8.5.22 - 15. Dünsberglauf in Biebertal-Fellingshausen

Rekordjagd "Auf den Spuren der Kelten"

von Helmut Serowy 

Zwei Bergkegel - gekrönt von den Ruinen der Burgen Vetzberg und Gleiberg - und der 497 Meter hohe Dünsberg erheben sich markant aus der weithin übersehbaren Landschaft nordwestlich von Gießen. Etappenziel des inzwischen 15. Dünsberglaufes ist der hoch über den Gipfel ragende Fernmeldeturm.

Die 10-km-Starter müssen vom Start auf dem Waldsportplatz in Fellingshausen bis zum Gipfel 285 Höhenmeter überwinden. Anschließend führen sie teils heftige Gefällstrecken wieder zum Start-Ziel-Bereich am Fuße des Dünsberges zurück.

Am Fuße des Dünsberg starten die Läufer die Tour ... ... auf auf den Keltengipfel
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Ihr Weg führt sie durch historisch bedeutsames Gelände. Gut erhaltene Reste von drei mächtigen Ringwall-Anlagen aus verschiedenen Jahrhunderten mit vorgelagerten Spitzgräben und insgesamt 14 Tordurchlässen erinnern noch heute an die Kelten, die hier früher siedelten. Die Errichtung des obersten und mächtigsten, acht Meter breiten, Ringwalles wird auf die Spätbronzezeit (Urnenfelderzeit) um 800 v. Chr. datiert.

Die beiden unteren Ringwälle aus dem 3. und 1. Jahrhundert v. Chr. umschlossen und schützten das 90 Hektar umfassende "Opposium Dünsberg" mit seinen zahlreichen podienartigen Terrassenflächen am Berghang. Die Länge der drei Ringwälle beläuft sich auf zehn Kilometer. Zu ihrer Errichtung mussten 700.000 Tonnen Erde, Steine und Holz herbeigeschafft werden. Über weite Strecken sind die einst bis zu fünf Meter hohen Wälle noch heute begehbar.

Die Kelten-Siedlung am Dünsberg zählte zu den wichtigsten städtischen Zentren der Keltenzeit nördlich des Mains. Um die Zeitenwende erlangte sie ihre bedeutendsten Ausmaße. Organisierte Ausgrabungen und die gefundenen Gegenstände deuten darauf hin, dass am Dünsberg rund 2000 Menschen lebten. Durch das Eisenerz der Region, das fruchtbare Gießener Becken und die Wetterau sowie die Salzgewinnung im heutigen Bad Nauheim erlebten die Kelten am Dünsberg eine wirtschaftliche Blütezeit. Selbst eigene Münzprägungen sind bekannt.

Der Dünsberg gilt inzwischen zu einem der Zentren keltischer Siedlungstätigkeit im gesamten deutschen Mittelgebirgsraum. Ausgrabungen haben hier zudem das späteste keltische Fundmaterial ans Tageslicht gefördert. Damit ist davon auszugehen, dass sich am Dünsberg eine der letzten keltischen Stätten auf dem europäischen Festland befunden hat.

Der Nachbau eines Keltentors mit dahinter errichteten Keltengehöften erinnert an das historische Erbe am Dünsberg Erste Steigung auf dem Elisabethenpfad

 

Das Ende der Siedlung bleibt weiterhin rätselhaft. Lanzenspitzen, Schildbeschläge, Pferdegeschirre, die bei seit 1999 laufenden Grabungen gefunden wurden, deuten auf militärische Auseinandersetzungen mit den Römern hin. Sie gelten als bedeutsamere Fundausbeute als die von Kalkriese bei Osnabrück - dem vermutlichen Schauplatz der Varusschlacht. Dass die Römer am Dünsberg allerdings siegreich blieben, zeigt sich im nahegelegenen Waldgirmes an der Lahn. Dort wurde die älteste römische Zivilsiedlung nördlich der Alpen freigelegt.

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Heute führt ein Archäologischer Lehrpfad über den Dünsberg. Er startet an einem rekonstruierten Tangential- oder Zangentor am Fuße des Dünsberges, hinter dem zusätzlich ein Keltengehöft - ein Bauernhaus mit zwei Nebengebäuden (Speicher- und Wirtschaftsbauten nachempfunden) - errichtet wurde. Das Hauptgebäude dient als Informations-Zentrum.

Der Lauf-Treff Biebertal hatte den Dünsberg bereits in früheren Jahren als interessantes Gelände für einen Berglauf mit dem Ziel auf dem Gipfel entdeckt. Das 25-jährige Jubiläum der offiziellen Vereinsgründung war Anlass, den Dünsberglauf im Jahre 2006 auf neuer Strecke wieder zum Leben zu erwecken. Start und Ziel liegen nun aber in Fellingshausen am Fuße des Dünsbergs. Nach passieren des Gipfels heißt es damit für die Starter, anschließend in flotter Fahrt wieder zu Tale zu sausen.

