22.6.21 - 44. Darmstädter Stadtlauf

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wer zu früh kommt, auch!

von Constanze & Walter Wagner

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Nachdem die letztjährige Austragung des zweitältesten Stadtlaufs in Deutschland nur virtuell stattfinden konnte, stand glücklicherweise einer hybriden Fortsetzung in diesem Jahr nichts im Wege. Unter Einhaltung angemessener Hygiene- und Durchführungsbestimmungen gab die Behörde grünes Licht fürs reale Laufen im Zentrum der Universitätsstadt. Musste man anderorts noch vom eigentlichen Kurs in die Peripherie, sprich Wald und Flur, ausweichen, blieb es in Darmstadt beim dreieinhalb Runden Kurs durch die Einkaufsmeilen.

 

Zurück also auf den Originalkurs, aber längst noch nicht zur alten Normalität. Von den am gleichen Tag von Hessens Ministerpräsident verkündeten Lockerungen hatten die Macher des Traditionslaufs noch nichts, denn erst ab Freitag fiel die Genehmigungspflicht für Läufe mit bis zu 500 Teilnehmern.

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Darmstadt läuft wieder. Zum Start des realen Stadtlauf seit zwei Jahren überreicht Veranstaltungschef und Stadtlaufinitiator Wilfried Raatz die Nr. 1 an Laufathlet Jürgen Zehnder. Die Laufbegeisterung war, wie hier bei Franziska Gimbel, nicht zu übersehen
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Kurzum, der Stadtlauftermin war etwas früh oder die Lockerungen im Bundesland kamen einen Tick zu spät, denn die hätten vor allem den Unentschlossenen das Mehr an Sicherheit vermittelt, die es braucht, um sich wieder unter Leute zu wagen. Gewiss war es für Teilnahmewillige überraschend, dass sich nirgends entlang der Strecke bedrohliche Menschenansammlungen bildeten. Zwar schien die Außengastronomie einigermaßen Zuspruch zu finden und letzte Schnäppchenjäger eilten aus den Geschäften, doch die Spuren des langanhaltenden Lock-down sind allgegenwärtig.

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Der Weg zurück zur Normalität könnte noch lang und schwierig oder gar eine unendliche Geschichte werden.

Einen Darmstädter Stadtlauf ohne Herbert Siefert hat es noch nie gegeben. Der 1. Vorsitzende der LG Odenwald gewinnt bei seiner 44. Teilnahme die M65 Elisabeth Straßner ist seit 2003 bei jedem Darmstädter Stadtlauf dabei gewesen - sie gewinnt die W60 Jürgen Zanger kennt man beim Stadtlauf als Startmoderator. Diesmal lief er selbst und nach überstandenem Schlaganfall auf Platz 2 der M60. An seiner Seite Gattin Heike auf dem Weg zum dritten Rang in der W50

Die Durchführung des 44. Darmstädter Stadtlaufs ist ein Aufbäumen. Und sich nicht gänzlich zu beugen, muss der Organisation hoch angerechnet werden. Denn das dreistufige Eventkonzept versprach eines sicher nicht, dass damit ein finanzieller Überschuss zu erzielen sei. Zudem zeigte sich ein weiteres Mal, welche Veränderungen sich in der Laufszene nach eineinhalb Jahren Pandemie vollzogen haben. Da ist die unterschwellige Angst, sich zu infizieren. Hinzu kommen ein Mangel an Fitness sowie der Verlust an Routine. Doch ist die Startnummer endlich am Trikot, ist die größte Hürde genommen. Was folgt sind längst überwunden geglaubte Anfängerfehler, denn gar so schnell wie vermutet lassen sich Rennkilometer oft gar nicht mehr abspulen.

Es gab 2 Läufe, die jeweils in kleinschrittigen Startwellen auf die 5 km lange Originalstrecke in der Innenstadt geschickt wurden

Der beinahe normal stattfindende reale Stadtlauf war ein Event mit viel organisatorischem Aufwand, trotz stark reduziertem Programm. Der Ablauf mit nur zwei Läufen, die jeweils in mehreren Startwellen losliefen, sorgte für den erwünschten Abstand. Dabei war auch in Darmstadt die Teilnahme an die drei G geknüpft, nachweislich genesen, negativ getestet oder durchgeimpft war Voraussetzung. Der Startbereich auf dem Ludwigsplatz war abgeriegelt, der Zugang mit Sicherheitspersonal geregelt. Die Laufstrecke abgegittert, der Zielbereich auf dem Luisenplatz wiederum gesichert und vom ehemaligen Spitzenleichtathleten Michael Heist überschaubar moderiert, immerhin gilt es dreimal am Ziel vorbei zu laufen und erst beim vierten Anlauf zu finishen, dazu die professionelle Zeitnahme, die erforderlichen Helfer*innen vor allem entlang der Strecke, gilt es diese doch ständig frei zu halten.

