10.2.24 - 38. Frühjahrslauf Groß-Gerau

"Einmal wie immer" - aber doch nicht ganz

von Anette Judith Scholl 

 

Eigentlich hätte das Motto lauten können: "Frühjahrslauf - einmal wie immer", denn traditionell am Faschingssamstag hatten die Langstreckler des TV 1846 Groß-Gerau wieder zum Frühjahrslauf eingeladen. Der Start am Woogsdamm im angrenzenden Wald am Freizeitzentrum Nazir Bagh war dieses Mal auf 14 Uhr terminiert, die Siegerehrung und Bewirtung in der Stadthalle standen auch wieder auf dem Programm, und sogar die Anmeldezahlen gingen mit 267 Voranmeldungen wieder in Richtung des früheren Niveaus.

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Start zum 38. Frühjahrslauf Groß-Gerau und 1. Lauf im Lang Laufcup 2024 (Foto HJH)
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Alles war bestens vorbereitet, aber dann musste doch spontan eine "Anpassung" vorgenommen werden. Thomas Vogel, TVGG-Langstreckler-Abteilungsleiter, informierte knapp vor dem Lauf: Man hatte am Vortag die Strecke abgefahren und markiert, eine große Pfütze mit einer ordentlichen Menge Schotter aufgefüllt, aber trotzdem hatte es am Morgen eine Überraschung gegeben - einige Streckenabschnitte standen so stark unter Wasser, dass der Lauf nicht auf dem gewohnten Kurs durchgeführt werden konnte. Schnell musste eine Ersatzstrecke ausgewiesen werden, denn absagen war keine Alternative. Die ansonsten 10km-Strecke war nun also etwas kürzer, 9,5km war die Annahme von Thomas Vogel, am Ende waren ziemlich genau 9 Kilometer zu laufen, die Finisher nannten später Zahlen zwischen 8,95km und 9,10km.

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Dieses Jahr wohl das einzige kostümierte Läuferpaar - Bärbel Großmann und Cevdet Özel Reibungslose und freundliche Startnummernausgabe Das Mitlaufen ist Ehrensache für Moritz Hupel als Sponsor und Schuhhaus Lang Inhaber

Faschingsgefühle? Fehlanzeige

 

Faschingsnasen waren dieses Mal kaum auszumachen, lediglich Cevdet Özel und Bärbel Großmann (TV Laubenheim 1883) traten auch an diesem Faschingssamstag in erkennbarer Kostümierung an, aber Hasenohren, Löwenschwänze, Prinzessinnen oder Harlekine gab es genauso wenig zu sehen wie Ballerina-Tüll-Röckchen.

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Moritz Hupel, Geschäftsführer von Schuhhaus Lang, trug einen sehr bunten Anzug, der möglicherweise in den 70-er Jahren als Trainingsanzug hätte durchgehen können, aber in der Gegenwart doch als Faschings-Outfit erkennbar war. "Die dazu gehörige, große Perücke habe ich mir erspart", so Orthopädie-Schuhmachermeister Moritz Hupel, "denn nach längerer Verletzungspause und mit ein paar Kilos mehr musste ich mich auch so schon quälen!" Dennoch hatte er es sich nicht nehmen lassen, als Sponsor persönlich mitzulaufen, denn der Frühjahrslauf war wie in jedem Jahr auch erster Lauf und Auftakt zum Lang-Laufcup, der heuer mit 15 beteiligten Läufen sicher wieder viele (Mit-)Läufer:innen aktivieren wird. Selbst Schuhhaus-Lang-Senior Dieter Lang wurde an der Strecke gesichtet und sofort in Gespräche verwickelt.

Dies waren nicht die einzigen Pfützen - daher die spontane Streckenänderung Die mobile Toiletten-Kabine als willkommener Farbtupfer im Grau-in-Grau

So war also wenig Faschingsfeeling zu spüren, dafür sah man an der Startnummernausgabe und beim Blick in die Teilnehmerliste, dass mit ambitionierten Finisherzeiten zu rechnen war. Der bekanntermaßen schnelle Rundkurs, "vollkommen eben", der im Normalfall auf gut befestigten Wegen zu 100% durch den Wald führte, lockte regelmäßig starke Läufer:innen aus dem Großraum Rhein-Main an, die diesen frühen Termin im Jahr gerne für einen ersten Formtest nutzen wollten.

Die Moschee am Freizeitzentrum Nazir Bagh, immer wieder ein stimmungsvoller Austragungsort Der LC Olympia Wiesbaden war mit großer Mannschaft startklar

 

Von den 267 Voranmeldungen und einigen Nachgetragenen, deren Startgebühren noch nicht registriert gewesen waren, liefen 245 Finisher in den Zielkanal. "Ca. 30 sind nicht angetreten", so das Resümee von Thomas Vogel. Aber insgesamt war man zufrieden mit der Resonanz, fast fünfzig Meldungen mehr als im vergangenen Jahr.

