6.6.21 - IRT-Park-Early Summer Special in Föhren

Langer Lauftag für Bestenlisten

von Holger Teusch 

155 Läufer aller Leistungs- und Alterskategorien durften am ersten Juni-Sonntag im Industriepark Region Trier über 5 km und 10 km zeigen, wie schnell sie sind. Die Zeiten beim IRT-Park Early Summer Special genannten Training mit Wettkampfsimulation gelten für die Bestenlisten.

 

Berlin und Dresden bekommen Gesellschaft in den deutschen Jahresbestenlisten im Straßenlauf. Aufwendig organisiert, vor allem was den Zeitablauf betrifft, bot die LG Meulenwald Föhren (LGM) am ersten Juni-Sonntag im Industriepark Region Trier (IRT) die Möglichkeit im Straßenlauf bestenlistenreife Leistungen zu erzielen. Nicht nur der Elite, sondern für alle Leistungs- und Altersklassen. Nicht in einem Wettkampf im eigentlichen Sinne. Denn nach den in Rheinland-Pfalz geltenden Corona-Regeln dürfen nur jeweils 20 Athleten gemeinsam Sport treiben.

Banner anklicken - informieren
LR-Info z. Outdoorfestival Draussen am See HIER

Im hohen Gras war der Fahrradweg, der zur Laufstrecke wurde von weiten manchmal nur schwer zu sehen. Im Hintergrund Bekond, einer der drei Orten, der an den Industriepark Region Trier (IRT) grenzt Raheb Rahimi von der LG Laacher See (links/42:25) und Peter Hertle vom VfL Waldbreitbach (41:34) hatten offensichtlich Spaß mal wieder gemeinsam zu laufen
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Darauf fußt das Konzept: Maximal 20 Läufer gingen gleichzeitig auf die flache Strecke durch den IRT. Am Start musste jeder auf einem der in 1,50 Meter Abstand auf die Straße gemalten Kreuze stehen. Vorab waren die Läufer bereits nach ihrem Leistungsvermögen eingeteilt worden. Erst wenn alle Teilnehmer eines Zeitlaufs im Ziel waren wurde das nächste Rennen gestartet.

 

Der LGM-Vorsitzende Wolfram Braun und sein Team hatten den Zeitplan genau ausgetüftelt. Die Starts erfolgten auf die Minute wie geplant. Wer das Ziel erreicht hatte, ging vielleicht noch Auslaufen und fuhr dann nach Hause. Siegerehrungen gab es nur für die drei allerschnellsten Frauen und Männer, aber nicht für die Altersklassen. Das wäre auch schwer möglich gewesen, weil man dann bis zum letzten Rennen hätte warten müssen. Aber so wenig Menschen wie möglich gleichzeitig vor Ort zu haben war ja das Ziel des Konzepts. Außerdem musste sich jeder vorab anmelden und ein maximal 24 Stunden altes, negatives Corona-Testergebnis (alternativ vollständige Impfung oder überstandene Erkrankung) nachweisen.

Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zum Fiducia & GAD
Baden-Marathon Karlsruhe HIER

Streckenpläne studieren war angesagt, denn beim IRT-Frühsommerlauf gab es diesmal keine Führungsfahrradfahrer Wolfram Braun gab neunmal beim Start die entsprechenden Anweisungen: Jeder Läufer steht an auf einem mit einem Kreuz markierten Punkt mit 1,5 Meter Abstand zu allen anderen

Ähnlich - damals noch ohne die mittlerweile vorhandenen Testmöglichkeiten - hatte die LGM um ihren Vorsitzenden Wolfram Braun schon Ende August 2020 den Straßenlauf wieder aufleben lassen. Damals waren 30 Sportler gleichzeitig erlaubt.

 

Einer davon war Moritz Beinlich. Der 24-Jährige, der 2019 die letzte Auflage der Deutschen Halbmarathon-Meisterschaften gewonnen hatte, benötigte vor zehn Monaten 32:16 Minuten. Diesmal reichte eine knapp eine Minute bessere Zeit (31:22) nicht für das beste Resultat. Das erzielte nämlich Alexander Bock mit 31:06 Minuten.

Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zum Bottwartal Marathon HIER

Der Trainingspartner des ehemaligen Köln-Marathon-Gewinners (2018) Tobias Blum beim LC Rehlingen verfehlte damit seine sechs Jahre alte persönliche Bestzeit nur um 18 Sekunden. Super zufrieden sei er. Zumal er erst wieder seit einigen Wochen richtig im Training sei, erklärte Bock.

