29.5. - 25.7.21 - Ultra-Cross-Challenge des TV Goldbach

1. Laufwochenende 29./30. Mai 2021

von Thomas Disser 

Ultra-Cross-Challenge! Oder auch UCC, wie man in der Trail-Szene sagen würde. Das klingt doch sehr vielversprechend, anspruchsvoll, herausfordernd, anstrengend. Klingt also nach Goldbach. Nur diesmal nicht in der bekannten und sehr beliebten Form des 10-km-Wintercross, bei dem nicht nur Cross draufsteht, sondern meistens auch enthalten ist. Dank milder Wintermonate gerne mit reichlich Matschepampe versehen.

 

Jetzt geht es erstmals Ende Mai zu einer Laufveranstaltung auf die Strecke. Wie bestellt regnet es in den Wochen zuvor genügend, dass es bestimmt auch wieder Matschpassagen zu bewältigen gibt. Noch dazu in Halbmarathon- beziehungsweise in Marathonlänge.

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Stell Dir vor, es ist Marathon und keiner geht hin? Ganz so war es nicht. Jeder konnte starten, wann er mochte Frühlingscross statt Wintercross
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"Eine echte Herausforderung" heißt es in der Ausschreibung. Ganz bestimmt. Bis zu dreimal, jeweils für einen Lauf am letzten Wochenende im Mai, Juni und Juli dürfen sich die Teilnehmer auf die Strecke begeben. Je nach Lust darf man die Distanz wählen. Ebenso, ob man lieber Samstag oder Sonntag startet. Wer am Ende in die "Goldbacher Cross Grand Slam"-Wertung will, braucht mindestens 80 Kilometer, also zweimal Halb- und einmal die Marathondistanz. Gerne darf es auch etwas mehr sein, 2 Marathons und ein Halber sind auch erlaubt. Athleten mit drei Marathons erreichen zudem noch die Ultra Cross-Challenge Trophy. Wow!

 

Gleich nach Bekanntwerden an Günther Wenzel und seinem Orga-Team geschrieben. Die Jungs freuen sich sehr, endlich wieder einen Lauf zu organisieren, wenn auch in Pandemie-Version. Bedauern aber, dass sie uns nicht zum Start an der Strecke begrüßen dürfen. Das wäre allerdings auch eine längere Angelegenheit, da die Aktiven sich auch die Startzeit aussuchen können. So starten die ersten am Samstag früh um 6, die letzten um 15 Uhr. Gleiches Spiel erneut am Sonntag. Das wäre auch Günther nicht zuzumuten, täglich 9 Stunden lang Startschüsse abzugeben.

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La Ola vom Chef persönlich: Günther Wenzel an der Strecke begrüßt jeden Teilnehmer Da geht's lang: links die Hasen, rechts die Läufer

Durch das Limit von 50 Startern pro Wochenende gibt es garantiert keine Probleme wegen Coronaviren. Im Gegenteil, frischere Luft als Samstag- oder Sonntagmorgen im Goldbacher Wald dürfte kaum zu atmen sein. 42 Starter haben sich bis zum Meldeschluss am Freitag angemeldet, 13 Marathonis und 29 über die Halbmarathondistanz.
Rund 500 Höhenmeter für den halben und gut 900 für den ganze Marathon. Eine Dimension, die in unseren Breiten kaum angeboten wird. Für mich bisher noch nie auf dieser Distanz. Nach eigenen Trainingsaufzeichnungen ist sowas auch nicht ernsthaft vorgesehen. Mal sehen, wie das trotzdem klappt.

 

Das kühle Regenwetter der vergangenen Tage ist vorbei und es darf wettkampfgerecht in kurzem Dress angetreten werden. Egal, in welchem Tempo die Strecke gelaufen wird. Wärmende Kleidungsschichten wären sowieso nicht geeignet, spätestens bei der ersten Steigung müsste die obere Schicht entsorgt werden. Da es reichlich Steigungen gibt, wird sich daran nichts ändern. Der Streckenplan von oben in der bekannten Schleifchenform zeigt nicht, wie oft es rauf und runter gehen wird. Wohl aber das Streckenprofil, von Timo Schreck eigens für den Event erstellt. Das wird ein Spaß.

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Rund 20 Laufinfizierte stehen jeweils für Samstag und Sonntag auf der Liste. Wie oft sich Mann oder Frau auf der 8,5 km langen Strecke begegnen? Dazu noch die flexiblen Startzeiten. Wird es wenigstens ein Beweisfoto für diese Laufveranstaltung geben? Ja, wird es, sogar mehrere. Fünf Minuten nach meinem persönlichen Startschuss, bei dem ich mangels Streckensprecher den Countdown selbst laut runterzähle, läuft mir Susanne Anders vom veranstaltenden Verein TV Goldbach über den Weg. Im wahrsten Sinne, sie ist auf der letzten Runde ihres Halbmarathons. Bin also doch nicht alleine unterwegs. Ein gutes Gefühl.

Eine kurze Rast auf der Apostelbank und die Aussicht genießen? Heute nicht Erste Läuferin gesichtet: Susanne Anders vom TV Goldbach beim Halbmarathon

Die Goldbach-Stammkunden kennen ihre Strecke mit verbundenen Augen. Wobei das bei diesem Profil und Wurzelwerk doch keine gute Idee wäre. Ich brauche die zahlreichen Hinweisschilder, besonders auf den ersten beiden von insgesamt fünf zu laufenden Runden. Grüne Schilder im grünen Wald, das klappt trotzdem gut und nach dem gelben Pfeil scannt man irgendwann den Wald ab. Einmal falle ich doch rein und laufe eine kleine Schleife doppelt, merke das aber gleich, als ich das km 6-Schild der Wintercross-Strecke innerhalb weniger Minuten zweimal passiere. Na gut, ein knapper Kilometer mehr wird jetzt auch kein Drama sein. Glücklicherweise kommt später die Idee, in der letzten Runde genau die Schleife wegzulassen. Bin sie dann ja schließlich auch fünfmal gelaufen.

