10.10.21 - 53. Schwarzwald Marathon in Bräunlingen

Verdamp lang her…

von Thomas Disser 

Schöneres Wetter konnten sich die Organisatoren der LSG um Frank Kliche an diesem Oktober-Wochenende nicht wünschen. Sie wurden für Ihre Entschlossenheit, um die Pandemie-Auflagen herum eine prima Laufveranstaltung durchzuführen, belohnt. Wer als Läufer dabei war, kann dies nur bestätigen. Im Ziel wurden immerhin 336 Finisher bei Marathon und 743 auf der Halbmarathonstrecke gezählt. Dazu 62 Teilnehmer über 5 km und bereits am Samstag 233 über 10 km Lauf und 43 über 10 km Walking.

 

Einiges ist neu an diesem Marathon-Sonntag. Gefrorene Autoscheiben sind zu enteisen. Zum Glück wurde der Eiskratzer tags zuvor wieder im Auto verstaut, der WetterApp sei es gedankt. Nur hat die App mich auch noch weiter beeinflusst: zum ersten Lauf seit letztem Winter in langer Hose. Klar, es wäre auch in kurz gegangen. Das zeigt auch der zumeist gewählte kurze Sportdress der Laufkollegen. Wie erwartet auf den ersten Kilometern bestätigt es sich. Spätestens bei der ersten Steigung ist die Betriebstemperatur ohnehin erreicht.

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53. Schwarzwald Marathon - Läufer, soweit das Auge reicht
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Vor dem Lauf wieder die tolle Stimmung, trotz Maskenpflicht im gesamten Startbereich. Endlich wieder einmal so viele Gesichter aus der Laufszene sehen. Wenn auch mancher dank Schnutenpulli nicht gleich zu erkennen ist. Auf das Gelände kommt zudem nur, wer den 3G-Regeln entspricht. Sogar eine Teststation ist zu diesem Zweck aufgebaut. Dann durch den Check-Control, wo auch wirklich auf die App geschaut wird. Alles okay, ich darf rein. Alle paar Minuten werden die aktuellen Regeln per Lautsprecher verkündet, es besteht keine Chance, dem zu entgehen. Mehr kann der Veranstalter nicht tun, liebe Genehmigungsbehörde.

Damit keine Panik bei den Athleten entsteht, den Startschuss in der Schlange stehend zu verpassen, wird 20 Minuten später gestartet. Gewonnene Zeit für körperliche Bedürfnisse. Es sind noch spät ankommende Läufer einzuchecken. Außerdem sind noch einige Nachmelder zu bedienen. Der Veranstalter hatte in der vergangenen Woche nochmals für einen Tag die Online-Anmeldung geöffnet. Diese Teilnehmer holen ihre Startnummer vor Ort ab. Alle Voranmelder bekamen sie bereits nach Hause geschickt, sehr gut für die Kontaktvermeidung und eine Entlastung für die Helfer vor dem Start.

Ordnung muss sein, hier zum Abholen des Goodie-Bags mit Socken Kleiderbeutel, restliche Startnummern und Rennleitung waren in der Sporthalle, ansonsten hielt man sich im Freien auf

Das Goodie-Bag incl. traditioneller Socken wird verstaut und der Wechselklamotten-Rucksack in der Sporthalle deponiert. Ohne Duschzeug diesmal, Duschen sind zu. Wird ohnehin überbewertet.

Im Freien das so lange vermisste Stimmungsbild mit zahlreichen Läufern, über tausend sind es, toll. Wann habe ich das eigentlich zum letzten Mal erlebt? Im Januar letzten Jahres in Rodgau. Vor Corona. Verdamp lang her…

Vor dem Start: in der Bildmitte der Marathon Sieger und Fritz Koch (922) mit schwarzem Trikot rechts daneben Nils Schallner (1) mit rotem Trikot, der Zweiter wurde. Links außen die Siegerin Stefanie Doll mit blauer Jacke in Rückenansicht
AC/CD tönt schon aus dem Lautsprecher, gleich geht es los

 

Nicht BAP, sondern "Hells Bells" von AC/DC ertönt vor dem Startschuss, den der Bürgermeister gleich abfeuert. Wir müssen zwar nicht durch die Hölle laufen, aber zum Marathonstart passt der Song einfach. Streckensprecher Pit (Jenniches) sorgt für die passende Stimmung, die Hände gehen nach oben und die Masken werden verstaut. Gefühlt alle Bräunlinger stehen am Straßenrand oder winken aus dem Fenster. Man freut sich, dass nach einem Jahr Pause der Schwarzwald-Marathon wieder stattfindet. Und das "in echt", nicht virtuell.

