2.4.22 - 19. Lauf in den Frühling Thalveldenz

Frühlingslauf im Schnee

von Holger Teusch 

Mit einer zweijährigen Unterbrechung durch Corona organisiert Lauftherapeutin Inge Umbach zusammen mit dem Verein Vulkanläufer und dem Freundeskreis der Evangelischen Erziehungshilfe Veldenz seit fast zwei Jahrzehnten einen Lauf in einem schmalen Seitental der Mosel. Mit und für die von der Erziehungshilfe betreuten Kinder und Jugendlichen.

W35-Siegerin Olga-Katia Bartlett von der TG Konz hat wie ihre Mitläuferinnen offensichtlich Spaß beim Frühlingslauf durch den Schnee Der Schnee am ersten Aprilwochenende fiel teilweise auf frische Blätter, richtete aber keinen Schaden an
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Es war schon mal schlimmer. Vor zehn Jahren kehrte der Winter mit solcher Wucht zurück, dass die Strecke des Veldenzer Frühlingslaufs komplett geändert werden musste. Die vereisten Waldwege machten damals ein Rennen durch das Hinterbachtal unmöglich. Das bisschen Schnee, die weiße Puderzuckerschicht auf den ersten zarten Blättern, waren dagegen am ersten April-Wochenende 2022 kein wirkliches Problem für Inge Umbach und ihr Organisationsteam. Um die Unfallgefahr zu minimieren, musste eine schneeglatte Holzbrücke aus dem Parcours genommen und die Strecke entsprechend angepasst werden. Aber die Teilnehmer kamen weiterhin in den Naturgenuss des Laufs durchs Hinterbachtal.

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Ein sogenannter Seitensprung des von Perl im Saarland bis Koblenz führenden Fernwanderwegs Moselsteig führt als Graf Georg Johannes Weg durchs Hinterbachtal, zweigt aber von der Laufstrecke hinauf zum Dachslayerfelsen ab Am Haupthaus der Evangelischen Erziehungshilfe befinden sich Start und Ziel für den Veldenzer Lauf Durchs Hinterbachtal führen Wander-, aber auch Mountainbikerouten wie hier die Mosel-Route des Heimatvereins aus dem Hunsrückort Gonzerath

Dass der Bach, an dessen linken Ufer entlang es zunächst bergan geht, um dann auf der rechten Seite über schmale Pfade zurück zu laufen, in der Geschichte gar nicht so unbedeutend war, kann man sich in der Ruhe kaum vorstellen. Die Gegend von Veldenz war aber schon 500 v. Chr. von den Kelten besiedelt. Dann kamen die Römer, die eine Villa und eine Therme anlegten. Durch das Hinterbachtal führte damals eine Straße, die die großen Römerstraßen Trier-Köln (durch die Eifel) und Trier-Mainz (über den Hunsrück) verband. Das Tal ist eine der wenigen Möglichkeiten, sanft ansteigend und zudem weitgehend auf direktem Weg die Hunsrückhöhen zu erklimmen.

Hoch über dem Hinterbachtal lugen die Reste des Veldenzer Schlosses aus dem Wald Die Scheunentor genannte Feldformation überragt das Hinterbachtal bei Thalveldenz

Das nutzten die Römer und nun außer Läufern auch Radfahrer. Ein Rad-Tourismusweg führt über die Waldwege. Und natürlich Wanderrouten, wie ein "Seitensprung" genannter Partnerweg des Fernwanderwegs Moselsteig (von Perl am französisch-deutsch-luxemburgischen Dreiländereck) nach Koblenz führen über die Laufstrecke, die trotz des nur langsam talwärts plätschernden Hinterbachs natürlich einige Höhenmeter aufzuweisen hat. Dass die längste Laufstrecke beim Veldenzer Lauf in den Frühling nur 6 km aufweist, liegt auch an diesen örtlichen Gegebenheiten. Sonst kämen richtig viele Höhenmeter hinzu oder Streckenteile müssten doppelt gelaufen werden.

Nicht "müssen", "sollten", "könnten" oder "würden" lautet das Motto der Laufgruppen der Evangelischen Erziehungshilfe Veldenz, sondern einfach "laufen!" Der urige Pfad, über den der Rückweg am rechten Ufer des Hinterbachs führte, sorgte für Abwechslung, aber auch zusätzliche Höhenmeter

Die 6-km-Distanz hat aber auch einen anderen praktischen Vorteil. Schon ab der Altersklasse W/M12 dürfen Mädchen und Jungen mitlaufen. Dass Herausforderungen wichtig sind, wissen Inge Umbach und ihre Mitstreiter nur zu gut. So lange, wie es den Veldenzer Lauf gibt, betreut die Lauftherapeutin auch schon Kinder und Jugendliche der Erziehungshilfeeinrichtung mit einem Lauftraining. Zunächst als interne Veranstaltung durchgeführt, öffnete man 2004 für alle, um so auch Kontakte zu ermöglichen.