Hinter dem enteilten Lorenz Rau formieren sich die Verfolger (v.li) Arnfried vom Hofe, Erik Büchele, Timo Biedenkapp, Niklas Raffin W50-Siegerin Renate Meinel (33) führt eine große Gruppe im Mittelfeld an

Corona hatte auch den Dünsberglauf für zwei Jahre lahmgelegt. Das Hoffen, den 15. Dünsberglauf endlich 2022 durchführen zu können, lohnte sich für die rührigen Veranstalter. Wohlgesonnen waren Organisatoren und den über 160 Startern auch die Götter.

 

Strahlender Sonnenschein, optimale Laufbedingungen und nach unendliche langer Zeit auch wieder ein anschließendes Treffen bei Kaffee und Kuchen auf dem Waldsportplatz in Fellingshausen genossen alle Anwesenden.

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Mit dem Dünsberglauf als zweitem Wettbewerb nimmt auch wieder die Laufserie um den Mittelhessen-Cup Fahrt auf. Gewertet wird das Rennen zudem für den HLV-Lauf-Cup, den der Hessische Leichtathletik-Verband zu seinem 75-jährigen Jubiläum ausgeschrieben hat.

10 Kilometer (4,5 keltische Leugen)

Nach dem Start auf dem Sportgelände in Fellingshausen verläuft die Strecke des Dünsberglaufes überwiegend entlang der Ringwälle der ehemaligen Keltenstadt. Er hat eine Länge von 4,5 keltischen Leugen (10 km) und einen Höhenunterschied von 285 m. Über den Elisabethenpfad - auf dem die Heilige Elisabeth von Marburg kommend zum Kloster Altenberg bei Wetzlar gewandert sein soll - führt die Strecke an historischen Ausgrabungsstätten, beeindruckenden Holzskulpturen und der Verpflegungsstelle Schulborn vorbei zur Gipfelraststätte. Von dort geht es in teilweise rasanten Abfahrten wieder zurück zum Waldsportplatz.

Beim letzten Dünsberglauf 2019 schrammte Andreas Straßner vom Team Naunheim - der zwei Wochen zuvor als weltweit viertschnellster Läufer den Wings for Life World Run in Rio de Janeiro gewonnen hatte und später mit dem 50-km-Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes bei den Weltmeisterschaften im rumänischen Brasov die Silbermedaille holte - nach einer schnellen Trainingseinheit mit 34:27 min knapp am Streckenrekord vorbei.

Lorenz Rau stürmt zum Streckenrekord über 10 km Erneut erreicht Niklas Raffin das Ziel als Zweiter Arnfried vom Hofe gewinnt als Dritter die M30 Stark präsentiert sich in der M55 Johannes Hafer als Gesamt-12. im Ziel

Der favorisierte Lorenz Rau von der Läuferhochburg ASC Breidenbach - hessischer Vizemeister auf der Mittelstrecke im Crosslauf und beim 10-km-Straßenlauf - brachte die Voraussetzungen für eine Steigerung der Bestmarke mit. Er stürmte auch gleich nach dem Start auf der Steigung des Elisabethenpfades dem schnell auseinander gezogenen Feld davon und jagte auf der finalen Bergab-Passage und der zusätzlichen Runde auf dem Sportgelände einer neuen Rekordzeit entgegen. Diese erkämpfte er sich schließlich mit beachtlichen 33:57 min.

Hinter dem überlegenen Sieger Lorenz Rau bildete sich in der Verfolgung ein Quartett. Aus diesem löste sich Niklas Raffin vom TSV Krofdorf-Gleiberg. Der Zweite des letzten Dünsberglaufes verteidigte diese Platzierung mit 35:32 min erfolgreich. Enger wurde die Entscheidung um die Bronzemedaille. Das Duell entschied der hessische Meister im10-km-Straßenlauf der M30 - Arnfried vom Hofe vom VfL Marburg - mit 36:18 min vor Erik Büchele vom TSV Krofdorf-Gleiberg (36:18 min) für sich. Timo Biedenkapp (Schunk läuft) gewann als Fünfter die M35 in 37:11 min vor Johannes Kohlhepp (VfL Marburg, 38:17 min).

Stark präsentierte sich als Zwölfter Johannes Hafer aus Wetzlar als schnellster M55-Starter mit 41:46 min. Ihm an den Fersen klebte M45-Sieger Sebastian Hucht vom TV Watzenborn-Steinberg (42:04 min). Flott unterwegs waren auch die stärksten Läufer der M50 und der M60, Thomas Förster vom TV Wetzlar (42:23 min) und Peter Büchele vom TSV Krofdorf-Gleiberg (42:29 min). Die M40 führte der vereinslose Thomas Rhein (47:45 min) an.

