11.6.23 - 24. Eifelmarathon in Waxweiler

Vielfalt beim Eifelmarathon

von Holger Teusch 

Ein Jahr vor dem Silberjubiläum kratzt der Eifelmarathon am Teilnehmerrekord. Die 1998 erstmals durchgeführte Veranstaltung hat sich ständig weiterentwickelt.

Man sieht es dem Weiler Mauel nicht an, aber der 57 Einwohner zählende Ort (Stand 31.12.2021) ist so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt des Eifelmarathons. Natürlich abgesehen vom Start- und Zielort Waxweiler. Außer 10-km-Läufer, den Wanderern und den Kindern bei ihrem Staffellauf, in Mauel kommen sie alle vorbei: die traditionellen Marathonläufer, die Ultras, Halbmarathon- und Trailläufer. Die Strecke des klassischen 42,195-km-Laufs ist seit der Premiere weitgehend die gleiche geblieben. Im Mai 1998 saß ein inzwischen verstorbener Akkordeonspieler am Streckenrand und spielte für die Marathonläufer. Das war jahrelang Kult. Einen ähnlichen Status kann ein Vierteljahrhundert später Hildes Pfefferminztee am Verpflegungsstand am Ortsausgang, wo die Straße bergab zum Flüsschen Prüm führt, erlangen. Frühmorgens werden die Blätter im Bauerngarten geerntet und der Tee aufgebrüht, damit er abgekühlt ist, wenn irgendwann nach 9 Uhr erstmals Läufer in Mauel vorbeikommen.

Pfade des Naturwanderparks delux (für Deutschland und Luxemburg) bildeten das Grundgerüst des Trails im Rahmen des Eifelmarathons Schwere Entscheidung für die Trailläufer: Entweder auf den Weg achten oder Tempo rausnehmen und Landschaft genießen
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Es sind die Marathon- und 51,4-km-Läufer, die den Eifelmarathon eröffnen. Nach dem Start vor dem Bürgerhaus in Waxweiler geht es zunächst auf eine etwa 4 km lange Einführungsrunde nach Norden durch das Tal der Prüm und nach Süden. Zunächst über Straßen, doch hinter Niederpierscheid führt die Strecke erstmals über Feldwege. Nachdem Mauel erstmals durchlaufen wurde, tauchen die Läufer für etliche Kilometer in die schattigen Eifelwälder. Obwohl die Strecke dem Lauf der Prüm folgt, geht es wie erwartbar immer wieder auf und ab. Den Extraanstieg zum Schloss Hamm (man könnte diesen auch umgehen) nehmen die Läufer gerne in Angriff.

Ab über das Flüsschen Prüm, das bei dem Hochwasser im Sommer 2021 so verheerend angeschwollen war und auf zum Halbmarathonsieg machte sich Daniel Rhodes von der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal Locker mit Ehemann zum Halbmarathon-Sieg: Die letztjährige Deutsche W45-Halbmarathonmeisterin Yvonne Engel

Das ist diesmal am zweiten Juni-Wochenende auch eine Wohltat. Schon beim ersten Start um 9 Uhr zeigte das Thermometer mehr als 20 Grad. Dazu kam ein trockener Ostwind. Da war es gut, dass im Schnitt etwa alle 3 km ein Verpflegungsstand zu finden war (außer beim 26-km-Trail: drei Verpflegungspunkte). Möglich ist das, weil die Strecken ineinandergreifen und einige Streckenabschnitte doppelt, auf Hin- und Rückweg genutzt werden. Marathon- und Ultraläufer gehen erst am Bitburger Stausee, dem südlichsten Punkt, (kurzzeitig) getrennte Wege. Während die Marathonis das Gewässer direkt umrunden, bietet die 51,4-km-Distanz mit ihrer Extraschleife und vielen zusätzlichen Höhenmetern eine zusätzliche Herausforderung.

20 Jahre nach ihrem letzten Sieg beim Eifelmarathon kehrte die deutsche 100-km-Rekordlerin Birgit Lennartz zurück und belegte über 42,195 km in 4:16:20 Stunden den zweiten Platz Nach 6 km noch zusammen im Feld mit den Ultraläufern ahnte Arne Schmitz (28) vom SC Komet Steckenborn noch nicht, dass er knapp drei Stunden später der 24. Gewinner der klassischen Eifelmarathon-Distanz sein würde Heinz Schon aus Sankt Thomas in der Eifel gewann über 42,195 km nicht nur die Altersklasse M65, sondern schaffte es als Drittplatzierter auch in der Gesamtwertung aufs Treppchen

Die Margit Klockner ein Jahr nach ihrem Erfolg auf der 42-km-Strecke suchte. 2022 hatte die 38-Jährige aus Halsenbach im Hunsrück auf der klassischen Strecke alle übrigen Läufer - auch alle Männer - hinter sich gelassen. Das wäre ihr auch diesmal fast gelungen. Näher und näher kam Klockner nach der 40-km-Marke an Stephan Langer heran. Der Belgier hatte im harten abschließenden Anstieg, wo auf knapp zwei Kilometer noch einmal rund 75 Höhenmeter zu bewältigen sind, offensichtlich zu kämpfen. Klockner kam näher und näher. Doch als sie bis auf etwa 100 Meter an Langer herangekommen war, musste auch sie den Strapazen Tribut zollen, stehenbleiben und die Krämpfe aus ihren Beinen dehnen.

Erna Leyre und Ziel-Moderator Reinhold Scholzen freuten sich mit der Laufgruppe der Olifanten aus dem belgischen Oostende über den Marathonsieg Auf schmalen, teils schon alpin anmutenden Pfaden führen Teile des Eifelmarathon-Trails

So blieb Langer als einziger Läufer unter vier Stunden (3:59:25). Klockner verbesserte den Frauen-Streckenrekord auf 4:01:50 Stunden. Birthe Peter, die die bisherige Bestzeit noch als Birthe Hilmes bei der Ultra-Premiere zehn Jahre zuvor aufgestellt hatte, war die erste Gratulantin. Bereits frisch geduscht nach ihrem Überraschungssieg im Trailrennen. 2013 war sie fast exakt eine Viertelstunde langsamer (4:16:24) gewesen als Klockner. Den ersten Platz im Geländelauf über 26 Kilometer über schmale Pfade mit teilweise extremen Steigungen und Gefällen hatte Birthe Peter gar nicht im Visier. Eigentlich wollte sie nur einen Trainingslauf für das Trailrennen im saarländischen Losheim absolvieren. Aber als sie dann bemerkte, dass nur noch zwei Frauen knapp vor ihr lagen, ließ sie sich ihren zweiten Erfolg bei einer Eifelmarathon-Veranstaltung nicht nehmen. Nach 2:49:08 Stunden lag Christina Bierwirth aus Sankt Augustin allerdings nur sieben Sekunden hinter der Läuferin von Spiridon Hochwald. Bei den Männern gewann Philipp Sieger aus Meckenheim in 2:14:10 Stunden vor Dennis Dusemund vom SV Zeltingen-Rachtig (2:18:57) und Kamil Maly aus Kaarst (2:21:29).

Nomen est omen: Philipp Sieger aus Meckenheim gewann den Trail vor Dennis Dusemund vom SV Zeltingen-Rachtig mit am Ende fast fünf Minuten Vorsprung Mit der Kamera in der Hand lief Kamil Maly aus Kaarst auf den dritten Platz des 26-km-Trails

Und der Marathon? Mit Ultra, Trail und auch dem Halbmarathon, dazu auch noch 10 km bieten die ehrenamtlichen Macher des Eifelmarathons ein vielfältiges Streckenangebot, auf denen die Läufer aus ganz Deutschland, aber auch dem nahen Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Frankreich (sogar Briten und US-Amerikaner, insgesamt 18 Nationalitäten, waren dabei) die Eifel kennenlernen können. Die klassische Distanz gerät dabei immer mehr ins Hintertreffen. Der 24. Sieger heißt Arne Schmitz. Die Zeit von 3:21:56 Stunden des Läufers des nordrhein-westfälischen Klubs SC Komet Steckenborn relativiert sich vor dem Hintergrund der nicht gerade einfachen Strecke. Um die Marathonsiegerin gab es zunächst etwas Zweifel. Denn eine Ultraläuferin hatte die Zusatzschleife angesichts der sommerlichen Witterung nicht in Angriff genommen und war "nur" Marathon gelaufen. Ein Streckenwechsel während des Rennens ist beim Eifelmarathon aber nicht vorgesehen. Deshalb durfte der zahlreich vertretene und durch gute Stimmung auffallende JTO de Olifant aus dem belgischen Oostende Erna Leyre in 4:11:29 Stunden als ihre Marathonsiegerin feiern.

Auch noch nach der Hälfte der 26-km-Distanz lagen beim Trail noch erstaunlich viele Gruppen zusammen. Hier führt Stefan Dillenburg aus Sankt Augustin eine Gruppe mit dem US-Amerikaner Eduardo Santana und der späteren Siegerin Birthe Peter (Spiridon Hochwald) und Christina Bierwirth (Sankt Augustin) an Schmale Pfade, schattige Wälder machten den Trail trotz Sommerhitze zu einer angenehmen Angelegenheit

Dass beim Eifelmarathon trotz der ineinandergreifenden Strecken die Disziplin nicht während des Rennens gewechselt werden darf, hat seinen Grund auch darin, dass Zeitnahme und Ergebniserfassung immer noch eigenständig erfolgen, also nicht an einen externen Dienstleister abgegeben wurden. So wie die gesamte Veranstaltung wird alles ehrenamtlich organisiert. Hinter der Veranstaltung steckt der Verein Eifelmarathon. Es ist quasi das Sammelbecken für alle Laufsport treibenden Vereine im Eifelkreis Bitburg-Prüm.

Der Trail beim Eifelmarathon verlangte den Teilnehmern mit steilen Anstiegen einiges ab Der Belgier Stephan Langer musste in der Hitze ganz schön kämpfen für den Sieg im Ultra über 51,4 km … … denn bis 2 km vor dem Ziel rückte die schnellste Frau Margit Klockner ihm immer mehr auf die Pelle

Die Veranstaltung wird von Mitgliedern aller Klubs gemeinsam gestemmt. Der federführende Zeitnehmer und EDV-Fachmann ist beispielsweise Michael Laumers vom SC Bleialf. Die Moderation im Zielbereich übernahm der Vorsitzende der LG Pronsfeld-Lünebach, Reinhold Scholzen, zusammen mit Marianne Peters. Die Vorsitzende der LG Kammerwald/Geichlingen hatte das große Brett, auf dem schon beim Volkslauf ihres Vereins Ende April die Starterlisten übersichtlich angebracht waren, mitgebracht. Das sei das Erfolgsrezept des Eifelmarathons: Jeder bringe sich bestmöglich für das Ganze ein!

Willkommene Abkühlung am Verpflegungspunkt im kleinen Ort Mauel rund 5 km vor dem Ziel war die Gartendusche, aber auch der kühle Tee, der morgens früh aus frischer Pfefferminze aufgebrüht wurde Birthe Peter von Spiridon Hochwald (links) war nach ihrem Sieg im Trail schon geduscht und gratulierte Ultra-Siegerin Margit Klockner (271) aus Halsenbach als Erste zum Streckenrekord, den die Hunsrückerin ihr nach zehn Jahren abgenommen hatte. 2013 hatte sie noch als Birthe Hilmes die Premiere des 51,4-km-Laufs gewonnen
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So konnte sich auch Rita Brandenburg vom SV Waxweiler, die auch Vorsitzende des Eifelmarathon-Vereins ist, sich über den Erfolg des Staffellaufs mit mehreren Dutzend Kinder, ihres Streckenpferdes, freuen. Peter de Winkel, so etwas wie der Gesamtkoordinator der Veranstaltung, freute sich nach einem langen Tag auf eine kühle Erfrischung. Alles werde im Team gemacht, sagt der Holländer, der aus der Eifel nicht mehr wegzudenken ist. Er hatte noch persönlich dafür gesorgt, dass auch die letzten Ultra- und Marathonläufer 200 Meter vor dem Ziel die Hauptstraße von Waxweiler gefahrlos überqueren konnten. Da waren die Starter der Kurzdistanzen längst im Ziel. Viola Rech (Stihl Team/45:53) und Oliver Ewen (LT Schweich/37:36) über 10 km sowie die Deutsche W45-Halbmarathonmeisterin Yvonne Engel (LT Schweich/1:45:14) und Daniel Rhodes (LSG Saarbrücken-Sulzbachtal/1:29:32) über 21,1 km waren diesmal die Schnellsten.

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse my.raceresult.com & Infos www.eifelmarathon.com

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