4.2.24 - Dortmund DO IT FAST Run auf Phoenix-West

Rekordregen im Schatten der Industriekultur bei der Winter-Edition

von Jörg Engelhardt 

Zu Füßen eines stillgelegten Hochofens feiern 667 Finisher ein Laufsportfest bei zeitweiligem Nieselregen, das mit zwei neuen Streckenrekorden auf der 5-Kilometer-Distanz veredelt wurde.

 

Die Winterzeit zu Beginn eines jeden Jahres, das ist immer auch die Zeit für schnelle Läufe auf schnellen Strecken. Zuletzt war das schon bei einigen Winterlaufserien im ganzen Land zu sehen und auch heute zu Füßen eines stillgelegten Industriedenkmals sollte sich ein ziemlich großer Teil der besten Läuferinnen und Läufer Nordrhein-Westfalens im Dortmunder Stadtteil Hörde einfinden, um sich mit guten Zeiten und dem entsprechenden Platzierungen auf die kommenden Höhepunkte im nahenden Frühling einzustimmen.

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Der DO IT FAST Run auf Phoenix-West bietet einen 5 km- und 10 km Lauf auf schneller Strecke
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DO IT FAST - das ist seit 2019 Dortmunds schnellster Straßenlauf. Veranstaltet wird er von der Firma Upletics, die von der ehemaligen vielfachen deutschen Meisterin im 800m-Lauf und Team-Europameisterin Jana Hartmann, mit der Unterstützung ihres Ehemannes und früheren Trainers Marcus Hoselmann, gegründet wurde. Letzterer war heute gemeinsam mit Volker Hartmann auch für die Moderation der Veranstaltung verantwortlich. Überhaupt ist Marcus Hoselmann an vielen Positionen im Lauf- und Leichtathletikleben der Stadt Dortmund hinter den Kulissen tätig, was dazu führte, dass ein Teil seiner Gedanken beim zeitgleich ausgetragenen "Jump and Fly" Meeting in der Helmut-Körnig-Halle waren. Denn neben seinen Aufgaben als Organisationsleiter und Moderator beim DO IT FAST, ist er Sportlicher Leiter der LG Olympia Dortmund, deren Sportlerinnen und Sportler zahlreich beim heutigen Indoor-Meeting zugange waren und dessen bekanntester Sportler noch immer der frühere Zehnkämpfer und olympische Silbermedaillengewinner Frank Busemann sein dürfte.

 

Die erfolgreichste Leichtathletik-Startgemeinschaft der Stadt, die aus neun Dortmunder Vereinen besteht, hat das Gros ihrer zahlreichen nationalen und internationalen Erfolge auf Kurz- und Mittelstrecken im Laufsport sowie anderen Disziplinen der olympischen Leichtathletik errungen.

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Im Bereich der Volks- und Straßenläufe herrschte in Dortmund länger als in anderen Großstädten des Reviers ein ziemliches Vakuum. So ist die größte Stadt des Ruhrgebiets, anders als die unweit gelegenen Großstädte Essen und Duisburg, bis heute kein Marathonstandort. Dass sie mittlerweile wenigstens einen teilnahmestarken Halbmarathon besitzt, hat sie dann auch der Firma Upletics zu verdanken, die am 3. Oktober jeden Jahres, in diesem Jahr zum elften Mal, den Phoenix-Halbmarathon veranstaltet, dessen Startort am Phoenix-See liegt. Der Phoenix-See, in fußläufiger Nähe zum heutigen Austragungsort gelegen, ist ein künstlich angelegtes Gewässer, das auf dem Gelände der 1998 aufgelösten Phoenix Stahl- und Hüttenbetriebe AG zum Zwecke der Naherholung angelegt wurde.

