13.10.19 - 27. Offenbacher Mainuferlauf

27. Mainuferlauf: goldener Oktober in Offenbach

von Markus Heidl 

Es war ein schnelles Wochenende, gar ein Wochenende der Rekorde. Weltweit wurde schnell gelaufen. In dieses Feuerwerk der Leistungen reihte sich der mittlerweile bereits 27. Offenbacher Mainuferlauf ein, der am Sonntagmorgen vom "Labor"-Marathon auf dem Wiener Prater sowie dem Chicago-Marathon umrahmt wurde.

Insgesamt 1578 Teilnehmer lockte ein goldenes Oktoberwochenende an die Mathildenschule und an den Main, um dort auf den schnellen Uferwegen die Kräfte zu messen oder ein letztes Mal vor dem Frankfurt Marathon die Form zu testen.

 
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Dabei jagte eine beeindruckende Leistung die nächste. Neben dem Weltrekord im Frauenmarathon, mit dem Brigid Kosgei nach vielen Jahren Paula Radcliffe als Rekordhalterin ablöste sowie Eliud Kipchoge, der sich seinen Traum erfüllte und als erster Mensch einen Marathon unter zwei Stunden lief, gingen andere herausragende Leistungen wie das Marathondebüt von Deborah Schöneborn in Köln oder die neue Rekordzeit von Jan Frodeno beim Triathlonspektakel auf Hawaii fast unter.

Daumen hoch für einen goldenen Oktober beim 27. Offenbacher Mainuferlauf
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Jedoch - im Sport kann alles passieren, wie es immer wieder heißt. Für den Außenstehenden macht es das sportliche Ringen spannender, für die Athleten ist es immer schade, wenn die mühselige Vorbereitung am Wettkampftag nicht belohnt wird. Für Mo Farah beispielsweise lief es in Chicago überhaupt nicht, Hendrik Pfeiffer hatte beim Köln-Marathon zu kämpfen und Triathlon-Titelverteidiger Patrick Lange musste sein Rennen gar schon früh aufgeben.

Ein Halbmarathon ohne Top-Zeit

In blendender Verfassung zeigte sich zuletzt Dirk Busch. Starke Trainingseinheiten wurden unter anderem von einer 31:40 min und Gesamtplatz zwei bei den hessischen Meisterschaften vor drei Wochen über 10 km untermauert. Nachdem Dirk in seinen Zwanzigern schon sehr schnell unterwegs war, folgten etwa 10 Jahre Wettkampfabstinenz, in denen er sich aber "trotzdem fit gehalten" hat. Durch tolle Kollegen, mit denen er als Team bei der JPMCC sehr erfolgreich ist, hat er zur Freude am Wettkampf zurückgefunden und trainiert seit letztem Jahr wieder zielgerichteter, wobei er immer noch gerne auf dem Rad trainiert. Für einen schnellen Halbmarathon hoffte er auf ein starkes Feld, wie es in den letzten Jahren beim Offenbacher Mainuferlauf stets anzutreffen war. Die schnellen Jungs des ASC 1990 Breidenbach waren allerdings nicht am Start, sodass sich das Feld nach den ersten Kilometern nicht von roten Trikots dominiert sah, sondern mit einigem Respektabstand einem einzelnen Dirk Busch (SSC Hanau-Rodenbach) folgte, der im Alleingang dem Führungsradfahrer folgte. Dahinter bildeten sich teils große Gruppen - die Teilnehmerlimits werden beim Mainuferlauf oft schon im Vorfeld erreicht - dich sich dann im weiteren Rennverlauf zerlegten. Ein Halbmarathon kann lang werden.

Um 9.00 Uhr fällt der Starschuss zum 10km Lauf Eine Stunde später werden die Halbmarathonis auf die Strecke geschickt

So auch für Dirk. Er hatte einen gebrauchten Tag, musste gar bei etwa km 12 wegen Schmerzen im Bauch stehen bleiben. Weil das Auto aber acht Kilometer entfernt stand, kam ein Rennabbruch nicht in Frage. Seine Zielzeit verfehlte er deutlich, dennoch reichte auch ein langsamer Rückweg für den ungefährdeten Sieg in 1:14:31 Stunden. In der Verfolgergruppe lief Christian Spaich (TSG Oberursel) am stärksten. Auch er wäre gerne noch etwas schneller gelaufen, hatte aber in den letzten Wochen viel trainiert. Dafür gingen seine 1:18:40 Stunden in Ordnung. 19 Sekunden dahinter folgte Bastian Liewig vom Team Main-Lauf-Cup, der sich zwar auch im Triathlon versucht, sich aber zum immer stärkeren Läufer mausert. Er kämpfte, wie auch seine weiteren Verfolger, um jede Sekunde. So schön das Wetter auch war, für die Halbmarathonis mit Start um 10 Uhr war es schon fast zu warm.

