16.7.22 - 7. Ronde des Mouettes á Lauterbourg

Charmantes Laufevent in französischem Flair

Selbst den Möwen war es zu warm

von Anette Judith Scholl 

Obwohl die Einfahrt ins französische Nachbarland auch dieses Mal nicht als "grenzüberschreitendes Ereignis" wahrgenommen werden konnte, war das Straßenbild und die Atmosphäre in Lauterbourg einfach anders:

 

Die Fassaden der eher kleinen Häuser mit ihren Gesimsen und teils Fensterläden aus dem vorigen Jahrhundert waren wirkten gepflegt und einladend, die Gehwege und stellenweise mit Pflastersteinen belegten Straßen waren adrett und sauber, am Straßenrand und an Geländern waren Pflanzkästen angebracht, die mit Pflanzen und vielfarbigen Blüten bunte Farbtupfer ins Blickfeld rückten. Das französische Flair war spürbar und der wohltuende Eindruck von Urlaub und "Ausland" oder zumindest Nicht-Deutschland drängte sich auf.

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Gestartet wird der Lauf am begrünten Strand von Mouettes des Lauterbourg
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A "Plage des Mouettes" tummelten sich jede Menge Menschen am Strand und im Wasser des Sees mit seinen beindruckenden Rutschen. Zwischen der weitläufigen Liegewiese, dem Campingplatz mit Freizeitanlage und Spielplatz unweit des Strands waren Überdachungen und Stände für die Laufveranstaltung aufgebaut, den blauen Zielbogen sah man von weitem. Die Startnummernausgabe war übersichtlich und gut besetzt, im Getränkezelt waren die verschiedenen Getränke vorgekühlt, am Würstchenstand bruzzelten drei verschiedene Sorten von Bratwürsten, das Kuchenbüffet war vielfältig und appetitanregend, und im Flammkuchen-Wagen von offenbar eigener Anfertigung war der große, eiserne Holzofen schon befeuert. Insgesamt wirkte das ganze Orga- und Bewirtungsterrain wieder wie eine kleine Kerwe, es fehlte eigentlich nur ein Karussell.

Startnummernausgabe großzügig und ohne Gedränge Madame Basch und weitere Helfer am leckeren Kuchenbüffet

Die hochsommerlichen Temperaturen lockten viele Badewillige und Strandgäste an den Plage des Mouettes, die Zahl der Laufwilligen bewegte sich ungefähr auf demselben Niveau wie vor Jahresfrist, bzw. verzeichnete man ein leichtes Plus von 40 Finishern, davon 18 Walker. Nun ohne Corona-Beschränkungen hätte man eine größere Resonanz vermuten können. Aber vielleicht ging es den Läufer*innen wie den Möwen - es war einfach etwas zu warm.

Am beeindruckenden Holzofen laufen die Vorbereitungen für den Flammkuchen-Andrang

Die "Küken" und "Benjamin-Minimes" machen den Anfang

Zu später Stunde - wo findet man in Deutschland eine Laufveranstaltung, bei der der erste Startschuss um 19.30 Uhr erfolgt, und das noch dazu für die Jüngsten? - starteten als erstes 48 "Küken" - Jungs und Mädchen ab Jahrgang 2011 und darunter, auf ihre 600m Runde vorwiegend über die Rasenfläche des Areals zwischen Campingplatz und Strandausläufern. Bereits nach 2 Minuten und 18 Sekunden stand mit Ilyes Bouroua (Naveco Betschdorf) der Sieger fest. Ihm folgte als Zweiter Liam Dudenhoeffer (Haguenau) in 2:22min und Julien Raichle (Ana Niederbronn Les Bains Athletism) in 2:25min als Dritter. Während im letzten Jahr ein Mädchen als Gesamt-Erste über die Ziellinie gelaufen war, kam das erste Mädchen nun nach 2:47 min Ins Ziel: Juliette Henry (ANA Lauterbourg AC) war vor Camille Dinard (ANA SG Wantzenau - 2.51min) und Myrtille Garaud (SIL Belfort Athlé - 2:56min) das schnellste Mädchen.

Der Besenrad-Fahrer beim Briefing mit Raymond Basch ... und au travail Wolfgang Behr begrüßt alte und junge Bekannte, hier Cecile Paoli, zukünftige Basch

Als um 19.40 Uhr 23 Schüler*innen der Jahrgänge 2007 bis 2010 starteten, war sofort erkennbar, dass die Führenden ein beachtliches Tempo vorlegten. "Ein toller Laufstil", war Ekkehard Gübels anerkennender Kommentar, als er für den Sieger auf den Auslöser drückte. Paul Helmer (Ana SG Wantzenau) kam auf der 1800m Strecke nach 6:26min mit mehr als einer Minute Vorsprung ins Ziel. Ihm folgte nach 7:46min Hugo Rohrbacher (Ana FC Haguenau) und drei Sekunden später als Dritter Lucien Peguret vom gastgebenden Ana Lauterburg AC (7:49min).