Ein still gelegter Hochofen bildet die Kulisse für den Start- und Zieleinlauf beim DO IT FAST Run Mit dem Start über 10 Kilometer beginnt die Winter-Edition

Das ganze ehemalige Werksgelände, das mittlerweile in ein modernes Gewerbegebiet mit Technologiezentrum und angrenzenden Park- und Erholungsflächen umgewandelt worden ist, eignet sich bestens zur Ausrichtung von Laufsportereignissen mit großem Teilnahmezuspruch. Was heute zur guten Teilnahmeresonanz beigetragen haben dürfte, ist der Umstand, dass sich viele der besten Läuferinnen und Läufer auf die kommenden Deutschen Meisterschaften im Straßenlauf in Leverkusen vorbereiten. Auch dort führt der 10-Km-Lauf über vier Runden à 2,5 Kilometer auf durchgängig schneller und flacher Strecke durch ein großes modernes Gewerbegebiet. Für viele der aus Nah und Fern angereisten Teilnehmenden war der Kurs als "Generalprobe" für die nationalen Titelkämpfe in vier Wochen bestens geschaffen, um die dort herrschenden Bedingungen auf einer sehr ähnlichen Strecke fast deckungsgleich zu simulieren.

Der DO IT FAST Run auf Phoenix-West findet seit 2022 sowohl als Sommer-, als auch Winter-Edition statt. In den Jahren 2019 bis 2021 gab es nur eine Ausgabe im Sommer. Wegen der hohen Nachfrage erfolgte vor zwei Jahren die Erweiterung um die Winter-Edition. Das Programm beginnt immer mit dem 10 Km Lauf um 9.00 Uhr, ehe der 5 Km Lauf um 11.00 Uhr das Programm beschließt. Obwohl der zeitliche Abstand durchaus Doppelstarts auf beiden Strecken zugelassen hätte, wurde von dieser Möglichkeit kaum Gebrauch gemacht.

Stephanie Breitkreuz (10128) und Joleen Gedwart vom Essener Ayyo Team und Franzi Bossow (rechts verdeckt hinter Henry) vom TSVE 1890 Bielefeld bilden das Führungstrio der Frauen

10 Kilometer Lauf

Der erste Lauf war der etwas beliebtere Wettbewerb im Tagesprogramm. Wie so oft in letzter Zeit bei Veranstaltungen im Revier, lief auch diesmal ein Triathlet den spezialisierten Läufern auf und davon. Lukas Kagermeier, Triathlet auf der Sprintdistanz, ging das Rennen sehr forsch an und legte zwischen sich und seinen ärgsten Verfolgern schon in der ersten Runde eine Lücke, die mit steigendem Rennverlauf eher größer wurde.

Zeitweilig sah es gar so aus, als könnte er den bis dato gültigen Streckenrekord von Rok Puhar (30:57 min.) aus dem Jahre 2021 noch unterbieten, doch am Ende fehlten neun Sekunden zu einem neuen Streckenrekord. Dennoch war der heutige Gewinner, der für den Styrumer TV Mülheim an den Start gegangen ist, sehr zufrieden mit seinem Ergebnis (31:06 min.). "Ob im Laufen oder Triathlon, ich mag es wenn es auf kurzer Strecke schnell und intensiv ist. Das ist genau mein Ding. Mein nächstes Ziel sind die deutschen Meisterschaften im 10 Km Lauf, da will ich nach Möglichkeit zum ersten Mal unter 31 Minuten bleiben", umreißt der angehende Jurist, der vor kurzem seinen dreißigsten Geburtstag gefeiert hat, seine kommenden Ziele. Der Triathlon spielt für ihn im Moment nur eine sekundäre Rolle, da die Saison dort erst wieder im Mai beginnt.

Das Ziel vor Augen, gewinnt Lukas Kagermeier vom Styrumer TV Mülheim den 10 km Lauf souverän David Valentin folgt ihm auf den zweiten Platz Jannik Tillar macht das Podium komplett

Mit David Valentin (LT Haspa Marathon Hamburg) kam dann ein Athlet ins Ziel, der eine überdurchschnittlich lange Anreise zu bewältigen hatte, mutmaßlich war auch hier die Motivation im Spiel, einen guten Vorbereitungswettkampf für die nationalen Titelkämpfe im bereits erwähnten Leverkusen zu haben. Nach 32:47 min. hatte er sein Rennen beendet und neben Rang 2 auch den Sieg in der MHK verbucht. Jannik Tillar von der Runnig Crew Münster lief nach 33:19 min. ins Ziel und belegte neben Platz 3 in der Gesamtwertung auch Platz 2 in der Altersklasse M30. Peer Niklas Preilowski (TV Wattenscheid 01) wurde in 34:14 min. Vierter, kurz bevor der aus Nordhessen angereiste Patrick Halbach (PSV Grün-Weiß Kassel) nur wenige Sekunden später in 34:18 min. seinen Lauf auf Platz 5 abschloss.

