3.10.20 - Östringen Fitnesslauf

Viel Aufwand - hat sich gelohnt

Läufer sind dankbar für die Startgelegenheit beim Fitnesslauf

von Birgit Schillinger 

"Die Läufer sind ausgehungert", erklärte ein Teilnehmer den großen Appetit auf Wettkämpfe. Die wenigen Veranstaltungen, die nun wieder angeboten werden, sind oft schnell ausgebucht. Denn wegen der coronabedingten Starterbegrenzung muss der Laufwillige auch schon beim Anmelden schnell sein. In Östringen waren nur 200 über 10km und 100 über den Halbmarathon zugelassen.

 

"Vielen herzlichen Dank, dass ihr das anbietet", lobte eine Läuferin das Team und andere ergänzten: "Top organisiert!"

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Der "Östringer Fitnesslauf" war vorbildlich - nicht nur, was die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften angeht. Die zahlreichen Ordner ermahnten immer wieder unermüdlich, aber freundlich: Abstand zu halten, die richtigen Wege zu gehen oder die Maske aufzusetzen. Ein großer Aufwand, der anerkannt wurde.

Abstand und Maske - auch bei Startnummern und T-Shirt-Ausgabe Abstandsmarkierungen für die Startaufstellung
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Beim Startschuss durfte endlich die Maske abgenommen werden (und wurde auch nicht weggeworfen, denn das kleine Teil konnte man einfach einstecken). Jeweils 20 Starter durften alle 90 Sekunden auf die Strecke. Im Startbereich waren die Standplätze auf Abstand markiert, die eigene Netto-Zeit begann erst, wenn man über die Messlatte lief.

 

"Durch die unterschiedlichen Startgruppen weiß man halt nicht, wie man im Rennen liegt", bedauerte manch Läufer diese Konstellation. Die ersten Halbmarathonläufer im Ziel spekulierten daher lebhaft, wer nun gewonnen habe. Auch Altersklassenplatzierungen können erst nach dem Ende des Laufes erfahren werden. Zeitnehmer Bernd Rollar war aber wieder so schnell, dass die Ergebnisse sofort online auf dem Handy - noch auf dem Parkplatz - nachgelesen werden konnten.

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Der erste Startblock - alle 90 Sekunden durften 20 Läufer auf die Piste Detlev Duda (TV Rheinau) wird Zweiter in der M70, dahinter mit rotem Shirt nimmt Erwin Hube Aufstellung, der dann der schnellste M80er sein wird Über diese Matte musst du gehn - da startet deine Nettozeitnahme

Aber interessanterweise gibt es auch viele Teilnehmer, die diese Entzerrung sehr schätzten: "Das war sehr entspannt, wenn man nicht am Start so drängeln muss. Man kann sofort sein Tempo laufen", meinten einige. "Und ganz ehrlich: Diese teilweise enge Strecke möchte ich nicht mit einem Massenstart laufen. So konnte man wirklich mit Abstand stressfrei überholen", freute sich eine Teilnehmerin. Wird Corona vielleicht künftig so manchen Volkslauf "verbessern", wenn es beispielsweise bei Strecken mit schmalen Passagen mehrere Startgruppen geben wird?

10 Km-Sieger Elias Schipperges hatte seinen Spaß daran, das Feld von hinten aufzurollen Nina Grimmer musste mit dem Rennrad von Heidelberg anreisen, da der Zug ausfiel, gewann aber dennoch deutlich die 10 km Kerstin Brütsch wird Zweite über 10 km Dieter Meixner (75 Jahre) hatte seinen Lauffreund Jürgen Schlegel (82 Jahre) aus Köln mitgebracht

