31.1.26 - Bengel Crosslauf

3. Lauf der 49. Crosslaufserie im Kreis Bernkastel-Wittlich

Crosslauf mitten im Dorf? Das geht!

von Holger Teusch 

Querfeldeinläufe müssen nicht irgendwo mitten im Wald durchgeführt werden. Der TuS Bengel bewies beim Finale der traditionsreichen Mosel-Crosslauf-Serie, dass auch Strecken mitten im Dorf möglich sind.

Eliud Kipchoge hat fünf Medaillen bei Crosslauf-Weltmeisterschaften gewonnen. Lauflegende Haile Gebrselassie sogar sieben. Herbert Steffny gewann seinen letzten deutschen Meistertitel 1989 im Gelände und der aktuelle deutsche Marathonrekordler Amanal Petros (Bronze) gewann ebenso wie sein Vorgänger Samuel Fitwi (Silber) U23-Medaillen bei Crosslauf-Europameisterschaften, bevor beide ihren Siegeszug auf den klassischen 42,195 km antraten.

Hans-Peter Schon (links) gab jeweils den Startschuss für die insgesamt sechs Rennen, wie hier das über die 4 km lange Mittelstrecke Hin und her geht es auf den Wiesen in der Bengeler Ortsmitte. Die Flatterbänder erinnern an ein Labyrinth, aber verlaufen kann man sich nicht, so lange man die Absperrungen beachtet
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Crosslaufen gilt als beste Schule für Läufer. Ausdauer und Kraft, Koordination, Schrittwechsel, der Wille, die mentale Stärke, im Kampf gegen die Elemente, Mann gegen Mann, Frau gegen Frau werden diese Fähigkeiten geschult. Crosslauf ist abwechslungsreich! Für Läufer: durch dauernder Rhythmuswechsel statt Schlappschritt, ständig hellwach sein, um auf die wechselnden Anforderungen der Strecke zu reagieren. Und für Zuschauer, weil einfach mehr passiert auf der Strecke: Wer kommt Anstiege besser hoch - und wer runter? Wer hat die bessere Kurvenlauftechnik in Haarnadel-Kurven? Und was ist die optimale Länge der Spikenägel? Kein Wunder, dass seit Jahren diskutiert wird, ob Crosslauf olympisch werden soll!

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Gerade für die höheren Altersklassen, wie hier (von links) für den M65-Zweiten Veit Krenn, M75-Sieger Jürgen Freymuth (beide LG Meulenwald Föhren) und den M75-Zweiten Heinz Wirges, stellten die kleinen Erdwälle und die vielen Kurven eine Herausforderung dar Der Erdwall, der auf jeder Runde bewältigt werden musste, ist zwar nicht hoch, aber steil und der Untergrund wurde von Rennen zu Rennen glitschiger. Eine kleine Hilfe von Streckenposten Karl Heinz Napalowski für die Altersklassenläufer, wie hier W75-Gewinnerin Lilo Hartenberger (LAZ Birkenfeld), gab da Sicherheit und ging in Ordnung

 

Wenn das irgendwann der Fall sein sollte, wird vielleicht auf einem Rundkurs ähnlich dem im rheinland-pfälzischen Bengel gelaufen. Der Sportverein aus dem beschaulichen Ort in einem Seitental der Mosel, dem Alftal, hat eine Crosslauf-Strecke kreiert, die ganz nah ran kommt an das, was man für Meisterschaften als ideal betrachten könnte: eine 1 km lange Runde über Wiesengelände mit vielen Kurven, aber auch langen Geraden, oft flach, aber mit einigen Böschungen sowie einem Erdwall als natürlichem Hindernis. Wer ein paar wenige Geh-Meter nicht scheut, kann nahezu das komplette Rennen verfolgen.

