12. - 13.6.21 - 31. Frankfurter Lauf am Riedstadion

Normalität in Maßen: "Hallo, ich bin ein Volkslauf!"

von Markus Heidl 

"Hallo, kennt ihr mich noch? Es ist ja schon eine Weile her. Darf ich mich entsprechend kurz vorstellen? Ich bin ein Volkslauf. Eine Veranstaltung, die früher - insbesondere im Rhein-Main-Gebiet mit der Fülle an unterschiedlichen Angeboten - als selbstverständlich angesehen wurde. Heutzutage bin ich das nicht mehr. Der letzte meiner Art war der Frankfurter Halbmarathon Anfang März 2020, bevor ein kleines Virus unsere schöne kleine Welt völlig auf den Kopf gestellt hat. Früher, in den guten, alten Zeiten, gab es so viele Veranstaltungen meiner Art, dass es gar Cups oder Serienwertungen brauchte, um Läuferinnen und Läufer zum Kommen zu motivieren. Da wurde unter meinesgleichen konkurriert! Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, da freut sich der gemeine Läufer über jede Form von Wettkampfadrenalin. Lange Monate war es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, überhaupt eine Startmöglichkeit zu finden. Sei es für die Motivation im Training, sei es um abseits der gewohnten Pfade zu laufen, oder sei es, um überhaupt mal wieder Gas zu geben und dafür endlich mal wieder die eingestaubten Carbonschuhe auszupacken. Nun, ich wünsche euch viel Spaß. Und mir selbst wünsche ich, im nächsten Jahr etwas weniger besonders zu sein. So ganz exponiert fühle ich mich dann doch nicht 100-prozentig wohl."

Stets mit dabei: der Mund-Nasen-Schutz, um die Ansteckungsgefahr vor dem Start zu minimieren Endlich wieder gemeinsam für Wettkämpfe erwärmen, bald wird sicher auch wieder gemeinsam gelaufen!
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Zurück zur Normalität, zurück zum Alten?

Nun, so ganz Unrecht hat er nicht, unser lieber Volkslauf. Der 31. Frankfurter Lauf am Riedstadion nahm nach langer Zeit ohne Volksläufe die exponierte Rolle ein, Vorreiter zu sein. Es war der erste Versuch eines Wettkampfs im größeren Umkreis, der nicht der Elite vorbehalten war. Entsprechend stand die Veranstaltung im Fokus besonderer Aufmerksamkeit.

 

So galt es, lieber Vorsicht als Nachsicht walten zu lassen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich großes Unglück in der Vergangenheit durch einfache Sicherheitsmaßnahmen hätte verhindert werden können.

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Aus dem Stadion hinaus und im Wald auf die Strecke Mit Schwung in den Wald: Dank vieler Helfer:innen und bester Streckenmarkierung war Verlaufen unmöglich

Das Konzept der SG Enkheim sah entsprechend vor, dass, ganz abgesehen davon, dass selbstverständlich nur absolut Gesunde am Start erscheinen sollten, sich nur wenige Menschen überhaupt vor Ort begegnen. Der Lauf wurde über zwei Tage gestreckt:

 

ab Samstagmorgen bis zum Sonntagabend gab es Stundenblöcke, jeweils mit einer halben Stunde zeitlich voneinander getrennt, in denen wiederum nur alle 30 Sekunden jemand auf die Laufstrecke geschickt wurde. Ganz ähnlich einem Zeitfahren im Radsport also. Ein guter Kompromiss aus Wettkampfadrenalin und der Minimierung des Ansteckungsrisikos. Gerne sehen wir den Lauf auch gleich dem Prolog einer Tour de France wie ein Vorspiel für die Rennen, für die der 31. Frankfurter Lauf am Riedstadion den Weg bahnt. Die immer größere Zahl der Geimpften lässt zumindest hoffen, dass bald auch wieder Massenstarts möglich sein werden und die vierte Welle hoffentlich verhindert werden kann. Die Marathons von Berlin und Münster beispielsweise planen bereits wieder mit großen Teilnehmerfeldern.

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Michael Ramershoven auf dem Weg zu einer 50'55 Lars Gerbig wird Dritter in der MJU18 Rainer Hofmeister von der LT Rheinhessen-Pfalz gewinnt die M65

Auf zum Riedbad!

Zunächst aber zum Hier und Jetzt: "Auf zum Riedbad!" hieß es ab den Morgenstunden des 12. Juni 2021, wo in angenehmem Abstand zum Leichtathletikstadion mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem eigenen PKW angereist werden konnte.

 

Dann musste die Entscheidung gefällt werden, ob man nicht lieber ins Freibad ginge, die Temperaturen hätten es zumindest zugelassen. Das Wetter bescherte allen Läuferinnen und Läufern ein Hochsommerwochenende, auf das wahrscheinlich viele weitere folgen werden. Der Wald, durch den die schöne Strecke führte, verwandelte sich in eine Art Urwald und war entsprechend wohl temperiert. Idyllisch blieben gleichwohl die drei Seen, die während des 10-km-Laufs umrundet wurden. Im Angebot waren außerdem auch 2,5 und 5 km, die allerdings mit Wendepunkten versehen waren.