Stephanie Breitkreuz (vorn) und Franzi Bossow bilden alsbald das Führungsduo Joleen Gedwart folgt auf Rang Drei

Stephanie Breitkreuz, die im vergangenen Jahr noch für den ASV Duisburg erfolgreich bei Straßenläufen im Ruhrgebiet unterwegs war, geht nun für das Ayyo Team Essen an den Start. Ihr erster Auftritt für den neuen Verein fiel dann schon sehr vielversprechend aus. Zwar gestaltete sich der Auftritt der Bundespolizistin nicht ganz so furios wie jener von Lukas Kargermeier bei den Männern, dennoch war auch bei ihr spätestens eingangs der letzten Runde klar zu erkennen, dass ihr der Sieg in 35:32 min. nicht zu nehmen sein würde. Ihre kommenden Ziele sieht sie bei den Deutschen Straßenlauf Meisterschaften in Leverkusen und dem Paderborner Osterlauf über 10 Kilometer. Siegerin Stephanie Breitkreuz: "Spätestens da möchte ich eine 34er Zeit hinlegen. Der Wechsel von Duisburg nach Essen ist mir nicht leicht gefallen, denn mein Herz hängt immer noch am ASV. Ich sehe aber beim Ayyo Team, insbesondere bei Wettbewerben mit Mannschaftswertungen, für mich die derzeit bessere sportliche Perspektive."

Das 10 km Lauf Podium der Frauen: 2. Franzi Bossow, Siegerin Stephanie Breitkreuz und 3. Joleen Gedwart, gerahmt von Upletics Gründerin Jana Hartmann und Moderator Volker Hartmann Die ersten drei Läufer über 10 Km: 2.David Valentin, Sieger Lukas Kagermeier und 3. Jannik Tillar. Links davon: Upletics Gründerin Jana Hartmann und Geschäftsführer Marcus Hoselmann

Franzi Bossow vom TSV 1890 Bielefeld konnte sich, nachdem sie beinahe drei Runden lang auf Tuchfühlung zur Siegerin lag, nach 35:51 min. immer noch mit einem ungefährdeten zweiten Platz belohnen. Dass die Einschätzung von Stephanie Breitkreuz der mannschaftlichen Stärke ihres neuen Vereins zumindest heute zutreffend war, bewies Joleen Gedwart. Die Lebensgefährtin des Gesamtsiegers Lukas Kagermeier sicherte sich den dritten Platz für das Essener Ayyo Team mit einer Zeit von 36:22 min.

Auch Ilka Wienstroth vom TSV 1890 Bielefeld konnte mit dem vierten Platz nach 36:49 min eine Endzeit von weniger als 37 Minuten erzielen und den Sieg in der W40 feiern. Mit Melanie Kraus vom Leichlinger TV gewann in 37:12 min. eine Marathon-Olympiateilnehmerin (Peking 2008 ) die W50, eine Endzeit, die bei so manchem Volkslauf im Ruhrgebiet immer noch zu einem ungefährdeten Gesamtsieg geführt hätte.

128 Frauen und 224 Männer kamen bei diesem Lauf ins Ziel.

5 Kilometer Lauf

Trotz der etwas geringeren Teilnahmeresonanz als im doppelt so langen Auftaktlauf, sollte der kürzere Lauf zu deutlich besseren Ergebnissen an der Spitze führen. Die heute aufgestellten Streckenrekorde dürften in den kommenden Jahren nicht so leicht zu brechen sein.

