1.5. - 2.5.21 - World Athletics Staffel WM in Chorzow Polen

Zweimal Gold für Deutschland bei den "World Athletics Relays"

von Jens Priedemuth 

Mit zwei Gold-Medaillen kehrten die deutschen Leichtathleten von den "World Athletics Relays" aus dem polnischen Chorzow heim. In Summe also die gleiche Ausbeute wie bei den Titelkämpfen vor zwei Jahren in Yokohama (JAP), als zweimal Bronze (4x100 Meter Frauen und 4x200 Meter Männer) gab. Nur das Edelmetall glänzte diesmal deutlich heller.

Mit zwei Gold-Medaillen kehrten die deutschen Leichtathleten von den "World Athletics Relays" aus dem polnischen Chorzow heim
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4 x 200 Meter Männerstaffel

In Schlesien hatten die Sprinter über (die zugegeben nicht so oft angebotenen) 4x200 Meter allen Grund zum Jubeln. Das Quartett in der Besetzung Steven Müller (LG OVAG Friedberg-Fauerbach), Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV), Felix Straub (SC DHfK Leipzig) und Owen Ansah (Hamburger SV) setzte sich mit 1:22,43 Minuten ganz sicher gegen Kenia (1:24,26 min.) und die Landesrekord laufenden Portugiesen (1:24,53 min.) durch. Mitfavorit Polen kam nach einem verpatzten letzten Wechsel nicht ins Ziel. Auch das Team aus Dänemark verabschiedete sich, nachdem bereits die erste Stabübergabe nicht gelang.

Sichere Wechsel und eine starke läuferische Leistung waren der Grundstein für die bereits dritte deutsche Medaille auf der 4 x 200 Meter Distanz

Die DLV-Truppe lief das Rennen von der Spitze weg, da sie auf Bahn sieben gesetzt wurde und während der knapp 90 Sekunden die Gegner im besten Fall im "Rückspiegel" hätten sehen können. Sichere Wechsel und eine starke läuferische Leistung waren der Grundstein für die bereits dritte deutsche Medaille auf dieser Distanz nach zweimal Bronze (2015 und 2019). Dass der Meisterschaft-Rekord von Jamaika (1:18,63 Minuten im Jahr 2014) und auch die Weltjahresbestzeit eines US-Teams (1:21,31 min.) nie in Gefahr waren, muss fairerweise erwähnt werden. Beide Nationen waren auf dieser Distanz, ebenso wie Kanada, Südafrika, Frankreich oder Italien, nicht am Start.

Jubel im Ziel Auf dem Weg zur Siegerehrung

Bei nicht gerade sprintfreundlichen Temperaturen, deutlich unter zehn Grad, ist die Siegeszeit jedoch als absolut stark zu bewerten. Neben dem netten Preisgeld in Höhe von 24.000,- US-Dollar war der Titel zweifelsfrei der bisher größte sportliche Erfolg für die vier Sprinter. Das bestätigte auch Bundestrainer Ronald Stein. "Die Vier haben wirklich einen super Job gemacht. Es waren ja noch viele unerfahrene Athleten dabei, selbst Steven Müller als Ältester ist international noch nicht so oft dabei gewesen. Die Zeit ist bei diesen Bedingungen extrem hoch einzuordnen", so der erfahrene Coach gegenüber dem Online-Portal leichtathletik.de.

Hürden Mixed Staffel

Die Männer sprinteten über 110 Meter Hürden

Das zweite Edelmetall schürfte in der ehemaligen Bergbau-Hochburg Polens das DLV-Team in der sogenannten "Hürden-Shuttle-Staffel". Vier Teilnehmer (jeweils zwei Frauen und Männer) pro Nation laufen im Wechsel als Pendelstaffel 100 bzw. 110 Meter Hürden.

Warten auf den Einsatz Freude im Ziel

Monika Zapalska (LC Paderborn), Erik Balnuweit (TV Wattenscheid), Anne Weigold (LG Mittweida) und Gregor Traber (LAV Stadtwerke Tübingen) setzten sich in 56,53 Sekunden gegen Polen (56,69 sec.) und Kenia (59,89 sec.) durch. Das Format wurde bei der letzten Staffel-WM in Yokohama ins Programm genommen. Damals gewannen die USA (54,96 sec.) vor Gastgeber Japan (55,59 sec.). Auch bei der zweiten Auflage hat die neue Strecke noch nicht übermäßig viele Anhänger gefunden, was lediglich drei gestartete Nationen belegen.

Deutschland siegt vor Polen und Kenia bei der Hürden-Staffel mixed

4 x 100 Meter Männerstaffel

Richtig gut in den Wettkampf kamen die Kurzsprinter. Sie standen auch unter Druck und mussten "liefern", waren die "World Athletics Relays" doch gleichzeitig Qualifikation für Olympia in Tokio. Die Vorgabe war klar. Mit dem Erreichen des Finals hatte man das Ticket nach Japan sicher.

Julian Reus und Joshua Hartmann im Vorlauf der 4 x 100 Meter Staffel

Nach dem Vorlauf war dann auch der Jubel bei Julian Reus (Top Team Thüringen), Joshua Hartmann (ASV Köln), Deniz Almas (VfL Wolfsburg) und Marvin Schulte (SC DHfK Leipzig) groß. Im zweiten Vorlauf stürmte das DLV-Quartett mit 38,70 Sekunden auf dem zweiten Platz hinter den starken Brasilianern (38,45 sec.) ins Ziel. Damit war das Finale und auch die Olympia-Teilnahme eingetütet. Nach Auswertung der drei Vorläufe waren mit Italien, Brasilien (beide 38,45 sec.) und Südafrika (38,49 sec.) nur drei Teams schneller als Deutschland. Das Eingreifen in den Kampf um Medaillen war also durchaus realistisch, zumal die schnellen Jungs aus Jamaika, den USA oder Kanada erst gar nicht angereist waren.

Michael Pohl bei seinem 4 x 100 Meter Startläufer-Einsatz DLV-Athlet Marvin Schulte zwischen Japan und Dänemark

Am Finaltag musste dann "umgebaut" werden. Michael Pohl (Sprintteam Wetzlar) übernahm nach Problemen beim Aufwärmen den Startpart von Julian Reus. Doch nach gerade einmal 50 Metern war das Rennen für den Hessen schon wieder beendet. Bei überaus frischen Temperaturen machte die "Wadenmuskulatur dicht" und es kam erst gar nicht zum ersten Wechsel. Glück im Unglück, denn das medizinische Team konnte später Entwarnung geben, eine Verletzung konnte nicht diagnostiziert werden. Der extrem knappe Einlauf an der Spitze, Südafrika siegte mit 38,71 Sekunden vor Brasilien (38,72 sec.) musste wenig später revidiert werden, da die Südamerikaner während des Rennens die Bahnmarkierung nach innen übertreten hatten. Auch Ghana, ursprünglich auf dem Bronzerang, wurde nach Überlaufen des Wechselraums, disqualifiziert. So lautete das finale Ranking im "Silesian Stadium" dann Südafrika vor Italien (39,21 sec.) und Japan (39,42 sec.). Alles Zeiten, die auch die deutschen Sprinter bei guten Wechseln allemal drauf haben. "Das ist natürlich schade. Das Hauptziel Olympia-Qualifikation ist aber erreicht worden", so DLV-Trainer David Correll in einem kurzen Fazit.

Entäuschung bei Michael Pohl und Joshua Hartmann Italien holt sich hinter Südafrika und vor Japan die Silbermedaille

Die deutschen Kurzsprinterinnen hatten kurzfristig ihre Meldung zurückgezogen. Das sorgte für kein Kopfzerbrechen, da die DLV-Athletinnen im Vorfeld ihren Startplatz über 4x100 Meter für Tokio bereits sicher hatten. Ein Start hätte zur Formüberprüfung unter echten Wettkampfbedingungen gedient und der eventuellen Verteidigung der Bronzemedaille von Yokohama. Grund für die Absage war, dass zwei Läuferinnen aus dem Staffel-Pool bei einem zuvor auf den Kanaren durchgeführten Trainingslager mit muskulären Problemen zu kämpfen hatten und man von der Verbandsseite kein unnötiges Risiko eingehen wollte.

4 x 400 Meter Frauenstaffel

Absolut im grünen Bereich liefen die Viertelmeilerinnen. Am ersten Tag der Titelkämpfe gingen Nadine Gonska (MTG Mannheim), Corinna Schwab (LAC Erdgas Chemnitz), Karolina Pahlitzsch (LG Nord Berlin) sowie Ruth Sophia Spelmeyer-Preuß (VfL Oldenburg) im dritten und letzten Vorlauf auf die Bahn des "Silesia Stadion". In den beiden Rennen zuvor hatten Polen und Belgien sowie Kuba und die Niederlande als jeweils Erstplatzierte Teams den direkten Einzug ins Finale klar gemacht.

Nadine Gonska DLV-Athletin Karolina Pahlitzsch hinter Italien (5.) und Niederlande (4.)

Dieses Ziel hatten auch die deutschen Langsprinterinnen, ohne die "Zeitregel" für die nächst schnellsten Teams in Anspruch nehmen zu müssen. Der Plan ging auf, denn hinter den siegreichen Britinnen (3:28,83 min.) stürmte die DLV-Auswahl direkt und ohne Umwege ins Finale. Damit war der Druck genommen und gleichzeitig das Olympia-Ticket für Tokio und auch die WM 2022 in Eugene (USA) gelöst. Mit starken 3:29,73 Minuten war man so flott unterwegs wie seit vier Jahren nicht mehr und zog als sechstbeste Mannschaft in den Endlauf ein.