Wir verlassen Bräunlingen und bilden wieder diese bunte, nicht endende Läufer-Schlange, die sich langsam voran bewegt. Das habe ich so vermisst!

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Kunterbunte Läuferschar … … und Applaus der Zuschauer in Bräunlingen

Der Halbmarathon startet einige Minuten nach uns. Die Spitze holt uns zügig ein und der Vorausfahrer kündigt sie klingelnd an. Die einzige Gelegenheit, Fotos von Siegern zu schießen. Wie bestellt läuft der spätere HM-Sieger, David Jansen aus Konstanz voran, der in guten 1:14:42 Stunden gewinnt. Die weiteren Platzierungen sind ebenfalls früh geklärt, Martin Jonas vom LAV Stadtwerke Tübingen als Zweiter in 1:16:13 und Dominik Haberstroh vom SV Waldkirch in 1:17:19 Stunden.

David Jansen aus Konstanz gewinnt den Halbmarathon Dominik Haberstroh (4752) wird HM-Dritter vor Hannes Bossung (4563, schwarzes Trikot) und Tobias Herrmann (4802)

Weiter geht's bei strahlendem Sonnenschein, immer leicht bergauf. Bestätigt durch den Blick auf die Pulsuhr, die wohl einige Schläge zu viel anzeigt. Soll sie halt. Überhaupt kann ich nicht alles glauben, was auf dieser neuen High-Tech-Uhr im Display steht. Heute früh wurde meine Fitness als "überragend" angezeigt. Warum merke ich davon nichts?

Bei strahlender Herbstsonne raus in den Schwarzwald

Freundliche Helfer an jeder Verpflegungsstelle. Sie strahlen mit der Sonne um die Wette. So wie die Zuschauer, die hin und wieder in kleinen Gruppen an der Strecke stehen und uns Läufer motivieren. Aber es ist in erster Linie ein unglaublich schöner Landschaftslauf, und es gibt reichlich Gelegenheit, den Marathon für sich zu genießen. Besonders nach dem Abzweig der roten Startnummern, die den Halbmarathon gebucht haben. Plötzlich ist man nicht nur gefühlt allein. Nach dem Abbiegen dauert es einige Minuten, bis wieder jemand zu sehen ist. Es gibt dennoch immer wieder Gelegenheit zu einem Plausch unter Gleichgesinnten.

Verpflegung gereicht von freundlichen maskierten Helfern Badische Fan-Kurve zeigt Flagge

Oberbränd: kurz vor der Halbmarathonmarke ist der höchste Punkt der Strecke erreicht, Bergfest in zweierlei Hinsicht. Dass der Skiclub die Verpflegungsstelle betreibt, ist also kein Zufall. Das Panorama ist großartig, man kann sich nicht satt sehen. Trotzdem sollte man sich nicht zu lange staunend aufhalten, schließlich läuft die Uhr weiter.

Runter geht's, aber nicht zu steil. Die Minuten-pro-Kilometer-Zeiten verbessern sich. Es läuft einfach, und das sehr gut. Hatte meine Uhr wohl doch recht? Nach Kilometer 30 gibt es zweifachen Beistand: Ein Sani-Fahrzeug und ein Feldkreuz. Ich brauche beides nicht in Anspruch zu nehmen.

