31.7.22 - Semliner 3-Seen-Lauf in Rathenow

Drei-Seen-Lauf - ein besonderer Lauf in einmaliger Landschaft

von Almuth Steinhoff 

"Der See ruft" im HVL! HVL? Auf ins Havelland, genauer gesagt, ins Westhavelland, dort, wo Urstromtäler die Landschaft bestimmen und zahlreiche Seen die Augen der Niederungen sind. HVL - vielleicht auch der "Hans vom Lande" - ein eher scherzhafter Ausruf gegenüber einem Ordnungshüter, welche unsere Herkunft wissen wollte.

 

HVL - auf jeden Fall kommt der "Hans" (vom Lande) zumindest aus Richtung Stendal nach Rathenow - hier fährt alle zwei Stunden eine etwas zu klein geratene Regionalbahn. Bis nach Semlin ist`s dann nur ein sechs Kilometer kurzer Katzensprung. Die Autorin nutzte sowohl den "Hans"Zug als auch den gut ausgebauten Radweg vorbei an Maisfeldern und lichten Waldstücken.

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Frühmorgens am Hohennauener See, in Erwartung der Läufer und Radfahrer zum Semliner 3-Seen-Lauf
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Geht`s denn hier zum Drei-Seen-Lauf? Ein Blick auf das Smartphone-Navi, knapp drei Kilometer zeigt es an. Noch immer keinerlei Anzeichen, keine Autos oder vielleicht schon Läufer, die sich warmmachen. Doch hinter dem Ortseingangsschild grüßen Schilder, eine große Strohpuppe steht rechterhand, liebevoll geschmückte Vorgärten an beiden Straßenseiten - hier wird also doch gefeiert und vor allem gelaufen. Der Drei-Seen-Lauf ist seit vielen Jahren fester Bestandteil des Semliner Sommerfestes. Zwei Jahre coronabedingte Pause taten dieser Tradition keinen Abbruch.

 

Ortsbürgermeister Heiko Blankenburg, gut vernetzt im Dorf, konnte in der Vorbereitung des letzten Juliwochenendes auf eine große Schar ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer zählen, "ohne die unser Jahreshöhepunkt nicht zu stemmen ist".

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Sein Wunsch, "dass sich viele Semliner aller Generationen in die Geschichte des Ortes einbringen", findet bei vielen nicht nur Gehör, sondern mündet in aktive Mithilfe.

Traditionell ist der Drei Seen Lauf Bestandteil des Sommerfestes Rathenower Schülerinnen und Schüler der Bürgel-Gesamtschule und des Jahngymnasiums übernahmen die Registrierung und Anmeldung der Teilnehmer

Früh am Morgen steht Anika Ziegelmann unter der Zeltplane im Zielbereich und schneidet Bananen in mundgerechte Stücke und teilt Melonenhälften. "Für die Teilnehmer an den verschiedenen Verpflegungspunkten, aber vor allem für die Finisher" - kostenlose Erfrischungen sind hier Selbstverständlichkeiten. Einige Meter weiter sind die Anmeldestände noch leer. Eine gute Möglichkeit für Lehrer Andy Berger, seine Schülerinnen und Schüler von der Bürger-Gesamtschule Rathenow noch einmal auf die Besonderheit der Anmeldung aufmerksam zu machen: es wird   k e i n   Startgeld genommen, auch Startnummern werden nicht ausgegeben! Die Mädchen und Jungen geben unterschiedlich farbige papierne Armbänder aus; diese zeigen an, ob man als Läufer oder Radler auf die Strecke geht. Eigentlich ist der Sport/WAT-Lehrer als "Lumpensammler" im Gespräch, gewinnt aber später mit großem Vorsprung den 21km-Lauf.

