29.5. - 30.5.21 - Team-Europameisterschaft in Chorzów (Polen)

Unglaublich, aber wahr.

von Jens Priedemuth 

Direkt zu den Ergebnissen der Team-Europameisterschaft 2021 in Chorzów (Polen) HIER

Mit dem undankbaren vierten Platz kehrten die deutschen Leichtathleten vom Team-Europacup aus dem polnischen Chorzow heim. Bei der letzten Auflage (2019 in Bydgoszcz) landete die DLV-Equipe hinter Polen noch auf dem Silber-Rang.

 

Und auch diesmal hatten die Gastgeber die Nase vorne. Sie verteidigten ihren Titel mit 181,5 Punkten erfolgreich gegen eine junge italienische Mannschaft (179 Pkt.), die erstmals in der Geschichte des Europa-Cups aufs Treppchen kam. Bronze ging an Großbritannien & Nordirland (174 Pkt.).

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In Summe waren sechs Disziplin-Siege (jeweils drei bei den Männern sowie Frauen) bei insgesamt 40 Disziplinen einfach zu wenig, um weiter vorne zu landen. Hinzu kam auch noch eine Portion Pech, nachdem die favorisierte Frauenstaffel nicht ins Ziel kam und Martin Grau (3000 m) sowie Mittelstrecklerin Christina Hering (LG Stadtwerke München/ 2. über 800 Meter) disqualifiziert wurden. Da blieben schon einige Zähler im wahrsten Sinne des Wortes "auf der Strecke". Aber auch andere Nationen hatten Ausfälle. So musste die starke Männer-Staffel der Briten über 4x400 Meter aufgeben.

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1500 Meter Männer

Der Deutsche Robert Farken siegt überraschend beim 1500 m Lauf vor dem Sapnier Jesús Gómez und dem Polen Michal Rozmys

Fangen wir aber mit einer Überraschung an. Robert Farken (SC DHfK Leipzig) konnte sich über 1500 Meter gegen von der Papierform her stärkere Gegner durchsetzen. Mit knapp 72 Sekunden wurde die erste Runde sehr gemütlich angelaufen. Auch die 800-Meter-Zwischenzeit war mit 2:22,50 Minuten eher "Jogging-Tempo". Die 1000 Meter wurden in 2:52 Minuten passiert, ehe das Tempo dann etwas angezogen wurde.

 

Mit einer dann ziemlich flotten Schlussrunde machte Farken dann nach insgesamt 3:56,64 Minuten den Sieg klar und setzte sich knapp gegen Jesus Gomez (ESP/3:56,79 min.) und Michal Rozmys (POL/3:57,13 min.) durch.

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800 Meter Männer

Der Brite Jake Wightman gewinnt das 800 Meter Rennen vor dem Spanier Mariano Garcia und dem Polen Mateusz Borkowski. DLV-Athlet Marc Reuther wurde gemeinsam mit dem Franzosen Nasredine Khatir Fünfter

Über 800 Meter stand Marc Reuther auf der Bahn. Der Italiener Simone Barontini schleppte das Feld in nicht übermäßig flotten 52,83 Sekunden über die erste Runde. Kein Wunder, dass die sieben Läufer hier alle auch noch dicht zusammen lagen. Auf der Gegengeraden wurde das Tempo dann angezogen und in der Zielkurve nochmals verschärft. Hier konnte Reuther nicht mehr richtig mitgehen und teilte sich am Ende für ihn sicherlich enttäuschenden 1:47,74 Minuten den fünften Platz mit dem Franzosen Nasredine Khatir. An der Spitze ließ der Brite Jake Wightman mit 1:45,71 Minuten nichts anbrennen. Dahinter folgten Mariano Garcia (ESP/1:46,45 min.) und Mateusz Borkowski (POL/1:46,66 min.).

3000 Meter Hindernis Männer

Im 3000 Meter Hindernisrennen gewinnt der Spanier Fernando Carro vor Mehdi Belhadj aus Frankreich und Osama Zoghlami aus Italien. Karl Bebendorf läuft für Deutschland auf Platz 5

Nach seinem "Fast-Deutschen-Rekord" über die selten angebotenen 2000 Meter Hindernis beim Anhalt-Meeting in Dessau wollte sich Karl Bebendorf (Dresdner SC) in Chorzow mit schnellem Rennen über die echte Hindernis-Distanz eigentlich für Tokio empfehlen. Das gelang nur bedingt, denn für den Sachsen blieb mit 8:40,93 Minuten nur der fünfte Platz. Es war aber eine enge Angelegenheit, trennten die ersten fünf Läufer lediglich 1,26 Sekunden. Die volle Punktzahl für sein Land holte der Spanier Fernando Carro (8:39,67 min.), der von Mehdi Belhadj (FRA/8:40,03 min.) und Osama Zoghlami (ITA/8:40,41 min.) gejagt wurde.

5000 Meter Männer

Der Italiener Yemaneberham Crippa siegt im 5000 Meter Rennen vor Hugo Hay aus Frankreich sowie Carlos Mayo aus Spanien Maximilian Torwith vom SFD Düsseldorf wurde 5.

Richtig schnell waren die 5000 Meter. Hier konnte der Italiener Yemaneberham Crippa in starken 13:17,23 Minuten einen neuen "Championship Record" bejubeln. Auch bei den beiden nächstplatzierten Athleten leuchte ein "PB" für persönliche Bestzeit auf der Anzeigetafel auf. Hugo Hay (FRA) sowie Carlos Mayo (ESP) traten mit starken 13:17,96 bzw. 13:18,15 Minuten die Heimreise an. Maximilian Torwith hatte nach 13:46,27 Minuten nichts mit dem Ausgang des Rennens zu tun. Der Mann vom SFD Düsseldorf musste als Fünfter auch noch Thomas Mortimer (GBR) den Vortritt lassen, der sich mit 13:28,12 Minuten an die Spitze der europäischen U23-Bestenliste setzte.

3000 Meter Männer

Issac Nader aus Portugal gewinnt über 3000 Meter vor dem Franzosen Yann Schrub und dem Spanier Adel Mechaal. Der Deutsche Martin Grau wird 7.

Noch härter traf es Martin Grau (LC Top kam Thüringen) über 3000 Meter, der in schwachen 8:41,96 Minuten lediglich Letzter wurde. Die Spitze des Feldes mit dem Trio Issac Nader (POR/8:31,26 min.) Yann Schrub (FRA/8:31,82 min.) und Adel Mechaal (ESP/8:32,08 min.) war rund zehn Sekunden schneller unterwegs, was Welten auf dieser Distanz sind. Zudem wird Grau auf einer Ergebnisliste von European Athletics noch mit "DSQ" wegen Übertretens der Bahnbegrenzung geführt.

3000 Meter Hindernis Frauen

Spannend waren die 3000 Meter Hindernis der Frauen. Hier sorgte auf den beiden ersten Kilometern die Spanierin Irene Sanchez-Escribano für das Tempo. Dann setzte sich Alicja Konieczek (POL) und Elena Burkard (LG Farbtex Nordschwarzwald) etwas ab und machten das Rennen noch etwas flotter. Erst nach dem letzten Wassergraben konnte sich die Polin unter dem Jubel der Zuschauer ein wenig lösen und dann auf der Zielgeraden mit 9:35,63 Minuten den Sieg vor Burkard (9:36,04 min.) eintüten. Die tapfere Ibererin wurde für ihre lange Tempoarbeit wenigstens noch mit dem dritten Platz (9:41,44 min.) belohnt.

Die Polin Alicja Konieczek gewinnt vor heimischen Publikum das 3000 Meter Hindernis Rennen. Elena Burkard (LG Farbtex Nordschwarzwald) wird 2. vor der Spanierin Irene Sánchez-Escribano

Es war kein so schnelles Rennen. Mir war klar, dass ich nicht die Favoritin war, da Alicja hier vor heimischen Publikum lief. Der Europa-Cup macht immer viel Spaß. Es ist schön, wenn man Punkte fürs eigene Team holt. Die ganze deutsche Mannschaft kommt noch in den Wettkampfmodus. Deshalb glaube ich, dass wir zusammen eine Medaille holen und aufs Podium kommen", gab sich Burkard nach der zweiten Laufdisziplin des ersten Tages noch optimistisch. Um bei Olympia dabei zu sein, muss die Baden-Württembergerin noch eine Zeit von 9:30,00 Minuten abliefern.

800 Meter Frauen

Gut unterwegs war über 800 Meter Christina Hering (LG Stadtwerke München), die auf der Zielgeraden noch einige Konkurrentinnen einsammelte und in 2:01,09 Minuten hinter der Britin Ellie Baker (2:00,95 min.) Zweite wurde. Doch die Freude im DLV-Team währte nicht lange. Wegen Betretens der inneren Bahnbegrenzung wurde die Münchnerin nachträglich disqualifiziert und die sechs Zähler für das deutsche Team waren weg.

Die Britin Ellie Baker gewinnt das 800 Meter Rennen vor Elena Belló aus Italien und der Polin Angelika Sarna. Christina Hering (LG Stadtwerke München) wurde wegen Betretens der inneren Bahnbegrenzung nachträglich disqualifiziert

"Es war ein schwieriges Rennen. Die erste Runde war hart und es gab viele Positionswechsel. Ich lief auf der Innenbahn und es war schwierig, zu überholen. Mit einer besseren Position hätte ich das Rennen gewinnen können. Die Zielgerade war wirklich hart. Meine Hauptstrecke sind die 800 Meter. Aber seit ich die Norm für Tokio habe, bin ich in der Lage auch andere Strecken zu testen. Momentan mag ich es, die 400 Meter zu laufen. Hier bin ich für internationales Niveau aber zu langsam. Auch die 1500 Meter sind eine nette Distanz, der Fokus bleibt aber auf den 800 Metern. Ich liebe dieses Stadion, da ich hier letztes Jahr bei einem Meeting meine Bestzeit gelaufen bin. Die Bahn hier ist wirklich schnell", berichtet Hering direkt nach dem Rennen, als sie noch nichts von ihrer Disqualifikation wusste.

5000 Meter Frauen

Über 5000 Meter gewinnt die Italienerin Nadia Battocletti vor der Spanierin Bianca Fernandez und Denise Krebs vom TSV Bayer 04 Leverkusen

Ein strahlendes Gesicht machte Denise Krebs (TSV Bayer 04 Leverkusen) nachdem sie sich über 5000 Meter in 15:53,09 Minuten den dritten Platz hinter der weit enteilten Italienerin Nadia Battocletti (15:46,95 min.) und Bianca Fernandez (ESP/15:51,44 min.) holte. Nach einer wahrlich nicht optimal verlaufenen Hallensaison geht es nun wieder klar aufwärts. "Endlich läuft es wieder. Der Trainerwechsel zu Wolfgang Heinig trägt langsam Früchte", freute sich die Bayer-Athletin.

3000 Meter Frauen

Die Britin Revee Walcott-Nolan siegt auf der 3000 Meter Strecke vor der Spanierin Lucia Rodriguez Einen dritten Platz für den DLV gab es durch Vera Coutellier vom ASV Köln. Hinter ihr die Polin Renata Plis, die in 9:16,10 Vierte wird, vor ihr die Italienerin Micol Majori, in 9:17,53 Fünfte

Einen weiteren dritten Platz für den DLV gab es durch Vera Coutellier in 9:15,27 Minuten über die 3000 Meter. Nur Revee Walcott-Nolan (GBR) und Lucia Rodriguez (ESP) waren hier mit ihren neuen Bestzeiten von 9:13,36 und 9:14,45 Minuten etwas schneller unterwegs als die Athletin vom ASV Köln.

1500 Meter Frauen

Der 1500 Meter Sieg geht an Gaia Sabbatini aus Italien. Zweite wird Salomé Afonso aus Portugal und Dritte die Spanierin Marta Pérez. Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler) läuft auf Platz 7
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Unter "internationale Erfahrung sammeln" wird Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler) ihren Auftritt über 1500 Meter abhaken müssen. In einem nicht sonderlich schnell angelaufenen Rennen musste die U23-Athletin in der entscheidenden Phase abreißen lassen und trudelte mit 4:24,76 Minuten als Letzte ins Ziel.

Von den ursprünglich acht fürs Finale qualifizierten Teams konnten dann nur sieben Mannschaften an den Start gehen. Nachdem in der Equipe der Ukraine kurz vor der Abreise zwei aktive Corona-Fälle diagnostiziert wurden, verzichtete das Land auf einen Start und stieg damit automatisch aus der sogenannten Super-League in die First-League ab.

Team-Europameisterschaft in Chorzów (Polen) 2021
Männer - Podium

  5.000 Meter
Pl. Name Zeit
1 CRIPPA Yemaneberhan (ITA) 13:17.23 CR
2 HAY Hugo (FRA) 13:17.95 PB
3 MAYO Carlos (ESP) 13:18.15 PB
...5 THORWITH Maximilian (GER) 13:46.27
  3.000 Meter
1 NADER Isaac (POR) 8:31.26
2 SCHRUB Yann (FRA) 8:31.82
3 MECHAAL Adel (ESP) 8:32.08
...7 GRAU Martin (GER) 8:41.96
  3.000 Meter Hindernis
1 CARRO Fernando (ESP) 8:39.67
2 BELHADJ Mehdi (FRA) 8:40.03
3 ZOGHLAMI Osama (ITA) 8:40.41
...5 BEBENDORF Karl (GER) 8:40.93
  1.500 Meter
1 FARKEN Robert (GER) 3:56.64
2 GÓMEZ Jesús (ESP) 3:56.79
3 ROZMYS Michal (POL) 3:57.13
  800 Meter
1 WIGHTMAN Jake (GBR) 1:45.71
2 GARCÍA Mariano (ESP) 1:46.45
3 BORKOWSKI Mateusz (POL) 1:46.66
...5 REUTHER Marc (GER) 1:47.74 (.739) 2.50

Team-Europameisterschaft in Chorzów (Polen) 2021
Frauen - Podium

  5.000 Meter
Pl. Name Zeit
1 1 578 BATTOCLETTI Nadia (ITA) 15:46.95
2 FERNÁNDEZ Blanca (ESP) 15:51.44
3 KREBS Denise (GER) 15:53.09
  3.000 Meter
1 WALCOTT-NOLAN Revee (GBR) 9:13.36 PB
2 RODRÍGUEZ Lucía (ESP) 9:14.45 PB
3 COUTELLIER Vera (GER) 9:15.27
  3.000 Meter Hindernis
1 KONIECZEK Alicja (POL) 9:35.63
2 BURKARD Elena (GER) 9:36.04
3 SÁNCHEZ-ESCRIBANO Irene (ESP) 9:41.44
  1.500 Meter
1 SABBATINI Gaia (ITA) 4:14.87
2 AFONSO Salomé (POR) 4:15.08
3 PÉREZ Marta (ESP) 4:15.24
...7 KOLBERG Majtie (GER) 4:24.76
  800 Meter
1 BAKER Ellie (GBR) 2:00.95
2 BELLÒ Elena (ITA)
2:02.06
3 SARNA Angelika( POL) 2:02.54
DQ HERING Christina (GER) TR17.2.2

Bericht und Fotos von Jens Priedemuth

Ergebnisse european-athletics.com

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