14.10.18 - 26. Offenbacher Mainuferlauf

Im goldenen Oktober zu schnellen Zeiten und Cup-Entscheidungen

von Markus Heidl 

Wenn in Offenbach die Oktobersonne strahlt, kein Wind weht und die Temperaturen langsam steigen, gibt es doch nichts schöneres, als am Main entlang zu laufen. Sei es, um spazierengehend die Herbstsonne zu genießen, um laufend die Flusslandschaft zu erkunden oder um rennend die eigenen Grenzen auszuloten und die Vorbereitungen für den Herbstmarathon abzuschließen.

Wie schon im vergangenen Jahr, bei der 25. Jubiläumsaustragung des Offenbacher Mainuferlaufs, bot das Wetter wieder einen prächtigen Rahmen für die verschiedenen Rennen am Mainufer. Wieder hätten die Bedingungen besser nicht sein können. Sicher ein Faktor dafür, dass die verschiedenen Rennen wieder hoch frequentiert waren: 529 Teilnehmer nahmen die 10 km unter die Füße, sogar 907 den Halbmarathon. Weitere 150 "Finisher" gab es über die 5 km sowie bei den Schülerläufen.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info Gutenberg Marathon Mainz HIER

Für alle ging es wie gewohnt am Main entlang Richtung Mühlheim und wieder zurück. Halbmarathon, 5-km- und 2-km-Lauf sind Wendepunktstrecken, die 10 km werden auf einem attraktiven Rundkurs ausgetragen. Dabei sind sämtliche Strecken durchweg eben und fast durchgängig asphaltiert - in Offenbach gibt es keine Ausreden, sehr schnelle Zeiten sind möglich. Erst im vergangenen Jahr zeigte Lokalmatador Aaron Bienenfeld mit einem neuen Streckenrekord von 30'38 über die 10 km, dass man gut beraten ist, hier zu starten, wenn man der persönlichen Bestzeit den Kampf anzusagen gedenkt.

Goldener Oktober am Mainufer in Offenbach
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Weiterhin packen viele Teilnehmer die Möglichkeit beim Schopf, einen letzten Formtest für den Frankfurt Marathon zu absolvieren. Für diesen Klassiker ist der Hauptteil des Trainings jetzt, zwei Wochen vorher, bereits absolviert. Viele laufen deshalb noch einmal die halbe Distanz, sei es, um das Renntempo einzuüben, sei es, um noch einmal zu testen, was geht.

Die einzigen Ausreden, die dabei vielleicht gelten könnten wären zum einen, dass der Sommer heuer nicht enden will und auch die Herbstsonne kräftig einheizte, sodass es beim Halbmarathonrennen recht warm wurde. Zum anderen fand wieder einmal der Ironman Hawaii am Abend/in der Nacht zuvor statt, sodass treue Fans bis in die frühen Morgenstunden am Bildschirm gehalten wurden. Doch es lohnte sich: Patrick Lange zeigte eine Vorstellung der Extraklasse und setzte die Siegesserie deutscher Dreiathleten auf der US-Amerikanischen Vulkaninsel fort.

Hätte es Vorberichte gegeben

Für die Kenner der Szene zeichneten sich schon im Vorfeld des Mainuferlaufs einige Spannungsbögen ab, über die es durchaus Wert gewesen wäre, zu berichten. Zum einen versprach der Halbmarathon ein schnelles Rennen zu werden, weil sich nicht nur der lokale Ultratraillauf-Star Florian Neuschwander angekündigt hatte, sondern ebenso wie in den vergangenen Jahren wieder die Laufgruppe des ASC Breidenbach, aus der nicht nur der in der hessischen Elite etablierte Kilian Schreiner für sehr schnelle Zeiten sorgen kann. Zuletzt überzeugte auch Alexander Hirschhäuser, der bereits im vergangenen Jahr seine Halbmarathon-Bestleistung gesteigert hatte, über die 10 km mit sehr starken Zeiten.