Maik Barthel war diesmal mit Fahrrad-Begleitung am Start: Sohnemann Jann (9 Jahre) fuhr auf der 25km langen Strecke mit Auch der Chef läuft mit: Nico Streng vom VfL Rathenow (mitte) mit seinen beiden Schützlingen Sebastian Dartsch (erfolgreicher special olymics-Teilnehmer) und U18-Athletin Emily Quast (7. über 1500m bei den Deutschen Jugendmeisterschaften) Melanie Kuklinski, der "eyecatcher" auf der 8km-Walking-Strecke

Ein Blick in die Laufzeitung, genauer gesagt, auf den Streckenverlauf zeigt es an: hinter dem Ort Wassersuppe kann man (spontan) abbiegen und in Ufernähe des Hohennauener Sees weiter Richtung Ferchesar laufen. In Vorbereitung der Laufreportage habe ich auch diese "Abkürzung" genommen - bei der Wegführung über Witzke und Lochow muss ich aber noch nacharbeiten! Die längste Strecke umfasst also den Hohennauener See, den Witzker See und den Ferchesarer See. Der aus Lostau bei Magdeburg angereiste Maik Barthel biegt nicht ab, sondern läuft die große Schleife (25 Kilometer), dieses Mal in Begleitung vom neunjährigen Sohn Jann, der auf dem Fahrrad mitfährt.

Die Medaillen für die Kinder wurden gemeinsam mit den Kindergartenkindern der Semliner KITA "Mittendrin" angefertigt Start des 21 km langen Kantens" - im hellgrünen Shirt der spätere Sieger Andy Berger

Auch das ist beim Drei-Seen-Lauf eine liebgewonnene Tradition: ein Großteil der Strecke teilen sich Radler und Läufer! Trotzdem lohnt vorab ein Blick in die "Streckenfibel". "Vorsicht auf schmalen Naturwegen!" Die Radfahrer (25km) werden gebeten, sich an den eingezeichneten Streckenverlauf zu halten, denn auf der 8km-Strecke sind die Uferwege zu schmal, und auf der seit einigen Jahren angebotenen Halbmarathonstrecke gibt es Passagen, die selbst Mountainbiker herausfordern würden. Auch beim Start wird auf Besonderheiten im Streckenverlauf hingewiesen, so beispielsweise auf einen "Baum auf dem Weg", der aber rechtzeitig zur Seite geschafft wurde.

Brücke bei Lochow Auch Fahrradbegleitung war auf den meisten Laufkilometern möglich

Die Herausforderung des Laufens ist derzeit für einen der (Lauf)gründungsväter zu groß. Gerd Last lässt es sich aber nicht nehmen, der Veranstaltung auch in diesem Jahr ein Gedicht zu widmen. Wenn der inzwischen 84jährige zum Stift greift, hat er meistens Gereimtes im Kopf.

"Wie schön, dass ihr gekommen seid nach langer dunkler Coronazeit.

Möge es so sein, wie es immer war im 39. Drei-Seen-Lauf-Jahr.

Lasst uns wieder laufen und leben und nicht nach einem Sieg zu streben!

Reiht euch in die Gleichgesinnten ein! Was zählt, ist dabei zu sein."

... ertappt - mein Nachbar beim Drei-Seen-Lauf Abkühlung in unkonventioneller Art

Mit einer Handvoll Läuferinnen und Läufern begann im Jahr 1978 die Geschichte des Volkslaufes, der inzwischen ein ganzes Dorf auf Trab hält. "Wir wollten ganz gemütlich, ohne Zeitdruck und nur aus Spaß den See umrunden", erläuterte der Semliner Gert Last die Lauf-Idee. Und genau diese "Zutaten" sind es, die auch bei der 39. Auflage mehr als siebenhundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins HVL (siehe oben) lockte.