Für HM-Sieger Dirk Busch lief es nicht wie geplant Christian Spaich läuft auf Rang 2 Bastian Liewig wird Dritter beim Halbmarathon

Auch bei den Frauen war die Konkurrenz nicht allzu groß. Vielleicht wäre Carolin Schermuly (LC Mengerskirchen) näher an ihre 1:25:34 h, die sie bei den deutschen Meisterschaften in Freiburg im April lief, herangekommen, wäre sie härter gefordert worden. Die Mainlaufcupsiegerin Franziska Baist, die schon schneller gelaufen ist, startete aber beispielsweise bei den hessischen Meisterschaften in Bad Hersfeld. So lief Carolin mit einer Zeit von 1:27:16 Stunden ungefährdet zum Sieg.

Auf Rang zwei folgte Laura Martin (Multisport Academy) nach 1:29:14 h. Um den dritten Podestplatz ging es aber eng zu, insbesondere, weil die bei km 20 Drittplatzierte mit Kopfhörern nicht viel davon mitbekam, was um sie herum geschah. Auch nicht, dass ihr eine Konkurrentin 10 m im Nacken saß. Schließlich war es Jana Lebenstedt, die sich mit 1:30:41 h Rang drei sicherte, sechs Sekunden dahinter folgte Phyllis Mainka vom TSV Schott Mainz.

Carolin Schermuly siegt im Halbmarathonrennen der Frauen Laura Martin läuft auf Rang 2 Jana Lebenstedt wird 3.

Auch kürzere Strecken im Programm

Neben den beiden Hauptläufen über 10 und 21,1 km werden in Offenbach auch Rennen über zwei und fünf Kilometer ausgetragen. Der 5-km-Jedermannslauf wird mit fünf Minuten Abstand direkt nach dem 10-km-Lauf gestartet. So ist es jedes Jahr der 5-km-Sieger, der als erstes das Offenbacher Zielbanner zerreißt.

Diese Ehre wurde in diesem Jahr dem erst 13 Jahre alten Tristan Kaufhold (SSC Hanau-Rodenbach) zuteil, der die teilweise deutlich erfahrenere Konkurrenz abkochte. Nach 17:31 min lief er mit sechs Sekunden Vorsprung auf Jan Schneider (17'36) als Sieger ins Ziel. Rang drei ging an Juan David Ospina Garzon (LG Eintracht Frankfurt), der gerne seine persönliche Bestzeit verbessert hätte, diese aber um fast eine Minute verfehlte.

Tabea Kiefer (SC Steinberg) war es, die das Rennen der Damenkonkurrenz beherrschte. Die 20-Minuten-Marke verfehlte sie mit ihrer Zeit von 20:04 min denkbar knapp. Charlotte Weigand vom ASC 1990 Breidenbach folgte als Zweite mit einer Zeit von 20:33 min knapp vor der dritten Paulina Poggendorf (Spiridon Frankfurt), die ihre persönliche Bestzeit erneut steigern konnte. Notiert sind seit dem Mainuferlauf 20:39 min.

Tristan Kaufhold ist schnellster über die 5 km Tabea Kiefer heißt die Siegerin über 5 km Der 5 km Lauf vermischt sich mit dem 10er. Jens Wittig ist regelmäßiger Gast beim Offenbacher Mainuferlauf, er wird 4. der M40 im 10km Rennen

Beim Schülerlauf geht es einen Kilometer hin und einen Kilometer her. Stets am Main entlang. Von Beginn an ist ob der Kürze der Strecke ein Sprint angesagt. Etienne Meichsner (LG BEC) und Jono Kempin (ASC Darmstadt) konnten das angeschlagene hohe Tempo am längsten halten. Und nicht nur das: bis ins Ziel lieferten sie sich ein packendes Duell, das im Sprint mit lediglich 0,09 Sekunden Unterschied zu Gunsten von Etienne entschieden wurde. 7:52 min wurden für beide gestoppt. Rang drei sicherte sich mit 20 Sekunden Abstand Adrian Scherger (TGS Niederrodenbach, 8'12), weitere zwei Sekunden später folge Bastian Kaufhold (SSC Hanau-Rodenbach, 8'14), bevor mit Leonie Kottwitz (LG Rosbach-Rodheim, 8'24) das erste Mädchen das Ziel erreichte. Neun Sekunden dahinter lieferten sich Luise Brzoska (SG Frankfurt, 8'32) und Kaylee Frei (LG Rosbach-Rodheim, 8'32) ein weiteres Sprintduell.

