweise heftig blasende Passatwind, der vor allem auf der ersten Hälfte das Rennen ausbremste. Während man hinten in der Gruppe kuscheln kann, hatten die leichtgewichtigen Eliteläufer keine Chance die Streckenrekorde anzugreifen. Diese werden mit 2:07:59 Stunden von Titus Ekiru (2019) aus Kenia und seiner Landsfrau Brigid Kosgei, der heutigen Weltrekordlerin, mit 2:22:15 Stunden (2017) gehalten. Das ist für ein feucht-warmes Tropenrennen ein sehr hohes Niveau.

Äthiopien dominiert beim Jubiläum

Das kleine Elitefeld lief zu Beginn mit den flotten 10km Läufern zusammen, war danach aber auf sich alleine gestellt. Der einzige kenianische Tempomacher Reuben Kerio lief nur bis zum Halbmarathon (1:06:38 Stunden), danach waren auf dem Kalanianaole Highway sein Landsmann Barnabas Kiptum und Asefa Mengstu im Gegenwind auf sich alleine gestellt. Bei Kilometer 35 griff der Äthiopier erfolgreich an und erreichte das Ziel noch vor Sonnenaufgang mit über drei Minuten Vorsprung vor seinem Kontrahenten in 2:14:40 Stunden. Der 34-jährige Asefa Mengstu ist mit einem Hausrekord von 2:04:06 Stunden, erzielt in Dubai 2018, allerdings andere Zeiten gewohnt. Immerhin war es sein fünfter Marathonsieg. "Der Wind war schlimm, so einen Wind habe ich noch nie erlebt, aber ich bin glücklich über den Sieg!" verlautbarte der Tagesschnellste anschließend der Presse. Barnabas Kiptum kam mit 2:17:45 Stunden noch unter 2:20 Stunden ins Ziel im Kapiolani Park.

Die kleine Männerelite passiert Kilometer neun in Waikiki. Zweiter von rechts ist der spätere Sieger Asefa Mengstu aus Äthiopien Zu zweit gemeinsam aber einsam: Bei Kilometer neun laufen die beiden Äthiopierinnen Bere Ayalew und Abebech Afework im Team

Bei den Damen gab es überhaupt keine Pacemaker und so arbeiteten die beiden Äthiopierinnen Bere Ayalew und ihre Trainingspartnerin Abebech Afework als Team. Die 10 Kilometer Marke wurde in 35:02 Minuten gemeinsam, aber einsam durchlaufen. Bei 14 Kilometern löste sich dann aber Ayalew, die eine Bestzeit von 2:22:52 Stunden (Eindhoven Oktober 2022) aufzuweisen hat von ihrer Begleiterin. Nun war sie auf sich alleine gestellt. Halbmarathon passierte die 23-Jährige in 1:15:42 Stunden mit bereits fast 40 Sekunden Vorsprung. Ihr Solorennen mit dem finalen Anstieg um den Diamond Head Krater war dann doch noch erstaunlich gut für die Verhältnisse. Mit 2:30:58 Stunden hatte sie nicht nur fast vier Minuten Vorsprung vor Afework (2:34:39 Stunden), sondern lief noch auf Rang vier im Gesamtfeld ein! Für die schwache Besetzung des Elitefeldes bei den Männern spricht auch, dass auch noch die Zweite auf Gesamtplatz fünf einlief. Nur 42 Läufer und Läuferinnen unterboten die 3:00 Stundengrenze.

Happy, dekoriert und von Schönheiten umrahmt - der Sieger Asefa Mengstu trotzte dem Gegenwind am besten Allein auf weiter Flur - die Äthiopierin Bere Ayalew durchbrach das Zielband als Gesamt-Vierte

Don't hurry - be happy!

Für die Massen dahinter dauerte es natürlich deutlich länger. Die Sonne war am Vormittag noch gnädig und brannte nur diesig-gedämpft auf die Nacken der Marathonläufer. Wer aber fünf Stunden und länger brauchte, für den ging es wie immer heiß her. Insgesamt gibt es aber ausreichend Wasserstationen und auch Elektrolytgetränke. Die mittlere Netto-Zielzeit lag bei 6:03:15 Stunden. Die Langsamsten brauchten diesmal über 17 Stunden, denn traditionell gibt es im Geiste des Alohas keine Zielschlusszeit und man wartet auf den Allerallerletzten und wenn es noch so spät wird.