Corinna Schwab Ruth Sophia Spelmeyer-Preuß

Am Finaltag zeigte das Thermometer um 20.25 Uhr dann frische sieben Grad an, was auch auf die Zeiten drückte. So konnte kein Team die Zeit aus der ersten Runde unterbieten. Ganz vorne setzten sich die Kubanerinnen in 3:28,41 Minuten gegen das Gastgeberland Polen (3:28,81 min.) durch. Das Podium komplettierten die kampfstarken Britinnen (3:29,27 min.), die die deutlich stärker eingeschätzten Niederländerinnen (3:30,12 min.) auf Distanz halten konnten. Deutschland wiederholte mit 3:33,00 Minuten die Platzierung aus dem Vorlauf.

4 x 400 Meter Frauenstaffel Die Niederländerinnnen laufen auf Rang 4

4 x 400 Meter Männerstaffel

Für die deutschen Langsprinter wurde die "Road to Tokio" zu einer Sackgasse. Tobias Lange (TSV Bayer 04 Leverkusen), Marvin Schlegel (LAC Erdgas Chemnitz), Torben Junker (TV Wattenscheid) und Manuel Sanders (LG Olympia Dortmund) waren im dritten und letzten Vorlauf mit 3:05,83 Minuten (4.) ohne Chance.

Die deutschen Langsprinter schafften es nicht ins Finale

Lediglich die Briten lagen noch hinter dem DLV-Quartett. Und das auch nur durch einen Sturz bei der Holzübergabe. Den letzten Finalplatz über die Zeit tüteten die Franzosen ein, die mit 3:04,78 Minuten gestoppt wurden. Etwas Pech war aber im Spiel, denn Marvin Schlegel und James Williams (GBR) kamen sich beim Wechsel etwas ins Gehege, was wichtige Zeit kostete. Doppelt bitter, dass für die Staffel am Ende der drei Vorläufe nur ein elfter Rang zu Buche stand. Damit platze auch die erhoffte Quali für die WM 2022 in Eugene, für die Platz zehn nötig gewesen wäre.

Auch Großbritannien blieb der Einzug ins Finale verwehrt Kolumbien schaffte es ins Finale und dort auf Platz 6

Die deutschen 400-Meter-Spezialisten laufen Gefahr, den Anschluss an die internationale Spitze zu verlieren. So waren in Chorzow Top-Nationen wie die USA, Jamaika oder die Bahamas erst gar nicht am Start. Auch Nationen wie Mexiko, Indien, Nigeria oder die Türkei waren jüngst schneller unterwegs.

4 x 400 Meter Mixed Staffel

DLV-Athletin Luna Thiel zwischen Irland und Domenikanische Republik Hannah Mergenthaler

Auch beim Mixed-Team über 4x400 Meter gab es lange Gesichter. Im dritten Vorlauf reichte es für Henrik Krause (LG Olympia Dortmund), Luna Thiel (VfL Eintracht Hannover), Hannah Mergenthaler ((MTG Mannheim) sowie Johannes Trefz (TSV Gräfeling) mit 3:19,19 Minuten lediglich zu einem fünften Platz. Nur die Teams aus Belarus und Botswana lagen noch hinter der DLV-Auswahl. Als letztes Team schaffte Großbritannien mit 3:17,27 Minuten den Sprung ins Finale.

Johannes Trefz Henrik Krause

Vor der deutschen Truppe wären noch Kolumbien, Polen, Japan oder Südafrika über die Zeitregel an der Reihe gewesen. An Olympia war somit gar nicht zu denken. Und auch mit der WM klappte es leider nicht. Es war aber eine hauchdünne Angelegenheit, denn am Ende nur die Winzigkeit von 0,01 Sekunden. Über die sichere Fahrkarte zu den Weltmeisterschaften konnte sich das Team aus Südafrika freuen. Zuletzt war das DLV-Team bei der WM in Doha im Einsatz und lieferte 2019 eine Zeit von 3:16,85 Minuten ab.

Brasilien wird 2., Großbritannien 5., Irland 7. und Dominikanische Republik 3. Die spanische Mixstaffel über 4x400 Meter läuft auf Platz 6

Damit gehört man aktuell noch zu den Nationen, die nach heutigem Stand über die Weltrangliste qualifiziert sind. Das kann sich aber im Laufe der Saison noch ändern. Deshalb soll es demnächst noch ein Rennen geben, bei dem die Sache in trockene Tücher gebracht werden soll.

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Bericht und Fotos von Jens Priedemuth

Ergebnisse www.worldathletics.org

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