21.6.21 - 24. Mannheimer Brückenlauf

Maske runter und über Mannheimer Brücken laufen!

Corona schwächelt - wir laufen!

von Anette Judith Scholl 

 

Die endgültige behördliche Zusage war keine 14 Tage alt, und nun freuten sich Läufer*innen und Veranstalter gleichermaßen auf einen endlich wieder "echten" Laufwettbewerb. Nachdem der ursprünglich angesetzte Brückenlauftermin im April bedingt durch die Corona-Pandemie nicht gehalten werden konnte, hielten die Veranstalter, die Sporteventagentur M3 gemeinsam mit dem Polizeisportverein Mannheim, an dem Plan zur Durchführung fest und griffen dazu eine Idee wieder auf, die schon 2018 einmal aufgekommen war: Man könnte den Mannheimer Brückenlauf auch abends starten und den Termin nun näher an den Sommer legen. So wurde der Mittsommerabend als neuer Veranstaltungstermin gefunden, und nachdem die Inzidenzzahlen in Mannheim sich in einen Senkflug begaben, konnte die Mannheimer Traditionsveranstaltung am 21. Juni starten.

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24. Mannheimer Brückenlauf, eine der ersten Sportveranstaltungen, die in diesem Jahr in Mannheim eine behördliche Genehmigung erhielt
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So ganz wie früher war es natürlich nicht, denn Christian Herbert, Geschäftsführer der Sporteventagentur M3, und sein Team, mussten ein griffiges Hygienekonzept vorlegen, um eine Genehmigung für die Veranstaltung zu erhalten. Die Teilnehmerbeschränkung auf 500 war dabei noch die harmloseste Einschränkung, während das Tragen eines medizinischen Mund- und Nasenschutzes auf dem Gelände und im Startbereich bei den gegenwärtigen Temperaturen kein Vergnügen war. "Für manche der Vorsichtsmaßnahmen hätte man möglicherweise eine Lockerung erreichen können, aber nachdem wir die Zusage der Stadt erst vor 10 Tagen erhielten, war es nun so kurzfristig nicht zu leisten, eine Anpassung des Hygienekonzeptes zu erwirken", so Jonas Schmitt von M3.

Die PSV Sportanlage in Erwartung der Teilnehmer noch bei strahlendem Sonnenschein
Eingangskontrolle - kein schönes Wort, aber eine Notwendigkeit

Die Starts erfolgten nicht zeitgleich für das gesamte Teilnehmerfeld, sondern in 20-er Blöcken und mit einigen Sekunden Abstand, Zuschauer und Besucher waren auf dem Gelände des PSV Mannheim nicht zugelassen. Und - nachdem sich schon die Fantastischen Vier einmal eingehend mit Abkürzungen befasst hatten, bleibt nun die Läufergemeinde auch davon nicht verschont: die neue Zauberformel heißt 3 G. Teilnehmen darf nur, wer Geimpft, Genesen oder Getestet ist - und auch das mit klaren Vorgaben und Nachweispflicht. So mussten alle Teilnehmer*innen und natürlich auch die Helfer und Streckenposten zunächst die Eingangskontrolle passieren, um die Einhaltung dieser Vorgaben zu belegen. Den Veranstaltern war es immerhin gelungen, noch im Vorfeld mit dem Partner test-mobil-mannheim eine kostenlose Schnelltest-Möglichkeit direkt am PSV-Gelände anzubieten, immerhin in dieser Hinsicht eine Erleichterung für alle Angemeldeten.

Die Teilnehmerliste enthielt 315 Voranmeldungen, wobei es sicher mit den Temperaturen von über 35° in der vergangenen Woche zusammenhing, dass die Zahl nicht größer war. Nachmeldungen durfte es keine geben, ein Umstand, der ebenfalls den Corona-Bedingungen geschuldet war, und der potenziell Laufbegeisterten eine kurzfristig anberaumte Teilnahme vorenthielt.

Warten auf den Start an einem schattigen Plätzchen Die United Runners of Pfalz sind mit 8 LäuferInnen vertreten

Strecke, Wetter, Ergebnisse - das alte Dies und Das

Endlich können wir mal wieder aus Läufersicht aufs Wetter schimpfen, über die Strecke fachsimpeln, manche schnelle Zeiten bewundern und die Organisation loben - was haben wir es vermisst!

