26.1.20 - 11. Freinsheimer Volkslauf

Rund um den Oschelskopf

Benebelt im Weinparadies

von Anette Judith Scholl 

Es gab Leute, die behaupteten, dass auf der Fahrt nach Freinsheim das Navi kurzfristig sein GPS Signal verlor, so dicht war der Nebel an diesem frühen Sonntagmorgen. Erfreulicherweise fanden dennoch zahlreiche Laufbegeisterte den Weg in die pfälzische Weinstadt bzw. in die Dackenheimer Straße, wo am und im Vereinsheim des FV 1924 Freinsheim alles seinen geordneten Lauf nahm:

Startnummernausgabe, Umkleiden und Duschen, Verpflegung sowie Start und Ziel. Beim Blick auf das Getümmel hätte man schwören können, dass ein Teilnehmerrekord sich abzeichnete, aber die Nebelschwaden in der gesamten Metropolregion hatten sicher einige von der Anreise abgehalten, so dass man den Rekord von 2018 mit 227 Finishern nicht ganz erreichte.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info Bienwald Marathon Kandel HIER

Start zum 11. Freinsheimer Volkslauf ... ... rund um den Oschelskopf
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Frank Harm, vor zehn Jahren selbst noch im Vorstand des FV 1924 Freinsheim, hatte die Idee zu diesem Lauf gehabt, und zwischenzeitlich ist der Volkslauf bei den Fußballern ein fester Bestandteil im Veranstaltungskalender des Vereins. Der Volkslauf "Rund um den Oschelskopf" immer am Wochenende der Rotweinwanderung hat sich etabliert und fand jetzt bereits zum 11. Mal statt. Schon die erste Auflage 2010 hatte 200 Teilnehmer*innen mobilisiert, und mit geringen Schwankungen blieb diese Zahl konstant. Gleich zu Beginn hatte man br-timing mit ins Boot genommen, ebenfalls eine verlässliche Konstante in dieser Veranstaltung.

Damals hatte die Zeitmessung noch per "Handauflegen" eines Armbändchen-Transponders auf die Kontaktbox im Zielbereich stattgefunden, die Urkunden wurden noch per Hand geschrieben, die sanitären Anlagen und das Interieur im Vereinslokal "Harmonie" waren von morbidem Charme, und wer nach dem Lauf Kartoffeln mit Quark bestellen wollte, wurde entschieden korrigiert: "Hier gibt's nur Grumbeere mit weißem Kees!"

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info zum SRH Dämmer Marathon HIER

Großer Andrang bei der Startnummernausgabe im FV Vereinsheim Frank Harm und Thomas Schmidt sorgen für einen reibungslosen Ablauf

Nach zehn Jahren wurde nun die Startgebühr von 5€ auf 6€ erhöht, wahrlich kein Grund zum Meckern, und irgendwie wurde jedes Jahr irgendetwas ein bisschen verändert: Der Lauf - im ersten Jahr noch über 9,8km - ist ein "echter" 10km Lauf, das Vereinsheim hat sich gemausert, die Duschen und Toiletten sind modernisiert, die Startnummernausgabe klappt reibungslos, die Streckenmarkierung nach jedem Kilometer ist professionell, die Ergebnisse quasi sofort im Netz abrufbar, und der Startschuss durch den Bürgermeister ist nach wie vor Ehrensache.

Ganz wörtlich gemeint - der "Lauf rund um den Oschelskopf"

Eigentlich ist "Oschelskopf" der Name des bekannten Weinanbaugebietes in der Gemarkung Freinsheim, und manch einer fragt sich, woher der Name kommen mag.

Zweifelsfrei lässt er sich vom mittelhochdeutschen "osel" für Asche herleiten, und tatsächlich fand man bei der Flurbereinigung größere Aschemengen - unklar, ob sie von der Brandrodung eines vormaligen Waldstückes oder vielleicht einer Pottaschehütte herrühren. 2003 gab der regionale Hobbybildhauer Kurt Hertz der Freinsheimer Weinlage ein Gesicht. Mit der Steinskulptur, die eindrucksvoll und über fünf Meter hoch an einer Wegkreuzung mitten in den Freinsheimer Weinbergen steht, schuf er ein Objekt, das beeindruckt: Ein in Stein gemeißeltes Männerhaupt, das aus einer Säule herauswächst und mit markantem Blick in die Ebene schaut. Eine kurze Betrachtung genügt bereits, um zu verstehen, dass dieser Kerl im Volksmund gern als der "Pfälzer Elvis" bezeichnet wird.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info Aletsch Halbmarathon HIER

Bei km 2 hatte sich der Nebel etwas gelichtet ... ... aber der Oschelskopf war in Nebelschwaden gehüllt

Pünktlich um 9.30 Uhr ging es los, damit der Lauf über die Bühne gehen konnte, bevor die zahlreichen wanderwilligen Rotweinfreunde hier einfielen. "Halt, da kommt noch einer, wir fangen nochmal an!", gab der Stadtbürgermeister Matthias Weber im zweiten Ansatz den Startschuss, und 211 Läufer*innen spurteten los. Nun ist der Titel des Volkslaufs nicht symbolisch gemeint, denn de facto lief man nach dem Start am Vereinsheim "Harmonie" in die Weinberge und begegnete nach einem Aufstieg über ca. dreieinhalb Kilometer Länge zum ersten Mal dem Oschelskopf, passierte dann nach einer welligen Schleife durch die Weinberge das schön gelegene "Toscanahaus Freinsheim", die Villa Vigna, um auf dem Rückweg erneut an dem bemerkenswerten Mannsbild vorbeizulaufen.