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Und das Beste: Der Crosslauf findet quasi mitten im Dorf statt. Ein Glücksfall ist, dass der nicht mehr genutzte Fußballplatz (jetzt zum Werferplatz für Diskus- und Hammerwerfer ausgebaut) zentral neben der Turnhalle liegt. Außer dem Sportareal wird eine sich direkt anschließende Wiese für die Strecke genutzt. Die Duschen befinden sich etwa 20 Meter von Start und Ziel entfernt. Das Kuchenbuffet schließt sich genauso wie Siegerehrung in der Turnhalle unmittelbar an.

Benedikt Althoff vom TuS Bengel entschied sein Heimspiel auf der 7-km-Distanz klar und deutlich für sich. Nur in der ersten 180-Grad-Kurve hing die Konkurrenz noch an seinen Hacken Thomas Koch vom Ausdauerteam.de Morbach gewann auf der Langstrecke nicht nur die M50, der ehemalige 5000-m-Rheinlandmeister war auch zweitschnellster Läufer über 7 km Namensvetter Thomas Korb (Hartfüßler Trail) musste sich mit knapp eineinhalb Minuten Rückstand mit dem zweiten Platz in der M50 begnügen

Gelaufen wird in Bengel, seit im vergangenen Jahrzehnt ein Ausrichter für die damaligen Bezirksmeisterschaften gesucht wurde. Der TuS Bengel nahm die Herausforderung an. Schnell war klar: Die ideale Strecke befindet sich mitten im Ort. Eigentlich sollte es beim Meisterschaftsrennen bleiben. Aber als für die traditionsreiche Mosel-Crosslauf-Serie ein Ersatzausrichter für einen weggefallenen Klub gesucht wurde, standen die Alftaler wieder bereit. Eigentlich nur für eine Übergangsphase. Doch mittlerweile steht fest: Der Crosslauf in Bengel gehört fest zur Mosel-Crosslauf-Serie, wenn im kommenden Herbst die 50., die Jubiläumsauflage startet!

Christoph Krämer (518) vom PST Trier lief nicht in der Spur. Das kostete ihm vielleicht die entscheidende Kraft, weshalb er zum Schluss im Kampf um den dritten Platz über 7 km ganz am Ende der großen Verfolgergruppe lag M65-Sieger auf der Langstrecke Gilbert Schiltz aus Luxemburg überrundete M75-Gewinnerin Irene Klas-Gundel (beide laufen für die LG Meulenwald Föhren) auf der Langstrecke

Beim Finale der 49. Mosel-Serie konnte sich nur Moritz Löhfelm als Serien-Gesamtsieger auf der Mittelstrecke auch in der Tageswertung durchsetzen. Der erst 16-Jährige vom SFG Bernkastel-Kues landete über 4 km einen nie gefährdeten Start-Ziel-Sieg vor dem gleichaltrigen Rouven Dockter (PSV Wengerohr) und dem 800-Meter-Spezialisten Matthias Simon (PST Trier). Bei den Frauen war es im Kampf um den Seriensieg spannend: Lokalmatadorin Maria Simon vom TuS Bengel und Marie Brösch vom PSV Wengerohr hatten vor dem letzten Wertungsrennen die gleiche Punktzahl. Wer der beiden in Bengel die Nase vorn haben würde, würde auch die Serie gewinnen. Das gelang Maria Simon, obwohl die 15-Jährige etwa die Hälfte der 4-km-Distanz mit nur einem Schuh absolvierte. Die Schnürsenkel rutschten trotz Doppelknoten einfach immer wieder durch. Um ihren Vorsprung vor Marie Brösch nicht dauernd wieder durchs Schuhebinden zu riskieren, verzichtete sie lieber ganz auf die widerspenstige Fußbekleidung.