Wobei man für den 24. Mannheimer Brückenlauf zunächst mal nicht nur die Top-Organisation, sondern sozusagen auch das Wetter loben muss. Während zwei Stunden vor dem Start, der ab 20 Uhr über die Bühne gehen sollte, das Thermometer bei strahlendem Sonnenschein noch 29°C zeigte, verzog sich die Sonne so ganz allmählich hinter abendliche Bewölkung, und sogar ein leichtes Lüftchen kam auf. Im Vergleich zur brütenden Hitze der vergangenen Tage waren die Wetterbedingungen gegen 20 Uhr schon ganz passabel.

Der Start wurde auf die breitere und lange Straße am Pfeifferswörth verlegt, und die Startaufstellung in 20-er Blöcken erfolgte nach der in der Anmeldung angegebenen zu erwartenden Zielzeit. Wer erst später gemeldet hatte, musste sich in die hinteren Startblöcke einordnen lassen. Christian Herbert und Jonas Schmitt von M3 achteten auf die korrekte Einhaltung der Startvorgaben, der Vorsitzende des Polizeisportvereins, Jürgen Dörr, Polizeidirektor a.D. ("das muss wirklich nicht genannt werden!" - klingt doch aber gut!) fuhr heuer das Besenrad. Im ersten Startblock dominierte die Farbe Blau, die Läufer der engelhorn sports teams TV Schriesheim, LC Haßloch und ABC Ludwigshafen standen in der ersten Reihe. Wer die Gesichter kannte, wusste schon, dass sich die Redensart "Die Letzten werden die Ersten sein" heute nicht bewahrheiten würde.

Anmeldung mit umfangreichen Teilnahmebedingungen und Hygienekonzept Die neue Realität - Startnummernabholung mit Testbestätigung auf dem Handy oder Impfausweis-Vorlage (Foto BS)

Es gab keinen Grund, an der bewährten Streckenführung etwas zu verändern, und so fand der Mannheimer Brückenlauf auch in diesem Jahr auf seiner traditionellen Strecke statt. Nach dem Start lief man entlang der Feudenheimer Straße und vorbei am Uniklinikum, bevor die Kurpfalzbrücke zu überqueren war. Auf der anderen Neckar-Seite ging es auf dem Uferweg vorbei an Theresienkrankenhaus und Fernmeldeturm. Anschließend liefen die Teilnehmer über die Riedbahn-Brücke, danach über die Schleuse Feudenheim und entlang des Neckarkanals bis auf Höhe der Carlo-Schmid-Brücke. Unterhalb dieser bog man in eine kleine Schleife in Richtung Feudenheim ein. Über die Spessartstraße, Neckarplatt und vorbei am PSV Schützenhaus gelangten die Teilnehmer schließlich zurück auf das PSV-Gelände im Pfeifferswörth und dort ins Ziel.

Die Brückenlauf-Macher Dr. Christian Herbert und Jonas Schmitt von M3 und Jürgen Dörr (Bildmitte) vom Polizeisportverein unter dem Wegweiser zur Startaufstellung, der hinaus auf die Straße führt Start mit einem Hauch Industrie-Romantik gegenüber der Spedition

Nachdem die Starts korrekt und sehr diszipliniert erfolgt waren, konnte der 24. Mannheimer Brückenlauf nach fast eineinhalb Jahren als erster Mannheimer Laufwettbewerb über die Bühne gehen, über die Brücke, besser gesagt. Genau besehen waren es sechs Brücken, die zu über- oder zu unterqueren waren, und wer den Mannheimer Brückenlauf als "schnelle Strecke" bezeichnet hatte, sollte sich selbst mal die Mühe machen, mitzulaufen. Diese ganzen Brücken brauchen Kraft und befördern eigentlich nicht das Lauftempo, und das ca. 800m lange Schotterstück auf dem Rückweg bremst ordentlich. Letzteres galt aber nicht für jede/n, denn in vielen Fällen konnte man nur staunen, welche Zeiten manche Läuferinnen und Läufer nach so langer Wettkampfabstinenz und bei dennoch drückender Wetterlage hinlegten.

