16.7.22 - Garmisch-Partenkirchen 10. Zugspitz Ultratrail

Bei fünf Distanzen ist für jeden Trailrunner etwas dabei

von Laetitia Bury 

Die Zugspitze ist der höchste Gipfel des Wettersteingebirges und gleichzeitig Deutschlands höchster Berg. Doch am Fuße des großen Berges fielen am Samstagmorgen die Startschüsse für die verschiedenen Läufe des Zugspitz-Ultratrail, kurz ZUT, welcher an diesem Tag das 10. Jubiläum feierte.

Bei fünf Distanzen ist für jeden Trailrunner etwas dabei

Mit 3727 Anmeldungen dieses Jahr ist der Veranstaltung mittlerweile die Durchsetzung in der Läuferszene geglückt. Diese beachtliche Teilnehmerzahl verteilte sich auf die fünf angebotenen Strecken. Die Hauptrunde stellte der Ultratrail mit seinen 108 km und 5120 Höhenmetern mit Start und Ziel in Garmisch dar. Die vier kürzeren Distanzen starten jeweils an verschiedenen Stellen dieser Runde um das Zugspitzmassiv der Tiroler Alpen. Der Supertrail XL mit 82 km und 3680 Höhenmetern und Start in Grainau war Austräger der Deutschen Ultramarathon Meisterschaft im Ultratrail. Etwas kürzer war der Supertrail mit seinen 68 km und 2800 Höhenmetern, welcher schon immer im ZUT-Programm angeboten wurde. Dieser hat die Bezeichnung des "schnellen Kurses" und wird vor allem erfahrenen Trailrunnern empfohlen. Der Basetrail XL mit Start in Leutasch/Weidach, 50 km und 1660 Höhenmetern war dieses Jahr mit 1004 Startern ausgebucht. Er ist im Vergleich zum Austragungsbeginn etwas verlängert worden, hat dafür aber ein paar Höhenmeter abgenommen bekommen. Für Einsteiger geeignet war der Basetrail, welcher ebenfalls ausgebucht war. Mit seinen 24 km und 610 Höhenmetern gehörte er zur Golden Trail National Series 2022, kurz GTNS, weshalb dieser womöglich am stärksten oder zumindest am dichtesten besetzt war.

Thomas Roach (GBR) als Sieger des Basetrails Charlotte Moerman (BEL), Siegerin des Basetrails
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Das Rahmenprogramm wurde bestens organisiert

Nachdem die Veranstaltung 2021 coronabedingt nur virtuell stattfinden konnte, war die Vorfreude auf das Rennen besonders groß. Das Warten wurde mit einem ereignisreichen Rahmenprogramm belohnt und begann schon donnerstags mit der Salomon Movie Night. An diesem Tag konnten auch schon die Startunterlagen abgeholt und die Registrierung durchgeführt werden.

 

Die Expo gebot ein großes Sortiment an vielen weltberühmten Marken des Laufsports. Mit einem gesunden Angebot an Speisen wie Dinkelnudeln und Linsenbolognese fand am Freitagabend die Pasta Party statt. Lediglich das Briefing wurde coronabedingt, und womöglich aufgrund der hohen Teilnehmerzahl, online durchgeführt. Abgesehen davon gab es keine Coronaregeln. Das Maskentragen vor, während und nach der Veranstaltung war freiwillig.

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Wer wollte, konnte am Wettkampftag den Shuttleservice in Anspruch nehmen, welcher die Athleten von Garmisch an die jeweiligen Startorte brachte. Doch auch mit dem Privatauto waren die Orte sehr gut zu erreichen und auch an Parkplätzen vor Ort mangelte es nicht.