Das Ziel am Luisenplatz wird drei Mal passiert bevor es zu seiner eigentlichen Bestimmung am Ende des 5 km langen Kurses wird

Eine weitere Begebenheit war verantwortlich für das stark reduzierte Alltagstreiben im Stadtkern. Es herrschten lauffreundliche Temperaturen. Gut beraten war man bei zunehmender Abenddämmerung mit einer Jacke. Zwar regnete es nicht, doch eine gewisse Niederschlagsneigung war gegeben und hielt bestimmt Zaungäste ab. Ob der Stadtlauf letztendlich zu einer Belebung Darmstadts an diesem Dienstagabend beitrug oder Bummelnde vertrieb, bleibt Spekulation. Dem angestammten Mittwochstermin war man, wie schon des Öfteren in der langjährigen Geschichte, ausgewichen, um König Fußball das Feld zu räumen.

Die 3 erweiterte Runden führen über den Luisenplatz mit Ludwigsmonument ... ... durch das Carree ... ... und vor dem weißen Turm auf dem Ernst Ludwig Platz vorbei

Ein Rennen von dem man lange zehren kann

Endlich hallte wieder ein Startschuss durch die Einkaufsmeile und Jürgen Zehnder aus Riedstadt übernahm sogleich die Führungsposition. Freilich konnte er nur seinen Startpulk kontrollieren, die Nettozeitmessung ließ den Läufern der weiteren Wellen und des folgenden zweiten Laufs jedwede Möglichkeit zum Sieg. Doch trug der 46jährige zurecht die Startnummer 1, wenngleich er im Ziel mit Blick auf seine Uhr vermutete: "17:13, das wird nicht reichen." Doch damit lag der amtierende deutsche M45-Crossmeister falsch, dessen Titelgewinn am 7. März 2020 in Sindelfingen zugleich sein bis dato letzter Wettkampf geblieben war. Vom Sieg in Darmstadt kann er zehren, ist Zehnder zuversichtlich. Für ihn war es eine willkommene Unterbrechung vom Homeoffice.

Auch die Treppenpassage an der Piazza lässt Herzen höher schlagen Und 3x geht es erst bergauf, um die St. Ludwig Kirche mit ihrer markanten Kuppel herum und wieder bergab Richtung Luisenplatz

Nicoló Cogno wurde in 17:47 min Zweiter gefolgt von Benedikt Ernst, der als Dritter in 18:00 min zudem den 2. Platz in der M45 feiern konnte. Adrian Hausding war als U18-Sieger in 18:16 min letzter männlicher Teilnehmer, der es im indirekten Vergleich vor der schnellsten Läuferin ins Ziel schaffte.

Adrian Hausding gewinnt die MJU18 Maleen von Kries (29) ist schnellste der WUJ16 und Kerstin von Kries wird 2. der W50

Im zweiten Lauf galt Jule Behrens klar als Favoritin. Dass diese in ihrem enormen Wettkampfprogramm nur mit ihrer Mutter Alex Rechel laufen wolle, änderte an der Erwartung ihres Sieges eigentlich nichts. Tatsächlich liefen die Beiden dann doch recht locker auf bekanntem Asphalt, mal dachte man, sie wollten dem vorweg laufenden Daniel Neuroth aufrollen, was absehbar schien. Dann wieder, sie würden lieber etwas verzögern und die 15jährige Lina Bohländer "ziehen" wollen. Über welches Potential die Nachwuchsathletin Behrens verfügt, ließ sie auf der letzten Runde ab dem Ludwigsplatz aufblitzen. Bis zum Ziel war ihr Vorsprung gewaltig. In 18:39 min siegte sie und ließ doch noch Daniel Neuroth (19:08) hinter sich. Bei den Frauen wurde Lina Bohländer in 19:14 min Zweite. Alex Rechel erreichte, an der Hand ihre jüngste Tochter, in 19:33 min die Ziellinie als Drittplatzierte.