Michelle Trumm, die vor knapp einem Jahr mit dem Marathon-Team des LT Schweich Deutsche Mannschafts-
meisterin geworden war, war auf der Frauen-Langstrecke eine Klasse für sich
Antonia Schmidt vom LAZ Birkenfeld belegte zwar "nur" den zweiten Platz über 7 km, sicherte sich damit aber den Langstrecken-Gesamtsieg in der Mosel-Crosslauf-Serie Bewältigen gemeinsam jeden Hügel im Alftal: Angelina und Florian Meiswinkel vom LAZ Birkenfeld

Tagessiegerin Annika Pfeiffer (LT Büdlich-Breit) konnte Maria Simon so aber nicht gefährden. Die 43-Jährige siegte wie bereits beim zweiten Serien-Lauf in Wintrich an der Mosel. Da sie jedoch ihr Heimrennen wegen Urlaub verpasst hatte, kam sie nicht in die Wertung. Für diese waren diesmal Resultate aller drei ausgerichteten Wertungsläufe gefragt. Das soll bei der 50. Mosel-Serie wieder anders werden. In Pünderich an der Mosel soll ein neuer Crosslauf entstehen. Zum Jubiläum heißt es dann wieder wie meist seit 1976: Es zählen die besten drei von maximal vier Resultaten!

Der 16-jährige Moritz Löhfelm vom SFG Bernkastel-Kues feierte einen klaren Start-Ziel-Sieg auf der Mittelstrecke Andreas Schröder vom LAZ Birkenfeld (364) gewann auf der Mittelstrecke in der Altersklasse M50. Erwin Volz (PSV Wengerohr/422) war am Ende Schnellster der M65

Beim diesjährigen Modus musste ebenfalls wegen Urlaubs und damit einem fehlenden Lauf Benedikt Althoff auf den Langstrecken-Serien-Sieg verzichten. Beim Serien-Auftakt in Breit war er Zweiter gewesen, doch im tiefen Januar in Wintrich aalte sich der 29-Jährige in der Sonne. So wurde er zwar bei seinem Heimrennen als souveräner Sieger über 7 km gefeiert, die Königsdisziplin der 49. Mosel-Serie gewann aber ein Altbekannter. Und dass überraschend! Zwar war Dominik von Wirth schon in früheren Jahren dieser Coup gelungen, doch die Form des 35-Jährigen von der TG Konz schien diesmal nicht gut genug. Beim Auftaktrennen belegte er nur den fünften Platz. Doch den zweiten Lauf gewann von Wirth überraschend. In Bengel reichte ihm damit der aus einer großen Verfolgergruppe heraus erkämpfte dritte Platz. In der Tageswertung war Thomas Koch noch vor ihm. Bei seinem ersten Start in der Altersklasse M50 zeigte der ehemalige 5000-Meter-Rheinlandmeister wieder einmal, dass er zwar nicht oft bei Wettkämpfen antritt, aber wenn, dass man immer mit ihm rechnen muss.

Kampf um Tages- und Seriensieg: Maria Simon (TuS Bengel, vorn) musste sich zwar Annika Pfeiffer (LT Büdlich-Breit, Mitte) über 4 km geschlagen geben, der zweite Platz genügte der 15-Jährigen aber, um vor Marie Brösch (PSV Wengerohr, 405) die Mittelstrecken-Serienwertung für sich zu entscheiden Tanja Schröder vom LAZ Birkenfeld war schnellste W50-Läuferin auf der 4-km-Distanz
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Die prominenteste Tagessiegerin in Bengel hieß Michelle Trumm. Die amtierende Deutsche Meisterin mit dem Marathon-Team des LT Schweich lief wie von Wirth lange Zeit am Ende der großen Gruppe. Als der spätere Serien-Gewinner attackierte heftete sich Trumm an dessen Fersen. Das habe ganz schön Druck gemacht, gestand von Wirth. Zufrieden sein konnte aber auch die Zweitplatzierte Antonia Schmidt. Die Läuferin des LAZ Birkenfeld sicherte sich mit dieser Platzierung bei den Frauen den Langstrecken-Serientitel. Drittschnellste Frau war Désirée Joerg von der LG Meulenwald Föhren.

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse lg-bernkastel-wittlich.de Info www.tusbengel05.de

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