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Erfreulich großes Starterfeld im Groß-Gerauer Wald Frühjahrsläufer schlängeln sich durch den Faschingswald (2 Fotos HJH)

Schnelles Teilnehmerfeld

Die Zuschauer im Groß-Gerauer Wald musste nicht lange warten, in weniger als einer halben Stunde war das Führungsfahrrad in Sicht, und es war noch nicht ganz ersichtlich, wer nun das Rennen machen würde. Leander Fink (TV Alzey) lag in Führung, aber Michael Wiegerling (Spiridon Frankfurt) war ihm dicht auf den Fersen. In einem heißen Schlussspurt beschleunigten beide noch einmal ihr Tempo, aber der 22-jährige Leander wollte dem Spiridon-Läufer nicht das Feld überlassen. Mit einem guten Meter Vorsprung überquerte er nach 29:22min die Ziellinie. Auch Michael Wiegerling wurde mit 29:22min gelistet. Michael hatte letztes Jahr im September in Remich/Luxemburg mit 31:52 min erstmalig die 32min-Marke unterboten, Leander war im Dezember in Rheinzabern nach 30:50min im Ziel gewesen - "echte" 10km in Groß-Gerau hätten ein spannendes Rennen versprochen. Eine Minute später überquerte der dritte Mann die Ziellinie: Sebastian Bienert (LG BSN) finishte in 30:26min. Letzten Oktober in Offenbach am Mainufer war er mit 32:45min noch unter 33 Minuten geblieben, das wäre ihm wohl im Groß-Gerauer Wald nicht gelungen, denn die Laufstrecke war trotz aller Vorkehrungen stellenweise aufgeweicht und rutschig, nicht ganz einfach zu laufen.

Zielspurt - Leander Fink hat die Nase vor Michael Wiegerling Dritter Mann Sebastian Bienert Jens Bäss wird M45 Sieger und vierter Mann Michael Waraus siegt in der M60. Die Ergebniserfassung im Zielkanal nach wie vor per Handarbeit (Fotos 4 HJH)

Bei den Frauen stand die Frühjahrslaufkönigin eigentlich schon beim Eintrag in die Starterliste fest, auch wenn sie kein Krönchen trug: Franziska Baist (SGK Bad Homburg) war uneinholbar und unangefochtene Siegerin: Nach 33:05min drückte der Zeitnehmer - auch dieses Mal wieder in Handarbeit - auf die Uhr. Franziska Baist hatte nur acht Herren den Vortritt gelassen. Zweite Frau im Zielkanal war Leonie Gieser (LCO Lorsch) - sie wurde mit 34:20min in die Ergebnisliste eingetragen.

Franziska Baist siegt mit deutlichem Vorsprung Es geht Schlag auf Schlag im Zielkanal (Fotos 2 HJH)

Die Ergebnisse der um ca. einen Kilometer verkürzten 10km-Distanz sind nicht auf einen Blick vergleichbar mit sonstigen 10km-Resultaten, aber man muss kein großer Rechenkünstler sein, um zu erkennen, dass in Groß-Gerau wieder schnelle Zeiten abgeliefert wurden. "Wenn ich mein Ergebnis hochrechne, komme ich auf eine neue persönliche Bestzeit", so Leonie Gieser, die von 800m bis zum Marathon offenbar alles laufen kann. Die Lorscherin war im letzten Oktober in Köln bei ihrem erst zweiten Start über die klassische Marathon-Distanz in neuer Bestzeit (2:55:42std) auf Platz elf der Marathon-DM gelaufen.

Dieses Mal wieder große Siegerehrung in der Stadthalle… …mit erfreulich großem und leckerem Kuchenangebot

Clara Costadura hat schon allen Grund, sich zu freuen - andere verpassen sich einen Künstlernamen, der am Ende nicht halb so gut klingt, und eine solche naturrote Lockenpracht ist doch wahrlich ein Grund zur Freude, wer hat schon italienische Eltern mit irischen Wurzeln? Nach dem Zieleinlauf im Groß-Gerauer Wald war Clara Costadura ganz aufgewühlt vor Freude, denn nach langwieriger Verletzungsphase lief sie als Tagesdritte in den Zielkanal. Damit hatte sie nicht gerechnet, 35:17min und endlich wieder in aufsteigender Form. "Ich war ehrlich gesagt ganz froh, dass die Strecke kürzer war, denn ich hab alles gegeben!"

