12.9.21 - 18. Nibelungenlauf in Worms

Mit neuem Mut auf neuer Strecke

von Jörg Engelhardt 

Es ist wie jedes Jahr hier in Worms. Am zweiten Sonntag im September findet traditionell der Nibelungenlauf statt. Eigentlich ist der Name, wie bei vielen anderen Laufsportveranstaltungen auch, eher ein bisschen irreführend. Denn es handelt sich bei diesem Ereignis nicht um einen einzigen Lauf, sondern um insgesamt 8 Läufe. Zwei davon, finden bereits einen Tag vorher statt.

Zum einen der Bambinilauf, für die Allerjüngsten, und zum anderen der Special-Olympics-Lauf für geistig behinderte LäuferInnen. Über diese beiden Auftaktläufe, werden aus nachvollziehbaren Gründen keine Ergebnislisten geführt. Doch gerade diese beiden Veranstaltungsangebote machen den Nibelungenlauf zu dem, was er eigentlich seit seiner Gründung schon immer war und selbst jetzt, trotz pandemiebedingter Beeinträchtigungen und Veränderungen, immer noch ist. Ein ehrliches und einladend freundliches Laufspektakel für Alle.

Das Backfischfest in Worms ist das größte Volksfest in Rheinhessen. Um mehr Besucher empfangen zu können, wurde es um 7 Tage verlängert. Was den Umzug des Nibelungenlaufs an die Rheinpromenade nötig machte Die Letzten werden die Ersten sein: Auch Soong-Oh Han wurde nach über 3 Stunden im Halbmarathonziel wie ein Sieger gefeiert
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Egal ob alt oder jung, groß oder klein, dick oder dünn, körperlich oder geistig beeinträchtigt. Hier ist wirklich jeder willkommen und im ohnehin schon immer sehr gastfreundlichen Rheinhessen wird auf fremde, alte oder auch leistungsgeminderte und gehandicapte Menschen nicht verachtungsvoll herabgeschaut und auch kein nicht vorhandenes Mitgefühl vorgeheuchelt. Nein, sie werden eingeladen, zu einer Form der sportlichen Betätigung, die ihren Bedürfnissen, Mitteln und Möglichkeiten entspricht. "Jeder ist ein Sieger, der hier ins Ziel kommt" und so wie der Organisationsleiter Dieter Holz diese Botschaft über das Mikrofon verkündet, nimmt man ihm das auch sofort ab.

 

Geehrt werden immer die drei schnellsten Frauen und Männer. Ob deren Ergebnisse in nationalen oder gar internationale Bestenlisten eingehen hat für die veranstaltende Familie Holz, denn neben dem bereits erwähnten Hauptverantwortlichen sind auch Ehefrau Doris, Sohn Jochen und Schwiegertochter Désirée eng in die Organisation eingebunden, nie eine große Rolle gespielt.

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Ein Läuferfest der Begegnung sollte es immer sein. Von Läufern unterschiedlicher Art und unterschiedlichem Leistungsvermögen, die gesellig nach dem Lauf noch zusammen sitzen und bei gegrillten oder gebackenen Speisen ihre Lauferlebnisse Revue passieren lassen, unabhängig davon, ob sie sich zuvor kannten.

Grußwort an die Läufer und Besucher des Nibelungenlaufs durch Oberbürgermeister Adolf Kessler, der in den Anfangsjahren 6-Mal am 10 km Lauf dieser Veranstaltung teilgenommen hat Die Mitarbeiter der Firma Netto haben schon vor dem Lauf gut lachen. Sie werden heute den Sonderpreis als teilnehmerstärkste Mannschaft erhalten. 74 Beschäftigte des Discounters, der auch die Zielverpflegung mit frischem Obst und Getränken sponsert, werden heute ins Ziel kommen. Das sind beinahe doppelt so viele, wie beim Team Renolit SE, das mit 38 Teilnehmenden in dieser Sonderwertung den 2. Platz belegt

Diese Atmosphäre weiß auch Adolf Kessel, der Oberbürgermeister der Stadt Worms, zu schätzen. Bei den ersten Auflagen, als er lange noch nicht ahnen konnte, dass er eines Tages zum Stadtoberhaupt gewählt würde, hat er die 10-Km-Strecke sechs Mal erfolgreich unter die Füße genommen und kam immer wohlbehalten ins Ziel. Vor Beginn seiner politischen Amtszeit, war er 35 Jahre lang im Polizeidienst tätig. "Laufen war Polizeisport", so OB Kessel. Dafür gibt es hinreichend gute Beispiele, wie etwa Ralf Salzmann, Winfried Aufenanger oder auch die aktuelle Olympiateilnehmerin Katharina Steinruck. Das sind diejenigen, die einem aus dem Stehgreif einfallen.