Jugendliche Cheerleader unterhalten die 5 km Teilnehmer vor ihrem Start Start zum 5 Km Lauf

Mit Tim Wagner (Bunert Wuppertal) hatte sich der Gewinner des renommierten Silvesterlaufs von Werl nach Soest, der über exakt 15 Kilometer führt, angesagt. Zum Ende des vergangenen Jahres war der Top-Läufer aus der größten Stadt im Bergischen Land in ebensolcher Top-Form. Er finishte das bekannte Punkt-zu-Punkt Rennen, das in der Frauenwertung von Marathon-Olympiaqualifikantin Laura Hottenrot (PSV Grün-Weiß Kassel) gewonnen wurde, nach 45:35 min. und ließ dabei so renommierte Läufer wie Sam Blake (Eintracht Frankfurt) und Manuel Kruse (Running Crew Münster), Gewinner des gleichen Laufs im Jahre 2022, hinter sich. Keine Frage: im heutigen Feld der Teilnehmer, galt er als der aussichtsreichste Kandidat auf den Sieg. Aber würde es auch zu einem neuen Streckenrekord reichen? Die bisherige Marke bei der Winter-Edition hielt seit 2023 Kevin Schauwaers mit einer Zeit von 15:05 min.

Tim Wagner allein auf weiter Flur ... ... Jubel im Ziel mit neuer Streckenrekordzeit

Die Antwort auf diese Frage beantwortete er mit ja, denn Tim Wagner lief wie ein Uhrwerk durch und konnte den Lauf in 14:38 min. gewinnen. Zur Sommer-Edition will er wieder kommen, um seinen Rekord nochmals zu unterbieten. Yannick Schönfeldt vom LC Paderborn lief als Zweitplatzierter in 15:26 min. immer noch eine Klassezeit. Auch Marcel Hausburg vom ASV Duisburg blieb als Drittplatzierter in 15:40 min. immer noch unter 16 Minuten. Felix Wolff vom LC Rapid Dortmund erzielte in 16:03 min. Rang 4, knapp vor Philipp Henseleit (Marathon-Club-Menden) in 16:06 min.

Anneke Vortmeier vom ASV Duisburg siegt ebenfalls mit neuer Streckenrekordzeit Sarah Schmitz vom ASV Köln läuft knapp hinter der Zweiten Kiara Nahen vom LC Paderborn auf Platz Drei

Erneut war es, wie schon im 10 Km Lauf, eine Duisburgerin, die dem Rennen im Frauenklassement ihren Stempel aufdrückte. Anneke Vortmeier, die als Rückkehrerin vom TV Wattenscheid 01 seit Jahresbeginn wieder für ihren Stammverein ASV Duisburg läuft, schien von Anbeginn fest entschlossen, die bisherige Streckenrekordzeit von Lara Kiene (LG Hamm - 16:45 min.) unterbieten zu wollen. Am Ende gelang ihr das auch in 16:22 min. eindrucksvoll. Auch die zweitplatzierte Kiara Nahen vom LC Paderborn lag mit ihrer Endzeit von 16:34 min. immer noch unter der alten Rekordmarke, wie auch die Drittplatzierte, Sarah Schmitz vom ASV Köln in 16:44 Minuten. Sarah Schäperklaus vom Marathon-Club Menden war nach 17:15 min. als Vierte die Erste, die über der alten Rekordzeit blieb. Lena Müller vom TG Melbach konnte trotz ihrer doch ziemlich weiten Anreise aus der hessischen Wetterau nach 17:30 min. den fünften Platz erobern. Bei vielen Laufveranstaltungen im heimischen Oberhessen hätte diese Zeit zu einem überzeugenden Sieg geführt.

150 Frauen und 165 Männer kamen über 5 Kilometer ins Ziel.

Was sonst noch bleibt - die Vorfreude auf die Sommer-Edition des DO IT FAST Run auf Phoenix-West
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Zum Schluss bleibt festzuhalten, dass der DO IT FAST Run nicht nur ein schneller, sondern auch aufgrund seiner besonderen Silhouette, die es mit der Mischung aus Natur und Industriekultur in Deutschland so kaum ein zweites Mal zu sehen gibt, auch ein außergewöhnlich sehenswerter Lauf ist.

Bericht und Fotos von Jörg Engelhardt

Ergebnisse my.raceresult.com - Infos doitfast.de

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