Begegnungen mit weiteren Läufern gibt es überraschenderweise doch, gerade auf den Stücken mit Gegenverkehr begrüßt man sich mit "Hallo, auch bei der Challenge dabei?" und ich kann sogar ein Beweisfoto schießen. Das klappt allerdings einmal nicht. Die Beiden sind einfach zu schnell unterwegs. Julia Hoff, Topläuferin des TV Goldbach, 2020 Bayerische Meisterin der Klasse W U23 über 1500 m und Bronzemedaillen-Gewinnerin über 800 m, und Marcel Brand von der LG Landkreis Aschaffenburg. Lächeln bei diesem Tempo, das klappt nur bei richtig fitten Athleten. Dank der Streckenführung dauert es nicht lange, bis sie mich einholen und mir vor die Linse kommen.

Grüne Schilder im grünen Wald: nach der ersten Extraschleife passt man besser auf Gas geben und dabei lächeln, das können nur Top-Talente wie Julia Hoff vom TV Goldbach und Marcel Brand von der LG Landkreis Aschaffenburg

Weitere Bekannte der regionalen Laufszene tauchen auf, man grüßt und wünscht sich einen schönen Lauf. Schön ist die Strecke wirklich, das Wetter perfekt für einen Marathonlauf durch den frisch-grünen Wald. Die Matschpassagen gehören auch dazu, Cross eben. An einer Stelle besonders herausfordernd: Horse-Cross. Eine ordentliche Portion Pferdemist, mitten auf dem Weg an einer engen Matsch-Stelle. Welcher Weg vorbei ist der Beste? Oder einfach drüber springen? Bei jeder Runde wird eine andere Variante getestet. Die schlechteste war das Drüberspringen. Ein Heer von Schmeißfliegen schreckt ekligerweise auf und summt um die kurzbehosten Beine, begibt sich aber gottlob wieder schnell zurück an den wohl besser schmeckenden Mittagstisch.

Nicht nur Läufer, sondern auch ein Fan ist zu sehen. Ein ganz Besonderer: Günther Wenzel. Offiziell 2. Vorsitzender PR/Marketing des TV Goldbach. Als "Mister Wintercross" könnte man ihn auch bezeichnen, steht er doch seit vielen Jahren mit Herzblut an Start und Ziel. Er kennt all seine Läufer und begrüßt sie in Pandemie-freier Zeit mit Handschlag vor dem Start. Er lässt es sich nicht nehmen, seine Athleten auch heute auf der Strecke zu begrüßen. Ich freue mich sehr, seine Ein-Mann-la-Ola-Welle zu sehen und natürlich mit ihm zu plaudern. Er kann Positives berichten. Der Zuspruch zu dieser Veranstaltung ist so motivierend, dass es sie nach der Pandemie vielleicht ein weiteres Mal gibt. Ganz sicher machen Günther und sein Team etwas daraus.

Jörg Abke von der SG Strietwald, heute Halbmarathonläufer und ansonsten LaufReport-Leser Bernie Schneider und Jogi Reising von der TSG Kleinostheim: Wasserflasche deponiert und los ging´s zum Halbmarathon Thorsten Reß vom TV Goldbach auf Marathonkurs

Ein breiter Streifen Kahlschlag, der Rest ist gut bewaldet. Das hat jetzt nichts mit meiner Kopfbehaarung zu tun, sondern mit der Laufstrecke. Bis auf wenige Meter läuft man immer schön schattig. Das wird bei den nächsten beiden Austragungen Ende Juni und Juli von weit größerer Bedeutung sein als heute. Diesmal sind die Bedingungen einfach perfekt.

Sehr froh, nun in die letzte der fünf Runden zu starten, wird das private Getränkedepot an der Strecke geleert. Bernie und Jogi von der TSG Kleinostheim beginnen gerade ihren Halbmarathonlauf. Schön, nochmal Athleten zu treffen. Die beiden sind schnell außer Sichtweite, was natürlich meiner Langsamkeit geschuldet ist. Aber durch die Schleifen-Strecke sieht man sich doch wieder. Gerne erinnere ich mich nun daran, die doppelt gelaufene kleine Extrarunde des ersten Umlaufs nun wieder abzuziehen. Waren zwar gerade mal 700 Meter, aber die müssen jetzt nicht nochmal als Zugabe sein. Die GPS-Aufzeichnung passt gut, es war ein richtiger Marathon. Die Ziellinie wird wie immer freudestrahlend erreicht.

Das Kreuz mit der Kreuzhöhe. Genau das tat weh auf der letzten Runde Keine weiteren Finisher in Sicht, war wohl zu langsam. Dann muss es ein Selfie vom Autor sein
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In den nächsten Tagen wird das Orga-Team die Ergebnisse auf die Vereinsseite stellen. Alles auf Vertrauensbasis, da jeder für seine Zeitmessung selbst verantwortlich zeichnet. Für mich kein Problem. Auch wenn es diesmal der bisher langsamste Marathon war, eben auch mit den meisten Höhenmetern. Nein, nur beim Medoc ging es noch langsamer. Aber dort kamen statt der Höhenmeter einige Gläschen Rotwein dazwischen.

Bericht und Fotos von Thomas Disser

Infos und Ergebnisse www.tv-goldbach.de

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