Peter Büchele eilt in der M60 einem weiteren Erfolg entgegen Lokalmatador Harald Schick verteidigt in der M65 seinen Titel Die M70 kontrolliert Helmut Seifert Trotz gebremsten Tempo gewinnt Otto Jatsch die M75

Lokalmatador Harald Schick vom Lauf-Treff Biebertal wiederholte in der M65 seinen Sieg vom letzten Dünsberglauf mit 50:06 min. In der M70 überzeugte Helmut Seifert vom LLT Wallernhausen mit 53:12 min. Otto Jatsch vom Team Naunheim lag trotz ruhigem Tempo in der M75 mit 53:51 min vorne.

Im Frauen-Rennen bildeten anfangs Karin Hahnfeld vom MTV Gießen und Veronika Wesp vom TSV Krofdorf-Gleiberg ein Tandem. Die W45-Starterin Karin Hahnfeld setzte sich allerdings bereits vor der Gipfel-Querung etwas ab und siegte letztlich überlegen in 45:13 min. Veronika Wesp - durch mehrere längere Trainingsausfälle ausgebremst - war mit ihren 46:24 min als Zweite und Siegerin der W35 ebenfalls hochzufrieden. Das Siegerpodest vervollständigte die zweite W35-Läuferin Annemarie Riedel vom TV Watzenborn-Steinberg nach 49:13 min.

Auf den Plätzen vier und fünf landeten die schnellsten Starterinnen der W40, Kerstin Schmitz vom RVW Gambach (50:48 min) und Viktoria Hofmann vom SV Kirchvers (51:15 min), gefolgt von der zweiten Läuferin der W35, Lisa Fehrentz vom Lauf-Treff Dutenhofen (51:47 min).

Karin Hahnfeld (W45) jubelt über den Frauensieg über 10 km Nach längerer Pause ist Veronika Wesp (W35) mit dem zweiten Platz zufrieden Annemarie Riedel (W35) erkämpft sich "Bronze" Starke W65-Läuferin ist Petra Schladitz

Weit vorne platzierten sich die starken Seniorinnen. Petra Schladitz vom TV Kesselbach glänzte mit 56:04 min in der W65. Hedwig Riehl vom SV Erfurtshausen (56:39 min) führte die W60 an und Elke Rudel-Alber von der LGV Marathon Gießen (56:37 min) lag in der W55 in Front. Marianne Domes vom SV Dodenhausen - aktuelle Hessenmeisterin der W70 im Berg-, Cross- und 10-km-Straßenlauf - hielt sich auch am Dünsberg mit 57:09 min hervorragend und erreichte das Ziel knapp vor W50-Siegerin Renate Meinel vom Treiser LWT (57:15 min). Den ersten Platz in der W30 belegte Katharina Rinn vom Team Naunheim (59:04 min).

6 Kilometer (2,7 keltische Leugen)

Gemeinsam mit den 10-km-Läufer wurden auch die "Jedermänner und -frauen" mit den Walkern und Nordic-Walkern auf die ebenfalls kräftezehrende 6-km-Runde um den Dünsberg geschickt. Ihnen blieb allerdings die heftige Steigung zum Gipfel erspart. Am Schulborn, nach drei Kilometern, brauchten sie nicht abzubiegen. Nach einem weiteren, kürzeren Anstieg konnten sie auf der langen Abfahrt zum Ziel die Bremsen lösen. Auf die Langstreckler wartete hingegen auf einer Wendepunkt-Strecke noch die härteste Steigung zum Gipfel.

Der vereinslose Niclas Zimmer hielt hier mit flotten 22:15 min seinen Verfolger Jakob Möller vom VfL Marburg in Schach, der die Ziellinie nach 22:43 min überquerte. Das packende Duell um den dritten Rang entschied Daniele Dentico erst auf der Sportplatz-Runde mit 26:12 min vor Manuel Kuypers (26:37 min) für sich. M70-Senior Lothar Barth finishte nach 35:54 min.

Über 6 km stürmt Niclas Zimmer dem Sieg entgegen Den zweiten Rang sichert sich Jakob Möller Die Frauen-Konkurrenz führt Julia Altrup als Gesamtdritte an Mit Schwung zum zweiten Platz - Davina Bohn
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Die Frauen-Konkurrenz hatte die frühere 800-m-Spezialistin Julia Altrup vom VfL Marburg - die sich 2019 noch den 800-m-Titel bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften holte - unter Kontrolle. Inzwischen nicht mehr leistungsorientiert unterwegs, gewann sie die 2,7 keltischen Leugen in 24:48 min vor Davina Bohn (Sportshop Schäfer Runningteam, 25:11 min). Im Gesamteinlauf schafften beide die Plätze drei und vier. Lena Weber sprang mit 27:11 min auf das dritte Siegertreppchen.

Bericht und Fotos von Helmut Serowy

Ergebnisse my.raceresult.com Infos www.lt-biebertal.de

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