13.2.22 - Bekond Zitronenkrämerlauf

Sonne strahlt mit Läufern um die Wette

von Holger Teusch 

Schon mehr als ein Jahrzehnt war der Bekonder Zitronenkrämerlauf die erste Veranstaltung im Volkslauf-Jahr der Region Trier. Diesmal unter Corona-Bedingungen, aber allemal ein Neustart.

Zehn Tage Vorbereitungszeit mussten reichen. Ganz kurzfristig hat Kaspar Portz mit seinem Team den 13. Zitronenkrämerlauf in Bekond aus dem Boden gestampft. Improvisieren konnte man in dem Ort vor den Toren von Trier schon immer. Die Spontanität eingeschränkt wurde diesmal, weil nur vorangemeldete Läufer zugelassen waren. Dass das Corona-bedingte Teilnehmerlimit von 200 nicht erreicht werden würde, war dagegen absehbar. 115 Teilnehmer wurden im Ziel gezählt. Angesichts des sonnigen Winterwetters und tollen Ausblicken ins Moseltal wird sich wohl der ein oder andere doch geärgert haben, nicht in Bekond gelaufen zu sein. Der Sonnenschein hob die sowieso gute Stimmung beim ersten Volkslauf des Jahres 2022 in der Region rund um Trier noch weiter.

In kleinen Gruppen, meist paarweise, wie hier angeführt von der W55-Schnellsten Monika Hübner (Parksauna Trier) schlängelten sich die Läufer durch Weinberge und Wälder Wie so oft im Winter hingen im Moseltal (hier der Blick auf Klüsserath) noch dünne Nebelfetzen, während auf den Bergen die Sonne voll durchgebrochen war
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Weshalb der Zitronenkrämerlauf nicht der riesige Teilnehmermagnet ist? Es ist eine Veranstaltung für Läufer mit einem Hang fürs Ursprüngliche mit besagter familiärer Organisation. Die Strecken, sowohl die 6,7-km-Kurzdistanz als auch die 12 km über die Moselhöhen hinauf zum namensgebenden Zitronenkrämerkreuz, haben es in sich. Sei es mit Steigungen und - besonders auf der Langstrecke - mit teilweise Crosslauf-artigen Untergrund. Rund 250 Höhenmeter sind auf den 12 km zu bewältigen. Der längste Anstieg zieht sich etwa 2 km den Berg hinauf. Oben angekommen steht das Zitronenkrämerkreuz als Mahnmal an einen Mord im Jahr 1687, der auch schon als Vorlage für einen Roman gedient hat.

Das vielleicht wichtigste Schild der Zitronenkrämerlauf-Strecke! Wer hier nicht aufpasst, läuft schnell doppelt so weit, wie ursprünglich geplant Aeneas Thor Hauf vom PST Trier war mit großem Abstand Schnellster über 6,7 km Noch warm verpackt wurde Yannick Braun vom TuS Bengel Zweiter auf der 6,7-km-Kurzdistanz. Dahinter Maren Spang, die die Frauenwertung gewann

Der Anstieg zu der Landmarke war schon einige Male der Scharfrichter im Kampf um den Sieg. Allerdings führt die Strecke auf dem Schlussviertel fast durchgehend bergab. So dachte Markus Wolff schon an eine Gehpause, als Oliver Ewen bergan die dreiköpfige Spitzengruppe (außerdem mit Rekordsieger Dominik von Wirth) auseinanderriss. Doch als es wieder flacher wurde, merkte der 37-Jährige, dass er wieder an Ewen heran kam.

Eric Schiffels vom SV Bekond bescherte dem Ausrichterverein den dritten Platz auf der 6,7-km-Kurzstrecke Klaus Jahnz von der LG Laacher See, der Laufwart des Leichtathletik-Verbands Rheinland, nutzte die Streckenteilung, um von der 12-km- doch noch auf die 6,7-km-Strecke umzuschwenken. Die flexible Organisation des Zitronenkrämerlaufs machte es möglich

Bergab erwies sich der Läufer des LT Schweich dann als der schnellere gegenüber seinem ein Jahr älteren Kontrahenten vom PST Trier. Mit 45:19 Minuten erzielte Wolff eine der besten Siegerzeiten beim Zitronenkrämerlauf überhaupt. Wobei man natürlich nicht außer acht lassen darf, dass die Strecke von Jahr zu Jahr leicht variieren kann. Beispielsweise wegen Forstarbeiten. Die machten es den Läufern diesmal aber nicht so schwer, wie man hätte befürchten können. Trotz ergiebiger Niederschläge in der Woche vor dem Rennen wirkte die frostige Nacht gerade in den schattigen Wäldern in Form von teilweise noch gefrorenen Untergrund noch nach.

Nicht viel übrig für den Blick ins Moseltal hatte die Spitzengruppe mit Oliver Ewen (PST Trier, am Ende Zweiter), Markus Wolff (LT Schweich, verdeckt) und Zitronenkrämerlauf-Rekordsieger Dominik von Wirth (TG Konz) Glücklicher Gewinner: Als guter Bergabläufer sicherte sich Markus Wolff vom LT Schweich auf den letzten 3 km, die fast nur abwärts führen, den Sieg

Oliver Ewen (45:55) verlor noch 36 Sekunden auf Wolff. Dominik von Wirth, der den Zitronenkrämerlauf 2013 und 2014, dann noch einmal 2017 sowie 2019 und 2020 gewonnen hatte, kam ebenso wenig an das Führungsduo heran, wie Michael Comes die Lücke zu von Wirth schließen konnte. Der Ultratrailspezialist vom TuS Bengel war rund 24 Stunden zuvor noch 25 Kilometer im Training gelaufen. Comes konnte sich über den M40-Altersklassensieg freuen - und über die Erfolge seiner Tochter Mathilda.