Bei den Mädchen siegte ebenfalls mit großem Vorsprung Valentine Henry (ANA Lauterbourg AC) in 8:03min. Auf Platz zwei und drei der Mädchen liefen Elisa Roloff (ANA Lauterbourg AC) in 9:21min und Elsa Heiby (Arlanxéo) in 10:09min.

Start zum 1800m langen Kinderlauf mit dem späteren Sieger Paul Helmer (65) vorn (Ana SG Wantzenau), der das Rennen in 6:26 min gewinnen wird und mit der Siegerin Valentine Henry (67) von Ana Lauterbourg, die das Ziel nach 8:03 min erreicht Die 6 Athleteninnen und Athleten von Ligne De Vie (Lebensweg) erreichen nach einer Stunde das 9 Kilometer-Ziel

9 Kilometer - so abwechslungsreich wie anspruchsvoll

Zum Hauptlauf über im doppelten Wortsinn "krumme" 9 Kilometer warteten 169 Starter*innen unter und hinter dem Startbogen auf den Startschuss, der um 20 Uhr ertönte. Zu dieser späten Startzeit zeigte das Thermometer zwar immer noch deutlich über 25°, aber immerhin lagen nun weite Teile der Laufstrecke im Schatten. In entgegengesetzter Laufrichtung als bei den Kinder- und Schülerläufen lief man nach dem Startschuss zunächst über die Grasfläche zwischen Einfahrt und Parkbereich aus dem Areal hinaus und am Wasser entlang, nach einer 2km-Runde über das Gestade und zwischen hohem Mais zurück zum Campingplatz. Die Strecke führte ins angrenzende Waldgebiet, wo ein erster, knackiger Anstieg zu nehmen war. Aus dem Wald kommend fand man sich rasch im Wohngebiet von Lauterbourg wieder, dann führte der abwechslungsreiche Kurs am Kurplatz vorbei und durch Lauterbourgs gepflegte Straßen, bevor es am Ende wieder durch den Wald zurück zum "Plage" und ins Ziel ging.

Nach der begrünten Strandpassage wird zunächst eine kleine Runde gedreht

Die verbliebenen Badegäste, die noch die wärmenden Sonnenstrahlen genossen, riefen den Sportlern aufmunternd zu oder besahen mit verständnislosen Blicken die bereits ins Schwitzen gekommenen Laufgestalten. Die Camper feuerten die Vorbeilaufenden an, viele Zurufe erfolgten auf Deutsch, da offensichtlich viele Camper aus deutschen Gefilden das attraktive Freizeitangebot am Plage des Mouettes nutzen. An der Stelle, wo man im vergangenen Jahr darüber nachzudenken begann, ob man eigentlich Regenkleidung oder gar einen Schirm dabeihatte, fragte man sich in diesem Jahr, ob es ratsam ist, so richtig tief Luft zu holen, denn die auf dem Waldweg hindurchtrabende Läuferschar wirbelte ordentlich Staub auf. Wo man bei der 6. Ronde des Mouettes an matschigen Stellen ins Rutschen gekommen war, war nun der mit Schotter und Sand bedeckte Untergrund staubtrocken. Im Streckenverlauf gab es vier Wasserstellen, wer wollte, konnte sich mit Orangenscheiben erfrischen, und selbst einige Anwohner hatten zusätzliches Wasser im Angebot.

Gelaufen wir meist auf grünem Parcours

Sieger verteidigen ihren Titel

Der Vorjahressieger Alexis Huck (Ana FC Haguenau) war zunächst aus der zweiten Reihe gestartet und setzte sich allmählich hinter den Führenden Kader Bellahcene (ASL LA Robertsau), blieb aber im Windschatten. Zwischen den beiden Läufern entwickelte sich ein spannendes Rennen. Noch beim Passieren des Tores in die Camping-Anlage lag Bellahcene vorn. Erst auf den letzten 200 Metern gab Huck Gas und lief schließlich als Sieger über die Ziellinie.

Die Führenden Kader Bellahcene und Alexis Huck am Maisfeld Bei den Frauen liegt Aude Vollmer vorn

Obwohl er seine Leistung vom letzten Jahr (30:53min) um mehr als eine Minute toppte, siegte Alexis Huck mit nur 3 Sekunden Vorsprung in 29:37min vor dem Zweiten Kader Bellahcne, der nur 3 Sekunden später nach 29:40min den Zielkanal passierte. Dritter wurde Yann Steffen nach 31:48min. Auch ihm schien die drückende Wärme nichts auszumachen, denn er verbesserte sein Vorjahresergebnis um nahezu zwei Minuten (2021 - 33:27min).

Alexis Huck (231) von Ana Fc Haguenau gewinnt vor Kader Bellahcene (221) von Asl La Robertsau 3. wird Yann Steffen vom Endurance Shop Haguenau vor Jean Philippe Utzmann Bei den Frauen gewinnt Aude Vollmer aus Haguenau

Auch bei den Frauen konnte die Vorjahrssiegerin ihren Titel verteidigen: Aude Vollmer (Haguenau) lief nach 36:05min als schnellste Frau ins Ziel. Zweite wurde die Vorjahresdritte Céline Baessler (Endurance Shop Haguenau) in 38:02min. Die dritte und vierte Frau liefen in kurzem Abstand über die Ziellinie: Marylene Bohn (ANA SG Wantzenau) nach 39:31min und Deborah Rudolf (Drusenheim) nach 39:37min.

2. Frau wird Céline Baessler vom Endurance Shop Haguenau vor ... ... Marylene Bohn von ASg Wantzenau Auf Platz 4 läuft Deborah Rudolf aus Drusenheim

Schnellster Deutscher war Marc Brenckle (TV Bad Bergzabern) in 34:23min. Beim Hauptlauf waren am Ende gerade mal zehn Deutsche gelistet, dazu je ein Poussin und ein Benjamin-Minime und eine gute Handvoll Walker*innen. Raymond Basch hält den Kontakt zu deutschen Vereinen und wünscht sich die Zeiten zurück, wo manchmal fast 50% der Namen auf der Ergebnisliste aus deutschen bestand. Das leidige Fitness-Attest mag eine Hürde sein, die einige Läufer*innen davon abhält, zu Laufevents ins nahe Elsaß zu kommen, obwohl dies leicht zu erhalten ist und zudem von Veranstalterseite entgegenkommend gehandhabt wird.

Kurz vor dem Ziel

Um zehn nach acht machten sich 59 Walker*innen auf den Weg, wobei nicht jeder "am Stock ging". Walker Rolf Pfirrmann - von der VLG Maximiliansau ins französische Nachbarland gekommen - wurde in 47:38min Fünfter im 6,5km Walking, das hierzulande aber "marche 6,5km" hieß. "Keine einfache Strecke!", so sein Resümee an der Getränkeausgabe im Ziel. Es gäbe wohl kaum jemanden, der ihm widersprochen hätte. Der wechselnde Untergrund von Wiese über Asphalt, Waldwege, Schotter und Sand bis hin zum Kopfsteinpflaster und dabei scharfe Kurven und einige kurze, steile Anstiege waren Kräfte raubend, und die drückende, schwül-warme Luft verlangte den meisten einiges ab.

10 Minuten nach den 9 km Läufern starten die Walker, über eine 6,5 km lange Strecke Ulla Held vom LT Rheinhessen-Pfalz ist die schnellste Walkerin im Ziel Roger Zenss (UC Eckwersheim) gewinnt die M75 im Walkingbewerb

Hierher kommt man gerne wieder

Zu später Stunde ging die schöne Veranstaltung zu Ende. Die ausführlichen Siegerehrungen mit Pokalen, französischem Wein oder Gutscheinen für die Geehrten fand schon im Dunkeln statt, aber man konnte gemütlich auf den Bierbänken sitzen, etwas Leckeres essen, die Siegerehrung verfolgen oder am Sternenhimmel den Großen Wagen suchen.

Raymond Basch vom ANA (Alsace Nord Athletisme) Lauterbourg Athletic Club und sein Team hatten wieder ganze Arbeit geleistet. Übrigens nicht nur das Team, sondern auch die ganze Basch-Familie: Sein Sohn war mitverantwortlich für die Zeitmessung, Madame Basch war an der Kuchentheke aktiv, Cécile Paoli - ab Mai 2023 auch eine Basch - war mit der Kamera im Einsatz, unklar blieb nur, was schöner ist: ihr Lächeln oder ihre Locken?

Aprés Lauf auf dem Campingplatz des Mouettes Große Nachfrage nach Flammkuchen bis in die Nacht
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Der Moderator Freddy Wehrung ist ebenfalls eine feste Größe bei den Lauterbourg Läufen, er ist auch beim Lauterbourg Cross im November um keinen Kommentar verlegen, wohl dem, der Französisch versteht.

Die französisch-deutsche (Lauf-)Freundschaft sollte unbedingt gepflegt werden. Raymond - selbst noch aktiver Läufer - versprach: "Im September kommen wir zu euch, dieses Jahr klappt es!" Und allen, die beim 8. Ronde des Mouettes dabei sein wollen, sei gesagt: Die Voranmelder haben an diesem Tag freien Eintritt zum Möwen-Badesee mit fast 500m Sandstrand und außergewöhnlich guter Wasserqualität.

Bericht von Anette Judith Scholl
Fotos von Ekkehard Gübel & Anette Judith Scholl

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Ergebnisse www.performance67.com
Infos analac.wixsite.com/ana-lauterbourg-ac
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