Jonas Schmitt schickt die Läufer in korrektem Abstand und Zeitmodus auf die Strecke (Foto JD) Blau dominiert Startblock 1 - die Läufer vom Engelhorn Sports Team

Ergebnisse und Siegerzeiten sind nicht das einzig Wichtige

An dieser Stelle sei erwähnt, dass für die allermeisten Teilnehmer*innen das Ergebnis nicht im Vordergrund stand. "Wir freuen uns so, dass wir ENDLICH wieder mal gemeinsam laufen und an einer Laufveranstaltung teilnehmen können!" Diesen Satz oder so ähnliche konnte man in vielen Gesprächen hören, genauso wie man immer wieder herzliche Begrüßungen - natürlich auf Abstand - und freudige Gesichter - natürlich hinter Mund- und Nasenschutz-Masken - beobachten konnte, denn viele sahen sich nach Monaten und langer Zeit zum ersten Mal wieder.

Block 2 mit der späteren Siegerin Nina Heidemann Weiterer Startblock läuft los - in korrektem Abstand

Die Sieger und deren sportliche Leistung soll natürlich nicht kleingeredet werden, denn wie Esther, die freiwillige Helferin auf dem 1. Mann-Fahrrad später sagte: "…ein bisschen sportlich muss man auch schon sein, um dem Sieger in gebührendem Abstand vorneweg zu radeln!" Nach 32:38min lief Michael Chalupsky (engelhorn sports Team - TV Schriesheim) über die Zielmatte. "Ich bin sehr zufrieden, bin die Zeit quasi aus dem Training heraus gelaufen, komme gerade aus dem Trainingslager und hatte in der letzten Zeit kaum Gelegenheit, echte Tempoläufe zu trainieren." Nicht nur für ihn war es gut gelaufen, auch die weiteren drei Läufer kamen unter 33 Minuten und im blauen Trikot des engelhorn sports team ins Ziel: Marius Meyfahrt (engelhorn sports team/LC Haßloch) belegte in 32:38min Platz 2, Dritter wurde Nico Steißlinger (engelhorn sports team/ABC Ludwigshafen) in 32:50min und Vierter Maximilian Walter (engelhorn sports team - TV Schriesheim) in 32:55min.

Die Vier vom schattigen Plätzchen Erwin Hube - ältester Teilnehmer und nach wie vor mit beachtlicher Zielzeit

Auch auf die Frauen-Siegerin musste man nicht lange warten: Als Gesamt-Zwölfte und nach 36:11min lief Nina Heidemann (TSV Amicitia Viernheim) ins Ziel. "Mit so einer Zeit habe ich gar nicht gerechnet. Ich hatte mir eine 38-er Zeit vorgenommen und bin total erstaunt, wie gut es lief!" Die Zwanzigjährige kennt zwar ein wenig die Gegend, weil sie bei Roche in Mannheim eine Ausbildung zur Chemielaborantin absolviert, aber die Laufstrecke war neu für sie. Dasselbe galt für die Zweite, ihre 18-jährige Schwester Kim Heidemann (TSV Amicitia Viernheim), die nach 39:25min die Ziellinie überquerte. Kim fand, es war eine schnelle Strecke. "Es war für mich mein erster 10km-Wettkampf überhaupt, und ich bin super zufrieden, bin richtig gut durchgekommen!" Dritte Frau wurde Jasmin Volz (TV Rheinau 1893), die offenbar "unbeschadet" durch die wettkampffreie Zeit gekommen war. Mit einem Ergebnis von 42:57min konnte die 24-jährige Medizinstudentin aus Mannheim ihr läuferisches Niveau im Aufwärtstrend bestätigen.

Getränkestelle bei km 5 auf der gegenüber liegenden Neckarseite (Foto JD) Kurpfalzbrücke (Foto JD)

Stimmungen, Eindrücke, ein Danke und ein Ausblick

Am Ende hatten 235 Läufer*innen die Ziellinie überquert. Als weitere Corona-bedingte Einschränkung konnte es keine Siegerehrung geben, und in der Ergebnisliste verzichtete man auf die Einteilung in Altersklassen, während das Ausdrucken einer Urkunde über die Webseite möglich war.

