30.7.22 - Davos X-Trails

Heidi Annemarie Schwartz gewinnt Diamond-Wettbewerb

von Wilfried Raatz 

Neuer Veranstaltungstitel an traditionsreicher Stätte im Sportzentrum Davos, bewährte Strecken über die Kulminationspunkte wie Scaletta- und Sertigpass und einige bekannte Gesichter auf dem Siegerpodest neben manchem Überraschungscoup - das sind die bemerkenswerten Schlagzeilen bei der 37. Austragung des weltweit bekannten Hochgebirgs-Laufspektakel in der Landschaft Davos.

 

Auch wenn der neue OK-Präsident Tarzisius Caviezel angesichts der gut 1600 Meldungen aus 32 Nationen einen Blick zurück wagt und sich künftig eine weitaus stärkere Resonanz auf den insgesamt vier Streckenangeboten wünscht: "Wir streben schon eine entsprechende Größe an - deshalb hoffe ich schon im kommenden Jahr auf 2500 Teilnehmer!"

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Davos X-Trails - neuer Veranstaltungstitel - bewährte Strecken
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Und damit sind wir schon beim Kardinalthema. "Es sind einfach zu viele gleichartige Veranstaltungen", sagt Jasmin Nunige, die nach ihrem achten Swissalpine-Erfolg im Vorjahr in das neue Organisationsteam um den früheren Landammann und HC Davos-Präsidenten Tarzisius Carviezel gerückt ist - und zweifellos die Sport-Fachkompetenz Nr. 1 im Team ist. Und sie zählt sie auf, die mit dem Davos X-Trails um die kaum zahlenmäßig größer werdende Trailläufergemeinde buhlen. Stubai Ultra, Salomon Zugspitz Ultratrail, Eiger Ultra Trail, Bernina Ultraks, Gornergrat Zermatt (Ultra-)Marathon, adidas Infinite in Gastein, Großglockner Ultratrail…, die Liste für Milestones der letzten vier Wochen ließe sich ohne Mühen um einiges verlängern.

Prolog für die ersten Davos X-Trails mit furios startenden Kids Vor dem ehrwürdigen Funktionsgebäude im Sportzentrum

Und die Zahlen des Davos X-Trails sprechen eine klare Sprache: Mit 1234 Finishern in den vier Konkurrenzen K10 (Bronze), K23 (Silver), K43 (Gold) und K68 (Diamond) ist die Finisherquote so gering wie seit Jahren (besser: Jahrzehnten) nicht, noch im Vorjahr gab es bei den vier Wettbewerben 2326 Finisher. Und die Königsdisziplin ist mit nunmehr 183 Finishern gelistet, im Vorjahr waren es alleine hier noch 393.

Freilich ist eines gewiss: Dem neuen Organisationsteam ist eine Phase des strukturierten, harmonischen Aufbaus zuzusichern, die Stellschrauben mit einer regionalen Verpflegung, einer stärkeren Einbindung von Einheimischen in der Helfercrew und vor allem einem Rahmenprogramm, das die Bevölkerung wieder elektrisiert, das werden Ziele der Macher um die Carviezel, Nunige und Co. sein. Im Terminkalender ist die 2023er Ausgabe jedenfalls schon gesetzt, neben den unglaublich vielfältigen Anlässen Woche zu Woche.

Start für die Diamond- und Gold-Run-Starter Imposante Läuferschlange bei der Davos X-Trails-Premiere

Und der neue OK-Präsident sich bei der Siegerehrung im extra für diese Veranstaltung aufgebauten Festzelt im Sportzentrum Davos begeistert, ob der "unglaublichen Leistungen", die es vor allem die Starter über die nach der neuen Terminologie die Wettbewerbe "Diamant" und "Gold", das hieße die Läufe K68 über 67,6 km und 2600 Höhenmeter bzw. K43 über 42,7 km und 1424 m, mit Hagel und Schneeschauern im Bereich des Scaletta- und Sertigpasses über 2600 m Höhe, kräftig traf. Leichte Blessuren und Schürfwunden als sichtbare Zeichen der Tücken der Strecken, die aber allesamt trotz der sich verändernden Witterungsbedingungen in einem, nach dem Urteil vieler Teilnehmer, guten Zustand befanden. "Einen Teilnehmer mussten wir vom Sertigpass ausfliegen lassen, er befindet sich aber in einem unproblematischen Zustand" wusste der OK-Chef Entwarnung beim ersten Fazit bei der Siegerehrung zu geben. Tarzisius Caviezel zeigte sich aber auch angetan von der Leistung seines Amtsnachfolgers Philipp Wilhelm, der die knapp 10 km lange Distanz nach 52:18 noch im ersten Drittel der Männerkonkurrenz absolvierte!

Blick ins Peloton Sanfter Anstieg ins Dischmatal

Für die herausragende Leistung des Samstags sorgte dabei Stephan Wenk im Diamond-Wettbewerb. Der 40jährige Routinier erfüllte sich mit diesem Sieg in 5:49:22 Stunden einen "Kindheitstraum" mit dem Sieg über die knapp 68 km-Strecke. Im Vorjahr hatte der Gossauer hinter dem mit 5:46:22 Stunden Streckenrekord laufenden Benedikt Hoffmann Rang zwei belegt, im Jahr davor nach einer Fehlleitung Rang drei. Schon nach 12 km setzte sich Wenk vom Bulgaren Shaban Mustafa ab, der final hinter dem Schweiz-Kanadier Francois Leboeuf (6:09:04) nach 6:11:37 als Dritter im Sportzentrum in Davos einlief. "Nach der EM in El Paso konnte ich mich gut erholen und hatte gute Beine. Deshalb habe ich mich auch für einen Wechsel von der Marathon- zur K68-Strecke entschieden".

Schon ausgangs Davos ist Heidi Annemarie Schwartz die Nummer 1 unter den Diamonds Auf dem Weg zum Diamonds-Start-Ziel-Sieg: Stephan Wenk (dahinter der spätere Dritte Shaban Mustafa)

Mit Francois Laboeuf sicherte der in Aigle seit nunmehr acht Jahren lebende Schweiz-Kanadier den Doppelsieg für die Gastgeber. Der Allroundläufer, der sich ebenso auf der Straße, wie sein siebter Rang beim diesjährigen Zürich-Marathon in 2:20:52 beweist, daheim fühlt, sieht in Strecken wie eben in Davos seine Vorteile. Während seine Frau schon beim Klassiker Sierre-Zinal die Laufschuhe schnürt, ist der 37jährige Heilpädagoge beim Jungfrau-Marathon am Start, wo er nach zuletzt zwei vierten Rängen endlich einmal auf das Podium springen möchte.

In Lauerstellung: Francois Leboeuf Dürrboden ist der erste markante Punkt der legenderen Hochgebirgsrouten über 68 bzw. 43 km Sucht vergeblich die "Wüstenlandschaft": Der Marokkaner Rachid El Morabity wird Vierter im Diamond Run

Hinter dem bulgarischen Zermatt-Marathonzweiten Shaban Mustafa schaffte der Marokkaner Rachid El Morabity, der als neunmaliger Marathon des Sables-Gewinner die Wüstenlandschaften in Graubündens Felsregionen freilich schmerzlich vermisste, sich aber als Vierter mit allerdings fünfzig Minuten Rückstand bestens platzierte.

Im Aufstieg zum Scalettapass macht die K43-Dritte Karin Hofer für die K68-Siegerin Heidi Annemarie Schwartz die Pace Pace für den Nachwuchs: K68-Läufer Roland führt den 17jährigen K43-Läufer Reto zum ersten Kulminationspunkt

Bei den Frauen setzte sich mit einem Start-Ziel-Sieg die in Innsbruck lebende, eigentlich aus dem flachen Norddeutschen nahe Verden stammende 23jährige Heidi Annemarie Schwartz, in souveräner Manier in 7:48:56 Stunden durch. Mehr als eine halbe Stunde später erreichten die beiden Schweizerinnen Nicole Signer (8:25:59) und Isabelle Stich (8:32:54) die weiteren Podiumsplätze. Die promovierte Chemikerin scheint offenbar nach zahlreichen Ergebnissen beim Straßenlauf und im Triathlon mit den Langdistanzen ihre Disziplin gefunden zu haben, denn vor vier Wochen sicherte sie sich bereits den Sieg beim Stubai Ultra über 65 km und +4630 m/-2320 m Höhendifferenz. Auch wenn sie derzeit noch keinen Vergleich mit Jasmin Nunige, der achtmaligen Siegerin des Swissalpine, standhalten kann, eine Sympathieträgerin ist sie bereits in ihrer ersten Trailsaison allemal.

Seite an Seite im Duell um den K43-Sieg: Jansa Sergi (links) und Vajin Armstrong Perfekte Punktlandung: Nach Promotion nun auch K43-Sieg für Alexandra Wallimann Maurice-Miguel aus Dresden liebt's bunt

"Ich konnte sie unterwegs mehrfach beobachten, sie hatte stets ein Lächeln im Gesicht", so OK-Präsident Tarzisius Caviezel. Dabei war der Start-Ziel-Sieg für die Neu-Innsbruckerin keineswegs eine Spielerei, denn bereits am Scalettapass nach rund 30 Kilometern dachte sie ans Aufgeben. "Da habe ich mich echt mies gefühlt, habe mir aber gesagt, dass nach jedem Tief auch wieder ein Hoch kommt. Zumal die Atmosphäre auch so nett war, dass ich gar nicht aufgeben konnte. Und es lief nach dieser Krise immer besser!" Und erste Zukunftspläne hat sie bereits, denn im September wird sie mit ihrer Freundin und Gold Run-Zweiten Lena Laukner den Transalpine, ein Alpenspektakel über 7 Tage mit 290 km und in der Summe 17.000 Höhenmetern, absolvieren.

Gruppenfeeling Schnappschuss vom Verpflegungspunkt Dürrboden

Doch damit nicht genug von starken Auftritten deutscher Starter. Im Gold Run über 43 km duellierten sich die aus Dresden stammende, inzwischen aber ebenfalls in Innsbruck lebende Lena Laukner und die Davoserin Alexandra Wallimann, die bis dato offenbar ein Abonnement auf vierte Plätze bei den Hochgebirgsläufen in Davos zu haben schien. Bereits nach Dürrboden hatte die promovierte Mikrobiologin die Führung von Lena Laukner übernommen, durfte sich aber nie sicher sein, dass die starke Deutsche, die vor drei Wochen in Zermatt die Wertung Top20Run der Salomon Trail-Serie über die Halbmarathondistanz und beim Mont Blanc-Marathon die U23-Wertung für sich entscheiden konnte, blieb immer in nahem Kontakt. Im Sportzentrum lief Alexandra Wallimann nach 3:51:57 Stunden als Siegerin ins Ziel, Lena Laukner folgte knappe zwei Minuten dahinter mit 3:53:46, beide zudem mit leichten Blessuren nach Stürzen.

Erfüllt sich ein Kindheitstraum: K68-Sieger Stephan Wenk Die besten Diamanten des Ultra-Spektakels mit v.l. Francois Leboeuf, Stephan Wenk und Shaban Mustafa

"Ich habe natürlich schon mit einer Topplatzierung geliebäugelt", gestand die 22jährige, die seit 2½ Jahren in Innsbruck Geschichtswissenschaften und Kommunikationsdesign studiert. "Irgendwie mag ich die Berge…", was angesichts der eher flachen Region um Dresden herum eine wundersame Wandlung bedeutet. Und die Erfolge geben ihr Recht. An einer allerdings kam Lena nicht vorbei und diese genoss ihr Heimspiel in Davos. Die promovierte Mikrobiologin Alexandra Wallimann, als Juniorin bereits im Schweizer Berglauf-Nationalteam bei Welt- und Europameisterschaften unterwegs und bereits zweimal Vierte beim K43-Swissalpine, lebt und trainiert seit vier Jahren in Davos und wird vom erfahrenen Coach Guy Nunige, dem Ehemann der achtmaligen Swissalpine-Siegerin. Alexandra spielte vor allem in den Aufstiegen ihr Potential ab und setzte sich dabei von Lena ab. "Bergauf ist schon meine Stärke", gestand Alexandra lachend, "bergab ist dann eher nicht so mein Ding! Vor allem, wenn es wie in Clavadel noch rutschig ist!" Und blickte auf ihre blutenden Knie und Ellbogen.

Im zweiten Anlauf zum Sieg im Gold Run: Jansa Sergi aus Spanien Nach hartem Zweikampf im Gold Run freuen sich Alexandra Wallimann und Lena Laukner über ihre starken Leistungen

Benedikt Hoffmann, der umjubelte K68-Sieger des Vorjahres, war zwar für den Gold-Wettbewerb über 43 km gemeldet, ließ sich jedoch nach einem noch nicht ganz ausgeheilten Bänderriss auf die eher unproblematische Silber-Distanz von Klosters nach Davos über 24 km und einer Höhendifferenz von +634 km/--285 m umschreiben. Und hatte dort die absolut schwierigste Aufgabe gegen prominente Konkurrenz. Zusammen mit den Skilanglaufassen wie dem zweifachen Olympiasieger Dario Cologna und dem zuletzt zweimaligen K23-Sieger Jason Rüesch sowie dem Liechtensteiner Arnold Aemisegger und Simon Schäppi gab es eine starke Spitze, aus dieser sich der Heilbronner aber bereits nach acht Kilometern lösen konnte und mit 1:32:57 Stunden und einem sicheren Vorsprung auf Schäppi (1:34:08), Rüesch (1:35:19), Aemisegger (1:36:55) nun auch diese Distanz als Sieger beenden konnte. "Es lief heute sehr gut, über diesen Sieg bin ich natürlich glücklich, zumal im Hinterkopf bereits der Start beim UTMB in Chamonix über 56 km ist. Das ist für mich im Team Salomon eines der wichtigsten Rennen. Fernziel sind natürlich die Weltmeisterschaften im November in Thailand...".

Auch auf der kurzen Distanz (K23) zeigt sich der letztjährige K68-Sieger Benedikt Hoffmann (Mitte) als Topläufer, links Simon Schäppi (2.) und rechts Jason Rüesch (3.) Vielgefragt: Skilanglauf-Olympiasieger Dario Cologna, 6. beim Silver-K23

Dario Cologna übrigens, der seine überaus erfolgreiche Skilanglauf-Karriere nach den Olympischen Spielen in Peking beendet hatte, plant im Herbst einen Start beim London-Marathon. Mit Rang sechs und 1:39:17 Stunden sieht er sich in einer guten Verfassung. "Natürlich habe ich gemerkt, dass ich im Vergleich zu den anderen weniger trainiere, bin aber zufrieden!" Und auf London angesprochen: "Da mische ich mich in das Feld der 40.000 und möchte gerne 2:40 oder sogar noch etwas darunter laufen!"

Simone Raatz bejubelt ihren Bronze-Run-Sieg Erfolgreiches Team Näff mit Bronze K10-Sieger Noe, K10-Achter Vater Buolf und K10-Dritter Isai

Auf der kürzeren Bronze-Distanz über 9,4 km gab es übrigens durch die Berglauf-Masters-Weltmeisterin Simone Raatz einen weiteren deutschen Sieg. Die 46jährige Darmstädterin setzte sich nach einem Kurz-Trainingslager mit kenianischen Laufassen am Großglockner mit 39:32 Minuten gegen starke Läuferinnen des Schweizer Nachwuchs-Skilanglaufkaders um Giuliana Werro (39:52) durch. Bei den Männern dominierte die Familie Näff. Der 19jährige Noe gewann nach 33:47 Minuten vor Fabian Fux und Isai, für den 17jährigen wurden 34:25 notiert. Vater Buoff belegte mit 37:40 Rang acht und lag dabei noch um einen Rang vor dem Skisprint-Spezialist Valerio Grond. Beim Bronze Run nahmen übrigens 18 Teilnehmer des erstmals von Swiss Athletics organisierten Trailrunning Jugendcamp teil, die unter der Federführung von Gabriel Lombriser und dessen Ehefrau Judith Wyder, die zu den weltbesten Trailläuferinnen zählt, eine Woche Trailrunning schnuppern durften. Wenn dies nicht eine exzellente Investition in die Zukunft ist. Beim Schweizer Leichtathletik-Verband versteht man es offenbar weitaus besser als dies in anderen Verbänden der Fall ist, junge Lauftalente zu sichten und für den Laufsport mit seinen unterschiedlichen Spielformen zuzuführen.

Sandra freut sich mit Stephan über dessen starken Auftritt beim Diamond K68 (vorne die Kids Fiona und Emilie) Schweden-Fähnchen schwenkend ins Ziel: Ann-Helén und Hans Premiere geglückt: OK-Präsident Tarzisius Caviezel beim ersten Resümee
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Bliebe noch ein Blick auf die Männer-Konkurrenz des K43/ Gold Run, hier gewann der Spanier Jansa Sergi nach 3:41:42 Stunden vor dem Neuseeländer Vajin Armstrong (3:45:46) und dem Deutschen Markus Mingo, der zwei Wochen nach seinem an der Zugspitze errungenen deutschen Meistertitel im Ultratrail ein erneut starkes Rennen lief und bei seinem Davos-Debüt 3:46:34 erreichte. "Nach dem Supertrail an der Zugspitze waren meine Beine doch noch etwas schwer, deshalb habe ich unterwegs vom Diamond- auf den Gold-Wettbewerb umgeschwenkt und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden!" Mit Jens Ziganke kam ein weiterer Deutscher als Sechster mit einem Rückstand von 24:52 Minuten unter die Top 10.

Bericht und Fotos von Wilfried Raatz

Ergebnisse & Infos www.davos-xtrails.ch

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