Zehn Verpflegungsstellen auf der traumhaften Strecke um das Zugspitzmassiv

Die Region um das Zugspitzmassiv eignet sich perfekt zum Trailrunning: Idyllische Wege, einsame Trails und die schönsten Aussichten auf den höchsten Berg Deutschlangs, welcher sich durch den Rundkurs von allen Seiten bewundern ließ. Insgesamt gab es zehn Verpflegungsstellen, unter Kennern auch VP genannt, welche von Riegeln über Äpfel bis zur warmen Suppe für jeden etwas boten. Allerdings muss gesagt werden, dass es wohl einige Läufer des Ultras, geschuldet der Streckenlänge, gab, die bereits gegen 15 Uhr vergeblich nach Cola oder Wassermelonen bettelten. Hier sollte der Veranstalter in Zukunft definitiv nachsteuern, handelt es sich bei der Ultradistanz doch um die Strecke mit der höchsten Anmeldegebühr.

Basetrail des ZUT als Teil der Golden Trail National Series 2022

Bei der GTNS muss jeder teilnehmende Läufer an mindestens zwei der insgesamt sieben Rennen der Serie teilnehnmen, um in die Gesamtwertung zu kommen. Dazu zählen die bereits stattgefundenen Rennen Chiemgau Trail Run, Zermatt Marathon sowie eben jener ZUT, sowie Sierre Zinal, die Mayrhofen Ultraks MUZ 30 und, zu guter letzt, der für die Wertung doppelt zählende Rennsteig Herbstlauf, welcher auch als Finale gilt. Für das Finale wird jeder Läufer eingeladen, der in einem der Rennen davor einen Podestplatz erlaufen hat. Jeder andere Starter muss die Startgebühren selbst bezahlen. Bezüglich des Rankings verläuft die Punktevergabe nach Platzierung, wobei der Sieger immer 100 Punkte bekommt, beim Rennsteig werden dementsprechend 200 Punkte vergeben. Nach der Serie werden die besten 3 Frauen und Männer der Gesamtwertung für das Finale der Internationalen Golden Trail Series, der GTWS, eingeladen, welches am 26.10.2022 auf der portugiesischen Insel Madeira stattfindet. Die Grundvoraussetzung für diese Einladung ist die Teilnahme am Finale der GTNS, dem Rennsteiglauf. Jedoch kann auch hier jeder Trailrunner auf eigene Kosten an den Madeira Ocean Trails teilnehmen.

Die schnellsten drei Läufer des Basetrails: (von links) Manuel Innerhofer (AUT), Thomas Roach (GBR), Hans-Peter Innerhofer (AUT)
Von links: Daniel Osanz (4.), Dorian Marchal (5.) und Julian Beuchert (6.) des Basetrails

So war es auch abzusehen, dass die Läufer des 24 km langen Basetrail auf dem ziemlich flotten Kurs fast im 10-Sekunden-Takt ins Ziel einliefen. Kam man zehn Minuten nach einem Weltklasse-Trailläufer wie dem späteren Sieger Thomas Roach (1:24:10 h) aus Großbrittanien ins Ziel, so reichte dies nicht einmal für die Top 15. Die Tatsache, dass dieses Rennen zur GTNS gehörte, lockte nämlich sowohl nationale als auch Teile der internationalen Top-Trailrunner nach Garmisch. Die beiden Brüder Manuel (1:24:29 h) und Hans-Peter Innerhofer (1:24:44 h) aus Österreich komplettierten das Podium, dahinter kamen der starke Bergläufer Daniel Osanz (1:28 h) aus Spanien und der Franzose Dorian Marchal (1:28:10 h) mit vier Minuten Rückstand ins Ziel.

Bester Deutscher wurde Julian Beuchert (1:28:53 h) auf Platz 6, der auf den letzten drei Kilometern noch drei Plätze gut machen konnte und unter anderem die beiden Landsmänner Marc Dürr (1:29:02 h, Platz 8) und den amtierenden Deutschen Berglaufmeister Maximilian Zeus (1:29:24 h, Platz 9) überholen konnte.

Ein ähnliches Finish lieferten die ersten drei Frauen ab: Die Belgierin Charlotte Moerman (1:47:23 h) kam mit gerade einmal 30 Sekunden Vorsprung vor der Südafrikanerin Bianca Tarboton (1:47:54 h) und der Deutschen Lena Laukner (1:47:56 h), ins Ziel. Kurze Zeit später erschien ein bekanntes Gesicht im Ziel: Silvia Felt-Balbach gewann mit zehn Minuten Rückstand auf die Siegerin als gesamt 5. die Masters-Wertung. Der ehemalige Triathlon-Profi kommt vom Straßenlauf und fühlt sich eher auf der Langstrecke zu Hause. Mit einem Lächeln erklärte sie aber, dass sie mit ihrer Leistung auf der kürzeren Distanz des Basetrails mehr als zufrieden ist. Ihr nächstes Ziel ist der Weinheim Trail, den sie als gebürtige Weinheimerin mitorganisiert.

Betrachtet man die Endzeiten, so erscheinen Siegerzeiten um die 1:25h bei den Herren und 1:47h bei den Frauen für ein Trail-Rennen mit über 600 Höhenmetern doch sehr schnell. Wagt man einen genaueren Blick auf die Strecke, so fiel dann aber doch auf, dass sich der Trail-Anteil auf nicht mehr als einen einzigen Kilometer beschränkte, ein Großteil der Strecke wurde auf Schotterwegen gelaufen. Kritik von den Sportlern nahm man am Veranstaltungstag diesbezüglich zwar nicht wirklich wahr, auf der Trainingsplattform Strava fand man dann jedoch einige, die indirekt etwas Unmut über die Streckenführung äußerten, indem sie ihrer Aktivität den Namen "ZUT Base(-trail)" oder "Basetrail ohne Trail" gaben. Als Trostpflaster kann aber gesagt werden: Die anstehenden Rennen der GTNS werden alpiner.

Das Glück im Unglück

Viele Läufer lobten die schöne Strecke des Basetrails, welcher ein abwechslungsreichen Rennverlauf darbot: Die ersten 16 km gingen leicht berghoch, gefolgt von drei steilen Kilometern bergab und drei flachen ins Ziel. Hauptsächlich auf Forstwegen verlaufend war der Lauf technisch weniger anspruchsvoll und eher "unalpin", dafür aber bestens ausgeschildert. Er bot die schönsten Aussichten auf die Zugspitze, jedoch ohne Talblick. Doch nur die wenigsten Läufer bekamen den Schock mit, den womöglich nur jene Zuschauer überfuhr, welche keine 200 m nach Start die Herde an Läufern erwartete. Aufgrund der fehlenden Streckenposten, welche in der Regel die Zufahrt zur Laufstrecke verhindern, fuhr in der letzten Minute vor Start ein Auto auf die Strecke, den Läufern entgegen und drohte, sie zum Stehenbleiben zu zwingen. Doch das Glück stand auf Seiten des Trailrunnings, da die Polizei als Führungsfahrzeug den Läufern vorausfuhr und den Falschfahrer nur knapp zu einem Wendevorgang brachte. Abgesehen davon verliefen die Momente vor dem Start reibungslos: Obwohl noch 10 min vor Start eine lange Schlange für den Eintritt in den Startblock, wo der obligatorische Check der Pflichtausrüstung, wie Dreieckstuch und Trillerpfeife, durchgeführt wurde, manch einen Athleten bammeln ließ und auch die Schlange vor den Toiletten kaum kürzer wurde, fiel pünktlich um 8:00 Uhr der Startschuss.

Bianca Tarboton (RSA) wird knapp zweite beim Basetrail

Die Weinheimerin Silvia Felt-Balbach als Gewinnerin der Masters-Wertung und Gesamtfünfte beim Basetrail

Weltberühmte Sieger beim ZUT 2022

Beim Basetrail XL gewann der mehrfache Jungfraumarathon-Sieger Robbie Simpson aus Groß-Britannien mit einer Zeit von 3:47:53 h äußerst deutlich. Mit über einer halben Stunde Rückstand kamen die beiden Deutschen Marcel Hoeche (4:21:03 h) und Sebastian Hallmann (4:23:55 h) auf die Plätze zwei und drei. Bei den Frauen gewann die Südafrikanerin Toni Mccann nach 4:21:37 h und war damit in der Gesamtwertung auf Platz 3! Kim Schreiber sicherte sich mit 4:54:05 h Silber und Kim Strohmann (beide Deutschland) mit 5:01:24 h Bronze.

Der Schwede Petter Engdahl gewann mit 6:01:41 h den Supertrail ebenso deutlich, gefolgt von Florian Reichert (GER, 6:45:21 h) und Alexander Gepp (AUT, 7:10:55 h). Lisa Mehl war die schnellste Trailläuferin des Supertrails und kam nach genau 8:31 h ins Ziel. Patrycja Malecka-Len (POL, 8:42:03 h) wurde zweite und Miria Meinheit (GER, 8:48:09 h) dritte.

 

Den Supertrail XL gewann der Peruaner Remigio Huaman Quispe mit 8:31:14 h. Der Deutsche Markus Mingo wurde mit 8:34:36 h hauchknapp Gesamtzweiter und somit Deutscher Ultramarathonmeister. Gesamtdritter und Vize-Ultramarathonmeister wurde Mattias Reichart (9:08:16 h), Markus Brennauer (9:24:32 h) wurde Gesamtvierter und dritter der Ultramarathonmeisterschaft. Anna Hahner sicherte sich mit ihren 9:59:07 h sowohl den ersten Platz der Gesamtwertung, als auch den der Ultramarathonmeisterschaft. Die Amerikanerin Meg Lane (10:28:25 h) wurde Gesamtzweite, Anna Jansen (10:31:29 h) Gesamtdritte und Vize-Ultramarathon-Meisterin. Pamela Veith (12:15:04 h) sicherte sich als Gesamtfünfte Bronze der Deutschen Ultramarathon-Meisterschaft.

Nach 13:16:45 h kam der Deutsche Thomas Ungethüm als erster des Ultratrails ins Ziel, gefolgt von Volker Sauerzapf (AUT, 13:22:12 h) und Thorsten Reichert (GER, 13:23:15 h). Mit 15:20:16 h gewann die Tschechin Lada Štalzerová den 108km-Trail. Die Deutsche Anni Johann (15:49:04 h) lief als zweite, Katrin Vock (SUI, 16:08:48 h) als dritte ein.

Zielinterview mit Thomas Ungethüm, dem Sieger des Ultratrails

Das Fazit

Gab es auf der Basetrail-Strecke noch einen heißen Schlagabtausch zahlreicher Athleten, so kristallisierten sich die beiden nächstlängeren Distanzen eher als eine klare Angelegenheit der beiden Weltklasse-Trailläufer vom Adidas Terrex Team heraus. Nicht wenige Zuschauer hätten sich hier sicher auch ein Kopf-an-Kopf-Rennen gewünscht, was eventuell durch eine geringere Anzahl an Distanzen realisierbar gewesen wäre. Von vielen Seiten hörte man, dass an sich drei Distanzen ebenso ausreichend gewesen wären, was in der Spitze dichter besetzte Felder und im Zielkanal für die Zuschauer einfach nachvollziehbare Einläufe ermöglicht hätte.

Plan B hat mit dem ZUT wieder einmal gute Arbeit geleistet. Bei solch einer großen Veranstaltung mit einem derartigen Streckenangebot hat man kaum ein unzufriedenes Gesicht erblicken können. Wer leidenschaftlicher Trailläufer ist oder sich gar an diese Disziplin herantrauen möchte, darf dieses Event auf keinen Fall missen.

Bericht und Fotos von Laetitia Bury

Infos & Ergebnisse zugspitz-ultratrail.com

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