LaufReport-Kollegin Birgit Schillinger fand die Strecke "anspruchsvoll, aber nicht schnell, dafür 150 Meter zur kurz", was ihr Ergebnis von 47:05min auch ohne den dokumentierten Sieg in der gedachten W55 nicht weniger beachtlich macht. Sie genoss die Stimmung am Neckarufer gerade in Richtung Feuerwache, wo viele Menschen am Streckenrand waren, um die Läufer*innen anzufeuern. Kurz vor ihr war Berthold Mehlmann, Jahrgang 1954, (Stimmel Sports Worms) ins Ziel gelaufen, und mit einem Ergebnis von 47:00min wäre er in der M65 auf dem Treppchen gestanden. Klar gewonnen aber hätte Werner Burkhardt (LT Rheinhessen-Pfalz), die M65 in 44:18min, aber da er sowieso jeden Lauf mitnimmt, wird ihm dieser Erfolg vermutlich bald anderweitig vergönnt sein.

Michael Chalupsky vom engelhorn sports Team - TV Schriesheim siegt in 32:38 min Zielverpflegung mit freiwilligen Helfern in internationaler Besetzung

Andrea Pascher aus Weinheim (LT Rückenwind) hatte sich spät zur Teilnahme entschlossen und war in einem der letzten Startblöcke gestartet. "Ein tolles Gefühl während des ganzen Laufs: Man fühlt sich so schnell, weil man ständig andere Läufer überholt!" Genauso dürfte es Dirk Karl (TSV 1886 Kandel) ergangen sein, denn er war ähnlich weit hinten gestartet und dürfte vor seinem Zieleinlauf nach 43:00min und als 48. gesamt gut und gern 150 Leute überholt haben. Erwin Hube (TV Schwetzingen) war wie so oft mit seiner Zeit (56:00min) nicht wirklich zufrieden, denn wohl hat er wieder ignoriert, dass er mit Jahrgang 1939 ältester Teilnehmer war und von einigen der 68 Läufer*innen, die nach ihm über die Zielmatte liefen, für seine Zeit bewundert wurde.

Trotz zunehmender Bewölkung endete der Brückenlauf im Trockenen, und kurz danach zeigte sich der Abendhimmel über dem PSV Gelände in leuchtender Farbenpracht.

Die schnellste Frau Nina Heidemann vom TSV Amicitia Viernheim läuft nach 36:11 min ins Ziel
Als zweite Frau erreicht die 18-jährige Kim Heidemann (links), ebenfalls vom TSV Amicitia Viernheim hinter ihrer Schwester Nina das Ziel

Insgesamt war es trotz aller Einschränkungen eine gelungene Veranstaltung, was dem Orga-Team der M3 Sporteventagentur in Kooperation mit dem PSV Mannheim zu verdanken war, die noch dazu an der Planung der Veranstaltung festgehalten hatten und wohl die Hoffnung nicht aufgaben, dass eine Durchführung möglich ist. Die Zahl der Anmeldungen sprach für sich, und das bei einer Anmeldegebühr von satten 25€. "Wir hatten in der Vergangenheit durch den Dämmermarathon subventionierte Anmelde-Optionen und nun durch die vermehrten Auflagen und den deutlich höheren Vorbereitungsaufwand auch höhere Kosten.", so Jonas Schmitt. Kaum zu glauben, dass es auch - und zwar aktuell - Veranstaltungen gibt, bei denen ein 10km Start für 8€ Startgebühr zu haben ist.

Dominik und Esther gut gelaunt als Helfer im Einsatz Dirk Karl (268) vom TSV 1886 Kandel und Werner Burkhardt vom LT Rheinhessen-Pfalz gut gelaunt als Läufer dabei
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Alle waren happy, endlich wieder an einem Laufwettbewerb unter fast "normalen" Bedingungen teilnehmen zu können. Die Startgebühren sind dennoch ein Aspekt, der für zukünftige Mannheimer Brückenläufe überdacht werden sollte. Ganz anders sieht es vielleicht für die Startzeit an einem Abend aus, noch dazu, wie es hier der Fall war, an einem Wochentag wie z.B. Montag. Es gefällt den Mannheimern offenbar (und nicht nur ihnen): Laufen in die Dämmerung hinein. Das ist doch eine gute Idee, die auch für künftige Veranstaltungen reizvoll sein könnte. Und für die bevorstehende 25. Auflage wäre der Neckarbrückenblues der Monnemer Rockröhre Joy Flemming die passende musikalische Untermalung zur Abendstimmung, wenn Mannheimer und Nicht-Mannheimer "iwwa die Brick" laufen.

Bericht und Fotos von Anette Judith Scholl
3 Fotos von Jürgen Dörr (JD) & 1 Foto von Birgit Schillinger (BS)

Ergebnisse www.brueckenlauf-mannheim.de

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