Nach einem Lauf mit ca. 175 Höhenmetern war es für die meisten eine Freude, den imponierenden Oschelskopf wieder zu sehen, denn nun wusste man, dass die letzten gut drei Kilometer einem deutlichen Abwärtstrend folgen würden.

 
Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zum Schluchseelauf HIER

Auf der Strecke Höchster Punkt der Strecke Villa Vigna

Streckenrekord in dichtem Nebel

Kurz vor dem Start war auch der geltende Streckenrekord genannt worden, der erst beim 10-jährigen Jubiläum aufgestellt worden war und bei 33:55 min stand. Der Einzige, für den diese Ansage echte Relevanz haben konnte, dürfte sie nicht verstanden haben, denn er spricht kein Deutsch. "Wherever I come, they know my name…" Adam Rich, US-Amerikaner mit Wohnsitz in Otterberg, ist längst kein Unbekannter mehr. Seit Sommer 2018 lebt er mit Frau und zwei Kindern im westpfälzischen Otterberg. Man könnte sagen, er mischt die Laufszene um Kaiserslautern ordentlich auf, denn sobald er an der Startlinie steht, muss sich die Konkurrenz warm anziehen (oder noch etwas ausziehen?) und es wackeln die Streckenrekorde.

Vom ersten bis zum letzten Kilometer liegt Adam Rich einsam an der Spitze
(Foto: Thomas Schmidt FV Freinsheim)

Beim Freinsheimer Volkslauf stand der Sieger eigentlich schon ab dem Startschuss fest, denn bereits auf den ersten Metern übernahm Adam Rich die Führung und lief ein einsames Rennen durch die Spaliere der Rebstöcke. Nach 32:44min überquerte er die Zielmatte, der ein Jahr alte Streckenrekord war damit Geschichte. Adam Rich kommt ursprünglich aus Colorado und startet seit 2002 bei "running races". Genau wie seine Frau arbeitet er als Lehrer, "physical education", und er muss selbst lächeln über seine Fachrichtung, die einfach so passend erscheint. Sein "contract" mit dem US Departement of Defense läuft eigentlich im Sommer aus, aber die weitere Marschrichtung oder eine mögliche Verlängerung der Zeit in Deutschland ist noch offen.

Bemerkenswerte Leistungen zwischen Rebstöcken

Mit zweieinhalb Minuten Abstand bog der nächste Läufer um die Ecke in Richtung FV Freinsheim-Areal. Jonas Janzer (1.FC Kaiserslautern), erfolgreicher Läufer und Wettkampfsportwart der Running Abteilung im 1. FC Kaiserslautern, war schon vor Jahresfrist in Freinsheim gelaufen und damals als Vierter ins Ziel gekommen. Um eine Minute schneller und als Gesamt Zweiter überquerte er diesmal nach 35:05min die Ziellinie. Nach wiederum gut zwei Minuten war das imaginäre Siegerpodest der Männer komplett, als der vereinslose Florian Reh nach 37:18 min die Zielgerade hinter sich ließ und damit in der M40 siegte.

Auf Platz 2 folgt Jonas Janzer vom 1. FC Kaiserslautern Florian Reh wird auf Rang 3 einlaufen Fünfter und M50-Sieger wird Frank Ritter

Jasmin Volz (TV 1893 Rheinau) kam beschwingt ins Ziel. Für die 22-jährige Medizinstudentin aus Mannheim ist der Laufsport "der perfekte Ausgleich zu einem stressigen Alltag", und sie läuft fast alle Distanzen bis hin zum Marathon, den Paris Marathon im letzten April finishte sie in 3:56:07std. Trotz der anspruchsvollen Streckenführung konnte Jasmin in Freinsheim ihre bisherige persönliche Bestzeit von 44:40min, die sie beim Silvesterlauf in Schifferstadt gelaufen war, noch einmal deutlich verbessern: Am Oschelskopf brachten ihr 43:36min den Tagessieg ein.

