15.5.21 - 23. Doma-Berglauf in Calw-Stammheim

5 Sekunden fehlen zur Sensation - Tim Weber knapp vor Tamara Schütz und Armin Gotsch

Wettkampf mit Abstand und 9 herrliche Stunden im Wald

von Günter Krehl 

Eigentlich hätte die 23. Auflage des Stammheimer Doma-Berglaufes über 4,5 Kilometer und 260 Höhenmeter schon 2020 stattfinden sollen, sie musste aber aus den allseits bekannten Gründen ausfallen. Auch dieses Jahr konnte kein Massenstart durchgeführt werden. So erstreckte sich der Wettkampf coronabedingt von 7 bis 18 Uhr am Samstag und auf die Abendstunden des Freitags. Damit fehlte zwar in der Regel der Kampf Mann gegen Mann und Frau gegen Frau, trotzdem wurden sehr gute Leistungen erzielt.

 

Schon am Freitagabend machte sich eine kleine Gruppe aus Neubulach auf den Weg. Auf der anderen Nagoldseite liegt das bekannte Bergwerkstädtchen. Die Mitglieder des rührigen Sportclubs kommen nicht umhin, bei ihren Trainingsläufen große Höhenunterschiede zu überwinden. Am letzten Schultag vor den großen Ferien geht es traditionell beim Altbulacher Berglauf vom Nagoldtal hinauf in den Neubulacher Nachbarort.

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Fleißiges Ostelsheimtraining zahlt sich bei Uwe Beuerle (3. M60) aus Andreas Kampert (4. M60) fährt von Rohrdorf bei Nagold mit dem Rad zum Start und als alter Triathlet nach dem Lauf natürlich wieder heim
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Aushängeschild des Sportclubs ist die sechsfache Cool-Beach Bergsprintsiegerin Esther Johnen-Ahsbahs. Erst vor wenigen Tagen hatte sie den "hammerharten" Lauf vom Enztal hinauf zur Büchenbronner Höhe, dem höchsten Punkt der Goldstadt Pforzheim, mit mehr als einer Minute Vorsprung gewonnen. Bei diesem Wettkampf, der sich über 10 Tage erstreckte, hatten viele der 60 Teilnehmer Mühe, den richtigen Weg zu finden. Der Grund war, dass die Sägemehlpunkte mutwillig zerstört und die kleinen Bandmarkierungen von den Bäumen entfernt wurden. Organisator Michael Nothacker markierte zwei Mal seinen Weg neu, aber einige Maiwanderer hatten wohl Freude daran, Läufer in die Irre zu führen.

Beim Domaberglauf gab es keine Probleme dieser Art. Ich hatte am Freitagmorgen Sägemehl gestreut und alle 100 Meter Entfernungszahlen markiert. Alle Sportler waren begeistert von der deutlichen Streckenführung. Esther Johnen-Ahsbahs (1. W40) legte mit 23:20 gleich eine starke Zeit vor, die am Ende mit 12 Sekunden Vorsprung für Platz 2 in der Frauenwertung reichte. Die Neubulacherin kam damit nahe an ihre Bestzeit (23:08) aus dem Jahre 2008 heran. Ihr zehnjähriger Sohn Kalle Ahsbahs war jüngster Teilnehmer und lief schnelle 31:11.

Nach fünf Jahren wieder gemeinsam am Start: Damals noch gleichstark, läuft Tanja inzwischen ihrem Vater Minuten davon Tanja Krehl (4./2. W40) kann ihr Radtraining auf den Steilpassagen voll umsetzen

Nach jahrelanger Wettkampfpause stand meine Tochter Tanja endlich mal wieder gemeinsam mit mir an der Startlinie. Anfang Juni 2016 liefen wir letztmals beim Herrenberger Naturbadlauf über hügelige 5,1 Kilometer. Abwärts musste ich kniebedingt immer abreißen lassen, doch an den Steilstücken lief ich mühelos sämtliche Lücken zu. Im Endspurt lag ich mit 22:15 nur um 2 Sekunden zurück.

 

Nun hatte sie sich entschlossen, mir mit ihrer Teilnahme ein Vatertagsgeschenk zu machen und plante einen gemeinsamen Lauf, bei dem sie nicht an ihre Grenzen gehen müsste.

