12.7.20 - SOLO Run Dortmund

Die Siegerinnen heißen Julia Kümpers (5km) und Annika Vössing (10km)

Ausgehungerte Läufer kommen in Abstand haltenden Scharen

Bunerts SOLO-Run-Konzept kommt an - weitere Events geplant

von Michael Schardt 

Ein bayerisch blau-weißer Himmel erstrahlt herrlich über dem Ruhrpott. Eine läuferfreundliche Kulisse für ausgehungerte Langstrecke bietet auch das Phönix-Industriegelände in Dortmund, wo endlich, endlich wieder ein analoger Laufwettbewerb über die Bühne geht, seit Corona allen Initiativen über Monate den Garaus bereitet hat und virtuelle Veranstaltungen genauso wenig ein Ersatz sind wie digital ausgerichtetes Dasein für echtes Leben. Fabrikgelände hört sich freilich wenig anheimelnd an für ein Laufambiente der besonderen Art.

 

Doch handelt es sich dabei um eine jener industriekulturellen Stätten, die im Revier immer intensiver museal gepflegt werden. Zudem schmiegen sich die Backsteinhallen an eine parkähnliche, grüne Großstadtlunge an, durch die die Strecke führt.

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Startaufstellung mit Corona-Abstand vor alten Fabrikhallen - und schon geht es los im Einzel- oder Kleingruppenmodus
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Vielfältig ist der Untergrund. Über Asphalt, Schotter und Beton sausen die Läufer dahin, meistern kleine Brücken und Hügel, umrunden im Zickzackkurs Felder und Wiesen und sehen dichtgrüne Hecken beiderseits am Streckenrand, während sie über schmale Radwege eilen. Der eine wird es vielleicht etwas zu warm finden, der andere kämpft gegen wenige Höhenmeter und Frontwind an. Alles in allem aber hätte es sie nicht besser treffen können beim ersten SOLO Run von Dortmund.

 

Und entsprechend freundlich schauen die Läuferinnen und Läufer vor, während und nach dem Lauf drein. Mit ein Grund dafür ist auch die lobenswerte und aufwendige Organisation unter Leitung von Christian Hengmith, die alle Ausdaueraspiranten erfreut. Die Athleten geben es dem Veranstalterteam in der Weise dankend zurück, als dass sie sich tadellos an die Corona-Auflagen halten und damit zeigen, dass Laufen auch in Seuchenzeiten möglich und wünschenswert ist.

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So kann es weitergehen mit der SOLO-Run-Serie - am 2. August in Essen an der Zeche Zollverein und einigen weiteren Standorten, die in Kürze bekanntgegeben werden.

Dass man viele Zweierteams sah, ist kein Zufall, gab es doch den "Gang"-Wettbewerb, der für Duos besonders attraktiv war

Zulauf

In Essen hatte Bunert im Verein mit innogy und der BIG-Krankenkasse die Serie gestartet. Nach Mülheim an der Ruhr war nun Dortmund die dritte Station. "Serie" ist dabei nicht so zu verstehen, dass die Leistungen aller Läufe addiert und es einen Gesamtsieger oder eine -siegerin geben werden.

 

Gewertet werden die jeweiligen Rennen an den unterschiedlichen Standorten. Vorgesehen sind immer drei Wettbewerbe: ein Sololauf über zehn Kilometer, einen Sololauf über fünf Kilometer und einen Familien- bzw. "Gang"-Lauf über die gleiche Strecke. Der Familienlauf integriert vor allem Jugendliche und Kinder, denn für die junge Klientel will man wegen Corona keine eigenen Rennen durchführen. Gestartet wird in Zeitabständen von dreißig oder sechzig Sekunden im Einzelzeitfahrmodus.

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Die Laufstrecke war im ersten Drittel leicht wellig und führte zu Beginn über eine Brücke. Christian Hengmith von Bunert Events hat sich das Serienformat im Modus des Einzelzeitfahren ausgedacht und durfte sich über die große Beteiligung freuen

Vorab gibt es für alle Buffs, die im Startbereich als Mund- und Nasenschutz dienen. Hinterher dürfen sich die Läufer über eine umweltfreundliche Medaille und Urkunden freuen. Die Siegerehrung findet über soziale Medien digital statt, weil sich niemand nach dem Zieleinlauf und der Aufnahme der Verpflegung sehr lange vor Ort aufhalten soll. Zuschauer wurden ausdrücklich nicht eingeladen, an der Strecke zu stehen. Daran hielt man sich auch. Dass sich am Start und Ziel, welche 100m auseinanderlagen, dennoch ein paar Dutzend Leute standen und die Strecke auch von unbeteiligten Radfahrern und Spaziergängern frequentiert wurde, tat dem Sicherheitsgedanken keinen Abbruch.

Waren in Essen und Mülheim schon an die 500 Starter zu registrieren gewesen, kamen auch in Dortmund an die 400 Läufer ins Ziel. Der Zehner hatte mit 222 Teilnehmern den größten Zulauf, 135 Finisher gab es über fünf Kilometer und 19 Paare und Familien stellten sich dem Teamwettbewerb.

Spurten vor Industriekultur und entspannter Spaß im Grünen: beides vereinte der Dortmunder SOLO Run

Masse und Klasse

Andreas Menz, dem bekannten Laufkolumnist und Moderator, bleibt es vorbehalten, die rund 400 Teilnehmer im Halbminutentakt mit fetziger Musik, die sich die einzelnen Starter wünschen dürfen, auf die Reise zu schicken. Dazu zählt der Mann am Mikrophon stundenlang viele Dutzend Mal den Countdown herunter. In den kurzen Pausen feuert er jene Läufer an, die aus der ersten Runde kommen und in die zweite gehen. Als erste dürfen die 10-km-Läufer die Strecke unter die Füße nehmen. Punkt 9:30 Uhr wird zum Auftakt geblasen.

Darunter ist auch der starke Altersklassenläufer Norbert Schneider aus der Voreifel. Der nimmt augenblicklich so ziemlich jeden analogen Lauf mit. Schon vor Monatsfrist hatte er am Fühlinger See in Köln über 10 km und Halbmarathon triumphiert. Auch jetzt gehört der 52-Jährige zu den Favoriten, doch reicht es diesmal knapp nicht fürs Treppchen gegen unsichtbare Gegner, denn jeder ist ja für sich allein unterwegs.

Ein Schild (links) weist den Weg in die zweite Runde oder ins Ziel. Der Läufer im Zebralook hat es geschafft

In 36:27 min wird der Mann von den Rhein-Berg Runners vierter. Seinem Verein "Frontrunners NY" macht hingegen Thomas Eller alle Ehre. Der 40-Jährige ist der schnellste an diesem Tag in 35:50 min. Ihm folgt der gleichaltrige Tobias Volgmann (o.V.) sieben Sekunden später (35:57 min) und Hauke Pahl von "Drei außer Rand und Band" in 36:06 min. - Gesamtsieger wird allerdings nicht ein Mann, sondern Annika Vössing von Ruhrpottpower. Die 38-Jährige spult die Strecke in 35:23 min herunter und verweist Alexandra Krömer (37:02 min) und Vereinskameradin Melanie Lindner (W50, 37:15 min) auf die Plätze. Die Zeiten der ersten drei Frauen sind durchweg höher einzuschätzen als die der ersten drei Männer.

Gute Laune, freundliches Wetter, schöne Strecke - was will man als Läufer mehr

Team und Solo

Besagter Norbert Schneider kommt aber doch noch zu seinem Podestplatz, denn er nimmt mit seiner Tochter Cecile am "Gang"-Wettbewerb teil. Nicht einmal zwanzig Teams stellen sich der Herausforderung, die das Geschwisterpaar Jan und Sonja Vernikov in 18:23 min klar gewinnen. Dahinter liefern die Schneiders eine gute Leistung ab und werden in 19:53 min Vizemeister vor Marcus und Fynn Schröder (21:06min).

Diese umweltfreundliche Medaillen aus Holz ließ sich das Zweierteam der Laufsportfreunde Köln gerne umhängen

Die Strecke des Fünfers ist vermutlich 4,9 km lang, denn eine kleine Schleife, die die Zehner in der Auftaktrunde mitnehmen, fehlt hier. Diese durchkreuzen im SOLO Männer Run drei Athleten von der LG Hamm am schnellsten. Malik Farhat siegt in 15:42 min vor dem A-Jugendlichen Christian Schwarzer (15:45 min) und Mikael Orban (16:20 min). Die frühere deutsche Halbmarathon-Hochschulmeisterin Julia Kümpers aus Aachen dominiert das Frauenrennen. In 17:12 min bleibt sie unangefochten. Lara Kiene von der LG Hamm kann sich Rang zwei in 17:45 min sichern vor Victoria Jungeblodt von den Rapidos in 18:32 min.

Norbert Schneider und Tochter Celine mussten sich in der Familienwertung nur einer Mannschaft geschlagen geben - sie wurden 2. Der Mann in Gelb bevorzugte den SOLO-Modus.
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Zum Schluss

"Wir glauben an euch" - auf diesen Motivationsspruch sind zahlreiche, überwiegend junge Streckenposten fixiert, oder auf Bundesangelas "Ihr schafft das". Obwohl Streckenposten bei der ausgezeichnet markierten Wegeführung eigentlich überflüssig gewesen wären, ist ihre Anwesenheit bei den Läufern herzlich willkommen und mit ihrem Klatschen und Anfeuern mehr als ein Ersatz für das verbannte Publikum. Ihr Einsatz kann man als eine Geste verstehen, die wohl am besten die einvernehmliche Atmosphäre von Sportlern und Organisatoren an diesem sonnigen Sonntag ausdrückt.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

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