29.4.22 - 16. Rüsselsheim Mainuferlauf

Rüsselsheimer Mainuferlauf in neuem Setting

von Anette Judith Scholl 

"Die Schülerläufe des Mainuferlaufs 2022 entfallen!" Diese Ankündigung in der Ausschreibung des Rüsselsheimer Mainuferlaufs war für die Teilnehmer der Erwachsenenläufe unspektakulär, aber für den LC Rüsselsheim eine gravierende Veränderung: In früheren Jahren hatte der Mainuferlauf mit den ersten Starts für Schüler*innen ab 9.30 Uhr begonnen und den ganzen Tag über gedauert, da in den letzten über zehn Jahren zwischen tausend und zweitausend (!) Schüler*innen an Laufwettbewerben über verschiedene Distanzen teilgenommen hatten.

 

Der Mainuferlauf für die Erwachsenen am Abend hatte die Veranstaltung abgerundet. Dieses Mal musste man Corona bedingt auf die Schülerläufe verzichten. Beim 16. Mainuferlauf waren lediglich zwei Laufstrecken für Erwachsene im Angebot:

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Der 5km Schnupperlauf und der 10km Volkslauf für Erwachsene, der zweimal die 5km Strecke beinhaltete. Dafür gehörte der Mainuferlauf zu den Läufen des HLV-Lauf-Cup "75 Jahre Hessischer Leichtathletik-Verband", bei dem aktive Läufer*innen mit jedem gelaufenen Kilometer von 5km oder 10km Wettbewerben ihr Kilometer-Konto füllen können.

Start im Stadion am Sommerdamm ... und raus aus dem Stadion
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Neben dem Ablauf war auch der Austragungsort bzw. die Startposition neu: Während bei früheren Veranstaltungen am Landungsplatz nahe des Festgeländes zum Mainfest gestartet worden war, fiel nun der Startschuss zum Mainuferlauf im Stadion "Am Sommerdamm". Das Wetter spielte mit: Nachdem in den vergangenen Wochen Temperaturschwankungen zwischen 4°C mit teils winterlichen Niederschlägen und sommerlichen fast 25°C sich abgewechselt hatten, war man nun wieder auf dem aufsteigenden Ast. Am späten Nachmittag zeigte das Thermometer 22°, die Sonne hielt sich teils hinter Bewölkung, aber beim Einlaufen schien es eher drückend und fast schwül, und es war zu ahnen, dass nun wieder die Zeit bevorsteht, in der man übers Wetter meckern kann.

Alles vorbereitet fürs spätere Bratwurstangebot Alles vorbereitet für die Startnummernausgabe

Angenehme Laufstrecke mit viel Abwechslung am Streckenrand

Bei 149 Voranmeldungen konnte man sich über 139 Finisher wirklich nicht beklagen, die Möglichkeit zur Nachmeldung hatte den sonst eher üblichen "Schwund" fast kompensiert. "Wir haben in Anbetracht der Situation mit deutlich weniger Teilnehmern gerechnet!" so Uwe Bernd, 1. Vorsitzender des Leichtathletik Clubs Rüsselsheim e.V. Um 19 Uhr standen die knapp 140 Starter*innen bereit und wurden gemeinsam auf die Strecke geschickt.

Nach Verlassen des Stadions ging es zunächst grob in Richtung Raunheim. Bis auf den kurzen Anstieg zum Sommerdamm war die Strecke recht angenehm zu laufen, tatsächlich war auch der teils mit Schotter bedeckte Untergrund gut befestigt mit nur vereinzelten "Schlaglöchern", denen es auszuweichen galt. Schließlich gelangte man auf den öffentlichen Wegen entlang des Mains bis zum angegebenen Wendepunkt bei Raunheim, der eigentlich kein echter Wendepunkt mit körpernahem Gegenverkehr, sondern eher eine schwungvolle Wendeschleife war. Nach einer geräumigeren Schleife am Landungsplatz gelangte man wieder ins Stadion, wo die 5km Läufer nach einer halben Stadionrunde in den Zielkanal liefen und die 10km Läufer auf ihre zweite Runde gingen.

Interessante Aussichten auf der Laufstrecke entlang der Bauwagensiedlung

Gleich auf dem ersten Kilometer gab es recht ungewohnte Ansichten an der Strecke: Bunt bemalte und ein in schwarz-rot-gelb gehaltener Bauwagen markierten den Anfang der Rüsselsheimer Bauwagensiedlung, in der seit rund 30 Jahren alternativ gelebt wird. Ohne fließend Wasser wird hier auf Luxus verzichtet, das Miteinander zählt. Zwischen den in die Jahre gekommenen, kurios umbauten Wagen sind Liegestühle, Bretterverschläge, verwinkelte Überdachungen angebracht, und neben einer Weltkugel oder Puppenköpfen als Deko sind Tische mit Parolen und Info-Material gegen Umweltsünden und Klimawandel aufgebaut. Die wenigsten dürften Bruno, das HB-Männchen (wieder-)erkannt haben, der in den 1960er und 70er Jahren im bundesdeutschen Fernsehen immer einen Grund fand, cholerisch zu werden, um dann mit dem Slogan "Wer wird denn gleich in die Luft gehen?" zum beruhigenden Glimmstängel zu greifen.

Anette Neiss gewinnt die W50 Roland Rücker wird 2. der M50

Beeindruckende (Team-)Leistungen über 5km

In den 60er Jahren brachte es das HB-Männchen auf einen Bekanntheitsgrad von 96 Prozent der Zuschauer, da stehen die Chancen gut, dass der Opa des 5km-Siegers sich an die Kultfigur erinnert, denn Henri Knievel (Eintracht Frankfurt Triathlon) ist gerade mal 16 Jahre alt. Henri Knievel lief als Erster des Abends über die Ziellinie und siegte in 17:44min über die 5km Distanz. Nur 9 Sekunden mehr brauchte sein Triathlon-Mitstreiter Tim Adolphs (Eintracht Frankfurt Triathlon), um nach 17:53min Zweiter und überlegener M45-Sieger zu werden. Am 10. April in Alsdorf war Tim Adolphs Deutscher Vizemeister im Sprint-Duathlon geworden, wo er über die Sprintdistanz (5 Kilometer Laufen, 20 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen) in 1:11:13std. glänzte. Dritter auf der 5km-Mainuferlaufstrecke wurde Sébastien Durand in 18:33min und siegte damit in der M30.

Henri Knievel gewinnt das 5km Rennen Zweiter wird Tim Adolphs Nachdenklich, die spätere 5km Siegerin Laura Schadow kurz vor dem Start Gwendolyn Langer läuft auf Platz zwei im 5 km Rennen der Frauen

Auch bei den Frauen waren die beiden Ersten Vereinskolleginnen: Laura Schadow (Dextro Energy Sport Team) gewann den 5km Lauf in 23:06min, die Physiotherapeutin Gwendolyn Langer (Dextro Energy Sport Team) wurde in 23:22min Zweite, beide nehmen ansonsten gerne mal einen Berg unter die Füße und sind auf Trailstrecken aktiv. Dritte wurde in 23:40min Anette Judith Scholl (TSV 05 Rot), die eigentlich zum 10km Lauf angetreten war, aber kräftehalber bereits nach 5km ins Ziel lief. Unter den 47 Finishern waren 15 Aktive des Team CrossFit Rüsselsheim und mit 7 weiteren CrossFit-Finishern auf der 10km-Strecke ein eindrucksvolles Beispiel an Team-Motivation abgaben.

Der 10km Sieger fliegt ins Ziel

Noch exakt vier der 47 5km-Finisher waren auf der Strecke, als der Sieger des 10km Laufs sozusagen ins Ziel flog. Frederik Ortmann (Berlin Track Club) hatte sich auf den ersten 500 Metern an die Spitze des Läuferfelds gesetzt und lag beim Passieren des Stadions nach der ersten Runde bereits uneinholbar in Führung. Als Frederik Ortmann nach 33:23min durch den Zielkanal lief, schien er fast zu fliegen. Schade, dass der Hersteller des Laufschuhs, den er trug, nicht vor Ort war, denn das Modell wird genau mit diesen Eigenschaften beworben: Schnellere Konstruktion für bahnbrechende Ergebnisse. Mit diesem Straßenlaufschuh "…erreichst du deine nächste persönliche Bestleistung." Ok, diese Aussage stimmte in Rüsselsheim nicht ganz, denn Frederik Ortmann hatte gerade mal drei Tage zuvor bei der Darmstädter Bahneröffnung seine persönliche Bestzeit über 10.000m um über 1 Minute auf 32:30,83 min gesteigert. Dort war er für seinen Heimatverein LAZ Puma Rhein-Sieg gestartet. Erst kürzlich hatte Frederik Ortmann beim Comeback des Osterlaufs in Ruppichteroth auf der anspruchsvollen Halbmarathonstrecke gemeinsam mit seinem Vereinskollegen gesiegt: die beiden Langstreckler des LAZ Puma Rhein-Sieg Jonas Land und Frederik Ortmann waren nach 1:13:47std Hand in Hand als Sieger ins Ziel gelaufen. Nach dem Freitagabendlauf in Rüsselsheim hatte Frederik offenbar noch etwas vor, denn fast genauso schnell wie er gelaufen war, war er auch enteilt.

10km Sieger Frederik Ortmann scheint ins Ziel zu fliegen Johannes Fischer wird Zweiter vor ... ... Constantin Mildner

Als zweiter Mann überquerte Johannes Fischer (Sophie-Scholl-Schule Flörsheim) nach 34:42min die Ziellinie. "Als ich ihn beim Einlaufen mit seinen Schuhen gesehen hatte, ahnte ich schon, dass er nicht zu schlagen sein würde. 10 bis 12 Sekunden macht man mit diesem Laufschuh mit durchgehender Carbonfaserplatte auf 10km zusätzlich gut." Johannes Fischer war ebenso auf Carbon nach Rüsselsheim gekommen, das Fahrrad in leuchtendem Neon passte fast exakt zum Heimfahrt-Outfit. "So habe ich gleich noch zwei Fahrrad-Einheiten mitnehmen können, der Rest des Wochenendes ist dann Freizeit." Johannes Fischer ist erst seit einem halben Jahr in der Gegend, denn er arbeitet als Lehrer für Mathe und Sport an der Sophie-Scholl-Schule. Auch von seinem Wohnort in Langen fährt der 27-jährige Triathlet fast ausschließlich mit dem Fahrrad zur Schule und zurück, zum weiteren Training hat er sich im Moment dem Triathlon Team DSW Darmstadt angeschlossen.

Dritter wurde Constantin Mildner (TV Waldstraße Wiesbaden) in 36:16min und blieb damit nur wenige Sekunden hinter seinem Ergebnis der Hessischen Langstrecken-Meisterschaften in Erbach im Odenwald vom 9. April. Dort hatten ihm die auf der (zuvor noch schneebedeckten) Bahn gelaufenen 36:12 Minuten über 10.000m den Vize-Titel der Altersklasse M30 beschert. Sein läuferisches Potenzial hatte Constantin Mildner schon im Oktober 2021 beim Bienwaldmarathon in Kandel zeigen können. Dort war er beim 43. Nationalen Halbmarathon in 1:19:07 eine neue persönliche Bestzeit und auf Platz 9. gesamt bzw. AK-Platz 4 gelaufen.

Anna Jamin nach den ersten 5km noch vor Irina Haub Irina Haub läuft schließlich als Erste über die Ziellinie 10km Dritte wird Michaela Krolla

Bei den Frauen siegen bekannte Gesichter

Bei den Frauen an der Spitze ging es da schon enger zu. Irina Haub (DJK Flörsheim) und Anna Jamin (LaufZeit-Lauflabor und Running Store) waren auf der ersten Runde mehr oder weniger zusammen gelaufen, beim Stadiondurchgang nach 5km lag Anna Jamin knapp vorn. "Ich hatte gedacht, wir können zusammen laufen, aber in der zweiten Hälfte hat sie etwas geschwächelt, da bin ich dann in Führung gegangen." Irina Haub, gern gesehene Vielstarterin im Maingebiet, gab die Führung nicht mehr aus der Hand und lief nach 40:57min als Siegerin ins Ziel. "Mit diesem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, denn mein letzter Marathon liegt noch nicht lange zurück." Am 10. April hatte Irina den Zürich Marathon in 2:59:47std gefinisht und damit Platz 21 aller Frauen bei diesem Event erlaufen.

10km Siegerin Irina Haub (21) und W55 Siegerin Judith Scheifler im Ziel Johannes Fischer nimmt auf dem Heimweg noch eine Radeinheit mit

In Rüsselsheim hatte Irina fast noch den Atem ihrer Verfolgerin im Nacken gespürt, denn Anna Jamin überquerte in 41:01min nur knapp vier Sekunden nach ihr die Ziellinie. Manch einer mag ihr bis dato nicht nur bei Laufveranstaltungen begegnet sein, sondern kennt sie aus den Medien. In einem Beitrag des HR Fernsehens zum Thema Long Covid kam Anna Jamin zu Wort, denn die Langstreckenläuferin hatte nach einer Corona Erkrankung an Weihnachten 2020 selbst Monate nach der Erkrankung noch Probleme, wieder fit zu werden. Dass sie zwischenzeitlich wieder "auf dem Damm" ist, bewies sie beim Bienwald(halb)marathon im letzten Oktober, wo sie in 1:35:42std Rang 5 belegte. Danach ging es für sie weiter aufwärts: Beim 30. Seppel-Kiefer-Gedächtnislauf in Bad Kreuznach am 21. März 2022 war Anna Jamin (TV Waldstraße Wiesbaden) in 40:19min Siegerin des 10km Laufs und bei Testläufen am 4. April vor den Langstreckenmeisterschaften im Stadion lief Anna Jamin über 5000m ihre Bestzeit in 19:29,7min.

Ergebniserfassung im Ziel - Handarbeit, aber zuverlässig Gut gelaunte Helferinnen bei der Zielverpflegung

Dritte Frau wurde in 42:39min Michaela Krolla (…läuft!!!) und war damit schnellste Frau in der W35. Für den ersten Platz der W35 scheint Michaela Krolla in Rüsselsheim ein Abo zu haben, denn auch bei der Lindenseelaufserie ist sie damit regelmäßig gelistet. Vierte Frau wurde Lokalmatadorin Anette Neiss (LG Rüsselsheim) in 44:12min und siegte damit deutlich in der W50.

Gute Atmosphäre im Stadion am Sommerdamm

Nach dem Lauf gab es am Stadionkiosk Getränke und Würstchen, die von Wolfgang Kerks, dem 1. Vorsitzenden der LG Rüsselsheim, und seinen Kollegen mit einem netten Spruch als kostenlose Beigabe unter die Leute gebracht wurden. Dabei war sogar an vegane Bratwürste gedacht worden.

Sport Göttert -starkes Team und schöne Siegerprämie Team Crossfit mit den meisten Startern
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Aufgrund der relativ späten Startzeit und der Ergebniserfassung "in Handarbeit" dauerte es ein wenig bis zur Siegerehrung. Wer ausharrte, konnte sich über attraktive Preise freuen. Für den LC Rüsselsheim gab es ein positives Resümee: "Wir werden es wohl beibehalten, Start und Ziel im Stadion anzubieten, wo auch die Umkleiden und sanitären Anlagen in direkter Näher sind. Bei den letzten Mainuferläufen mit der Kerb im Hintergrund war es doch zeitweilig sehr unruhig. Wir überlegen noch, ob wir die Starts auf eine frühere Zeit setzen, damit die Siegerehrungen zeitiger beginnen. Es war schade, dass nun viele schon weg waren." Auf jeden Fall gab es auch von den Teilnehmenden positive Resonanz. Perspektivisch ist der 17. Rüsselsheimer Mainuferlauf schon in Sichtweite.

Bericht und Fotos von Anette Judith Scholl
Fotos von Start und Zieleinlauf von Uwe Bernd LC Rüsselsheim

Ergebnisse & Info www.lindenseelauf.de

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