Die Strecke in Östringen ist schön und anspruchsvoll: "gefühlt nie flach", Kurven und wechselnder Bodenbelag. Über die 10 Kilometer (die eher 9,8 waren) gewannen zwei Triathlet*innen: Elias Schipperges (Paceheads) und Nina Grimmer (MTG Triathlon). Die 38jährige Nina wollte mit dem Zug von Heidelberg anreisen, dort am Bahnhof erfuhr sie, dass ihr Zug wegen eines "Personenschadens" ausfiel, also sattelte sie zu Hause um auf ihr Rennrad, radelte die 25km, kam noch rechtzeitig zum Start (ihre Bekannten hatten ihre Startnummer abgeholt) und absolvierte so ein ungeplantes Koppeltraining. Dass sie dann mit 45:01 Minuten als schnellste Frau ins Ziel kam, war eine nette Belohnung für den morgendlichen Stress. Sie startet bei Triathlons auch in der Liga, hatte aber diese Saison wegen Corona keinen Wettkampf. Kerstin Brütsch (mit 47:19 auf Rang zwei) kam auch aus einer Wettkampfpause - aber aus einem schöneren Grund: Die 31jährige Triathletin hatte Nachwuchs bekommen.

Erster im Ziel und auch Sieger über den Halbmarathon Mhand Bouaal aus Karlsruhe Wer hat gewonnen, fragt sich Francecso Pfingsttag (TV Zell am Neckar), der dann Zweiter beim Halbmarathon wurde Matthias Kempf (aus dem Schwarzwald) lief im auffälligen Oktoberfest-Run-2020-Trikot. Das ist ein virtueller Lauf, der an diesem Wochenende zu absolvieren ist

Auch der Männersieger Elias Schipperges ist erfolgreicher Triathlet. Der 30jährige Profi (und Triathlon-Trainer) hat Top-Platzierungen bei Ironmans (2019 Erster in der AK25 in Nizza) aufzuweisen und beeindruckte sogar schon beim Ironman Hawaii. In Östringen siegte er in 35:26 Minuten vor Triathlet Philipp Grimmer (SG Poseidon Eppelheim) mit 37:30. Durch ihre hohen Startnummern rollten die beiden das Feld von hinten auf. "Ich war immer am Überholen, das war motivierend", meinte Elias.

Mhand Bouaal kam als Erster ins Ziel und stellte sich dann auch als schnellster Halbmarathonläufer heraus. Der 30jährige Marokkaner, der dort Fußball gespielt hatte, kam 2017 nach Deutschland, arbeitet hier als Altenpfleger und läuft noch nicht für einen Verein. In Karlsruhe will er sich der Gruppe von Yannik Arbogast anschließen. In Coronazeiten hat er viel allein trainiert. Deshalb war er mit seiner Siegerzeit von 1:17:54 zufrieden (Bestzeit 1:13).

Sprecher Markus Kölmel vom Orga-Team hatte alles im Blick Auch ohne Zuschauer ein würdiger Zeileinlauf

Bei Corinna Knipper (Neckarau Parkrun) "lief es heute richtig gut" - Sieg in der Frauenwertung in 1:43:29 Stunden. Die 31jährige Wissenschaftlerin am Mannheimer Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie hat einen interessanten Arbeitsschwerpunkt: "Isotopenanalysen an Knochen und Zähnen zur Erforschung von Ernährung und Mobilität in der Vergangenheit". Ausgrabungen, Projektorganisation sowie der Auswertung und Publikation von Labordaten gehören zu ihrem Job. Nachdem sie vor sieben Jahren mit dem Laufen begonnen hat, ist sie "fasziniert davon, wie sich ein ziemlich unfitter menschlicher Körper im Laufe der Zeit verändern kann". Sie startet und hilft sonst regelmäßig beim Neckarauer Parkun - der hoffentlich bald wieder stattfinden darf.

Ruth Roth (TV Rheinau), freute sich, endlich wieder einen Wettkampf laufen zu können Kümmern sich seit vier Jahren in Östringen um die Zeitnahme - Claudia und Bernd Rollar
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Einige Athleten reisten von weiter an: Der 82jährige Jürgen Schlegel kam aus Köln und übernachtete bei seinem 75jährigen Freund Dieter Meixner. Jürgen Schlegel hatte letztes Jahr beim Köln-Marathon eine Vierer-Staffel mit M80ern zusammengestellt: "Wir waren zusammen 324 Jahre alt und liefen genussmäßig 4:36 Stunden."

Bericht und Fotos von Birgit Schillinger

Ergebnisse www.br-timing.de Infos www.fcoestringen.de

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