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Davide Nicolini hat als gelber Blitz gute Laune Holger Delles gibt dem Lauf am Riedstadion beide Daumen nach oben, was die Kamera leider nicht einfangen konnte Frederic Fender knackt die 40-Minuten-Marke

Bevor es ans Laufen ging, konnten diejenigen, die ihre Startnummer noch nicht im Vorfeld abgeholt hatten, dies im Stadion nachholen. War die Startzeit erreicht, ging es ins Stadion und auf der Tartanbahn zum Anfang der Gegengeraden, wo eine Uhr rückwärts zählte und wie im Wintersport mit einem Pieps den individuellen Startschuss gab. Nach dreihundert Metern auf dem Stadionoval ging es dann hinaus in den Wald. Fast ausschließlich auf Schotterwegen aber durch das Blätterdach vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt ging es dann um die bereits erwähnten Seen, charakteristisch war außerdem die doppelt zu überquerende Autobahnbrücke, die den müden Oberschenkeln alles abverlangten.

Obwohl keine Getränke ausgeschrieben waren, standen nach Streckenhälfte Flaschen auf einem Tisch, allerdings Corona-konform zugeschraubt, sodass sich das Zugreifen gut überlegt werden musste. Im Zweifel hieß es, sich auf die üppige Zielverpflegung zu freuen. Besonders auffällig waren die vielen Helfer der SG Enkheim. Denn wie drückte es Moderator Artur Schmidt treffend aus? "Für einen Lauf braucht es erst einmal einen Veranstalter!"

Markus Ullrich erinnert mit seinem Style an Patrick Lange Jamie Obier auf dem Weg zu einer 42'17, die schließlich Gesamtrang 13 bedeuten

Danke an die SG Enkheim

Umso schöner war es, dass der Lauf am Riedstadion aller aktuellen Widrigkeiten zum Trotz stattfinden konnte. Thorsten Dussa war für unseren Volkslauf das Gesicht der SG Enkheim, die insgesamt mit 120 Helfern großen Aufwand betrieb. Immerhin ging es nicht um einen Sonntagvormittag mit Auf- und Abbau, sondern um das volle Programm vom frühen Samstagmorgen bis in die sonntäglichen Abendstunden. Thorsten selbst, der zum Glück von keinen unvorhergesehenen Komplikationen zu berichten wusste, wollte erst alles auf dem richtigen Weg wissen. Statt als Erster ging er erst später am Samstag auf die Strecke. In die Siegerliste trug er sich mit 48:45 Minuten ein.

Für ein erstes Ausrufezeichen sorgte aus dem ersten Startblock heraus Berno Hildebrand, der die nach IAAF-Regeln offiziell vermessene und somit bestenlistenfähige Strecke nach exakt 34:00 min absolviert hatte. Gleich im zweiten Startblock allerdings wurde diese starke Zeit gleich doppelt unterboten: Robert Unger (Spiridon Frankfurt) belohnte sich für sein konsequentes Training des vergangenen Jahres mit einer neuen persönlichen Bestzeit von 33'45, während Marius Lau von der LG Eintracht Frankfurt noch eine weitere Ecke schneller unterwegs war: 32:50 wurden für den aufstrebenden Triathleten gestoppt, der sich bereits in der Vorbereitung für die geplante Langdistanz im Sommer befindet. Ohne die vielen Radkilometer ist er in Laufschuhen sogar zu noch schnelleren Zeiten fähig, seine Bestzeit lief er mit 31'50 bei der Jügesheimer Winterlaufserie.

Marius Lau läuft über 10 km mit 32'50 die schnellste Zeit des Wochenendes Robert Unger (#72) wird Zweiter über 10 km. Oliver Kreuzberg läuft doppelt und wird Zweiter über 5 km und Achter über 10 km

Bei den Frauen wiederum legte Irena Ambrozova (SK Sverak) eine Zeit von 41'39 vor, an die zunächst nur wenige herankamen. Jamie Obier (Altra Red Team, 42'17), Annika Rahner (Eintracht Frankfurt Triathlon, 42'41) und Anke Werner vom ASC Darmstadt (42'10) blieben knapp dahinter. Dann griff Franziska Baist (SGK Bad Homburg), die Mainlaufcupsiegerin der letzten beiden Austragungen, ins Wettkampfgeschehen ein und drückte die Marke auf beachtliche 37'20. Auch Markus Heidl (Spiridon Frankfurt), der mit Franziska gemeinsam auf dem Mainlaufcup-Siegertreppchen gestanden hatte, war mittlerweile gelaufen, hatte aber keinen guten Tag erwischt. Gesprächsstoff gab es dennoch, Moderator Artur Schmidt konnte er im Interview von seinem kürzlich erschienenen Buch (im LaufReport bereits besprochen) berichten.