Alle bereit? Gleich folgt der Start über 10 km

Weiterhin bahnte sich im Mainlaufcup die finale Entscheidung an. Während bei den Schülern auch beim Mini-Marathon in Frankfurt noch Punkte gesammelt werden können ist der Mainuferlauf bei den Erwachsenen schon die vorletzte Station der 10 Wertungsrennen. Bei den Männern hatte es bereits in Rodheim einen Fingerzeig gegeben, seitdem führt Markus Heidl mit 491 Punkten knapp vor seinem Vereinskameraden Philipp Bartels (490 Punkte, beide Spiridon Frankfurt) und dem Triathleten Hendrik Pörschke (488 Punkte).

Die Frauenwertung hingegen war noch völlig offen. Die drei Erstplatzierten des Vorjahres, Kerstin Bertsch (in diesem Jahr in der vollen Kinderwagen-Marathon-Vorbereitung), Franziska Baist (stärker denn je, im letzten Jahr noch in Offenbach mit Bestzeit 1h26'00) und Lena Becker (Aufschwung durch ihren Halbmarathonsieg in Rodheim), waren noch im Rennen, dazu waren außerdem Julia Roth, die im Sog von Eliud Kopchoge einen richtig starken Berlin-Marathon gelaufen ist (3:00:39) sowie Irina Haub gut platziert. Die Rennen des Offenbacher Mainuferlaufs würden eine Entscheidung bringen.

Was ist aus Ursula Stoll geworden?

Es war der 21. August 2016, als Ursula Stoll beim Schwimmen im Rahmen des Allgäu-Triathlons in Immenstadt einen Herzstillstand erlitt. Trotz schneller Hilfe durch die Wasserwacht war ihr bisheriges Leben ab diesem Tag vorbei. Auf ein künstliches Koma folgte ein Wachzustand, in dem sie zwar auf Einflüsse von außen reagieren, sich aber nicht bewegen konnte.

Im letzten Jahr wurde für sie im Rahmen des Mainuferlaufs gesammelt, zusätzlich gab es 3 €/Teilnehmer statt eines Jubiläumsgeschenks. Für diese Unterstützung bedankte sich die Familie von Ursula im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung herzlich, konnte aber leider keine Verbesserung verkünden. Wir hoffen weiterhin und wünschen ihr alles Gute!

Die Führungsgruppe über 10 km in der Verfolgung des Führungsradfahrers

Das 10-km-Rennen macht den Beginn

Bei vielen Veranstaltungen ist es so, dass die längere Distanz zuerst gestartet wird. In Offenbach ist es anders herum, um 9 Uhr wird der 10-km-Lauf gestartet, eine Stunde später dann der Halbmarathon. Grundsätzlich denkbar ist deshalb sogar ein Doppelstart.
Und während im letzten Jahr, wie bereits erwähnt, Aaron allein dem Feld in Richtung Streckenrekord enteilte, entwickelten sich 2018 sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen spannende Rennen.

Markus Heidl (Spiridon Frankfurt), der Gesamtführende der Cupwertung, war es zunächst, der am schnellsten loslief und das Feld in die Länge zog. Bis die Strecke etwa nach 1,5 km rechts vom Main abging hatte sich dann eine Fünfergruppe mit Leonardo Ortolano (PSV GW Kassel), Thorsten Herrig (VfL 1860 Marburg), Philipp Herzog (TV Waldstraße Wiesbaden) und Fabian Sposato (SSC Hanau-Rodenbach) gefunden, die gut zusammenarbeitete. Nach der Streckenhälfte, als es zurück zum Main und dort im Bogen wieder auf den Rückweg ging, war die traute Einigkeit dann aber vorbei. Leonardo und Markus versuchten sich zu lösen und schafften es auch, eine kleine Lücke reißen zu lassen.