Alexander Bock vom LC Rehlingen war in 31:06 Minuten über 10 km 16 Sekunden schneller als der letzte deutsche Halbmarathonmeister Moritz Beinlich (LG Rhein-Wied), der mit 31:22 Minuten aber sehr zufrieden war Das Bild zeigt, dass auf den flachen Wegen rund um und durch das IRT-Gelände nicht taktiert, sondern aufs Tempo gedrückt wurde Martin Siebenborn (Hamburg Running) blieb als dritter Läufer unter 32 Minuten. 31:52 Minuten bedeuten Bestzeit für den Mathematik-Professor

Der 28-Jährige war außerdem der ideale Tempomacher für Beinlich. "Mit Bocki zu laufen macht Bock", sagte dieser. Er habe versucht zwischenzeitlich auch etwas im Wind zu laufen, aber spätestens nach sechs Kilometern zog der Saarländer davon. Zufrieden war Beinlich, der von 2017 bis 2020 für die LG Telis Finanz Regensburg startete, dann aber in den elterlichen Betrieb (für landwirtschaftliche Bewässerung in Ulmen in der Eifel) einstieg und zur LG Rhein-Wied zurückkehrte, trotzdem. 31:30 Minuten habe er im Vorfeld für realistisch gehalten. Das ist zwar zwei Minuten über seiner 10-km-Bestzeit von 29:33 Minuten, aber Laufen steht für ihn nicht mehr im Mittelpunkt. Während der Woche sind die Ausflüge durch die Eifellandschaft Ausgleich. Nur am Wochenende habe es etwas mit Training zu tun. Auf der Bahn sei er bisher aber noch nicht gewesen, erzählte der deutsche 5000-Meter-Jugendmeister von 2015.

Jens Bäss vom TV Waldstraße Wiesbaden war in 34:08 Minuten Schnellster der Altersklasse M45 Ziemlich locker und kraftvoll sah es aus, wie der ehemalige Junioren-Nationalmannschaftstriathlet Giulio Ehses die viertschnellste 10-km-Zeit von 32:07 Minuten erzielte M40-Senior Kai Merten von der TG Konz lief tolle 32:44 Minuten über 10 km

Drittschnellster war Martin Siebenborn von Hamburg Running, in 31:52 Minuten erstmals unter 32 Minuten. Der ebenfalls aus der Eifel stammende Mathematiker führte die Verfolgergruppe an. Der 34-Jährige war als Jugendlicher eher auf den Sprintstrecken zu Hause, war unter anderem Rheinlandmeister mit der 4 x 100-Meter-Staffel der LG Bitburg-Prüm bei den Unter-16-Jährigen. Beim IRT-Frühsommerlauf ließ er unter anderem den ehemaligen Triathlon-Nachwuchsnationalkaderathleten Giulio Ehses hinter sich. Der 21-Jährige vom PST Trier konzentriert sich momentan auch coronabedingt mehr aufs Laufen und hat sich bereits über 5000 Meter für die Deutschen U23-Junioren-Meisterschaften qualifiziert. Auf dem IRT-Parcours lief er 32:07 Minuten über 10 km. Nur zwei Sekunden langsamer war M35-Senior Kevin Bohn (#48 Losch Luxembourg). Auch Ehses' Vereinskamerad Andreas Theobald war mit 32:12 Minuten 33 Sekunden schneller als bei seinem zweiten Platz vor neun Monaten.

Lotta Schlund war als schnellste Frau zufrieden mit aus dem Training heraus erzielten 37:40 Minuten Tolle Zeit für einen M55-Läufer: Reiner Zender (LC Rehlingen) lief 36:24 Minuten Katharina Welker vom LC Rehlingen lief als zweitschnellste Frau 38:28 Minuten

Bei den Masters über 40 Jahre erzielte Kai Merten (TG Konz) in 32:44 Minuten das beste Resultat. Schnellster U20-Jugendlicher war Jan Thewes (LSG Schmelz-Hüttersdorf/ 34:00). M45-Athlet Jens Bäss (TV Waldstraße Wiesbaden/ 34:08), M55-Läufer Reiner Zender (LC Rehlingen/ 36:24), M50er Norbert Schneider (Rhein-Berg Runners/ 37:15), Willi Jöxen von der LG Vulkaneifel mit 39:47 Minuten in der M60 rundeten die guten Zeiten in den Altersklassen ab.

Lotta Schlund vom PST Trier erzielte als schnellste Frau nach eigener Aussage ihre 37:40 Minuten aus dem Mittelstreckentraining heraus. Mit Katharina Welker (LC Rehlingen/ 38:28) und Michelle Bauer (LT Schweich/ 39:39) blieben zwei weitere Frauen unter 40 Minuten.

