Geheimnis des Kenia-Laufwunders gelüftet!

So dopen Kenianer, Spanier und Paula - Saufen, statt Laufen...

Extrabonus: zwei liquide Dopingtipps!

Satire von Herbert Steffny 25.1.2013 (www.herbertsteffny.de)

Wein und Tee.... na denn mal Prost! Das hört sich ja mal gut an, was Wissenschaftler so alles `raus finden, Quercetin macht`s möglich. Dazu gleich mehr. Immerhin erklärt die Studie, warum im Langstreckenlauf zumindest in den 80er und 90er Jahren die Portugiesen (nationaler und Europarekord, Antonio Pinto 2:06:36 Stunden), Spanier (Julio Rey 2:06:52 Stunden) und Italiener (Stefano Baldini 2:07:22 Stunden) bei den Männern so gut Marathon laufen konnten. Und der französische Marathonrekord ist mit 2:06:36 Stunden (Benoît Zwierzchiewski) ebenfalls Europarekord und flotter als der von uns deutschen Biertrinkern ("nur" 2:08:47 Stunden, Jörg Peter). Und nun ist auch geklärt, warum der Schweizer Viktor Röthlin schneller als die Deutschen laufen kann (2:07:23 Stunden). Böse, böse Gerüchte munkelten immer wieder von Hormonen, Eigenblutdoping oder gar EPO! Nein, das südländische Geheimnis ist und war schon immer ROTWEIN! Dann läuft's offenbar wie geschmiert. Die Franzosen haben weltweit (nach dem Vatikan) den höchsten Weinkonsum pro Kopf! Das französische Paradoxon, Wein trinken und dadurch weniger Herzkreislaufprobleme haben, bekommt eine neue Facette: Man wird ausdauernder...

Die nachstehende Grafik zeigt klar, was wir von den Südländern lernen können: Deutsche trinkt mehr Wein! Ich selbst bin übrigens in Trier (Mosel-Saar-Ruwer) aufgewachsen und bewache heute meinen Weinkeller in Weingebiet Baden. Rotwein, schön und gut, aber was hat das mit den allerallerschnellsten Langstrecklern, den Kenianern zu tun? Ihr Rotweinkonsum ist nur 0,1 Liter pro Kopf. Geht´s also auch ohne Rotwein? Gemach, das werden wir weiter unten von den Wissenschaftlern hören und ich werde von meinen eigenen Recherchen in Kenia berichten....

Eigene Recherchen und die Regressionsanalyse bestätigen eindeutig: Je mehr
Rotwein getrunken wird, desto schneller der Marathon! Rotwein macht Marathonis
offenbar ausdauernde Beine. Also: Deutsche Marathonis trinkt mehr Rotwein!!!
(Grafik, Copyright: Herbert Steffny)

Doping-Tipp mediterran: Rotwein aus Eichenfässern mit Kapern

Wissenschaftler die immer alles ganz genau wissen - in diesem Falle diejenigen der Londoner Kingston University, sind nun im Januar 2013 an die Öffentlichkeit getreten (publiziert in Nutrition) und haben herausgefunden, dass Rotwein den körpereigenen (und fremd zugeführten?) Testosteronlevel anheben bzw. höher halten soll. Testosteron, ein anaboles Hormon - soll heißen: baut uns auf - steigert das Leistungsvermögen, die Muskelmasse und beschleunigt die Regeneration. Rotwein soll aber nicht nur dadurch die Leistung steigern, sondern auch den Nachweis von Testosteron im Urin maskieren, so warnend der Teamleiter Professor Declan Naughton von der University's School of Life Sciences. Mit rotem Rebensaft kann man also einen Doping-Test untersaufen.... ähhhh unterlaufen! Der genaue physiologische Mechanismus soll darauf beruhen, dass ein für den Abbau verantwortliches Enzym namens UGT2B17 von einem Rotweininhaltsstoff namens Quercetin teilweise blockiert wird. Das führt dazu, dass die Niere weniger Testosteron ausscheidet, es bleibt sozusagen (unentdeckt) mehr im Körper. Das antikarzinogene und antioxidative Quercetin, ein Polyphenol, gibt es besonders viel in Rotweinen, die in Eichenfässern (barrique) lagern. Lecker, lecker! Aber man findet es auch reichlich in Obst und Gemüse, besonders in Kohlgemüse, Kapern und Liebstöckel.

