13.10.19 - 6. engelhorn sports Strahlenburgtrail in Schriesheim

Der Strahlenburgtrail hat sich etabliert

von Marcus Imbsweiler 

Da thront sie nun, hoch oben über dem Ort: die Schriesheimer Strahlenburg. Errichtet um das Jahr 1235 herum und seit etwa 1500 Ruine, gehört sie zu den Wahrzeichen der badischen Bergstraße. Wer am Mathaisemarktlauf im März teilnimmt, der wird die Burg, die so malerisch aus den Weinhängen heraussticht, zumindest mit einem Seitenblick streifen, auch wenn sich das Geschehen weit unterhalb im Straßengewirr abspielt.

2014 wurde die Perspektive erstmals umgekehrt. Da riefen die Leichtathleten des TV Schriesheim ein zusätzliches Laufevent ins Leben, den Strahlenburgtrail im Herbst. Start und Ziel befinden sich oben, direkt an der namengebenden Burg, und als Teilnehmer genießt man den Blick aus der Höhe auf die Stadt und die Rheinebene.

Die Strahlenburg, Namensgeberin des Schriesheimer Traillaufs
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
Berglauf & Trail-Run im LaufReport HIER
 

Eigentlich als einmalige Veranstaltung zum 1250-jährigen Stadtjubiläum geplant, fand der Strahlenburgtrail sofort viel Zustimmung. So viel Zustimmung, dass Cheforganisator Christian Alles gar nichts anderes übrigblieb, als ihn auch in den folgenden Jahren anzubieten. Der frühere Topathlet des TV, heute selbst verstärkt als Trailläufer unterwegs, führt das Event fast in Eigenregie durch. Planung, Aufbau, Sponsoring, Homepage, Teilnehmerkontakt: Alles macht der Alles selbst. Im Vorfeld springt schon auch noch die Schwester ein, und am Tag X selbst kann er sich auf zahlreiche motivierte Helfer verlassen - ohne Christian jedoch, so viel kann man guten Gewissens sagen, gäbe es den Strahlenburgtrail nicht.

Nun gibt es ihn aber, den Lauf, und das zum mittlerweile 6. Mal. Die Grundidee von der ersten Austragung ist geblieben: eine Waldrunde, ausgehend von der Burg, hoch zum Ölberg, anschließend wellig Richtung Osten, bevor es nach knapp vier Kilometern zurück und dabei konsequent nach unten geht. Besonders die erste Streckenhälfte ist immer wieder trailig, mit Steilpassagen von 15% und mehr, dafür fühlt man sich auf dem Rückweg teilweise wie auf einer "Bergabautobahn", wie es Jutta Kammer, eine der Platzierten, ausdrückte.

Von der Burg sind es nur wenige Meter bis zum Start des Traillaufs Blick auf den 15.000 Einwohner-Ort Schriesheim. Anfang März findet hier der Mathaisemarktlauf statt

Auf insgesamt 7,6 km und knapp 300 Höhenmeter summiert sich die Schriesheimer Runde. Wer noch nicht so viel Erfahrung hat oder es generell kürzer mag, läuft sie einmal, als Teilnehmer des DAK Fitness-Trail; wer sie zweimal bewältigt, darf sich King of the Hill nennen und hat in den Altersklassen zudem eine Chance auf Einkaufsgutscheine des Hauptsponsors engelhorn sports.

Beim Blick in die noch recht kurze Historie des Strahlenburgtrails und hier speziell auf die Streckenrekorde, zeigt sich, wie anspruchsvoll der Kurs ist. Trailspezialist Moritz auf der Heide brauchte bei seinem Sieg vor zwei Jahren 1:00:58 h für die doppelte Runde, lief also in etwa einen Schnitt von 4 min./km; Lena Wirth (damals noch Berg) war nach 1:11:31 h im Ziel. Die Bestzeiten über 7,6 km sind ein wenig schwächer: 30:48 min. für Kim Abel, 36:33 min. für Friederike Freimuth.

Aber jetzt zur Gegenwart. Wer eine Woche vor dem Strahlenburgtrail am Trailmarathon in Heidelberg teilgenommen hatte - und das waren wegen der gemeinsamen Cupwertung nicht wenige -, dürfte sich ein bisschen wie im falschen Film gefühlt haben. Derselbe Monat, dieselbe Gegend, praktisch derselbe Wald, und doch eine total andere Stimmung. Nach Dauerregen und Kälte jetzt ein Spätsommertag wie gemalt: leuchtende Rebzeilen, Duft nach Harz im Wald und eine fantastische Weitsicht bis hinein in die Pfälzer Berge.