Fast die Hälfte der Teilnehmer sind Frauen und der Anteil der Debütanten liegt ebenfalls bei rund 50 Prozent. Das Hinterfeld walkt zumindest auf der zweiten Hälfte. Man hat so genug Zeit die zahlreichen verkleideten Mitläufer von Spiderman bis Weihnachtsmann mit dem Handy abzulichten. Auch einen Besuch im Fastfood Restaurant könnte man unterwegs einplanen. Vielleicht ist ein Nickerchen oder Frühstück im Hotel, das bei Kilometer acht bis neun passiert wird noch im Zeitrahmen? Irgendwie müssen ja bis zu 17 Stunden zusammenkommen. Das nächtliche Honolulu bietet zudem mit weihnachtlich illuminierten Figuren wie "Rudolph the Red-nosed Reindeer" oder "Frosty the Snowman" der Jahreszeit entsprechende Fotomotive, wenngleich man in Hawaii derzeit eher unter Palmen einen Mai Tai genießt, statt an Weihnachtsbäume und Schnee zu denken.

Volker Drasdo aus Berlin war schnellster Deutscher, benötigte 3:29:08 Stunden und belegte Platz 13 in der Altersklasse M50 Und nochmal Japan, das mit rund 7.000 Teilnehmern das größte aber auch bunteste ausländische Kontingent stellte Ach so! Die gut gelaunte Läuferin erinnert uns daran, dass es unter Palmen Weihnachtszeit ist. Und die Einkaufstasche durfte auch nicht fehlen

Schnellster Deutscher war auf Rang 225 Volker Drasdo aus Berlin. Der M50 Altersklassen Läufer benötigte 3:29:08 Stunden und belegte damit Platz 13 in seiner Altersklasse. Nicht weit dahinter kam als schnellste Deutsche Christiane Korecki, startend für Porta Westfalica in 3:32:35 Stunden auf Gesamtrang 278 ein. In ihrer Altersklasse W55 belegte sie immerhin Rang vier. Beachtlich war auch die Leistung des in Hawaii wohnenden Abe Chikara, der in der M90 startend 7:18:23 Stunden benötigte und mit Rang 10.443 noch rund 3.800 Jüngere hinter sich ließ. Als Letzte und mit Platz 14.248 und 14.249 kam Miyuki und Mikayo Sato aus Yokohama ins Ziel. Mutter und Tochter benötigten 17:07:41 Stunden. Aloha und hang lose, wie man auf Hawaii sagt!

"Das ist mein Glückstag" mag dieser Polizist gedacht haben, als er sich im Ziel mit den zwei Schönheiten verewigte Zum 50. Jubiläum gab es im Ziel schlussendlich auch eine entsprechend schwergewichtige Medaille als Trophäe
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10 Kilometer- und Meilenlauf

Das im Rahmenprogramm des Marathons ausgetragenen 10 Kilometer "Start to Park" Walking- und Laufevent gewann der schon am Vortag bei der Merrie Mile siegreiche US-Amerikaner Eric Avila in 30:09 Minuten. Die Frauensiegerin Heidi See aus San Diego benötigte 36:05 Minuten. Bei diesem mit dem Marathon zeitgleich gestarteten Wettbewerb finishten 5.736 Teilnehmer. Die Langsamste benötigte gemütliche 4:12:13 Stunden. Sven Hertelt aus Berlin wurde 18. Platzierter in 37:05 Minuten. Die am Samstagmorgen ausgetragene Merrie Mile auf einem Wendepunktkurs auf Waikikis Pracht- und Shoppingstraße Kalakaua beendeten 1.907 Teilnehmer. Das separat gestartete Meilen-Eliterennen ist ein Fangspiel, bei dem sich Männer und Frauen das Preisgeld in einer gemischten Wertung erlaufen können. Die Damen bekommen 29 Sekunden Vorsprung und die Männer versuchen als Follower nicht nur ihre Geschlechtsgenossen abzuhängen, sondern auch die Frauen einzuholen. Das gelang dem Kalifornier Eric Avila in 4:09,51 Minuten. Schnellste Frau war die US-Amerikanerin Nikki Hitz in 4:27,43 Minuten.

Die schnellsten 5 Frauen und Männer des Honolulu Marathon (Hawaii) 2022
Frauen Zeit Männer Zeit
Asayech Ayalew Bere (ETH)
2:30:58
Asefa Mengstu (ETH)
2:14:40
Abebech Afework Bekele (ETH)
2:34:39
Barnabas Kiptum (KEN)
2:17:45
Eri Suzuki (USA)
2:47:42
Yuhi Yamashita (JPN)
2:27:27
Mai Ito (JPN)
2:58:18
Cosmo Brossy (USA)
2:35:10
Lanni Marchant (CAN)
3:02:15
Masaki Asari (JPN)
2:37:40

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Text und Fotos Copyright: Herbert Steffny
Herbert Steffny berichtet exklusiv jährlich seit 1993
aus Hawaii vom Honolulu Marathon

Herbert Steffny im Internet www.herbertsteffny.de
Ergebnisse https://pseresults.com/events/1244/results

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