Hanna Rühl (1670) wird 4. über 10 km, kurz dahinter noch Irina Haub, 5. und 1. W40 Justino da Costa, 1. M55, zeigt wieder einen starken Mainlaufcup

Doch das Rennen war keinesfalls entschieden. Thorsten, Philipp und Fabian kamen immer näher und schließlich wieder heran. Zu fünft ging es auf den letzten Kilometer und schließlich zum Schlussspurt. Dort war es dann Markus, der trotz Marathontraining die schnellsten Beine hatte und im Ziel nach 33'24 als erstes jubeln durfte. Nicht nur über den Tagessieg in Offenbach, sondern ebenso über den sicheren Sieg in der Cupwertung. Gleich dahinter folgten Leonardo (33'27), Thorsten (33'28), Philipp (33'31) und Fabian (33'33). Auch hier gab es Grund zum Jubeln: Thorsten, Philipp und Fabian waren allesamt Bestzeiten gelaufen.

Das Frauenrennen war mehr in die Länge gezogen. Clara Costadura (Spiridon Frankfurt), die am kommenden Wochenende bei ihrem ersten Start über die Distanz die italienischen U23-Halbmarathonmeisterschaften aufmischen will, stiefelte von Beginn an vorneweg. Gejagt wurde sie vor allem von Lena Ritzel (VfL 1860 Marburg), außerdem aber auch von Marie Tertsch aus Darmstadt (ASC Darmstadt) und ihrer Vereinskameradin Hanna Rühl (Spiridon Frankfurt).

Clara Costadura gewinnt den 10 km Lauf Lena Ritzel folgt kurz dahinter auf Rang zwei

Was zur Streckenhälfte schon wie ein entschiedenes Rennen aussah wurde dann aber ebenso noch einmal richtig spannend. Am Ende war es aber doch Clara, die sich mit drei Sekunden Vorsprung vor Lena durchsetzen konnte. 36:50 min bedeuteten eine neue persönliche Bestleistung für die Siegerin. Auf Rang drei lief Marie (37'10), Hanna folgte mit auch sehr starken 37'18 als Vierte. Nicht zu verachten auch der fünfte Platz von Irina Haub (DJK Flörsheim) in 37'42. Insgesamt liefen elf Frauen unter 40 Minuten.

Zwei Rennen zur gleichen Zeit

Fünf Minuten nach den 10ern waren die 5-km-LäuferInnen auf die Strecke geschickt worden. Hier war es Anas Belfgih (USC Mainz), der am schnellsten lief. 17'57 war die Siegzeit. Rang zwei erlief sich Tristan Kaufhold vom SSC Hanau-Rodenbach in 18'53. Rang drei ging an Mateusz Sokolowski mit einer Zeit von 19'14.

Bei den Frauen dominierte Sara Kiefer (SC Steinberg), die das Rennen nach 19'34 gewann. Ihr folgten Johanna Schneider (20'03, Wiesbadener LV) und Cathrin Möller (20'27, LG Stadtwerke München). Nina Beidl (20'33, SSC Hanau-Rodenbach) folgte knapp dahinter als Vierte.

Auch das 2-km-Schülerrennen würde später zeitgleich mit dem Halbmarathon ausgetragen werden. Dieses feierte im letzten Jahr Premiere in Offenbach. Dort war Joakim Endlich vom SSC Hanau-Rodenbach der schnellste Schüler (7'05), dicht gefolgt von Jan Büchner (7'10, SG Frankfurt-Nied) und Felix Müller (7'16, LLG Hunsrück). Die schnellste Schülerin hieß Lara Grünewald (7'31, TGS Niederrodenbach). Ihr folgten Tessa Sofie Böttcher (7'35, ASC Darmstadt) und Leonie Kottwitz (7'43, LG Rosbach-Rodheim) auf den weiteren Plätzen.