Zahlreiche Helfer in Erwartung des Läuferfeldes … Erfahrener Moderator am Mikrofon: Toni Dausch, seit Jahren in der Laufszene aktiv Das Startareal aus der Vogelperspektive. Vom blauen Bogen aus geht es sofort steil nach oben

Wobei - so ein Wetter hatten sie in Schriesheim schon im vergangenen Jahr, wie LaufReporter Thomas Guthmann zu berichten wusste. Zufall oder guter Draht nach oben?

Dem Veranstalter jedenfalls bescherte das eine Finisherzahl von 288 (140 Fitness-Trail; 144 King of the Hill Race); damit erreichte man das Rekordergebnis von 2016 (330 Finisher) zwar nicht, war aber wieder üppiger besetzt als in den Jahren zuvor.

Vom Start weg bestimmten die Langstreckler das Tempo. Eine Viergruppe mit José Quintero, Biochemiker am Heidelberger EMBL, Martin Schedler vom Team Salomon, Ultraläufer Janosch Kowalczyk und dem vereinslosen Philipp Wamser setzte sich früh ab, während Emil Leibrock vom engelhorn sports team, der spätere Sieger über die Kurzstrecke, in der ersten Kurve stürzte und das Rennen mit blutendem Knie fortsetzte.

Kurz vor dem Start mit dem späteren Gesamtsieger Janosch Kowalczyk vorne links in Weiß Zu Beginn wird auf einem breiten Forstweg gelaufen

Nach dem höchsten Punkt auf knapp 400 Metern ü. NN waren Schedler und Kowalczyk allein, und von da an entwickelte sich ein spannendes Rennen um den Gesamtsieg. Mal lag der trailerfahrene Saarländer vorn, mal der Schwabe, der für die Outdoormarke Adidas Terrex läuft. In der letzten Runde schien sich Schedler den entscheidenden Vorsprung erarbeitet zu haben, doch Kowalczyk kam bergab wieder heran und hatte auf den letzten Metern die schnelleren Beine.

"Zwischendurch wusste ich echt nicht, ob ich es durchziehen kann", meinte der Sieger (1:04:41 h) im Ziel. 15 km sind eigentlich zu kurz für den Sieger des Trans Gran Canaria 2018 und Elften bei der Ultra Trail-WM 2017. Arbeitsbedingt - er ist Ingenieur bei einem Autozulieferer - kann er nur unregelmäßig trainieren. Seine durchschnittliche Trainingsleistung schätzt er auf 100 km pro Woche. Schriesheim kam ihm gelegen, um nach einer Pause wieder ins Wettkampfgeschehen einzugreifen.

Ab hier wird es trailig. Rote Startnummern kennzeichnen die Teilnehmer des DAK Fitness-Trails (eine Runde), blau sind die Kings und Queens of the Hill (zwei Runden) Die schnellste Frau, Gina Walter-Bausch (vorne) hat sich schon deutlich von ihren Konkurrentinnen abgesetzt
Immer wieder bieten sich fantastische Ausblicke über die Odenwaldgipfel; hier der Blick nach Norden zur Hohen Waid

Martin Schedler hatte schon in der Vorwoche einen Ausflug in die Kurpfalz unternommen, zum besagten Trailmarathon in Heidelberg. Diesmal kam er in Begleitung der Familie. Durch seinen 2. Platz in Schriesheim und Platz 4 in Heidelberg konnte er sich in der Gesamtwertung des engelhorn sports Trailcups Platz 3 sichern, hinter Julian Beuchert und Pierre-Emanuel Alexandre, die jeweils einmal siegten.

In Schriesheim blieben Wamser und Quintero auf Tuchfühlung zum Spitzenduo und erreichten kurz hintereinander auf den Plätzen 3 und 4 das Ziel (1:05:50, 1:06:02 h); Quintero war zudem schnellster Mastersläufer. Danach dauerte es mehr als vier Minuten, bis Matthias Müller (asics Frontrunner), der letztjährige Zweite, um die Ecke bog - und prompt an derselben Stelle stürzte wie zuvor der junge Emil Leibrock. Der eine beim Bergauf-, der andere beim Bergablaufen. Sachen gibt's!

Martin Schedler im Ziel. Der 39-Jährige musste sich erst auf den letzten Metern Gesamtsieger Janosch Kowalczyk geschlagen geben Philipp Wamser im Aufstieg. Der Mann aus Züttlingen belegt Gesamtplatz 3 Platz 4 für José Quintero vom Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) Heidelberg

Müller belegte in 1:10:12 h trotzdem Platz 5 vor den Triathleten Steffen Kundel (DSW Darmstadt) und Martin Kohmann (SV Nikar Heidelberg). Als ältester Teilnehmer wurde Lorenz Scherg, der nächstes Jahr in die M70 wechselt, von Moderator Toni Dausch im Ziel begrüßt. Da waren noch keine zwei Stunden vorüber, aber weiterhin eine ganze Reihe von Teilnehmern auf der Strecke. Geschlossen wurde die Einlaufliste erst nach 2:18:58 h.

Anders als bei den Männern war die Frauensiegerin von 2018 auch in diesem Jahr wieder am Start, musste allerdings zwei Konkurrentinnen den Vortritt lassen. Juliana Böhm, ohne Vereinsangabe, aber im Trikot der MTG Mannheim laufend, setzte sich früh an die Spitze. Dank ihrer erstmaligen Teilnahme am Strahlenburgtrail schlug sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Vorbereitung für den Frankfurt-Marathon in zwei Wochen sowie Sicherung des Gesamtsiegs in der Trailcup-Wertung. In Frankfurt will sie unter drei Stunden bleiben: "Richtung 2:50 wäre klasse." Nicht unrealistisch, wenn man bedenkt, dass sie ihre aktuelle Bestzeit von 2:53 h erst diesen März in Barcelona aufgestellt hat.

Die Trailpassagen fand sie anspruchsvoll, genoss dafür die Wärme. Vor allem nach dem verregneten Marathon eine Woche zuvor in Heidelberg, bei dem sie Dritte wurde. Den Grundstein für den Cupsieg hatte die in Hirschberg lebende Sportwissenschaftlerin, die jetzt auf Lehramt studiert, schon beim Pfalztrail im September gelegt, als Gesamtzweite über die 34,8 km-Distanz. Damit verwies sie Christina Erdbrink, Dritte in der Pfalz, Zweite über 30 km in Heidelberg, auf Gesamtplatz 2. Gesamtdritte in der Cupwertung wurde Kirsten Wieditz, und die wiederum fuhr ihr fehlendes Resultat in Schriesheim teil.

Am steilsten Stück der Strecke, zu Beginn von Runde 2, kämpfen sich Matthias Müller (Platz 5) …
… und Steffen Kundel (Platz 6) nach oben Immer noch recht locker: Juliana Böhm, schnellste Frau über die Langstrecke Belegte bei ihrem 2. Trail gleich Platz 2: Kirsten Wieditz (TSG Wiesloch) Jutta Kammer, drittschnellste Frau, kurz vor dem Ziel

Auf der ersten Runde sah sie die vor ihr laufende Böhm immer mal wieder, auf der zweiten war der Abstand dann zu groß. Obwohl, so groß auch wieder nicht: Knapp zwei Minuten trennten die Siegerin (1:16:45 h) von der Zweitplatzierten (1:18:31 h). Und Wieditz, für die TSG Wiesloch am Start, läuft in einer ganz anderen Altersklassenliga: Sie ist Jahrgang 1968 und damit 22 Jahre älter als ihre Konkurrentin. Erst im September hat Kirsten den badischen W50-Rekord im Halbmarathon auf 1:25:10 h verbessert, und bei der Ironman 70.3 WM in Nizza belegte sie in ihrer AK Platz 10. Überhaupt hat sie sich läuferisch noch einmal gesteigert, seit sie Triathlon ausübt.

Nach 1:27:22 h hatte auch die Schnellste der W40 ihr Trail-Tagewerk vollbracht: Jutta Kammer, die schon erwähnte Siegerin des vergangenen Jahres. Gerade mal eine Minute hatte sie gegenüber 2018 verloren, aber in diesem Jahr war das Frauenfeld einfach deutlich besser besetzt. Kammer stammt aus dem Odenwald und lebt im Gorxheimertal. Daneben war sie beruflich auch länger in der Schweiz, was ihre Vorliebe für Trails und Steilstücke erklärt. Nach drei Teilnahmen und einigen Kletterausflügen zum Ölberg kennt sie das Schriesheimer Trailterrain bestens. Auch Kammer hat jahrelang Triathlon betrieben.

Auf den Plätzen folgten Tanja Turczyn (Stimmel-sports e.V., 1:30:08 h), Anna Kirsch (Dirmstein, 1:31:28), Lara Labonte (Dossenheim, 1:33:38) sowie als Zweitplatzierte in der W50 die Heidelbergerin Gundula Zilm in 1:34:37 h. Insgesamt 31 Frauen wurden Queen of the Hill, erreichten also das Ziel; das sind etwa 22% des Gesamtteilnehmerfeldes.