 

Der erst 2019 ins Amt gewählte Stadtvater ließ es sich nicht nehmen ein Grußwort an die versammelte Läuferschaft aus nah und fern zu richten. Schließlich ist der Nibelungenlauf keineswegs nur ein Kräftemessen für Läufer aus Rheinland-Pfalz, auch aus den angrenzenden Bundesländern Hessen und Baden-Württemberg fanden sich wieder recht große Läuferscharen ein und selbst aus dem nicht allzu weit entfernten Norden Bayerns wurde eine größere Anzahl von lauffreudigen Menschen gesichtet und im Ziel vom langjährigen Moderator Veit Berthold begrüßt, dem hauptberuflichen Radiomoderator im Mainzer Funkhaus von SWR 1. Er ist einer der vielen unerlässlichen außerfamiliären Erfolgsgaranten für die positive Atmosphäre dieser Veranstaltung.

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Dabei waren die organisatorischen Anforderungen für die federführende Familie Holz und ihre treuen Gefolgschaft im Organisations- und Helferstab diesmal besonders groß. Sowohl der Oberbürgermeister, als auch alle anderen politischen Verantwortlichen im Wormser Rathaus wollten weder den Nibelungenlauf, noch das weit über Worms hinaus bekannte Backfischfest sterben lassen. Letzteres endete normalerweise eine Woche vor dem Nibelungenlauf. Da aus bekannten Gründen in diesem Jahr täglich nur 5000 Besucher das Festgelände betreten durften, beschloss man das größte Volksfest Rheinhessens um sieben Tage zu verlängern.

Die Siegerin im 5 km Lauf der Frauen: Katharina Rohrer (LAC Frankenthal) Der Sieger des 10 km Laufs Daniel Jeckel vom TSV Schott Mainz läuft ein einsames Rennen zum Tagessieg

Also fiel die Auflage des Nibelungenlaufs diesmal mit dem letzten Tag des Backfischfestes zusammen. Dadurch war der ursprüngliche Start- und Zielbereich auf dem Festplatz nicht verfügbar. Eine andere Lösung musste her. Der Start- und Zielbereich wurde an die Rheinpromenade verlegt und aus dem Stadtlauf wurde ein schöner Landschaftslauf mit viel Rheinpanorama und Stadtwaldpassagen, der von der überwiegenden Mehrheit der Teilnehmenden sehr positiv angenommen wurde. Der Zweitplatzierte im Halbmarathon Jonas Korff vom LSV Ladenburg meinte hierzu: "Ich bin zum ersten Mal hier und kenne die alte Strecke gar nicht. Aber so wie es jetzt war, ist die Strecke sowohl schön als auch schnell und das ist das, was wir als Läufer sowieso am liebsten haben." Eine Feststellung, die er mit seiner sportlichen Darbietung auch tatkräftig untermauern konnte. Denn lief nicht nur eine persönliche Bestzeit, sondern zugleich auch eine Endzeit, mit der er bei vorherigen Auflagen sogar ziemlich sicher gewonnen hätte.

 

So wurde der Tag nicht nur mit guter Stimmung, sondern teilweise doch herausragenden Ergebnissen abgerundet. Einen kleinen Wehrmutstropfen galt es aber dennoch zu verdauen. Statt der sonst üblichen etwa 2000 Teilnehmer, hatten lediglich 860 Aktive für die Wettbewerbe gemeldet und lediglich 667 kamen tatsächlich ins Ziel. In früheren Zeiten waren es gut dreimal so viele.

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5-Km-Schülerlauf

Hier verschaffte sich Neo Colditz vom RV Bürstadt mit einer Endzeit von 19:56 min. den Tagessieg. Nathaniel Becker vom TV Gondelsheim folgte in 20:30 min. auf dem zweiten Platz. Der vereinslose Marlon Paul Gläser sicherte sich in 22:05 min. den Bronzerang.

Bei den Mädchen geriet die Entscheidung zu einem wahren Triumphzug für die Integrierte Gesamtschule Nelly Sachs. Denn die ersten 3 Plätze wurden ausschließlich von Schülerinnen dieser pädagogischen Einrichtung belegt. Hier siegte Luisa Krückl in 23:18 min. vor Emilia Hacker (23:33 min.) und Luzie Hastenteufel (23:54 min.).