Start des 8km-Laufes Im blauen (Gewinner)Dress: Emily Quast vom VfL Rathenow; links die Zweitplatzierte

Ganz ohne Zeitdruck geht es für Emily Quast vom VfL Rathenow dann doch nicht. Die Siebzehnjährige nutzt die Strecke über acht Kilometer als Trainingseinheit. Seit über zehn Jahren hat sich die Schülerin an der Bürgel-Gesamtschule der Leichtathletik verschrieben und trainiert sechsmal wöchentlich bei Trainer Nico Streng. Dieser ist mit seiner Athletin sehr zufrieden; Emily belegte kürzlich bei den Deutschen Jugendmeisterschaften über 1500m in der Altersklasse U18 Platz sieben. Auch der zweite Athlet im (Läufer)bunde, der 33jährige Sebastian Dartsch, ist sehr erfolgreich unterwegs. Er gewann bei den letzten Special Olympics Gold im Weitsprung und Silber über 100m.

(links): Jens Uwe Börner - der "rasende" Reporter Laufen mit einem Lachen - oder schon die Vorfreude auf die vierzigste Auflage?

Der Gesamtzweite über 21 Kilometer, der gebürtige Mögeliner Florian Wolter, kommt mit einem entspannten Lächeln und fröhlich winkend ins Ziel. Er genießt sichtlich die letzten Meter bis ins Ziel, wo er von Freunden in Empfang genommen wird. Viele Läuferinnen und Läufer sind mit der Familie angereist, oder auch in Laufgemeinschaft. Wer gerade kein aktuelles Drei-Seen-Lauf-Shirt trägt, hat zumeist ein "Herkunfts"-Shirt an. So sind unter anderem die "Havelwiesel" am Start, genau so wie die "Laufgruppe Stendal", die LG Wassersuppe und die "Brandenburger Eisbären". Auch die Läufer des Vereins "Tangermünder Elbdeichmarathon", der Gaensefurther Sportbewegung und der Lauf- und Triathlonverein Genthin sind zahlreich angereist. Die vier "Wunschteam"-Damen aus der Nähe von Magdeburg sind nach dem acht Kilometer-Lauf nicht unbedingt zufrieden, "denn die Strecke sei doch recht anspruchsvoll gewesen." Trotzdem wird schon für die vierzigste Auflage des Laufevents geplant. Ein Wunsch nicht nur der vier Läuferinnen, die sich im Übrigen nach dem Gründer ihrer Truppe nennen, sondern das Anliegen der zahlreichen Helferinnen und Helfer.

Noch zirka zwei Kilometer zum Ziel ... unübersehbar "handmade" :)

"Euch hat der 3-Seen-Lauf gut gefallen und ihr seid gut versorgt ins Ziel gelangt? Dann seid im nächsten Jahr wieder dabei!" Wo wird man im Ziel persönlich begrüßt, wo erhält jeder Teilnehmer eine handgefertigte Medaille (in diesem Jahr aus Achat), wo fertigen die Kindergartenkinder (KITA "Mittendrin" Semlin) ihre Medaillen selbst an, wo gibt es nur Sieger (über die eigene Trägheit), wo bekommen die Kinder (Mädchen und Jungen bis elf Jahre) kostenlos einen Lolli und zwei Kugeln Eis, wo unterstützen neun Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Polizei die Veranstaltung … viele viele Gründe, am letzten Juliwochenende zumindest eine Laufreise ins HVL zu planen, und dann vielleicht noch eine Übernachtung auf dem Campingplatz oder auf der zur Verfügung gestellten Wiese der Freiwilligen Feuerwehr dranzuhängen.

In diesem Jahr gab es diese begehrten Lauf-Shirts Zahlreich vertreten - die Genthiner Laufgruppe
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Gert Last formuliert es wie folgt:

"Im nächsten Jahr wieder dabei zu sein - laden wir euch alle ein!

Möge der Lauf noch lange fortbestehn in uns`rem idyllischen Semlin."  

Bericht von Almuth Steinhoff
Fotos von Almuth Steinhoff und Jens-Uwe Börner

Infos www.drei-seen-lauf.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

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