Nicole Faust vom Team Zeppelin Mülheim kam quasi als Lokalmatadorin aus dem Veldenzer Nachbarort nach Veldenz und gewann die W45 Immer gut gelaunt: W55-Siegerin Monika Hübner (Parksauna Trier/314) zusammen mit ihrer Laufkollegin Marion Haas (LG Meulenwald Föhren)

Start und Ziel befinden sich am Haupthaus der Erziehungshilfe im Veldenzer Ortsteil Thalveldenz direkt am Eingang zum Tal des Hinterbachs, der sich an dieser Stelle mit dem Kalmbach zum Veldenzer Bach vereinigt und einige Kilometer weiter in die Mosel mündet. Hoch über dem Start- und Ziel-Gelände thront die Ende des 17. Jahrhunderts von den Franzosen geschliffene Burg, die irritierenderweise Schloss Veldenz genannt wird. Die Festung war lange Zeit die größte ihrer Art an der Mittelmosel.

Vor zehn Jahren gewann Hannah Schmitt den Veldenzer Lauf, dann wurde sie Mülheimer Weinkönigin (genannt "Sonnenlay"). 2022 war sie drittschnellste Frau Vanessa Engel peilt eine der beiden Bachüberquerungen auf dem Rückweg des 6km-Laufs an

Den Anstieg zur Burg (gut 100 Höhenmeter) mussten die Läufer aber nicht fürchten. Der konstante Anstieg auf der ersten Streckenhälfte bis zur Thelenmühle, die wie einige der einst 20 Mühlen (!) am kaum 10 km langen Hinterbach heute als abgelegenes Ferienhaus genutzt wird, ist aber auch nicht ganz ohne. Dafür fällt der Rückweg umso leichter. Zumindest, wenn man keine muskulären Probleme ereilen, wie Benjamin Stülb. Der junge Mann aus Zeltingen-Rachtig, etwas moselabwärts, lag eigentlich sicher in Führung und sah noch einen Kilometer vor dem Ziel wie der sichere Sieger aus. Doch Krämpfe bremsten den eigentlich vom Radfahren kommenden Ausdauersportler komplett aus. Erst zog der erst zwölfjährige Jonas Teusch (LG Bernkastel-Wittlich/22:08), dann auch noch der der Altersklasse M45 angehörende Christoph Willems (SV Krettnach/22:38) an Stülb (22:52) vorbei.

Dieter Schottes von Meddys LWT Koblenz war der älteste Teilnehmer. Altersklasse: M80! Die erst elfjährige Maria Simon vom TuS Bengel lief die zweitbeste Zeit aller Teilnehmerinnen

Als Erster im Ziel konnte Jonas Teusch knapp zwei Minuten auf seine Mutter Dorothee warten, die zum dritten Mal nach 2006 und 2014 in 24:02 Minuten schnellste Frau war. Knapp eine Minute dahinter folgte die noch elfjährige Maria Simon (TuS Bengel/24:58), die Hannah Schmitt (25:28) auf Distanz hielt. Die ehemalige Gewinnerin (2012) aus dem Veldenzer Nachbarort Mülheim kommt somit wieder ins Laufen. Vor der Corona-Pandemie war sie Weinkönigin ihrer Heimatgemeinde und mit dieser Aufgabe erst einmal voll ausgelastet.

Nach seinem Sieg 2018 verpasste Christoph Willems vom SV Krettnach einen erneuten Erfolg beim Veldenzer Frühlingslauf als Zweitplatzierter nur knapp Familiensieg: Dorothee Teusch war schnellste Frau, ihr zwölfjähriger Sohn Jonas ließ alle 55 Mitläufer hinter sich Krämpfe stoppten Benedikt Stülb auf dem Weg zum schon sicher geglaubten Sieg. Am Ende wurde er Dritter

Trotz winterlicher Kälte und Schnee, die Strecke des Veldenzer Frühlingslaufs kam bei den knapp 100 Teilnehmern trotz oder wegen der durch die Witterung erzwungenen Änderung gut an. Der schmale Pfad mit einigen Auf und Abs, Sprüngen über Baumstämme und einige den Hinterbach speisende Rinnsale machten den Rückweg kurzweilig. Manch einer wird sich das Hinterbachtal auch für eine Wanderung oder einen Traillauf gemerkt haben. Zwar waren auch bei Schnee und Kälte Wanderer auf dem Seitensprung genannten Seitenweg der Fernwanderroute Moselsteig unterwegs, aber noch schöner ist ein Ausflug in das Mosel-Seitental wohl bei echtem Frühlingswetter.

Unermüdlich: Lauftherapeutin Inge Umbach organisiert zusammen mit dem Verein Vulkanläufer und des Freundeskreises der Evangelischen Erziehungshilfe Veldenz seit fast zwei Jahrzehnten die Veldenzer Laufveranstaltung Ordentlich ausgeschildert waren alle Laufrunden durch 100 Prozent Wald beim Veldenzer Frühlingslauf
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Bericht von Holger Teusch
Fotos von Paul und Holger Teusch

Ergebnisse www.chiplauf.de

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