Gut gelaunt zur Titelverteidigung: Miriam Engel von der TG Konz wiederholte nach dem 2021 ausgefallenen Zitronenkrämerlauf ihren Sieg von 2020 Lockerer Laufstil und zweiter Platz: Stefanie Thein vom LT Schweich blieb über 12 km unter einer Stunde und siegte in der Altersklasse W50

Die Zehnjährige (36:10) belegte hinter ihrer zwei Jahre älteren TuS-Bengel-Vereinskameradin Maria Simon (31:48) den dritten Platz über 6,7 km. Diese musste sich nur um eine dreiviertel Minute der in der U18-Jugendklasse startenden Maren Spang vom TuS Fortuna Saarburg (31:01) geschlagen geben. Den Erfolg des kleinen Vereins aus einem Mosel-Seitental perfekt machte Yannick Braun als zweitschnellster Mann über 6,7 km (in 29:27 Minuten). Der knapp 26-Jährige musste sich allerdings deutlich dem elf Jahre jüngeren Aeneas Thor Hauf geschlagen geben. Der Nachwuchsläufer vom PST Trier und Trainer Marc Kowalinski war in 26:18 Minuten gut drei Minuten schneller.

Sah auch nach knapp 12 km noch frisch aus: die drittplatzierte Annika Pfeiffer vom LT Büdlich-Breit-Naurath Der knapp 16 Jahre alte Louis Decker vom PST Trier belegte als jüngster Teilnehmer über 12 km in exakt 53 Minuten den neunten Platz Am frühen Samstagmorgen suchte Michael Comes noch ziemlich erfolglos 25 km lang die Sonne. Am späten Sonntagvormittag konnte der Ultratrailspezialist vom TuS Bengel gut beschienen zum vierten Platz über 12 km laufen

Zurück zu den 12 km und den Frauen: Beim letzten Zitronenkrämerlauf vor der Corona-Pandemie, am 1. Februar 2020, gewann Miriam Engel. 2021 fiel der Bekonder Lauf der Pandemie zum Opfer. Für dieses Jahr hat sich die 40-Jährige von der TG Konz einen Ironman-Triathlon zum Ziel gesetzt. Deshalb stand samstags ein langes Kombitraining aus Radfahren und Laufen auf ihrem Programm. Zum (wie erwähnt kurzfristig organisierten) Zitronenkrämerlauf wollte Miriam Engel deshalb ursprünglich nicht kommen. In letzter Minute meldete sie sich aber doch noch an.

Bringt endlich wieder gute Laune unters Laufvolk: Äthiopien-Flüchtling Abdul Raheb Rahimi von der LG Laacher See Schnellster der Altersklasse M65 und nur ganz knapp (37 Sekunden) über der Stundenmarke: Dieter Bermes von der LG Meulenwald Föhren

Das lange Training am Samstag zog sie trotzdem durch. Am Sonntagmorgen habe sie zuerst gedacht, sie könne gar nicht laufen, dann lief es für die vierfache Mutter aber doch besser als gedacht. Mit 57:51 Minuten benötigte sie etwa eineinhalb Minuten weniger als vor zwei Jahren - und zog bis zum Schluss durch. Denn Miriam Engel hatte großen Respekt vor Stefanie Thein. Ihr habe sie zugetraut, zum Schluss noch einmal ran zulaufen. Die W50-Siegerin vom LT Schweich blieb zwar auch noch unter einer Stunde (59:46), konnte Miriam Engel aber nicht mehr gefährden und so für einen Schweicher Doppelsieg sorgen. Weitere fünf Minuten später (1:04:42), aber sichtlich entspannt und zufrieden, lief Annika Pfeiffer (LT Büdlich-Breit-Naurath) als drittschnellste Frau ins Ziel.

Jürgen Freymuth lief als M70-Zweiter gut gelaunt über die 12-km-Strecke durch Weinberge und bis hinauf zum Zitronenkrämerkreuz
In einer schönen Gruppe, die die kompletten 12 km zusammen blieb, lief Ferdinand Kremer vom LT Schweich (72) in 1:06:50 Stunden zum Sieg in der Altersklasse M70

Keine Laufveranstaltung in Bekond ohne Spendenaufruf! Daran hielten Kaspar Portz und seine Mannen trotz Pandemie fest. Mehr als 1100 Euro kamen so an Läuferspenden für ein Schulbauprojekt im Norden Burundis zusammen. Damit soll Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden. Die Bekonder beließen es beim Spendenaufruf. Auf ein Startgeld verzichteten sie, aber kleine Anerkennungen für die Besten gab es trotzdem - wenn auch pandemiebedingt diesmal nicht die vitaminreiche Zitronenhälfte für jeden im Ziel.

Auch das gab es beim Zitronenkrämerlauf: Wolfgang Deutsch vom LT Schweich nutzt eine Relaxbank am Ende eines Anstiegs, um in der Sonne auf seine Vereinskameraden zu warten Mit nur etwa zehn Tagen Vorbereitungszeit stampfte Kaspar Portz mit seinem Team den Zitronenkrämerlauf zugunsten eines Schulbaus in Burundi aus dem Boden
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Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse bekond.wordpress.com

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