Die feinsten und teuersten Dopingmittel werden in Frankreich synthetisiert
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)

Doping-Tipp chinesisch/kenianisch: Die Tee-Stosteron Methode

Rotwein steht nicht auf der Dopingliste - ist billig und frei jedermann/frau zugänglich. Na denn mal Prost und ab geht die Post beim Training. Soweit so gut, aber die Forscher hatten nun leider nichts Besseres zu tun, als ihre Ergebnisse den Dopingfahndern mitzuteilen. Fiese Petzer! Die World Anti-Doping Agency WADA weiß nun leider schon davon... Mist! Und Rotwein ist nicht das einzige Mittel, das den Steroidnachweis im Urin beeinflusst. Entzündungshemmende Medikamente, grüner und schwarzer Tee sollen ähnliche Effekte haben. Na da haben wir es doch! Tee heißt wissenschaftlich: Camellia sinensis. China ist Weltmarktführer im Teeanbau! Da war doch was - die Chinesinnen! Die haben uns 1993, als sie alle Bahn-Mittel- und Langstreckentitel bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart wegschnappten belogen. Mit Schildkrötenblut hat uns damals Ma Junren, ihr Trainer, auf eine falsche Spur gelockt. In Wirklichkeit haben die sich grünen Tee infundiert. Tee-Stosteron-Doping machte es möglich! Apropos Infusion? War da nicht auch was? Schnell mal in Wikipedia nachschauen: "Im Spanischen ist Té nur Schwarztee, alles andere heißt infusión. Ähnlich verhält es sich in Frankreich: thé ist schwarzer oder grüner Tee, Kräutertee dagegen tisane (oder infusion)." Da verschlägt es mir die Sprache, die Spanier und Franzosen verpassen sich zwar schon immer 'ne Infusion, aber offenbar die falsche, nämlich Kräutertee.... Der Rotwein hat's bei ihnen wohl rausgerissen.

Herbert Steffny lüftet under cover vor Ort auf einer Drogenplantage das Geheimnis. Das kenianische Kohlgemüse namens Sukumawiki wird nahezu täglich gegessen - es enthält reichlich Quercetin!
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)
Wie so oft: die Chinesen wussten es schon vor uns. Die Teetrinkerinnen rasen 1993 bei der WM in Stuttgart viel schneller als der Rest der Welt. Der 10.000 Meter Weltrekord von damals steht noch heute. Wang Junxia (vorne laufend) stellte ihn mit 29:31.78 Minuten auf.
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)
Quercetin-Doping in Kenia hält den Testosteronspiegel hoch: Ugali mit Sukumawiki und Bohnen ...dazu natürlich Tee.
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)

Tee für Kenianer und Engländer demnächst verboten?

Doch nun endlich zu den Besten: den Kenianern und der Engländerin Paula Radcliffe, die bestimmt weiß wie man die richtige Schwarztee-Infusion macht. Kenianer trinken im Hochland zwar kaum Rotwein doch den ganzen Tag Tee, schon früh morgens vor dem Training. Tee wächst dort massenhaft in großen Plantagen.

 

Das wirft ein neues Licht, warum die als Teefarmer bekannten Kenianer vom Stamme der Nandi besonders flott laufen. Das Geheimnis ist endlich gelüftet! Und das in Kombination mit Ugali-Maispampe und Sukumawiki, einem Kohlgewächs, das ebenfalls reichlich Quercetin enthält. Sprach man bis vor kurzem noch von EPO-chalen Leistungen im Ausdauersport, so wird man nun die Zusammenhänge in ein neues Licht stellen müssen. Wenn Tee, Rotwein, Kohlgemüse und Co. demnächst auf der Dopingliste stehen, dann werden die zukünftig im Nach-Quercetin-Zeitalter aufgestellten Leistungen hinterher hinken.

So wie die Sprinterinnen momentan auch nicht mehr so spritzig flitzen, wie zu Zeiten einen Florence Griffith-Joyner oder Marita Koch. Tendenzen gehen dahin den Olympischen Marathonlauf abzuschaffen, es wäre zu langweilig, nur noch Kenianer! In der Tat, die Weltmeisterschaften im Crosslauf hat man schon auf einen Zwei-Jahres-Turnus umgestellt. Wohl um den Weißen Mann, den "Muzungu" angesichts der afrikanischen Übermacht nicht zu sehr zu deprimieren.

So dopten die Kenianer früher: "He is a fast runner he drinks milk! Die Schulmilch wurde in Kenia mittlerweile abgeschafft. Tee brachte offenbar mehr. Na ja, wie wäre es wenigstens mit einem Schuss Milch im Tee?
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)

Vielleicht sollten wir stattdessen nationale Doping-Vorschriften erstellen: Nur für Kenianer gilt Teeverbot!!! Und die ehemalige Kolonialmacht England bekommt eine Verwarnung. Der Tee wird auf der Insel rationiert, denn der Marathon Fabelweltrekord von Paula Radcliffe von 2:15:25 Stunden aus dem Jahre 2003 muss neu bewertet werden. Er ist außer auf Grund von Teekonsum eigentlich nicht nachvollziehbar.