Gosia Plaszek wird Zweite in der W35 Julia Böhm belegt Rang 8 in der weiblichen Hauptklasse

Ein Lauf über zwei Tage

Die ersten Zeiten, die es über die 5 km zu unterbieten galt, legten Clara Hanisch (Spiridon Frankfurt, 23'57), Klara Binsteiner (MTV Kronberg) und Annalena Hamburger (SSC Hanau-Rodenbach) sowie Jakob Quentin (18'23), Johannes Gemmerich (TV Waldstraße Wiesbaden, 17'59) und Till Binsteiner (MTV Kronberg, 18'17) vor. Karl Sippel (Spiridon Frankfurt, 10'53) lief die 2,5 km als Erster unter elf Minuten. Sarah Waldeck (11'26) und Linus Glattbach (11'23) vom heimischen SG Enkheim legten ebenso vor.

So ging es weiter: ein Volkslauf über volle zwei Tage. Zwei Mal zehn Stunden, Block für Block, Läuferin für Läufer. Mal in knalliger Sonne, mal leicht bewölkt, mal mit mehr, mal mit weniger Wind.

Auf den 2,5 km lief Matti Haas von der TSG Limbach als erster unter zehn Minuten: 9:39 min. Eine Zeit, die nicht mehr unterboten werden sollte. Auch Maximilian Krill vom TGS Niederrodenbach blieb mit 9'58 noch unter der Marke, blieb aber hinter Matti zurück. Als letzte Starterin lief Luise Brzoska mit 10'25 die schnellste Zeit bei den Mädchen. Emilia Wagern (TV Preungesheim, 10'38) lief vor Mia Naboon (TGS Niederrodenbach, 10'42) auf Rang zwei.

Thorsten Dussa steht nicht nur als Name für die Veranstaltung, sondern läuft auch selbst 10 km LaufReporter Markus Heidl hat das Jahr ohne Wettkämpfe (und LaufReporte darüber) dafür genutzt, ein Buch zu schreiben
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Auf den fünf Kilometern war am Ende Lear Borst von der TSG Limbach die Schnellste. Mit ihrer Zeit von 19'55 lag sie nur fünf Sekunden vor Iris Rautenberg (Spiridon Frankfurt, 20'00), die nach langer, verletzungsbedingter Wettkampfabstinenz ihren Wiedereinstieg gab: "Da musste ich natürlich auch alle Anfängerfehler wiederholen: ich bin viel zu schnell los!". Rang drei sicherte sich mit nur einer Sekunde Vorsprung Annalena Hamburger (SSC Hanau-Rodenbach, 21'03) vor Nell Kollmeyer Coelho (TV Preungesheim, 21'04).

Auch bei den Männern ging es über die kurze Langstrecke heiß her: die schnellste Zeit lieferte schließlich Jan Künne (Eintracht Frankfurt Triathlon) mit 16'11 ab. Oliver Kreuzberg (CISM Bundeswehr), der über die 10 km Rang 8 mit 35'26 belegte, folgte mit 16'15 knapp dahinter. Auch Simon Christoph Krause (Diezer TSK Oranien) blieb mit 16'50 genauso unter 17 Minuten wie der am Ende Viertplatzierte Jakob Breinlinger (Team Nikar Heidelberg, 16'57).

Über die 10 km konnten die schnellen Zeiten von Marius, Robert, Berno und Franziska nicht mehr unterboten werden. Linus Herzog (Eintracht Frankfurt, 34'53) und Fassil Kebede Dessie (SSC Hanau-Rodenbach, 34'55) blieben noch unter 35 Minuten, Lena Becker (TGV Schotten, 39'31) und Nicole Munzert (39'41) unter der magischen 40-Minuten-Grenze.

Und dann sprangen am Sonntagabend die live-Ergebnisse zur finalen Ergebnisliste um. Nach langer Wettkampfpause ein schöner Wiedereinstieg, ein erster Lichtblick und Motivation für das Training im Sommer. Mit der Hoffnung, die nächste Welle abwenden zu können bedanken wir uns sehr herzlich bei der SG Enkheim für den 31. Frankfurter Lauf am Riedstadion!

Bericht und Fotos von Markus Heidl

Ergebnisse www.volkslauf.de - Infos frankfurterlauf.sgenkheim.de

Übersicht aller Rosbacher Main-Lauf-Cup Veranstaltungen hier

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Bitte laufen Sie rechts ran!
Träume eines Läuferlebens von Markus Heidl
Verlag: Books on Demand - Erscheinungsdatum: 12.04.2021
306 Seiten, Paperback
Preis: 11,99€ inkl. MwSt. / portofrei
ISBN-13: 9783753424170
Im Internet unter www.bod.de/buchshop

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