Daumen hoch für diese Strecke! Am steilsten Stück sind individuelle Lauf- und Gehtechniken gefragt Die steinige, stark ausgewaschene Trailpassage eingangs der zweiten Runde muss nur von den King of the Hill-Teilnehmern bewältigt werden. Sie ist noch um einiges steiler als der parallele Abschnitt in Runde 1.

Deutlich größer war der Frauenanteil beim Fitness-Trail mit 59 von 140 Finishern, umgerechnet etwa 42%. Als Schnellste (und Vierte des Gesamtfelds!) kristallisierte sich schon früh Gina Walter-Bausch heraus: In 37:52 min. blieb die Triathletin vom DSW Darmstadt nur eine gute Minute über dem Streckenrekord. Für die 33-Jährige war es tatsächlich der erste Trail überhaupt. Früher startete sie für den SV Nikar Heidelberg, aber der berufsbedingte Umzug nach Darmstadt - sie arbeitet als Laborleiterin bei Merck - zog auch den Vereinswechsel nach sich. Im Triathlon ist vor allem auf den kürzeren Strecken, also Sprint und olympisch, unterwegs.

Carolin Spanier vom engelhorn sports team, im vergangenen Jahr schnellste Frau, musste sich in 42:55 min. diesmal mit dem zweiten Platz begnügen. Hinter ihr rangierten die Weinheimerin Frederike Stock (44:28 min.) und Nina Döllgast (44:39), ihres Zeichens Bundestrainerin Nachwuchs im Orientierungslauf. Dass ihr vor allem die reinen Trailpassagen gefielen, verwundert nicht.

Laufvorbereitung, Siegerehrung und Ausklang: Alles findet im Innenhof der Burganlage statt, prächtige Aussicht inklusive Die Schnellsten beim DAK Fitness-Trail (v.l.): Johannes Müller (3.), Emil Leibrock (1.), Gina Walter-Bausch (1.), Carolin Spanier (2.) und Frederike Stock (3.)
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Bei den Männern wurden die Zeiten des letzten Jahres nicht annähernd erreicht. Was zum einen an der Abwesenheit der beiden Schnellsten lag, zum anderen am Missgeschick des einzig verbliebenen Podiumskandidaten von 2018, Emil Leibrock. Mehr als das aufgeschlagene Knie machten ihm unterwegs allerdings Verdauungsprobleme zu schaffen. Schlechtere Zeit (35:25 min.), dafür diesmal den Gesamtsieg eingeheimst - kann man so lassen. Zumal ihm Platz 1 in Schriesheim den Sieg in der Trailcup-Wertung einbrachte, und zwar in der Sparte Short Distance. Seit 2016 hat er am Cup teilgenommen und dabei jedes Mal einen Platz auf dem Treppchen ergattert.

Die weiteren Podestplätze in der Short Distance-Wertung stehen noch nicht online, den Gesamtsieg bei den Frauen dürfte allerdings Lena Wirth (engelhorn sports team) davongetragen haben, vor Ulrike Zivkovic (Gaiberg) und Anna Burger (Ingelheim), die in Schriesheim Platz 7 belegte. Bei den Jungs ist die Lage etwas unübersichtlich; Johannes Wingenfeld (Trail Team Morgenbachtal, 35:59 min.), der in Schriesheim auf Platz 2 landete, war in der Pfalz und in Heidelberg jedenfalls nicht am Start, während der Drittplatzierte Johannes Müller (Windeck, 37:39), beim Himmelsleiter-Trail in Heidelberg auf Platz 11 rangiert. Die Trailcup-Siegerehrung wird am 30.10. bei engelhorn sports in Mannheim stattfinden.

Um abschließend noch einmal auf den Strahlenburgtrail zurückzukommen: Der hat sich etabliert, zumal Christian Alles konsequent auf Verankerung in der Region setzt. Das betrifft nicht nur die Kooperation mit den Burgpächtern oder den Sponsoren aus dem näheren Umkreis, das zeigt sich auch an einem Detail wie der Spende an die Initiative "Ein Kiwi gegen Krebs". Die komplette Nachmeldegebühr (3 Euro pro Starter) geht an das Projekt aus Schriesheim. In diesem Sinne: bis zum nächsten Jahr!

Bericht und Fotos von Marcus Imbsweiler

Ergebnisse www.volkslauf.de
Informationen www.strahlenburgtrail.de

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