Jasmin Volz vom TV Rheinau 1893 ist schnellste Frau des 11. Freinsheimer Volkslauf rund um den Oschelskopf Läuferinnen passieren den Beginn des Rotwein-Wanderwegs dessen regionale Angebote die Besucher erwarten

Janika Christmann-Janzer (1.FC Kaiserslautern) blieb mit 43:45min nur 9 Sekunden hinter der Siegerin. Mit ihrem Ergebnis bescherte sie dem 1. FC Kaiserslautern nicht nur den AK Sieg der W30, sondern auch einen doppelten zweiten Platz in der Gesamtwertung, als sie sich neben Ihrem Mann auf der Siegerbühne wiederfand. Laura Hochdörfer (TSG Maxdorf) wusste sehr genau, was auf sie zukommt, als sie an der Startlinie stand, denn sie lief nicht zum ersten Mal hier. Das wellige Profil konnte ihr Lauftempo offenbar nicht beeinträchtigen. Im Vergleich zu Ihrer letzten Teilnahme vor zwei Jahren verbesserte sie sich um mehr als zwei Minuten und lief nach 46:04min als dritte Frau über die Zielmatte.

Janika Christmann-Janzer vom 1.FC Kaiserslautern wird auf Rang 2 bei den Frauen laufen 3. Frau wird Laura Hochdörfer von der TSG Maxdorf 4. Frau und W50-Siegerin Isabella Bernhard (TSG Maxdorf) - 2010 Siegerin des 1. Laufs um den Oschelskopf

Während hier schon zweistellige Minusgrade geherrscht hatten, vereiste Streckenabschnitte oder kräftiger Wind den Läufer*innen einiges abverlangten, waren dieses Mal die Laufbedingungen mit Temperaturen um die 2°C geradezu ideal. "Die Laufstrecke ist aber nicht einfach, egal bei welchem Wetter", das weiß auch der Fußballer Frank Harm. In diesem Kontext gab es weitere bemerkenswerte Ergebnisse:

Als Gesamt Fünfter lief Frank Ritter (Global) nach 38:50min ins Ziel - eine beachtliche M50-Siegerzeit. Auch das 42:19min-Ergebnis des M60 Siegers Jürgen Sandmaier war ein Hut-ab-Resultat, genauso wie das Ergebnis von 1:00:03 std des M70 Siegers Dieter Holz (Nibelungenlauf-Team), der vermutlich gerne 4 Sekunden schneller gewesen wäre. Sehr wenige Nachahmer wird Ludwig Mesel (LC Bad Dürkheim) finden, der in 1:07:16 std in der M80 siegte - wohl gemerkt in seinem 85. Lebensjahr.

LT Rheinhessen Pfalz mit Lauf-Nachwuchs Ludwig Mesel vom LC Bad Dürkheim, M80 Sieger und ältester Teilnehmer
(Foto: Thomas Schmidt FV Freinsheim)

Als vierte Frau kam die W50 Siegerin Isabella Bernhard (TSG Maxdorf) in 46:29min ins Ziel. Sie war beim 1. Freinsheimer Lauf um den Oschelskopf Gesamtsiegerin gewesen und erinnert sich: "…die Streckenführung war ein klein wenig anders, es waren zunächst nicht ganz zehn Kilometer und man lief am Ende an den bereits aufgebauten Zelten des Rotweinwanderwegs vorbei."

Fließender Übergang in die Rotweinwanderung

Im Anschluss an den Lauf konnten sich die Sportler*innen und Gäste des FV 1924 Freinsheim im Vereinslokal "Harmonie" bei Speisen und Getränken stärken, und die jeweiligen Altersklassensieger*innen des Volkslaufs erhielten Weine von Freinsheimer Winzern. Ein reibungsloser und wirklich zügiger Ablauf sind in Freinsheim schon Programm, und so war die Veranstaltung bereits gegen 11.30 Uhr zu Ende. Exakt um diese Zeit öffneten die Bewirtungszelte des Rotweinwanderwegs, eine gute Gelegenheit, die schmackhaften Angebote von Freinsheimer Winzern und Weingütern an 16 Stationen entlang einer Wanderstrecke von ca. sieben Kilometern zu genießen.

Harald und Kai gut gelaunt beim Tee-Ausschank Ehrung der drei schnellsten Frauen und zwei schnellsten Männer mit von links der 3. Laura Hochdörfer, Siegerin Jasmin Volz, 2. Janika Christmann-Janzer, dem 2. Jonas Janzer und dem Sieger Adam Rich Alle Jahre wieder - äußerst leckerer Kuchen
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

War der Bildhauer Kurt Hertz auch Verfasser der eingemeißelten Reime auf der Oschelskopf-Skulptur? "Reiß raus den Bart, schneid ab den Zopf, jung bleibst du nur beim Wein vom Oschelskopf." Mindestens für die Gesamtsieger - Adam Rich mit Bart, Jasmin Volz mit Zopf - eine möglicherweise wichtige Information, auch wenn Adam nach eigener Aussage bis dato keinen Wein trinkt. Vielleicht fehlt es an der Übersetzung ins Englische.

Bericht und Fotos von Anette Judith Scholl
2 Fotos von Thomas Schmidt FV Freinsheim

Ergebnisse www.br-timing.de - Info www.fv-freinsheim.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

LaufReport ist für Leser gratis. Finanzierbar werden die Reportagen dank der eingefügten Bannerwerbung.
Hier im Überblick alle Werbeflächen dieses Beitrags im Miniaturformat direkt zum Anklicken:

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung