8.7.20 - 3. Cool-Beach-Trail Calmbach

Teilnehmerrekord um 300% gesteigert

von Günter Krehl 

Seit dem 1. Juli gilt in Baden-Württemberg die neue Verordnung über Sport des Kultusministeriums und des Sozialministeriums. "In Gruppen bis zu 20 Personen können die für das Training oder die Übungseinheit üblichen Sport-, Spiel- oder Übungssituationen ohne die Einhaltung des ansonsten erforderlichen Mindestabstands durchgeführt werden! - Sportwettkämpfe und Sportwettbewerbe sind - auch im Breitensport - in allen Sportarten wieder zulässig. Untersagt sind bis einschließlich 31. Juli Veranstaltungen mit über 100 Sportlerinnen und Sportlern und über 100 Zuschauerinnen und Zuschauern."

Auf der zweiten flacheren Hälfte unterwegs Die letzten Meter bis zum Ziel an der Aussichtshütte am Meisternkopf (641 m NN)
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Nun, Michael Nothacker hatte zwar gegenüber 2019 mit 13 Teilnehmern eine Steigerung um 300% auf 52 zu verzeichnen, blieb aber doch noch deutlich unter der Hundertergrenze. Auch die Zahl der Zuschauer bei unseren kleinen regionalen Veranstaltungen beschränkt sich meist auf einen "hohen einstelligen Bereich". Die Daten aller Sportler wurden natürlich schriftlich festgehalten und auf den erlaubten Gruppenstart nochmals verzichtet. So startete die Siegerin vom Bad Teinacher Bergsprint, Tamara Schütz (VfL Ostelsheim), Punkt 18.00 Uhr als erste am Calmbacher Forstbrunnen (410 m NN). Im Abstand von 5 beziehungsweise zweieinhalb Minuten folgten die weiteren Teilnehmer.

Bademeister Fabian Schmitt und seine Kollegin Lena Helmerich am Start Tamara Schütz (2. Frau) eröffnet das Rennen, erreicht nach mäßig steilem Forstweg und einer Kehre die kurze herausfordernde Trailpassage

Nach etwa 150 Metern auf mäßig steilem Forstweg führte eine Kehre zu einer kurzen herausfordernden Trailpassage, die nach einer weiteren Kehre in einen langen supersteilen urwüchsigen Bergpfad mündete. Dieser schien nicht enden zu wollen. Endlich kam die dritte und letzte Kehre und ein moderat ansteigender Waldweg bildete die zweite Hälfte des anspruchsvollen Bergsprints. Obwohl der Kurs sehr gut ausgeschildert war, bogen doch einige Athleten an Abzweigungen falsch ab. Ganz gemein oder so richtig cool für echte Bergtiger war die etwa 100 Meter lange extrem steile "Zielgerade" hoch zur Aussichtshütte am Meisternkopf (641 m NN). So waren auf nur 1,85 Kilometer immerhin 231 Höhenmeter zu bezwingen.

Claudia Waidelich (3. Frau) befindet sich als 2. Starterin auf dem urwüchsigen und supersteilen Bergpfad

Die erfahrene "Bergziege" Uta Groeper verpasst Platz drei nur um 17 Sekunden

Sara Vejsada (9. Frau) als jüngste Dame ist regelmäßig bei den Events am Start

Tamara Schütz war mit gewohnter Leichtigkeit den Berg hochgeflogen. Kurz vor dem Ziel hatte auch sie kleine Orientierungsprobleme, ihre 12:52 bedeuteten aber Streckenrekord. Den alten hielt mit 15:58 Claudia Waidelich (SZ Calmbach), die als zweite Starterin ins Rennen ging. Als Lokalmatadorin war sie bei den beiden ersten Austragungen jeweils einzige Frau gewesen, heuer standen 20 Frauen am Start. Dieses Jahr konnte Waidelich ihre persönliche Bestzeit um genau eine Minute steigern und immerhin Rang drei der Damenwertung belegen. Ebenfalls früh unterwegs war die erfahrene "Bergziege" Uta Groeper (TSV Kuppingen), mit ausgezeichneten 15:15 verpasste sie Top drei nur knapp.