Schnelles Trio female (v. l.): Alex Rechel (1. W45), Jule Behrens (1.WJU20) und Lina Bohländer (1. WJU18) Stefanie Hock gewinnt die W55 Simona Schledt-Zahn, 1. W50, und Andreas Weinert, 5. M50, gemeinsam bis ins Ziel unterwegs

Die 18jährige Jule Behrens zählt zu den besten deutschen Nachwuchskräften sowohl auf Mittelstrecken als auch im Triathlon. Im laufenden Monat holte sie sich bereits eine Goldmedaille bei den Triathlon-Europameisterschaften in Kitzbühel und qualifizierte sich obendrein bei Deutschen Langstreckenmeisterschaften über 5000 m in persönlicher Bestzeit von 16:32,74 min für die U20-LA-Europameisterschaft Mitte Juli in Tallinn. Dabei wird es für die Abiturientin immer komplizierter beide Sportkarrieren unter einen Hut zu bekommen. Denn der Qualifikationswettbewerb für die Teilnahme an der Triathlon-Sprint-Weltmeisterschaft, die am 15. Oktober auf den Bermudas ausgetragen wird, findet am gleichen Wochenende statt. Kaum weniger exotisch das Saisonziel der Mama, die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii.

Jürgen Zehnder ist der real schnellste Mann ... ... Jule Behrens die real schnellste Frau beim hybriden 44. Darmstädter Stadtlauf

Lina Bohländer, für die LG Odenwald startend, ein großes Talent der TSG Bad König blieb etwas über ihrer Bestzeit von 18:53 min. Geboren 2005, kommt sie bereits auf 10 Laufjahre. Der drei Jahre älteren Konkurrentin zu unterliegen, damit hatte sie gerechnet, konnte sich aber lange an dem Mutter-Tochter-Gespann orientieren und empfand dies als Vorteil. Auch die Schülerin nennt eine Reihe von Laufbewerben auf der Bahn und auf der Straße, die hoffentlich alle wie geplant stattfinden können. Mehrfach wurde der Panorama-Lauf in Oberzehnt-Rothenberg am 4. Juli genannt, wo es bestenlistenfähige Läufe über 10 und 5 Kilometer geben wird.

Riese & Müller stellte einmal mehr nicht nur die Führungsradfahrer, die trotz Elektromotor-Option Abschnitte der Strecke mit Manpower bewältigten ... ... auch nahmen wieder zahlreiche Mitarbeiter beim 44. Darmstädter Stadtlauf per pedes teil Real dabei und als Moderator zugange, der 2. Vorsitzende Sport Michael Heist, hier mit Till Lufft (2. Vorsitzender zbV), der sich das Livegeschehen rund um den 44. Darmstädter Stadtlauf nicht engehen ließ

Zurück zum dreistufigen Event-Konzept. Beim virtuellen Kräftevergleich lieferten die ASC Darmstadt Athlet*innen Jan Zoller in 17:51 min und Simone Raatz in 17:56 min die besten Resultate ab. Mit Elias Jargon (18:55) und Emma Waßmer (19:21) folgten weitere ASC-ler, die somit auch bei der realen Austragung helfen konnten. Markus Plett aus der Schweiz war mit 20:21 der beste ausländische Starter im Fernduell.

Das beliebte Bad in der Menge war Kindern in diesem Jahr wiederum nicht möglich, doch gab es mit der 2000m Schüler-Challenge eine indirekte Teilnahme im Rahmen des Sportunterrichts bzw. des Vereinstrainings.

Laufbegeisterung bis zum Schluss - Patrick Schneider erreicht mit viel Applaus das Ziel in der Abenddämmerung Zahlreiche Helfer*innen trugen zur Realisierung des 44. Darmstädter Stadtlaufs bei - und zum finalen Zielabbau. 2022 wird dann hoffentlich wieder zu einem "normalen" Stadtlauf ausgepackt und aufgebaut
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Michael Heist, 2. Vorsitzender Sport des ASC Darmstadt, sah in der kurzen Zeitspanne von der Genehmigung bis zum Veranstaltungstag und der allgemeinen Unsicherheit die entscheidenden Ursachen für eine doch unter den Erwartungen gebliebenen Teilnahme am realen Lauf. Dass man ab Freitag in Hessen für Veranstaltungen bis 500 Teilnehmende im Freien gar keine Genehmigung mehr braucht, war für den Stadtlauf ein zu spät kommendes Signal. Seitens der Organisation wurde alles getan, um trotz der besonderen Pandemie-Bedingungen allen eine richtige Teilnahme zu ermöglichen. Dafür zollte man allgemein Dank. Möge die 45. Austragung die beiden letzten Corona-Varianten in Vergessenheit geraten lassen und das kommende Jahr wieder das gewohnt zahlreiche Läufertreffen zulassen.

Bericht von Constanze & Walter Wagner

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