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So recht wohl war mir nicht dabei und als sie sich nach sehr steilen 350 Anfangsmetern nach vorn verabschiedete, fiel mir der berühmte Stein vom Herzen. Mit guten 26:08 landete sie auf Platz vier (2. W40) und sicherte damit dem VfL Ostelsheim den Teamsieg vor den Frauen aus Kuppingen. Mit ihrer Zeit bewies sie, dass man als fleißige Radfahrerin mit Vorliebe für steile Strecken auch beim Berglauf gute Ergebnisse erzielen kann. Ohne das ungeliebte lange Flachstück (1,3 Kilometer) wäre sie sicher an ihre Bestzeit (24:30) aus dem Jahre 2001 herangelaufen.

Michael Piske (2. M70) will gerne seinen letzten Marathon in Berlin laufen Peter Steiner (2. M50), der rasende Fotoreporter. Mit seiner kleinen Handkamera erzielt er während seiner Rennen ohne Tempoeinbuße erstaunlich gute Bilder

Schon früh am nächsten Tag setzte Sebastian Groteloh (TSV Hirschau) mit 22:17 eine neue Bestzeit, die am Ende für Rang vier und den Sieg bei der M45 reichen sollte. Der im Kreis Calw beheimate Läufer nähert sich nach einem Bandscheibenvorfall langsam wieder seiner alte Form. Ebenfalls früh aus der Ulmer Gegend angereist kam Peter Steiner (albside Running/ 25:55/ 2. M50). In Läuferkreisen ist er bekannt wie ein bunter Hund, schaffte er in den letzten Jahren doch jeweils weit über 130 Wettkämpfe und der "Doma" war sein 61. "Virtueller Wettkampf" 2021. Beeindruckend ist Peters fotografische Leistung während seiner Rennen. Mit einer kleinen Handkamera erzielt er ohne Tempoeinbuße erstaunlich gute Bilder, die er dann auf seinem Blog veröffentlicht. Als Warmlaufrunde wählte er den Anstieg auf die Ruine Waldeck und nach 9 Kilometer auf der Wettkampfstrecke meisterte er die beiden wunderschönen aber technisch sehr anspruchsvollen Premiumwanderwege "Wasser- Wald- und Wiesenpfad" (ca. 14 km) sowie "Der Teinacher" (11,5 km). Insgesamt kam er auf etwa 41 Kilometer und mehr als 1.500 Höhenmeter, so dass sich die weite Anfahrt auf jeden Fall gelohnt hat.

Tamara Schütz siegt nach dem Diefenbachlauf erneut souverän im Stammheimer Wald Madeleine Walter zeigt als 3. Frau eine starke Leistung … … hat aber noch genügend Kraft, im Ziel die Sektflasche zu öffnen und damit ihren Junggesellinnenabschluss zu starten

Am späten Vormittag waren Tamara Schütz und Madeleine Walter (beide VfL Ostelsheim) gestartet. Fast hätte mir Madeleine absagen müssen, da sie eigentlich mit ihrem Lebensgefährten den Tag auswärts verbringen wollte. Ihr Freund hatte dann "überraschend" doch keine Zeit und so stand einem Lauf nichts im Wege. Die große Schwester Tamara hatte vor wenigen Wochen schon mit einem überlegenen Sieg beim Diefenbachlauf geglänzt und wurde ihrer Favoritenrolle mit der Siegerzeit von 22:02 voll gerecht. Ihre persönliche Bestzeit steigerte sie um 1:49 Minuten. Madeleine hatte 2019 ihre einjährige Weltreise, die sie gemeinsam mit ihrem Freund um den gesamten Globus führte, gerade rechtzeitig vor dem 1. Coronajahr beendet und danach wieder intensiv mit dem Lauftraining begonnen. Auch sie konnte sich mit 1:37 Minuten beträchtlich verbessern. Noch größer als die Freude über Platz drei (1. W30) in sehr guten 23:32, war die Überraschung, dass Mutter, Vater, Schwester und Schwägerin mit einer Flasche Sekt im Ziel auf sie warteten. Das war der Auftakt zu einem fröhlichen "Junggesellinnenabschied", denn im Sommer ist eine "Läuferhochzeit" geplant.