Die ersten 3 Männer im 10 km Lauf v.l.n.r: 2. Karol Flejmer (Dzikie Zycie Run Team), Sieger Daniel Jeckel (TSV Schott Mainz) und 3. Dominik Beringer (Tri Familia)
Samantha Schuster, die im 10 km Lauf Zweite wird, dreht auf den letzten Metern nochmal richtig auf

5-Km-Frauenlauf

Die erwachsenen Frauen waren ausnahmsweise mal langsamer unterwegs als die schnellsten Schülerinnen. Katharina Rohrer vom LAV Frankenthal kam nach 23:54 min. als Tagessiegerin ins Ziel. Die Zweitplatzierte Janine Friedel vom TV Herxheim war nach 25:08 min. zuhause. Die vereinslose Jaqueline Eilrich belegte in 26:08 min. Rang 3.

5-Km-Ü60-Lauf

Hier waren lediglich drei Frauen am Start. Schnellste war Silvia Baumgarten in 44:03 (W65) vor Ruth Heydt aus der Klasse W60 in 46:58 min. Nach 57:46 min. hatte es dann auch Brigitte Tritthard, AK W75, geschafft.

Bei den Männern zog Rainer Tuma-Reuter (M60, LLG Wonnegau) einsam an der Spitze seine Spur. Mit 21:59 min. hatte er über 4 Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten Herbert Jähtzen. Der M70er ging für die Speed Runners Pforzheim ins Rennen und war nach 26:07 min. im Ziel. M65er Rainer Petereit nahm nach 30:37 min. den letzten freien Podestplatz ein.

Lennart Nies vom TV Maikammer läuft einem ungefährdeten Halbmarathon Sieg in neuer persönlicher Bestzeit entgegen Norman Korff (LSV Ladenburg) folgt ihm ebenfalls mit neuer persönlicher Bestzeit auf den zweiten Platz

10-Km-Walking

Hier war in der Frauenwertung die Lohnsteuerhilfe Deutschland besonders erfolgreich und belegte alle drei ersten Plätze. Anja Handrick-Löwenstein (1:23:11) siegte vor Yvonne Held und Andrea Graf (beide 1:23:12). Bei den Männern lag Wolfgang Werz vom 1. FC Kaiserslautern mit 1:01:27 auffallend deutlich vorne. Ihm folgte in 1:12:08 der Italiener Bruno Cavalheiro (Renolit SE Worms). Michael Hausen (RV Rodenbach) konnte sich in 1:22:48 den dritten Platz sichern.

10-Km-Lauf

Daniel Jeckel vom TSV Schott Mainz sorgte hier für sehr klare Verhältnisse. Mit einer Endzeit von 33:24 min. war der Mann aus der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz von seinen Gegnern zu keiner Zeit zu gefährden. Platz 2 sicherte sich bei diesem von ausländischen Läufern stark frequentierten Lauf der Pole Karol Flejmer (Dzikie Zycie Run Team) nach 36:03 min. Es dauerte dann noch weitere 85 Sekunden, ehe Dominik Beringer (Tri Familia) nach 37:28 min. als letzter Läufer auf das Podest sprang.

Im Frauenrennen konnte die Tagesiegerin Caroline Löffler, die ohne Vereinsangabe an den Start ging, als einzige unter der 40-Minuten-Grenze bleiben. Sie triumphierte nach 39:59 min. deutlich vor dem Rest des Feldes. Samantha Schuster, ebenfalls vereinslos, belegte nach 42:02 min. den zweiten Platz. Lea Paul kam nach weiteren 49 Sekunden ins Ziel und stieg nach 42:51 min. auf das Treppchen.

Giuliana Haas vom LC Bingen überholt auf ihrem Weg zum zweiten Platz im Halbmarathon so manchen Mann Susanne Kömmlinger aus Köln läuft an ihrem Geburtsort zu einem ungefährdeten Sieg im Halbmarathon Melanie Schröter gewinnt als 4. die W40