Start zum Halbmarathon

Ein richtig schneller Halbmarathon

Wieder waren es viele rote Trikots, die mit dem Startschuss über die 21,1 km losstürmten. Allen voran wieder einmal einige Läufer des ASC Breidenbach, die zum Saisonabschluss gerne nach Offenbach kommen. War es zu Beginn noch Florian Neuschwander, der den Vereinskameraden Kilian Schreiner und Alexander Hirschhäuser zu folgen versuchte, musste dieser wegen Fußschmerzen früh aufgeben. So war es zunächst Janek Taplan (LC Bingen), der den beiden Breidenbachern allein zu folgen versuchte, dahinter folgte dann eine Dreiergruppe um Jonas Simon (LG Eder), Sultan Abdu und Kalayu Gereziher (beide LG Eintracht Frankfurt), die Janek, der keinen guten Tag erwischte, bald schluckten. Kilian und Alexander waren dann aber bereits weit enteilt.

Vorne blieb es auch bei dem beherzten Zweikampf zwischen zwei starken Vereinskameraden. Kilian versuchte sich immer wieder zu lösen, Alexander ließ sich aber nicht endgültig abschütteln und kämpfte sich immer wieder heran. Zwar gewann Kilian das Rennen (1:07:53 h), Alexander wurde aber mit einer sehr starken neuen Bestzeit von 1:07:54 h belohnt. Schon seit dem Sommer laufe das Training sehr gut, meinte er im Ziel, was sich jetzt in starken Zeiten gezeigt hat. Während für Alexander eine Saisonpause folgt, steht für Kilian die Crosslaufsaison an. Beim deutschen Crosscup will er sich zeigen.

Kilian Schreiner siegt zum zweiten Mal in Folge Alexander Hirschhäuser läuft in neue Sphären Der Zielspurt um Rang drei ist eröffnet

Die Dreier-Verfolgergruppe blieb bis zum Schluss zusammen. Erst auf den letzten 100 m wurde der dritte Gesamtplatz ausgesprintet, der schließlich an Sultan ging (1h14'29). Jonas (1h14'30) und Kalayu (1h14'30) folgten dahinter.

Bei den Frauen war es zunächst die Führende im Mainlaufcup, die das Tempo bestimmte. Doch Franziska Baist (Team Main-Lauf-Cup) erwischte nach zuletzt sehr starken Auftritten keinen guten Tag und musste ihre Trainerin Petra Wassiluk (ebenso Team Main-Lauf-Cup) ziehen lassen. Petra war es dann schließlich auch, die das Rennen nach 1:23:36 Stunden gewann. Der zweite Rang in 1:25:05 h reichte Franziska aber, um sich die Cupwertung zu sichern, weil ihre stärksten Konkurrentinnen nicht genügend Punkte sammeln konnten. Der Mainuferlauf brachte also wie erwartet die Entscheidung, die Sieger des Mainuferlaufs 2018 stehen fest. Als dritte über den Halbmarathon zeigte Tatjana Rauhut (SSC Hanau-Rodenbach) ein starkes Rennen. Von Frank Wiegand (1h25'51, LG Bad Soden/Sulzbach/Neuenhain) gezogen lief sie mit 1:25:50 h neue persönliche Bestzeit.

Petra Wassiluk gewinnt den Halbmarathon bei den Frauen Franziska Baist wird Zweite und gewinnt die Gesamtwertung des Mainlaufcups Tilbert Vetter (3. M55), bekannt für seine konstant guten Marathonläufe, testete beim Mainuferlauf ein letztes Mal seine Form vor dem Frankfurt Marathon
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Genauso zufrieden zeigte sich der Vorsitzende des Offenbacher Leichtathletik Clubs Diethelm Kuttich: "Wir hatten Kaiserwetter, gute Stimmung und zufriedene Läufer - wir sind rundum zufrieden." - Wie gesagt, beim Offenbacher Mainuferlauf gibt es eigentlich keine Ausreden!

Bericht und Fotos von Markus Heidl

Ergebnisse offenbacher-lc.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung