18./19.6.22 - 35. Aletsch Halbmarathon

Laufen in einer Bilderbuchlandschaft

Maude Mathys gewinnt mit Streckenrekord
Stephan Wenk gewinnt im vierten Anlauf

von Winfried Stinn 

Nach zwei Corona bedingten Absagen fand diesmal wieder der Aletsch Halbmarathon, der "Laufklassiker im UNESCO Weltnaturerbe", statt. Seit 1986 ist der autofreie Ort Bettmeralp im Wallis, der nur mit der Seilbahn erreichbar ist, Austragungsort des beliebten Berglaufes.

 

Zunächst als Gletscherlauf über 17,5 km, seit 2000 als Halbmarathon über 21,1 km. Beim 35. Aletsch-Halbmarathon sorgten Maude Mathys und Stephan Wenk, die als Favoriten an den Start gegangen waren, für einen Schweizer Doppelerfolg.

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Mit Didier Défago, der 2010 bei den Olympischen Spielen in Vancouver im Abfahrtslauf die Goldmedaille gewann, konnten die Veranstalter auch diesmal wieder einen prominenten Sportler als Ehrenstarter gewinnen. Er schickte dann bei extrem heißen Temperaturen rund 1700 Läuferinnen und Läufer auf die 21,1 km lange Strecke. Der Start des Aletsch Halbmarathons war traditionell unmittelbar bei der Bergstation der Bettmeralpbahn auf einer Höhe von 1950 Meter. Das Ziel liegt auf knapp 2700 Meter.

Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und eine traumhafte Sicht auf die Walliser Viertausender waren auch diesmal die äußeren Voraussetzungen für die 35. Auflage des Aletsch-Halbmarathons. Die Veranstalter werben mit dem Slogan "Schönster Halbmarathon Europas". Und der Sprecher Waldemar Schön setzte noch eins drauf und sprach bei seinen Begrüßungsworten vom schönsten Halbmarathon der Welt.

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Bettmeralp, Austragungsort des Aletsch Halbmarathon Blick auf den 23 km langen Aletschgletscher

Nun schwelgen die Schweizer gerne in Superlativen. Aber immerhin findet der Lauf in der Ende 2001 von der UNESCO zum Welterbe ernannten Aletschregion statt. Die Feierlichkeiten zu diesem Ereignis fanden 2002, also vor genau 20 Jahren statt Laufen entlang des längsten Alpengletschers, schmale Bergpfade, atemberaubende Ausblicke auf die schneebedeckten Viertausender, kleine, reizvolle Bergseen, üppige Blumenwiesen mit Alpenrosen, all das konnte man auch diesmal beim Aletsch Halbmarathon, sofern einen die Hitze nicht zu sehr zu schaffen machte, erleben.

1.Tag

Nach 2019 fand der Aletsch Halbmarathon wieder im Rahmen einer zweitägigen Laufveranstaltung statt. Bereits am Samstag standen mit dem Gletschilauf, dem Aletsch Minilauf und dem Aletsch Sprint drei Läufe auf dem Programm. Mit dem Aletsch Sprint über 3 km wurde das zweitägige Laufest eröffnet. Es folgte der Gletschilauf für die Schülerklassen über zwei Kilometer. Den Abschluss bildete der Minilauf für die Jüngsten über 550 Meter.

Valeria Bollhalder gewinnt den Aletsch Sprint bei den Juniorinnen Janis Margelisch gewinnt den Gletschilauf über 2 km Anina Lüthi, Schnellste beim Gletschilauf der Mädchen über 2 km

Der Aletschsprint und Gletschilauf wurden bei der Bergstation der Bettmeralpbahn gestartet und der Minilauf auf dem Dorfplatz in der Ortsmitte. Ziel für alle drei Läufer war beim Sportzentrum, unterhalb des Bettmersees, wo auch die Siegerehrung statt.
Den Aletschsprint gewann der Spanier Joaquim Font, der seit vier Jahren in der Schweiz lebt und in St. Gallen wohnt.

 

Mit seiner Zeit von 12:41,9 Minuten hatte er im Ziel mehr als eine Minute Vorsprung auf den Zweitplatzierten und Sieger der Juniorenklasse Noah Bürcher aus dem benachbarten Fiesch. "Eigentlich wollte ich morgen den Halbmarathon laufen, aber da war ich mit meiner Anmeldung zu spät. Der war schon ausverkauft", so der Sieger nach dem Rennen. Dritter wurde Stefan Job (Schweiz/Oberweningen).

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Anne Gerber und Joaquim Font gewinnen den Aletsch Sprint über 3 km

 

Bei den Frauen gingen die ersten drei Plätze an Schweizer Läuferinnen. Es gewann Anne Gerber in 17:46,8 Minuten. Auch bei den Frauen wurde mit Valeria Bollhader die Siegerin der Juniorinnenklasse Zweite. Dritte wurde Stefanie-Nusser-Stein, ehe mit Andrea Stegmann (Hösbach), Jennifer Frei (Trier) und Marianne Krämer (Hillesheim) drei deutsche Läuferinnen durchs Ziel liefen.

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Start der jüngsten Laufathleten beim Aletsch Minilauf Vaki/Muki Siegerehrung für die Nachwuchsathleten

"Wir hatten ja schon 2019 für den Samstag ein Lauf-Programm für Kinder, Jugendliche und Plausch-Läufer zusammengestellt", so Toni König vom Veranstalter. "Bislang hatten wir ja im Vorfeld zum Halbmarathon einen Kinderlauf angeboten. Das war nicht ideal. Der Kinderlauf fand inmitten der Vorbereitungen für den Halbmarathon statt und ging irgendwie unter.

2.Tag

Aufgrund der hohen Temperaturen empfahl der Sprecher Waldemar Schön vor dem Start nochmals eindringlich während des Rennens genügend zu trinken und dafür alle Getränkestationen zu nutzen.

Ski-Olympiasieger Didier Défago gab den Startschuss zum 35. Aletsch Halbmarathon Nach dem Start führt die Strecke durch den Ort vorbei an der Kapelle

Vom Start ging es zunächst einen Kilometer durch die Ortschaft, vorbei an der Kapelle "Maria zum Schnee", ein beliebtes Postkartenmotiv, zum Skigebiet. Der Murmeltierlehrpfad wurde gestreift, ehe nach fünf Kilometern mit dem Bettmersee der erste landschaftliche Höhepunkt erreicht wurde. Hier hat man atemberaubende Blicke auf die Viertausender des Wallis wie Dom, Täschhorn, Weißhorn und das Matterhorn. Nach einigen Flachpassagen ging es bis nach Riederalp sogar nochmals bergab, ehe ein leichter Anstieg zur legendären Villa Cassel, in der heute das Zentrum der Naturschutzorganisation "Pro Natura" untergebracht ist, folgte. Das Riederhorn wurde umrundet, danach begann ein steiler Anstieg zur 2335 m hoch gelegenen Hohfluh und weiter zur Moosfluh mit Blick auf den 23 km langen Aletschgletscher.

Bei Kilometer fünf am Bettmersee entlang

Es folgte nun oberhalb des Gletschers der schönste Streckenabschnitt. bevor es auf den steilen Schlussanstieg ging. Auf den letzten zwei Kilometern waren nochmals 300 Meter Höhenunterschied zu bewältigen. Ein 360 Grad Rundumblick war dann der Lohn für die Mühe. Beim Ziel konnte man fast die gesamte Strecke mit ihren Höhepunkten wie Bettmersee, Villa Cassel und das Riederhorn überblicken. Auch die schon auf der Strecke sichtbaren Viertausender mit dem Matterhorn in ihrer Mitte waren von oben, wenn auch diesmal teilweise von Wolken umhüllt, nochmals zu sehen. Den nur wenige Meter vom Ziel entfernten Aussichtspunkt mit Blick auf den Aletschgletscher nutzten die meisten Läufer/innen.

Blick von der Strecke Stephan Wenk führt beim Bettmersee eine Dreiergruppe mit Mekonen Tefera und François Leboeuf an

Bei Kilometer fünf am Bettmersee führte der spätere Sieger Stephan Wenk eine dreiköpfige Führungsgruppe vor dem in der Schweiz lebenden Äthiopier Mekonen Tefera und dem Schweizer Francois Leboeuf an. An dieser Reihenfolge änderte sich bis zum Zieleinlauf nichts, lediglich die Abstände wurden größer. Bei der Hälfte der Strecke fiel zunächst Leboeuf zurück, zwei Kilometer vor dem Ziel konnte auch Tefera das hohe Tempo von Wenk nicht mithalten.

Stephan Wenk passierte nach 1:36:59 Stunden als Sieger das Ziel und konnte so nach einem dritten und zwei zweiten Plätzen endlich den ganz großen Erfolg genießen. "Ich wollte gewinnen, das war mein Ziel. Ich habe immer geführt. Anfangs konnten die beiden Hauptkonkurrenten noch in meinem Windschatten mitlaufen. Bei Kilometer 19 konnte ich mich am Berg deutlich absetzen. Da war ich mir auch sicher, dass ich gewinnen werde. Nun bereite ich mich auf die Berglauf-Europameisterschaft vor, die in zwei Wochen in La Palma stattfindet." Auf ein Ziel wollte sich Wenk nicht festlegen.

Stephan Wenk allein in Führung Mekonen Tefera folgt als Zweiter François Leboeuf erreicht Rang 3

Mekonen Tefera, der seit seiner Flucht vor zehn Jahren aus Äthiopien viele Siege bei Läufen in der Schweiz feiert, verteidigte seinen zweiten Platz und lief mit 1:37:58 Stunden eine sehr gute Zeit. "Bis zwei Kilometer vor dem Ziel konnte ich an Stephan dran bleiben, dann konnte ich ihm nicht mehr folgen. Mit dem zweiten Platz bin ich aber sehr zufrieden." Dritter wurde Francois Leboeuf in 1:41:30 Stunden.

Bei den Frauen nahm die Waliserin Maude Mathys, die 2019 in Zermatt Berglauf-Europameisterin wurde und in den letzten Jahren vor allem durch Erfolge in der Trailszene auf sich aufmerksam macht, die alleinige Favoritenrolle ein. Sie lief von Beginn an des Rennens vorne weg und gewann in der neuen Streckenrekordzeit von 1:47:42 Stunden. Damit verbesserte sie die alte Bestmarke der vierfachen Gewinnerin des Aletsch Halbmarathons, der Britin Sarah Tunstall, die 2019 1:48:22 Stunden lief. "Ich wollte einen neuen Streckenrekord laufen, das war mein Ziel. Der Lauf war ein guter Test für die Berglauf-Europameisterschaft in zwei Wochen." Und sie verriet noch zwei weitere Ziele: "Start über die Marathonstrecke bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris und 2026 bei den Winterspielen in Mailand im Skialpinismus". Mit deutlichem Rückstand wurde Simone Troxler (1:56:57) vor Annelies Métrailler (2:04:57) Zweite.

Maude Mathys gewinnt bei den Frauen Simone Troxler läuft auf Rang 2 Annelies Métrailler wird Dritte

Unter den TOP-Ten sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen, konnte sich niemand aus Deutschland platzieren. Das war mal anders. Erinnert seien an die Siege von Birgit Lennartz, Timo Zeiler und Max Frei. Lediglich bei den Altersklassen gab es drei Medaillen. Bei den Frauen W50 gewann Michaela Danner (Ingolstadt/ SV Kazing) die Bronzemedaille. Bei der W65 gewannen Inge Umbach (Ellscheid/Vulkanläufer) und Bärbel Paul (Ravensburg) Silber und Bronze.

Bei großer Hitze war eine Pause an den Wasserstellen unverzichtbar Kurz vor dem Ziel

Die Siegerehrung wurde von den Sponsoren und vom Ski-Olympiasieger Didier Défago, der ja auch den Startschuss gab, vorgenommen. Défago ist auch Präsident der Walliser Bergbahnen, daher auch der Kontakt zu den Organisatoren des Aletsch Halbmarathon. "Als ich angefragt wurde beim Aletsch Halbmarathon den Startschuss zu geben und auch bei der Siegerehrung dabei zu sein, habe ich sofort zugesagt. Ich laufe selbst gerne Bergläufe und habe auf Bettmeralp auch zu meiner aktiven Zeit als Skiläufer trainiert. Auch bei einer Schweizer Skimeisterschaft in Bettermeralp vor ungefähr zwanzig Jahren habe ich teilgenommen. Ich habe zwar nicht gewonnen, aber für einen Podestplatz hatte es gereicht", erinnert sich das frühere Ski-Ass.

v.r.: Ski-Olympiasieger Didier Défago mit dem Siegerpaar Maude Mathys und Stephan Wenk Zwei deutsche Läuferinnen bei der W65 auf dem Podest: Inge Umbach (2.) aus Ellscheid (Organisatorin Maare Mosel Lauf, der am 27.8. zum 24. Mal azusgetragen wird) und Bärbel Paul (3.) aus Ravensburg. In der Mitte die Schweizer Siegerin Cortat Antoinette

Nach der Siegerehrung gab der Sprecher Waldemar Schön bekannt, dass er nach nun fast drei Jahrzehnten nicht mehr als Sprecher aktiv sein wolle. Er fiel vor allem durch seine fachkundigen Kommentare und seiner Fähigkeit viele Sprachen zu beherrschen auf.

Zufrieden zeigten sich nach der zweitägigen Laufveranstaltung die Veranstalter. Geschäftsführer Toni König: "Es hat alles geklappt. Es ist erfreulich festzustellen, dass auch nach der zweijährigen Pause unser Team sehr gut zusammen gearbeitet hat. Wir brauchten nicht bei Null anzufangen. Alle Positionen waren gut besetzt. Auch dass wir, wie 2019, eine Zwei-Tages-Veranstaltung angeboten haben, hat sich bewährt." Enttäuscht zeigte sich allerdings König, dass rund 1200 gemeldete Läuferinnen und Läufer nicht am Start waren. "Schade ist natürlich, dass von 3000 gemeldeten Läuferinnen und Läufer nur 1700 gestartet sind. Das ist sicherlich der Corona bedingten Pause geschuldet. Die Erfahrung machen zurzeit viele Veranstalter. Wir hoffen, dass sich die Teilnehmerzahlen in den kommenden Jahren wieder nach oben bewegen."

Ein "Muss" nach dem Lauf, der Abstecher zum wenige Minuten vom Ziel entfernten Gletscherblick Auch das Matterhorn, wo in zwei Wochen (2.7.) der nächste Berglauf-Klassiker mit dem Gornergrat Zermatt Marathon im Wallis gestartet wird, liegt im Blickfeld der Aletsch Halbmarathon Strecke
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Und der Präsident Adi Imhof ergänzt: "Die Vorbereitung und Durchführung des Aletsch Halbmarathons ist jedes Jahr eine Herausforderung. Das Wichtigste, es ist nichts passiert. Alle sind trotz Hitze gut ins Ziel gekommen. Es macht sich doch bemerkbar, dass es zwischen 2000 und 2700 Meter nicht ganz so heiß ist wie im Tal. Das haben mir auch viele Läufer bestätigt. Beim Samstagslauf haben wir noch Luft nach oben. Wir wollen noch die Kontakte zu Jugendgruppen intensivieren, so dass wir noch mehr Nachwuchs an den Start bekommen." Und abschließend stellte Imhof, wie schon König fest: "Es hat alles super geklappt, trotz zwei Jahre Pause." Aber aus seiner Enttäuschung, dass so viele Gemeldete nicht am Start waren, machte Imhof auch keinen Hehl.

Bericht und Fotos von Winfried Stinn

Ergebnisse www.aletsch-halbmarathon.ch

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