Die vom 800-Meter-Spezialisten Damian Gindorf vom PST Trier angeführte Verfolgergruppe im schnellsten 5-km-Lauf passiert den großen Kreisverkehr im IRT Andrei Markelov machte beim Training unter Wettkampf-Bedingungen offensichtlich seine ersten Volkslauf-Erfahrungen in Sandalen

Die prominenteste Starterin gab es über 5 km mit Susanne Hahn. Noch mehr als über ihre 17:52 Minuten freute sich die zweimalige Marathon-Olympia-Teilnehmerin (Peking 2008 und London 2012) über ihren ältesten Sohn Michael. Der Zehnjährige verbesserte sich um rund zwei auf 18:56 Minuten. Zweitschnellste Frau hinter der mittlerweile 43 Jahre alten Susanne Hahn war Celine Schneider. Die knapp 17-Jährige verbesserte sich auf 18:42 Minuten. Ihr Vater Norbert, der später noch über 10 km startete, machte Tempo. Angereist war das Duo aus Scheven in der Nordeifel umweltfreundlich mit der Eifelbahn und E-Bike. Auf der knapp 15 km langen Radfahrt vom Bahnhof im Trierer Stadtteil Ehrang erlebte Celine eine Schrecksekunde als die junge Läuferin stürzte. Außer einer dreckverschmierten Hose verlief der Unfall aber offensichtlich glimpflich.

Ließen sich auch ein noch so kleines und ungewöhnliches Treffen mit Lauffreunden natürlich nicht nehmen: LVR-Laufwart Klaus Jahnz und Roland Wesche von der LG Laacher See Endlich wieder eine Möglichkeit für ganz junge und junggebliebene Läuferinnen ihr Können zu beweisen: W55-Läuferin Bettina Bopp vom LC Rehlingen (21:56 Minuten) und U14-Läuferin Emma Regina Schmidt vom TV Hermeskeil (21:55)

Als schnellster Mann war Leander Fink auf den ersten beiden Kilometern sogar auf Kurs zu einer Zeit unter 15 Minuten. Doch der ab und zu etwas auffrischende Wind machte es auf den langen Geraden zuweilen schwerer. Am Ende stoppte die elektronische Zeitmessung für den erst 20 Jahre alten Berglaufspezialisten vom TV Alzey nach 15:37 Minuten. Triathlet Nicolas Krämer von der LG Vulkaneifel war nur sieben Sekunden langsamer. In der nächsten Gruppe machte Damian Gindorf vom PST Trier viel Tempo. Nur sein Vereinskamerad Abraham Wirtz war in 16:32 Minuten am Ende schneller als der Mittelstreckler, der kürzlich erstmals unter zwei Minute über 800 Meter gelaufen war. Yves Schaack lief mit 16:38 Minuten die gleiche Zeit wie Damian Gindorf.

Michael Hahn (Meckenheimer SV), Jahrgang 2010 und der älteste Sohn von Marathon-Olympia-Teilnehmerin Susanne Hahn, lief die 5 km in 18:56 Minuten. Celine Schneider (LAZ Puma Rhein-Sieg/18:42) lag mit Vater Norbert (18:49) am Ende knapp davor Immer noch drahtig und schnell ist die vielfache Deutsche Meisterin Susanne Hahn, die mittlerweile für den Meckenheimer SV startet. In Föhren lief die Marathon-Olympia-Teilnehmerin von 2008 und 2012 die 5 km in 17:52 Minuten Leander Fink vom TV Alzey lief die zwei Runden (= 5 km) in 15:37 Minuten Christoph Hörter vom TuS Framersheim war über 5 km in exakt 17 Minuten Schnellster der Unter-18-Jährigen
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

So eine Möglichkeit, sein Können unter Beweis zu stellen, ist auch für Altersklassenläufer wichtig, betonte der M45-Schnellste Jens Bäss vom TV Waldstraße Wiesbaden nach seinem Rennen. Viele hätten schon aufgehört oder trainierten nicht mehr leistungsorientiert. Das gelte auch für den Nachwuchs, betonte Bäss, der bei seinem Verein auch als Trainer engagiert ist. Mit 19 anderen Läufern durch leere Straßen und über Radwege zu rennen sei zwar nicht das, was man sich erträume, "aber besser als nichts", lobte er die Initiative der LG Meulenwald Föhren.

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Infos www.lg-meulenwald-foehren.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung