6.3.22 - 14. X-Duathlon / Crossduathlon-DM in Trier

Jonas Hoffmann wiederholt DM-Sieg von 2019 in Trier

von Holger Teusch 

Anna-Lena Theisen vom Post-SV Tübingen und Jonas Hoffmann (1. Tri Finish Münster/ Racetract Racing Team) heißen die neuen Deutschen Meister im Crossduathlon und Gewinner der 14. Auflage des BMW-Cloppenburg X-Duathlons von Tri Post Trier. 340 Ausdauersportler kamen bei der Ausdauersport-Veranstaltung im altehrwürdigen Trierer Waldstadion ins Ziel.

 

Was hat das Trierer Waldstadion nicht schon alles erlebt! Olympiateilnehmer gaben sich in der idyllischen Arena die Klinke in die Hand, für die besten deutschen Leichtathleten war die Teilnahme am Trierer Pfingstsportfest jahrelang ein Muss. 1972 warf Karl-Hans Riehm den 7,26 Kilogramm schweren Hammer auf die Weltjahresbestleistung von 73,44 Meter. Doch seit bald einem halben Jahrhundert ist es ruhig geworden im Waldstadion. Die Rundbahn wurde nie mit einem Kunststoffbelag ausgestattet.

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Mit dem Aufkommen des schnellen Untergrundes starb das Pfingstsportfest. In Trier erhielt Mitte der 1980iger Jahre das zentral gelegene Moselstadion eine Tartanbahn. Spätestens seitdem trainieren die Leichtathleten - Idylle, Ruhe und sauerstoffreichere Luft am Rande des Weißhauswaldes hin oder her - vornehmlich im Tal.

Platz für mehr als 400 Fahrräder mussten die Organisatoren in der Wechselzone schaffen So wie Martin Reusch und Johannes Scherer die Treppe zum Wildgehege hinauf laufen, kann man erkennen, wie anspruchsvoll der berüchtigte Abschnitt der X-Duathlon-Laufstrecke ist
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Sportfeste von Bedeutung wird es im Trierer Waldstadion keine mehr geben. Aber dass Sportveranstaltungen hier eine Heimat finden können, beweist die Triathlon-Abteilung des Post-Sportvereins Trier (PST), die selbstbewusst wie ein eigener Verein Tri Post Trier genannt werden will, seit 2008 mit dem BMW Cloppenburg X-Duathlon.

 

Denn das Waldstadion bietet immer noch einiges: Zum einen Platz für einen großzügige Start-Ziel- und - im Fall eines Duathlons - Wechselbereich. Auch Parkplätze sind dank der Trierer Fachhochschule in akzeptabler Entfernung in großer Anzahl vorhanden.

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Das große "X" ist das Markenzeichen der Trierer Veranstaltung. Sieger und Platzierte bekommen einen handgefertigten Holzpokal mit dem Veranstaltungssymbol Gut ausgeschildert und abgesichert war der X-Duathlon-Parcours

Und dann ist da natürlich die Nähe zum Weißhauswald. Bedingungen, die das Herz eines jeden naturverbundenen Ausdauersportlers höher schlagen lässt und die die Tri-Post-Verantwortlichen zu nutzen wissen. Die fast durchweg gut gepflegten Waldwege nur etwas mehr als einen Kilometer vom Zentrum von Deutschlands ältester Stadt mit der Porta Nigra entfernt, sind nicht nur das Ziel vieler Sonntagsspaziergänger. Besonders für Familien mit kleineren Kindern sind die Wege entlang der Wildgehege mit ihren Wildschweinen, Mufflons, Rehen und vielem anderen Getier ein kleines Paradies. Der Weißhauswald ist neben den flachen Wegen entlang der Mosel und der Runde auf dem Moselstadion-Gelände eins der bevorzugten Laufreviere der Trierer. Zugegeben, die Profile der meisten Strecken sind sehr anspruchsvoll. Es gibt Strecken durchs sogenannte Falsche Biewertal, über den Panoramaweg hoch auf den Sandsteinfelsen über der Mosel und durch den eigentlichen Weißhauswald. Eine Standardstrecke ist die Schusterskreuzrunde über etwa acht Kilometer mit immerhin rund 170 Höhenmetern.