Gesamtsieg verschenkt? Armin Gotsch trägt seine Jacke auf der ersten Hälfte der Strecke in der Hand. Am Ende fehlen 5 Sekunden zu Platz 1 Gesamtsieger Tim Weber geht erst sehr spät auf die Strecke

Tamaras Siegerzeit blieb den ganzen Tag über auch von allen Männern unerreicht. Nur Teamkamerad Armin Gotsch (1. M50) konnte sich gegen Abend noch zeitgleich mit an die Spitze setzen. Der Ostelsheimer gewann den Ralph-Maderholz-Gedächtnispokal für den schnellsten Läufer über 50 Jahre. Die Auszeichnung wird seit vielen Jahren zur Erinnerung an den viel zu früh verstorbenen (damals in der M50 startend) früheren Teamkameraden vergeben. Fast wäre der Gesamtsieg (mindestens der geteilte) an diesem Tag also an eine Frau gegangen. Als einer der letzten ging Tim Weber (VfB Pfinzweiler) ins Rennen. Ihm waren die bisherigen Bestzeiten bekannt und er schaffte es tatsächlich, diese mit 21:57 um 5 Sekunden zu unterbieten. Damit gewann er erstmals den ältesten Berglauf im Kreis Calw. Neben dem Sieg freute er sich beim Abwärtslaufen, dass seine Frau und die drei kleinen Kinder ihm bis Kilometer 2,4 entgegengekommen waren.

Berglaufspezialistin Uta Groeper (5./1. W45) führt das starke Team des TSV Kuppingen an Dicht dahinter folgen Stefanie Kempf (7./2. W45) … … und Kirsten Baumann (8./3. W45), die ihren ersten Berglauf mit Bravour meistert

Vom befreundeten Laufclub TSV Kuppingen gingen drei Männer und vier Frauen an den Start. Die Plätze 4 bis 9 gingen an die Bergspezialistin Uta Groeper (27:58/ 1. W45), an Stefanie Kempf (28:30/ 2. W45), Kirsten Baumann (erster Berglauf mit 29:20/ 3. W45) und Katrin Zelßmann (30:07/1. W55) Dazwischen schob sich noch Claudia Waidelich (SZ Calmbach/28:05/ 1. W50) als Sechste.

Claudia Waidelich (6. Frau/1. W50) auch abwärts schnell unterwegs Nur 6 Sekunden fehlen Hagen Zelßmann zum Klassensieg in der M55 … … diesen schafft seine Frau Katrin als 9. Frau in der gleichen Altersklasse

Bei den Männern belegten Sven Brehm (TSV Hildrizhausen/ 22:49/ 1. M40), Gunther Moll (VfL Ostelsheim/ 23:19/ 2. M45), Dietmar Bühler (TSV Hildrizhausen/ 23:41/1. M55), Hagen Zelßmann (TSV Kuppingen/ 23:47/ 2. M55) und Andreas Vielmeier (SV Oberkollbach/ 25:21/ 1. M60) die Plätze fünf bis elf. In der gemischten Mannschaftswertung dominierte der VfL Ostelsheim vor dem TSV Hildrizhausen und Ostelsheim II.

Frauenpower: Die drei schnellsten Läuferinnen des TSV Kuppingen im Ziel mit Abstand Sven Brehm (5./1. M40) ist schnellster der drei starken Hildrizhausener Seniorenläufer Gunther Moll (6./2. M45) bei Streckenhälfte

Mit 81 Jahren feierte Alwin Wurster (Ebershardt/ 37:46) einen sensationellen Einstand in der M80. 2020 konnte er leider in der neuen Altersklasse noch keine Wettkämpfe bestreiten. Er musste seinen Urlaub zwangsverlängern und saß coronabedingt viele Monate in Südafrika fest. Dort hatte er jahrzehntelang eine Autowerkstätte geführt und war recht erfolgreich läuferisch unterwegs gewesen. Als Rentner kehrte er in seine Heimat zurück und ist seit vielen Jahren gerngesehener Gast bei den Bergrennen im Kreis. Überhaupt waren Teilnahme und Leistungen der älteren Sportler herausragend. Immerhin waren 18 (38%) der 47 Teilnehmer älter als 60 Jahren.

Als Gesamtelfter und Sieger der M60 erreicht Andreas Vielmeier glücklich das Ziel Läufer mit Herz und Seele: Dietmar Bühler (9./1. M55) vom TSV Hildrizhausen

Nach 20 Jahren Pause führte ich am Sonntagmorgen meinen blinden Laufkameraden Antonio Sebastiao (Althengstett/ 4. M70/ 35:53) erfolgreich den Berg nach oben. Damals brauchte er von meiner Frau geführt 27:20, heuer belegte er unter sechs Startern der M70 immerhin Platz vier. Seit etwa 40 Jahren sind wir ein eingespieltes Team und haben in früheren Jahren einen Marathon und einige gemeinsame kürzere Wettkämpfe bestritten. Sein wertvollstes Resultat war zweifellos eine 1:51 auf der anspruchsvollen Strecke in Hildrizhausen über 25 Kilometer.

Mit 81 Jahren feiert Alwin Wurster einen sensationellen Einstand in der M80 Am Sonntagmorgen führt Günter Krehl seinen blinden Laufkameraden Antonio Sebastiao (4. M70) nach zwanzigjähriger Pause wieder auf den höchsten Punkt von Calw-Stammheim

Drei Sportler legten die Strecke als Walker zurück. Dagmar Rau (SC Neubulach/ 33:49) ließ dabei erstaunlicherweise 14 Läufer hinter sich.

Deutlich mehr als 47 Teilnehmer hätte ich mir allerdings schon gewünscht, tummelten sich doch viele Sportler zeitgleich auf ihren eigenen Runden im Wald. Auch zeigte Strava paralleles Tempotraining kaum einen Kilometer Luftlinie entfernt. Natürlich hat jeder die Freiheit, an einem Wettkampf teilzunehmen oder nicht. Trotzdem finde ich persönlich die Äußerungen nicht gut: "Ich würde mich nur blamieren" oder "Das passt nicht in meinen Trainingsplan".

Walter Wiedenmann (6. M70) reist regelmäßig aus Stuttgart an und gehört genau wie … … seine Frau Hannelore (1. W60) zum "Inventar" der Calwer Läuferszene Alois Nusko (5. M60) reist regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus dem Filstal zu Läufen im Kreis Calw

Da lobe ich mir die Einstellung von Hannelore und Walter Wiedenmann, die seit Jahren von Stuttgart zu fast allen Events im Kreis Calw anreisen, dort fast immer die Schlussläufer bilden und für uns so wichtig wie die Sieger sind. Ihre Verbundenheit zeigen sie auch als Mitglieder beim LT Altburg (Stadtteil von Calw). Diesmal belegten sie die Plätze 44 (45:58/ 1. W60) und 43 (42:16/ 6. M70). Einen Rang davor wurde Alois Nusko (AST Süßen/ 41:50/ 5. M60) gelistet. Er reist regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus dem Filstal an und lief natürlich mit Wechselkleidung im Rucksack den Berg hoch. Den Bus in Stammheim konnte er glücklicherweise noch pünktlich erreichen.

"Co-Fotograf" Herbert Vetter hat die ersten steilen dreihundert Meter geschafft Volker Held: Am Vortag schnelle 32 Kilometer gelaufen, heute als flotter Walker unterwegs. So kann man es auch machen und Vorbild für andere sein Multisportler mit internationalen Erfolgen im Fechtsport und Vogelexperte: Dietrich Pfeilsticker (3. M70) nach überstandener Coviderkrankung schon wieder in starker Verfassung
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Bei herrlichstem Wettkampfwetter gab es ein Wiedersehen mit vielen Sportkameraden. Mit gebührendem Abstand waren immerhin Gespräche und gegenseitiges Grüßen eine willkommene Abwechslung zum einsamen Waldlauftraining.

Bericht von Günter Krehl
Fotos Günter Krehl (20), Herbert Vetter (8), Volker Held (1) und Petra Krehl (1)

Infos und Ergebnisse www.gkrehl.de

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