Neben Clara Costadura und dem Sieger Michael Wiegerling nahmen noch drei weitere "Spiridoner" am Frühjahrslauf teil, und ausnahmslos alle fünf erreichten AK-Platzierungen: Als Gesamt-Zehnter kam Daniel Nohe in 33:11min auf Platz 2 der M20. Vielstarter Florian Kaltenbach belegte in 33:44min Platz 3 der M45, und Marion Peters-Karbstein, die als Spiridonerin unter neuer Flagge segelt, belegte mit 42:31min in ihrer neuen Altersklasse W60 den zweiten Platz. Genau eine Minute vor ihr erreichte W60-Debütantin Claudia Fiebig-Keller (TV Hergershausen) das Ziel und den W60-Sieg (41:31min). Claudius Pyrlik (SSC Hanau-Rodenbach) lief als fünfter Mann ins Ziel und siegte mit vier Minuten Vorsprung auf den zweiten in der M50. Die hessischen W50-erinnen müssen sich auch wärmer anziehen, denn Marina Lefort (SG Arheiligen Triathlon) startet nun in der neuen Altersklasse (1. W50 in 37:58min). Die 75 Jahre nimmt man ihm eigentlich nicht ab, aber irgendwas muss wohl dran sein, sonst hätte Klaus Hofmann (TuS Griesheim) nicht die M75 gewinnen können.

Auf die Gesamtsieger warten attraktive Preise Und eine wahre Preis-Parade erwartet die Altersklassensiegerinnen und -sieger

War sonst noch was?

Was gab es sonst noch Interessantes? Neben einem Läufer aus Wetzlar dürften drei Läufer des LT Rothenberg (Oberzent) und einer aus Nussloch die weiteste Anreise in Kauf genommen haben. Übrigens gibt es mindestens bei Letztgenannten auch schöne Laufveranstaltungen, nämlich den Rothenberger Panoramalauf und den Nusslocher Wiesenlauf. Die finden im Sommer statt, aber davor kann man am Ende der Osterferien den Griesheimer Straßenlauf mitnehmen. Die weitaus größte Gruppe kam aus Wiesbaden, denn der LC Olympia Wiesbaden war mit fast dreißig Aktiven (genau 29) zum Frühjahrslauf angereist, von denen sieben auf einen Streich AK-Platzierungen erreichten. Manch einer wird auch den Gänsebratenvernichtungslauf kennen, der jährlich am 26.Dezember mit Start an der Nero Bergbahn vom LCO veranstaltet wird, um überschüssigen Weihnachtskilos den Kampf anzusagen. Kerstin Stephan (LC Olympia Wiesbaden) ist regelmäßiger Gast beim Frühjahrslauf. 2020 ging sie als Siegerin in die Annalen ein, 2023 stand sie als Dritte auf dem nicht-aufgestellten Siegertreppchen und dieses Mal wurde sie Gesamt-Vierte und W45-Siegerin.

Schnellste Frau Franziska Baist mit Moderator Gerhard Wenz Schnellster Mann mit hauchdünnem Vorsprung - Leander Fink

Neben den üblichen Vereinsbezeichnungen kann man in der Ergebnisliste originelle Angaben wie "Eddersheimer Bahnschranken Gegner", "Fräulein Triathlon" und "Stop eating animals" finden, es ist aber zu vermuten, dass keine der Bezeichnungen als Faschings-Scherz gemeint ist.

Zweite Frau Leonie Gieser Dritte Frau Clara Costadura mit Vereinskollegen Florian Kaltenbach, 3. M45 (Spiridon Frankfurt) Schnellste der LCO Wiesbaden und vierte Frau in Groß Gerau - W45-Siegerin Kerstin Stephan

Nach dem Lauf verließ man rasch den Wald in Richtung Groß-Gerau Stadtmitte. Denn dieses Mal gab es wieder warme Duschen, eine umfassende Siegerehrung, die angekündigte Tombola mit attraktiven Preisen und ein leckeres Kuchenbüffet in der Stadthalle. Gerhard Wenz, der, man darf es sagen, keine 70 mehr ist, war wieder als Moderator zur Stelle. Hans-Jürgen Homfeld druckte am Ende noch Urkunden für diejenigen aus, die es wünschten. Dank der zahlreichen Helfer und dem Orga-Team um Thomas Vogel ging gegen 17 Uhr eine tolle Veranstaltung zu Ende. Wir freuen uns schon auf den Frühjahrslauf im nächsten Jahr!

Nach 9 gemeinsamen Kilometern gab es noch viel Gesprächsstoff - Zweiter Mann Michael Wiegerling (links) und Sieger Leander Fink …und auch das ein Groß-Gerauer Frühjahrslauf-Special - tolle Tombola-Preise
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Bericht von Anette Judith Scholl
Fotos von Anette Judith Scholl & Hans-Jürgen Homfeld (HJH)

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