In die Jahre gekommen ist das Hauptgebäude des altehrwürdigen Trierer Waldstadions Franziska Espeter vom TV Laasphe gewann dank zweier fast identischer 2,5-km-Läufe zu Beginn und am Schluss die Volksduathlon-Wertung

Statt per pedes erklimmen die Duathleten die markante Wegkreuzung Schusterskreuz beim X-Duathlon seit 14 Jahren mit dem Mountainbike. Der Radparcours fordert den Teilnehmern alles ab. Vom Waldstadion aus geht es sofort bergan am Wildschweingehege vorbei auf den Kockelsberg. Der Anstieg lässt sich in drei Etappen unterteilen. Der erste Anstieg beginnt direkt hinter der Wechselzone. Einige hundert Meter flache Wegstrecke können (und sollten) zur Erholung genutzt werden, bevor der mittlere (und vielleicht schwerste) Teilanstieg folgte, der fast nahtlos in die zunächst seichte Steigung hinauf zum Schusterskreuz mündet. Von dort führt die Strecke noch weiter bergan auf besagten Kockelsberg. Die Abfahrt führt zunächst über einen Trail. Dem einzigen der Mountainbikestrecke. Das ist einer der wenigen Punkte, die an der Veranstaltung kritisiert wird: Zu wenig Singletrailanteil. Wenn es dann auch noch weitgehend trocken ist, wie am ersten März-Wochenende 2022, hat die Radstrecke schon etwas von "Waldautobahn".

Internationale Beteiligung beim "Cross der Asse". Carmen Coljon vom luxemburgischen CSN Clervaux in den Ardennen war als Gesamt-Neunte schnellste W30-Starterin 13. Platz in der Gesamtwertung und Sieger der M35: der Niederländer Tibor Gijssen

Das Schusterskreuz, ein Wegkreuz aus dem 18. Jahrhundert, das an den plötzlichen Tod von Heinrich Umbscheiden, der für die Schumacherzunft im Trierer Stadtrat saß, erinnert, ist ein idealer Zuschauerpunkt. Denn zunächst passieren die Sportler die Stelle beim Aufstieg zum Kockelsberg und kurze Zeit später in der Abfahrt noch einmal. Beide Male sind die sehr langsam. Beim zweiten Mal wegen der scharfen Kurven. Spektakuläre Drifts liefern die Radfahrer - gewollt oder ungewollt - frei Haus. Anschließend geht es über meist gut ausgebaute Waldwege ins "Falsche Biewertal". Von dort muss noch ein kurzer Anstieg zum Waldstadion bewältigt werden, bevor es in die nächste Runde oder die Wechselzone geht. So summieren sich rund 800 Höhenmeter! Weil das Schusterskreuz allerdings nur zu Fuß erreichbar ist, wagen nur wenige Zuschauer den Anstieg. Dabei kommen die Teilnehmer dort pro MTB-Runde zweimal vorbei. Und beim Volksduathlon (2500 Meter Laufen, 11,5 km Rad fahren, 2500 Meter Laufen) musste die Radstrecke zwei-, beim sogenannten "Cross der Asse" (5 km Laufen, rund 23 km Rad fahren, 2,5 km Laufen) sogar viermal absolviert werden.

Mit großen Schritten lief Jonas Hoffmann zum zweiten Wechsel. Die Führung ließ sich der 25-Jährige auch beim Abschlusslauf über 2,5 km nicht mehr nehmen Wie schon 2019 gewann Jonas Hoffmann den deutschen Meistertitel im Crossduathlon in Trier

Die beiden Rennen sind das Fundament des Trierer BWM Cloppenburg X-Duathlons und werden seit der Premiere 2008 durchgeführt. In den Volksduathlon ist auch ein Staffelrennen integriert. Dadurch, dass Teams im Asserennen nicht zugelassen sind, bleibt die Übersicht dort erhalten. Die Lauf- ist zwar weniger crossig, als die Radrunde, aber ebenfalls anspruchsvoll. Vom Waldstadion führt die Strecke zunächst bergab ins Falsche Biewertal. Über den Waldweg am südlichen Talrand geht weiter leicht bergab. Dann wechselt die Strecke auf die andere Talseite und auf den Teerweg. Nun geht es zurück und leicht bergan. Ähnlich wurde jahrelang beim TriLag-Volkslauf des PST Trier gerannt. Einer der Sieger: Herbert Steffny. Doch anders als beim TriLag-Lauf führt die Strecke nicht direkt am Wildgehege vorbei (da ist beim Duathlon der Mountainbike-Parcours), sondern über eine Treppe (!) zurück zum Waldstadion. Die Runde ist etwa 2,5 Kilometer lang und muss entsprechend oft absolviert werden.