Die 10er machen den Beginn

Auch beim 10-km-Rennen sah es zunächst nach Sprint aus. Markus Heidl (www.laufenhilft.de / Spiridon Frankfurt) und Sebastian Bienert (LG BSN) hatten vor, die 33-Minuten-Marke zu unterbieten und drückten entsprechend von Beginn an aufs Gaspedal. Bald schon waren sie dem Feld enteilt. Noch vor der Streckenhälfte musste allerdings Sebastian, der erst seit vier Wochen wieder zielgerichtet trainieren konnte, abreißen lassen. Dass er Zeiten in diesem Bereich "drauf hat", konnte er im April in Würzburg bereits beweisen.

So jagte in der Folge Markus, der mit dem Mainuferlauf seine Vorbereitungen auf den diesjährigen Frankfurt Marathon abschloss, den Führungsradfahrer im Alleingang. Dass er dennoch zwei gleich schnelle Hälften (16'28 und 16'29) lief, bestätigt die gute Form. "Die Beine waren richtig gut heute, jetzt hoffe ich auf gute Bedingungen und die perfekte Tagesform in zwei Wochen", freute er sich im Ziel. Denn so perfekt das Wetter auch in den letzten Jahren beim Mainuferlauf war, so durchwachsen waren die Bedingungen beim Frankfurt Marathon. Mit 32'57 erreichte er sein Ziel und verpasste seine persönliche Bestzeit um nur 5 Sekunden.

Sebastian rettete noch Rang zwei (33:54 min) vor dem heranstürmenden Fabian Sposato (SSC Hanau-Rodenbach) ins Ziel. Auch Fabian hat den Frankfurt Marathon im Visier, will dort sein Debüt auf der Königsdistanz geben. Seine Marathonbeine liefen eine knappe halbe Minute langsamer als im letzten Jahr, dennoch blieb er mit 33'59 unter 34 Minuten und untermauerte so ebenso seine gute Form.

Markus Heidl sprintet zum Sieg über die 10 km Sebastian Bienert kämpft sich zu Rang 2 Die Siegerin über 10 km: Lisa Oed
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Viel Talent gab es im Frauenrennen zu bewundern. Mehr einen Tempodauerlauf als einen Wettkampf absolvierte die Siegerin Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach). Sie hätte eigentlich über die gleiche Distanz in Berlin antreten wollen, hatte sich unter der Woche jedoch eine leichte Erkältung zugezogen. Entsprechend startete sie in Offenbach mit angezogener Handbremse. Wenn sie dennoch 37'18 läuft, können ihr die männlichen Begleiter, die um sie herum am Limit laufen, nur beeindruckt hinterher schauen. Für Lisa beginnt jetzt die Crosslaufsaison.

Auch talentiert ist die schließlich zweitplatzierte Läuferin Marie Tertsch vom ASC Darmstadt. Deren Schwester Lisa hat bereits deutsche Lauf- und internationale Triathlonlorbeeren gesammelt. Marie ist vier Jahre jünger und hat ebenfalls bereits für Aufsehen gesorgt. Bei hessischen Meisterschaften ist sie stets vorne mit dabei. Auf der für sie langen 10-km-Distanz zeigte die Uhr schließlich 37'44.

Und dass Veronika Ulrich (TSG Ehingen) schnell laufen kann, hat sie bereits über viele Jahre eindrucksvoll bewiesen. Die Offenbacherin, die mittlerweile in der W50 startet, wollte eigentlich versuchen, unter 40 Minuten zu bleiben, erwischte dann aber einen so bärenstarken Tag, dass sie alle Vorgaben überflügelte und mit 38'54 gestoppt wurde. Fast drei Minuten war sie damit schneller als im vergangenen Jahr.

Einmal mehr eine wunderbar gelungene Veranstaltung

Ein neues Jahr, ein nächster wunderbar gelungener Mainuferlauf. Nicht nur das Wetter haben die Offenbacher im Griff, auch sonst lief alles wie am Schnürchen. Er sei einmal mehr rundum zufrieden mit der Veranstaltung, bestätigte Diethelm Kuttich. Auch gab es genug Helfer an und um die Strecke, stemmte der OLC Offenbach die vielfältigen Aufgaben doch in Kooperation mit dem Boxclub Nordend und der sozialen Initiative "Essen und Wärme". Dann auf ein Neues beim 28. Mainuferlauf im nächsten Jahr!

Bericht und Fotos von Markus Heidl

Ergebnisse offenbacher-lc.de

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