So besorgt man sich seinen Dopingvorrat in südlichen Ländern
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)

Ernüchternd - es geht leider auch nüchtern!

Professor Naughton weist allerdings darauf hin, dass diese Ergebnisse bisher nur im Labor gefunden wurden. Was in vitro, also im Reagenzglas abläuft, muss ja nicht zwangsläufig beim Menschen so funktionieren. Obwohl, man sieht doch klar (siehe z.B. die überzeugende Grafik oben), das das läuft! Nun will man den Nachweis in England (Großbritannien = Weltmeister im Teetrinken, Steve Jones lief Marathon in 2:07:13 Stunden!) mit einer klinischen Studie mit Menschen erbringen. Freiwillige vor...

 

Es gibt hoffentlich guten Rotwein und vielleicht noch etwas Five O'Clock Tea und Testosteron dazu... Na, wenn das nicht ein Grund ist, sich als Versuchskarnickel herzugeben. Chateauneuf du Pape, Amarone und Barolo auf Verschreibung... ich melde mich freiwillig!!! Wie ist das aber dann mit der Marathonbestzeit? Kann man nach dem Rotwein-Doping überhaupt noch geradeaus laufen? Nicht wenige schildern nämlich, nach dem Medoc-Marathon, der durch 14 Chateaux, u.a. Lafite und Mouton Rothschild mit Rotwein-Getränkestationen führt, auf ihrer GPS Uhr 44 oder 45 Kilometer abgelesen zu haben. Nun - auch dafür haben die Wissenschaftler (leider) ein Lösung: Da der Effekt durch den nichtalkoholischen Bestandteil, Quercetin und auch Kaffeesäure ausgelöst wird, hänge es nicht vom Alkoholgehalt des Weines ab...
Schade! Denn dummerweise fanden sie dieselben Ergebnisse auch bei Rotweinextrakten aus Supplementen... also in nichtflüssiger Form. Rotwein gewissermaßen in Tabletten... IGITTTIGITTT!

Wenn Sie die volle Wirkung haben wollen... der Tee muss aus Kenia sein. Tee-Stosteron-Doping, für mich die einzige Erklärung wie Paula Radcliffe 2:15:25 Stunden 2003 in London laufen konnte.
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)

Fazit: Die Zusammenhänge sind glasklar aufgetischt. Aber bis Rotwein und Tee auf der Dopingliste stehen, erst mal abwarten und sowieso Tee trinken. Falls der Bann doch kommt, schnell mit den genannten Quercetin-Quellen eindecken, auf lagerfähige Rotweine wie Bordeaux, Rioja oder Amarone achten und - letzte legale Gelegenheit - jetzt oder nie damit auf Bestzeiten trinken... ähhh trainieren!

Mehr dazu in der Wissenschaftszeitschrift Nutrition

Mit einer Satire startet Herbert Steffny seine Arbeit für die Rubrik Training. Doch wird er gelegentlich auch Fragen zum Training im LaufReport ernsthaft beantworten.
Fragen senden an lauftipps@laufreport.de

Marathon-Literaturtipps zum Training & Ernährung: www.herbertsteffny.de/buecher.htm

Warum im Internet aus unbekannter Quelle irgendeinen Plan für Ihr Marathontraining ohne das notwendige Hintergrundwissen runterladen oder kaufen, wenn Sie für nur 22,95 Euro den umfassenden Lauf- und Marathonratgeber "Das große Laufbuch" mit bewährten Plänen über 10km, Halbmarathon und Marathon für alle Leistungsklassen bekommen können?

Dieses 368 Seiten umfassende Buch ist laut Besprechungen auch in der Fachpresse: "Das Standardwerk" oder "Die Laufbibel" und seit Erscheinen der Besteller im Laufbuchbereich. Darin finden Sie nicht nur die bewährten Trainingspläne für Profi- und Freizeitläufer aus der Hand des seit Jahrzehnten als Spitzenathlet, Trainer und als Laufexperte für Fach- und Sportmagazine und Fernsehen als Kommentator arbeitenden Autors Herbert Steffny. Sie werden Schritt für Schritt sich auch das notwendige know-how aneignen, um Ihr eigener Trainer zu werden bzw. Ihre Pläne selbst zu schreiben, denn als studierter Diplom-Biologe und früherer Weltklasseläufer bringt Ihnen der Autor leicht und verständlich auch das tiefere Hintergrundwissen der Trainingslehre bei....

Trainingsplanübersicht und mehr Info

Siehe auch Laufseminare und Laufwochen mit Herbert Steffny im LaufReport HIER

Beitrag und Fotos von Herbert Steffny
(www.herbertsteffny.de)

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