21,0975 Km - Halbmarathon

Obwohl der Nibelungenlauf auf seiner längsten Distanz schon schnellere Siegerzeiten bei den Frauen gesehen hat, so ist doch die folgende Geschichte wieder so eine, die nur das Läuferleben schreibt. Denn die Siegerin kommt diesmal weder aus Rheinland-Pfalz noch Baden-Württemberg, sondern aus Köln. Dabei ist Susanne Kömmlinger nicht in Köln geboren, sondern in Worms. Der Grund für ihre Rückkehr in ihre Geburtsstadt lag darin, dass der Köln Marathon in diesem Jahr nicht stattfinden kann. Also wählte sie kurzerhand den Nibelungenlauf als Ersatzrennen aus und verknüpfte den Start mit einem Familienbesuch. Eigentlich wollte sie nur eine persönliche Bestzeit laufen, was ihr nach eigenem Bekunden auch gelang. Denn die Marke von 1:33:02 h hatte sie zuvor noch nie erzielt. Dass sie damit als Gesamtsiegerin über den Zielstrich lief, hätte sie sich selbst niemals träumen lassen. Denn in der Vergangenheit wurden deutlich schnellere Zeiten erzielt.

Die zweitplatzierte Giuliana Haas (LC Bingen) konnte ihr schon kurz nach dem Start nicht mehr folgen und konzentrierte sich ganz auf die Verteidigung des Silberrangs. Dies gelang ihr in 1:34:44 h überzeugend. Uta Knape vom Ute Mückel Triathlon Team eroberte in 1:38:01 h den letzten freien Platz auf dem Podest.

Die ersten drei Frauen im Halbmarathon v.l.n.r:
2. Giuliana Haas (LC Bingen), Siegerin Susanne Kömmlinger und 3. Uta Knape (Mückel-Triathlon-Team)
Lennart Nies (TV Maikammer) freut sich über den Gesamtsieg im Halbmarathon und seine neue Bestzeit Auch Norman Korff (LSV Ladenburg) hat gut lachen, sein Debut in Worms bringt ihm Platz 2 im Halbmarathon und eine neue persönliche Bestzeit ein
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Dass es dann doch zu einer für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich schnellen Siegerzeit bei den Männern kam, denn zumindest bei den letzten beiden Auflagen war keiner der Gewinner auch nur annähernd so schnell, wie die drei Erstplatzierten, war überraschend. Lennart Nies vom TV Maikammer aus der Südpfalz zeigte sich von Beginn an blendend in Form und siegte in unerwartet schnellen 1:10:14 eindrucksvoll. Dies lag auch daran, dass er mit seinem ärgsten Widersacher Norman Korff (LSV Ladenburg) einen starken Konkurrenten um den Tagessieg im Nacken hatte, der zumindest auf den ersten 10 Km den Abstand auf Tuchfühlung halten konnte. Doch eingangs der zweiten Runde wurde die Lücke zusehends größer. Dennoch zeigte der heutige Zweite keine allzu großen Schwächen und erzielte mit 1:11:18 h eine Endzeit, die in den vorangegangenen Jahren zu einem deutlichen Sieg gereicht hätte. Den heutigen Erfolg führt der selbstständige Unternehmensberater Lennart Nies auf seine Vorbereitung auf den München Marathon zurück, für den die gelungene Generalprobe in Worms einen großen Motivationsschub verschaffen dürfte. Seinen Ausflug in die bayerische Landeshauptstadt möchte er mit einer persönlichen Marathonbestzeit krönen. Der Drittplatzierte Carlo Nenast von der Lauf Leben Running Crew lieferte im Sog der beiden Tageschnellsten eine Zeit von 1:13:15 h ab. Selbst der auf dem undankbaren vierten Rang einlaufende Tobias Balthesen (TV Eberbach) erzielte mit 1:15:18 h eine Zeit, die hier bei den meisten Austragungen zum Sieg gereicht hätte.

Auch wenn die Gesamtteilnehmerzahl diesmal deutlich geringer ausfiel als üblich, hatte der 18. Nibelungenlauf all das, was ihn bei seiner Stammkundschaft so beliebt macht. Eine schöne Atmosphäre bei Bilderbuchwetter, viel Kameradschaft und Geselligkeit und dazu mit dem Halbmarathonlauf bei den Männern noch ein sportliches Glanzlicht, mit dem nicht unbedingt zu rechnen war. Ob die neue Strecke nur eine Übergangslösung darstellt oder zukünftig den alten Kurs ablösen wird, kann gegenwärtig niemand sagen. Dieter Holz: "Wir wissen ja noch nicht, was wir im nächsten Jahr noch dürfen. Aber es ist gut möglich, dass wir für immer am neuen Standort bleiben." Schaden würde es der Veranstaltung sicher nicht.

Bericht und Fotos von Jörg Engelhardt

Ergebnisse www.br-timing.de - Infos nibelungenlauf.de

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