Jetzt konnten sich nur noch zwei Läuferinnen Hoffnung auf den Sieg machen. Esther Johnen-Ahsbahs (SC Neubulach) erwischte einen Sahnetag. In Bad Teinach noch deutlich hinter Tamara Schütz, in Höfen fast konkurrenzlos überlegen, gewann sie doch etwas überraschend mit 14 Sekunden Vorsprung, indem sie den etwa 30 Minuten alten Streckenrekord auf 12:38 drückte. Nur acht Männer waren schneller als die Frauensiegerin.

Die Kinderklinik Schömberg war mit 6 Männern … ... und 7 Frauen am Start
Sabine Kusterer (W65/8. Frau) nimmt später die Spendengelder für die Kinderklinik in Empfang

Überraschend hatte Pia Kummer (LG Calw) nachgemeldet. Schnell unterwegs, nahm sie leider eine falsche Abzweigung und musste etwa 300 zusätzliche Meter zurücklegen. Schade, mit Platz 12 und 19:25 findet sich die talentierte Ausdauersportlerin in der Ergebnisliste nicht an der ihr zustehenden Position. Als bärenstarke Radfahrerin hatte sie vor 4 Wochen überrascht, als sie im Dreierteam 259 Kilometer im 35er Schnitt absolviert hatte. Bleibt zu hoffen, dass sie beim nächsten Start in Bad Liebenzell ihr wahres Können zeigen kann und zeigen möchte.

Uli Eberle (9. Mann) steigert sich von Rennen zu Rennen Der sechzehnjährige Paul Schmid wird 13. Mann trotz coronabedingtem Trainingsrückstand

Bei den Männern verbesserte Domenik Behnke (SV Oberkollbach) im letzten Jahr den Streckenrekord um 36 Sekunden auf 10:54. Nur um zwei Sekunden musste sich damals Christoph Beier (VfL Ostelsheim) geschlagen geben. Dieses Mal sah es lange Zeit so aus, dass der Ostelsheimer diesen Platz erneut schaffen könnte. Er blieb mit 11:12 nur 16 Sekunden über seiner Bestzeit. Der direkte Kampf mit dem Gegner kitzelt in der Regel doch noch einige Reserven aus dem Körper. Gegen den Sieger von Bad Teinach und Höfen, Daniel Kirchenbauer (VfB Pfinzweiler) hatte sich Beier sowieso keine Chance ausgerechnet. Kirchenbauer lieferte dann auch die erwartet starke Leistung ab und unterbot mit 10:35 den alten Streckenrekord um 19 Sekunden.

Damit schien die Entscheidung gefallen, obwohl mit Guido Schmid (TSV Wildbad/11:22), Daniel Pfrommer (MiAaU/11:40), Armin Gotsch (VfL Ostelsheim/11:57) und dem Sieger von 2018, Tim Weber (SV Oberkollbach/12:02), einige der stärksten Läufer aus dem Kreis Calw ins Rennen gegangen waren.

Guido Schmid (5.) hat kurz vor dem Ziel noch viel Power

Tim Weber (8. und Sieger 2018) kämpft wie immer bis zum letzten Meter

Es war schon etwas duster im dichten Wald, als ein schwarz gekleideter Athlet mit erstaunlicher Pace dem Ziel entgegenstrebte. Der zuerst unbekannte Nachmelder entpuppte sich als Fabian Pfitzner (LG Calw). Das noch jugendliche Talent betreibt den Ausdauersport erst seit einem Jahr äußerst intensiv. Motiviert durch Pia Kummer fährt er erstaunliche Radeinheiten. Noch imposanter liest sich seine einzige offizielle Laufwettkampfleistung: 34:20 über 10 Kilometer im Januar auf vermessener Strecke in Großweier. Nur 7 Sekunden hinter Daniel Kirchenbauer verdrängte er mit 10:42 Christoph Beier vorläufig auf Rang drei.

Daniel Kirchenbauer kämpft am Schlussanstieg erfolgreich um Platz zwei

Schon etwas duster im dichten Wald: Der schwarz gekleidete Jugendliche Fabian Pfitzner strebt mit erstaunlicher Pace als 3. dem Ziel entgegen Samuel Böttinger, das Urgestein aus Neuhengstett, lässt keinen Zweifel aufkommen, dass der Sieg heute nur über ihn geht. Am Ende hat er 39 Sekunden Vorsprung

Doch noch war nicht aller Tage Abend im abendlichen Calmbach. Eine weitere dunkle Gestalt raste in unwirklicher Geschwindigkeit nach oben. Nachmelder Samuel Böttinger, das Urgestein aus Neuhengstett, ließ keinen Zweifel aufkommen, dass der Sieg heute nur über ihn gehen würde. Einst als hoffnungsvoller Leichtathlet beim VfL Ostelsheim gestartet, entwickelte er sich auf "Wanderschaft" in Tirol zu einem ausgezeichneten Bergläufer (u. a. Großglocknerlauf) und Alpenpassradfahrer. Auch als Triathlet beim TSV Calw ist er schon erfolgreich an den Start gegangen und 2019 wurde er zum Sportler des Jahres im Kreis Calw gewählt. Sein ebenfalls "sportverrückter" Bruder Jakob hatte 2019 den Doma-Berglauf in Calw-Stammheim gewonnen. Es war letztendlich keine Überraschung, dass Böttinger, der für Sysletics an den Start ging, das Rennen tatsächlich gewann. Überraschend war jedoch seine sensationelle Zeit. Mit 9:56, sub 10, verbesserte er den "Kirchbauerischen Kurzzeitrekord" um unglaubliche 39 Sekunden. Sysletics steht übrigens für die Trainingssteuerung des Sportwissenschaftler Sebastian Hess, der Böttinger coacht. Hess selbst lief mit 14:36 auf Gesamtrang 18.

Esther Johnen-Ahsbahs erwischt einen Sahnetag. In Bad Teinach noch deutlich hinter Tamara Schütz, siegt sie dieses Mal mit 14 Sekunden Vorsprung

Armin Gotsch (7.) auf den letzten Metern der extrem steilen "Zielgeraden"

Gab es bei den beiden vorherigen Veranstaltungen nur Blankourkunden und keine Siegerehrung, so durften sich die Teilnehmer wieder auf das traditionelle "Abbaden" beziehungsweise Schwimmen im Freibad freuen. Auch eine köstliche Bewirtung machte die Crew des Fördervereins an Tischen mit üblicher Abstandsregelung möglich. In Windeseile hatte Michael Nothacker die Urkunden ausgefüllt, die er später in seiner gewohnt launigen Art den zufriedenen Teilnehmern überreichte. Zuvor konnte er jedoch noch 2 Schecks an die Vertreter der Schömberger Kinderklinik übergeben. 1.000 Euro hatten die 3 Cool-Beach-Trails der "Coronasaison 2020" an Startgeldern und Spenden erbracht. Wie bei allen seinen Veranstaltungen gibt der Oberkollbacher sämtliche Gelder ohne Abzug an die Klinik weiter. Insgesamt hat die Einrichtung von ihm bereits über 30.000 Euro an Spendengeldern erhalten. 6 Männer und 7 Frauen hatten die Schömberger selbst am Start. Sabine Kusterer, als W65 immerhin 8. Frau in 18:25, erläuterte, was mit dem Geld an zusätzlichen Hilfsmitteln außerhalb des normalen Etats angeschafft wird. Überraschend hatte auch der bekannte Berglaufpionier und mehrfache Seniorenweltmeister, Helmut Reitmeir aus München, 500 Euro gespendet. Diesen Scheck durfte der Laufreporter stellvertretend überreichen.

Siegertrio Herren: von links Fabian Pfitzner (3.), Samuel Böttinger (1.), Daniel Kirchenbauer (3.) Siegertrio Frauen: von links Claudia Waidelich (3.) Tamara Schütz (2.) mit Nachwuchsläuferin Mala, Esther Johnen-Ahsbahs (1.) Michael Nothacker präsentiert glücklich den Spendenscheck von Helmut Reitmeir
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Die Läufer bedanken sich ganz herzlich beim Personal des Calmbacher Freibads für die außergewöhnliche Gastfreundschaft. Bademeister Fabian Schmitt freut sich jedes Jahr auf die Sportler seines Freundes Michael. Er meisterte gemeinsam mit seiner Kollegin Lena Helmerich (13. Frau) am Vormittag die Strecke in erstaunlichen 19:51. Auch 2021 will er "seine Läufer" wieder herzlich willkommen heißen.

Bericht von Günter Krehl
Fotos von Michael Nothacker und Günter Krehl

Infos www.sportverein-oberkollbach.de

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