Der Moment der Entscheidung: heute lieber rechtsrum… … und ab in die Einsamkeit eines Marathonläufers

Göttlichen Beistand hatten die Marathon-Siegerin Stefanie Doll in 2:49:50 vom SV Kirchzarten und Sieger Fritz Koch in 2:32:04 Stunden wohl auch nicht nötig. Stefanie ließ mit ihrer guten Zeit nur drei Herren vor sich.

Vor Kilometer 35 in Unterbränd wird der Wald letztmals verlassen und es geht schattenlos weiter. Bei diesen Temperaturen kein Problem, trotz falsch gewählter Hose. Nach der von Horst Preisler gelernten Methode, ab der Hälfte immer runterzuzählen, werden auch die letzten Kilometer gut gemeistert.

Diese Helfer haben die schönsten Aussichten… …und Zeit für das übliche Autoren-Foto

 

Kilometer 39, Bräunlingen ist schon zu sehen. Erinnerungen an 2011 werden wach. Hier traf ich zwei beeindruckende Lauflegenden: Helmut Urbach, siebenfacher Biel-Sieger, der damals auf seine Frau wartete, die den Schwarzwald-Marathon lief. Und Liane Winter, dreimalige Siegerin des Schwarzwald-Marathons in den 1970er Jahren. Nach unserem kurzen Gespräch schickte er mich damals weiter, meine Zeit würde ja laufen. Dabei hatte ich es damals auch schon nicht so eilig.

Freude, gleich ins Ziel zu kommen. Streckensprecher Pit legt auch jetzt wieder die passende Musik auf: mit "Major Tom" von Peter Schilling, wobei ich das "völlig losgelöst von der Erde" nicht allzu wörtlich beim Freudentanz nach dem Erreichen der Ziellinie nehme.

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Medizinischer oder göttlicher Beistand bei km 30 Eine der letzten und damit wichtigen Verpflegungsposten in Unterbränd

Da ich diesmal - wie sonst auch immer - zu dem hinteren Teil des Finisher-Feldes gehöre, sind nicht mehr allzu viele Teilnehmer im Läufer-Biergarten. Trotzdem lasse ich mir den leckeren Kaffee und großzügig portionierten Kuchen schmecken, der von freundlichen Helfern auf den Teller gepackt wird.

Über die bemerkenswerte Historie dieses Marathons gibt es schon reichlich lesenswerte Lektüre. Sei es in der Chronik der Veranstalter-Webseite, oder ausführlich beschrieben von den Kollegen bei LaufReport.de (Werner Sonntag "Wie ein Klassiker entstanden ist" und Günter Krehl "Die Wiege des Frauenmarathons").

Lange Zeit LaufReporterbegleiter: Martin Göth aus Tübingen finisht in genau 5:08 Stunden Die Beiden stehen für die Freude eines jeden Marathon-Finishers: Sybille Plötz und Jürgen Reuter vom Hartfüßler Trail e.V. Streckenmoderator Pit (rechts), vollständiger Name ist der Redaktion bekannt
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Mit RaceResult ist ein Zeitnehmer an Bord, der auch die aktuellen Bedingungen problemlos meistern kann. Jetzt muss aber doch ein kurzer Blick in die Geschichte erlaubt sein: Bräunlingen war 1972 der erste weltweit mit EDV-Unterstützung durchgeführte Marathon, mit einem System praktisch aus der Nachbarschaft, Kienzle in Villingen. Das erste IT-System, dass ich als Berufsanfänger bedienen durfte. Verdamp lang her…

Aber schauen wir nach vorne. Freuen wir uns, dass mit Veranstaltungen wie dem 53. Schwarzwald-Marathon in Bräunlingen wieder etwas mehr Normalität ins Läuferleben kommt. Sicher gab es einiges pandemiebedingt zu meistern, was ja zu den üblichen, nicht gerade wenigen Vorbereitungen einer Laufveranstaltung hinzukommt. Der Veranstalter hat alles für uns Läufer getan. Die LSG kann stolz darauf sein, denn sie hätte es nicht besser machen können. Schönwetter inklusive.

Bericht und Fotos von Thomas Disser

unter

go4it-foto.de

Infos & Ergebnisse www.schwarzwaldmarathon.de

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