DM-Bronze dank der zweitbesten Zeit auf dem Rad: Scott Anderson vom ESV Eintracht Hameln. Zwischenzeitlich sah es sogar so aus, als könne der 25-Jährige dem Trierer Lokalmatador Jens Roth die Vizemeisterschaft streitig machen Jens Roth schonte seine Socken nicht, trotzdem musste sich der Lokalmatador von Tri Post Trier nach 2019 zum zweiten Mal Jonas Hoffmann geschlagen geben Timo Böhl vom TV Einigkeit Netphen war auf den Laufabschnitten der Zweitschnellste hinter Jonas Hoffmann, verlor aber zu viel Zeit auf dem Mountainbike: DM-Platz fünf

Wie bereits 2017 und 2019 wurden auch beim 14. X-Duathlon die Deutschen Meister in der Disziplin Crossduathlon gekürt. Und wie vor drei Jahren kürte sich Jonas Hoffmann nicht nur zum König der Laufstrecke (mit den herausragenden Zeiten), sondern schnappte sich wieder vor Lokalmatador Jens Roth von Tri Post Trier den Titel. "Mein Plan war, direkt am Anfang Druck zu machen, weil das Laufen mit Sicherheit meine Stärke ist. Aber kontrolliert. Ich wollte heute auch zeigen, dass ich auf dem Rad stark bin", sagte Hoffmann. Nur eine halbe Minute konnte Roth auf den vier MTB-Runden über den Kockelsberg gut machen. Beim abschließenden 2,5-Kilometer-Lauf war Hoffmann wieder eine Minute schneller. Der Titel hat für den 25-Jährigen, der für 1. Tri Finish Münster und das Racetract Racing Team startet, einen hohen Stellenwert. Nachdem die Titelkämpfe 2020 Corona-bedingt ausgefallen waren, 2021 Mathias Frohn vom TuS Schleiden bei seinem Heimrennen gewonnen hatte (aber nicht zur Titelverteidigung antrat), hatte Hoffmann den Crossduathlon-DM-Titel als eins seiner Saisonziele für 2022 auserkoren.

Jens Becker vom TuS Winzeln war als Gesamt-Siebter bester "Master" und damit Deutscher M40-Meister Robin Schüßler vom DSW Darmstadt sicherte sich den M20-Titel als Zehnter der Gesamtwertung

Dass es damit so gut geklappt hat, freute den Siegerländer. Auch vor dem Hintergrund des Überfalls auf die Ukraine gut eine Woche vor dem Rennen. Er sei dankbar, dass er Sport treiben könne. Dass dies gar nicht so selbstverständlich ist, sieht man beim Blick nach Osten. Den X-Duathlon abzusagen war für die Tri-Post-Verantwortlichen aber keine Option. Sport und Völkerverständigung statt Krieg! Um der Verbundenheit mit der Ukraine Ausdruck zu verleihen, wurde vor dem Start zum Hauptrennen eine Schweigeminute eingelegt. Einige Duathleten starteten mit je einem blauen und einem gelben Socken.

Hatte selbst im harten Anstieg noch ein Lächeln auf den Lippen: Anna-Lena Theisen vom Post-SV Tübingen sicherte sich den nationalen Titel und den X-Duathlon-Gesamtsieg bei den Frauen Im Ziel konnte Anna-Lena Theisen erst gar nicht glauben, dass sie die Deutsche Meisterin ist

Wie 2017 hätte Jens Roth sich bei seinem Heimrennen natürlich gerne wieder den DM-Titel gesichert. Doch der gelernte Schwimmer kann bei einem Duathlon gegen Laufspezialisten wie Hoffmann nur schwer einen Stich bekommen. Diesmal war zudem die Strecke zu leicht. Nach viel Regen im Februar trocknete der sandige Boden im Weißhauswald weitgehend ab. Technisch hatte Roth deshalb auf dem Mountainbike kaum Vorteile. Gerade einmal eine halbe Minute machte er gut. Beim ersten 5-km-Lauf hatte er 1:25 Minuten verloren. Beim zweiten Lauf (2,5 km) kam noch einmal eine Minute dazu. Es fühle sich aber nach einem gewonnen Vizetitel statt einem verlorenen Titel an, sagte der 34-Jährige nach dem Rennen. Zwischenzeitliche musste sich Roth auf der Radstrecke sogar den Angriffen von Scott Anderson (ESV Eintracht Hameln) erwehren. Der wie Hoffmann 1996 geborene Sportler (und damit acht Jahre jünger als Roth) war auf den ersten fünf Lauf-Kilometern nur sieben Sekunden langsamer als Roth und schloss auf dem Mountainbike zeitweise zu dem Lokalmatador auf. Am Ende trennten die beiden nur 48 Sekunden.

Die erst 17-jährige Rebecca Bierbrauer von Tri Post Trier freute sich über DM-Bronze in der offenen Frauenwertung und dem U20-Titel Josephine Noack vom Buxtehuder Sportverein wurde Deutsche Vizemeisterin

Ähnlich wie Hoffmann bei den Männern feierte Anna-Lena Theisen bei den Frauen einen Start-Ziel-Sieg. Nach 18:30 Minuten für die ersten fünf Lauf-Kilometer war sie auch auf dem Mountainbike die Schnellste. Die letzten 2,5 Lauf-Kilometer legte nur die 24-Jährige und die sieben Jahre jüngere Rebecca Bierbrauer im einstelligen Minutenbereich zurück. Knapp dreieinhalb Minuten Vorsprung auf die Zweitplatzierte Josephine Noack (Buxtehuder Sportverein) hatte Theisen im Ziel. Bierbrauer, wie Roth ein Eigengewächs von Tri Post Trier, verlor auf der Radstrecke fast acht Minuten. Die Stärken der 17-Jährigen liegen eindeutig im Laufbereich. Im vergangenen Dezember war sie Deutsche U18-Vizemeisterin im Crosslauf geworden. In der Leichtathletik startet Bierbrauer allerdings für den Verein Silvesterlauf Trier.

Birgit Unterberger vom Zeppelin-Team/OSC Potsdam war als fünftschnellste Frau beste W45-Teilnehmerin Britta Andersons Start in Trier stand unter einem guten Stern. Die 53-Jährige vom ESV Eintracht Hameln wurde Deutsche Meisterin in der Altersklasse W50

Auch Theisen komme aus der Leichtathletik. "Ich hatte nicht dran gedacht. Ich konnte es nicht einschätzen. Da ich vom Laufen komme, wusste ich nicht, wie es mit dem Radfahren klappt und wie die anderen fahren", erzählte die 24 Jahre alte Studentin der Medizinischen Strahlenwissenschaften, dass die Crossduathlon-DM für sie eigentlich eine Wundertüte war. Für die LG Rhein-Wied startend war sie als Jugendliche bereits rheinland-pfälzische Jugendmeisterin und bei Deutschen Meisterschaften dabei. Aber einen nationalen Titel hatte sie noch nie gewonnen. Weil sie aber schon immer gerne Rad gefahren sei, habe sie sich überlegt es auch mit Duathlon und Triathlon zu versuchen. "Am Schwimmen arbeite ich noch", sagte sie lachend. Der Fokus liegt aber doch auf dem Duathlon. Ein Traum nach dem nationalen Titel ist ein internationaler Start: "Wenn ich nominiert werde, würde ich gerne in Alsdorf starten. Das ist die EM im Duathlon."

Tri-Post-Trier-Chef Helmut Rach konnte mit dem Ablauf des 14. BMW Cloppenburg X-Duathlon und der dritten Deutschen Meisterschaft zufrieden sein Traditionelle Pokale gab es beim X-Duathlon nur für die Platzierten der Rheinland-Pfalz-Meisterschaftwertung
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Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse www.de-timing.de & Infos www.x-duathlon.de

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