14.10.18 - 33. Generali München Marathon

Ein Hauch Olympia für „kleine Leute”

von Jörg Engelhardt 

Als im Olympiapark die Sonne aufging, zeigte sich der Himmel seinen zahlreichen Besuchern, getreu den bayerischen Landesfarben in sonnendurchströmten Weiß-Blau. Es zeichnete sich genau jenes Bild ab, was jedem Außenstehenden deutlich macht, warum die bayerische Landeshauptstadt für Urlauber und Touristen aus der ganzen Welt immer wieder so anziehend ist. Ferienstimmung breitete sich aus und der Betrachter erfreute sich an der beeindruckenden Kulisse, die dieses freundliche Zusammenspiel von Sonne, Licht und Schatten in diesem Augenblick, nicht nur für ihn, sondern auch die immer zahlreicher erscheinende Läuferschar bereithielt.

Der ebenfalls sehr stark präsente Tross, bestehend aus vielen fleißigen Helfern und einem großen Stab von kompetenten Mitarbeitern, der mit der Durchführung und Organisation eines solch großen Ereignisses beschäftigt ist, dürfte diesem erfreulichem Treiben der Natur weit weniger Aufmerksamkeit geschenkt haben.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info Johannesbad Thermen-Marathon Bad Füssing

Denn er musste sich, gewissenhaft und zielstrebig den gestellten Herausforderungen widmen, um sicherzustellen, dass der heutige Tag für alle Teilnehmer zu einem unvergesslich schönen Lauferlebnis werden konnte. Das ihm dies gelungen ist, hatte nicht nur mit seiner unermüdlichen Einsatzbereitschaft zu tun, sondern auch mit seiner unglaublich hohen Leistungsfreude und Gastfreundschaft, mit der alle Aktiven aus nah und fern hier empfangen wurden.

Im Olympiapark geht die Sonne auf und taucht den Himmel in landestypisches Weiß - Blau Das Läuferfeld wartet angespannt auf den Start
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Da war sie wieder: Die zurecht gerühmte Münchner Willkommenskultur und sorgte mit dafür, dass der Freistaat Bayern, nicht nur auf der politischen Ebene, bedingt durch die zeitgleich stattfindende Landtagswahl, im Blickpunkt der Öffentlichkeit stand, sondern auch durch die 33. Auflage des München Marathons, der in diesem Jahr mit einem neuen Titelsponsor an seiner Seite, den Aufbruch in wieder bessere Zeiten einläuten wollte. Dass ihm das mit Bravour geglückt ist, belegt ein Ausflug in die Welt der Zahlen. Zu Beginn der heutigen Veranstaltung konnte Organisationschef Gernot Weigl mit seinem rührigen Team 21.960 Laufbegeisterte begrüßen. Dies bedeutete einen Zuwachs von über 900 Teilnehmern im Vergleich zum Vorjahr.

Eine positive Entwicklung, die auch dadurch zustande kam, weil in allen fünf angebotenen Disziplinen mehr Läuferinnen und Läufer gemeldet hatten, als im Jahr zuvor. Es war also angerichtet für ein Läuferfest, das schon rein ortsbedingt an historischer Stätte, den vielen Freizeitläufern aus über 100 Ländern, einen Hauch Olympia um die Nase wehen ließ. Auch wenn das weite Rund, bei weitem nicht so brechend voll war, wie vor 46 Jahren, als der hier in München geborene US-Amerikaner Frank Shorter unter dem tosenden Beifall von über 76.000 Zuschauern zum Olympiasieg im Marathon lief. Doch ein großes Glücksgefühl überkam die Meisten der vielen Tausend Hobbysportler schon, als sie namentlich angekündigt von Zielsprecher Peter Maisenbacher die weiße Linie mit der Gewissheit überqueren konnten, es " g'schafft" zu haben.

 

Banner anklicken - informieren
LR-Info iwelt Marathon Würzburg HIER

In Schwabing heizt die Sambamania dem Publikum und den Läufern ein

Selbstverständlich stand aber nicht nur das Gros der Breitensportler an der Startlinie, sondern auch eine recht hohe Anzahl von ambitionierten Läufern, die nicht nur in München und Umgebung von sich Reden machten, sondern auch darüber hinaus. Der heutige Marathonsieger Andreas Straßner ist das beste Beispiel hierfür. Außer ihm sorgten diesmal aber auch wieder mehr Athletinnen und Athleten aus anderen Nationen für die sportlichen Highlights des Tages. So dass sich, anders als vor einem Jahr, die Anzahl der rein bayerischen Triumphe in dieser Häufigkeit diesmal nicht wiederholen konnte. Ungetrübt davon, gab es auch durch die in den Marathonlauf integrierten Bayerischen Meisterschaften noch genügend Gründe für die heimischen Protagonisten, ihre sportlichen Erfolge zu feiern.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info Rhein-Ruhr-Marathon HIER

Außer der Königsdisziplin, standen noch der Halbmarathon, die Marathonstaffel, die 10 Km Strecke, sowie der 7,5 Km lange Inklusionslauf, der dieses Mal seine zweite Auflage erfuhr, auf dem Programm.

10 Km Lauf

Hier konnten die Siegerzeiten der ersten beiden Läufer des Vorjahres Clemens Bleistein und Erik Hille nicht erreicht werden, dafür blieb es aber bei einer Konstanten. Denn auch diesmal entschied wieder ein bayerischer Läufer dieses Rennen für sich. Max Weigand vom TSV Penzberg triumphierte hauchdünn mit einer Endzeit von 32:09 und sicherte sich in einem packenden Rennen den Tageserfolg. Die Spannung in diesem Wettbewerb war deshalb auch wesentlich höher als 2017, denn der auf ihn folgende Franzose Romain Carriver (Tempo Running Club) blieb bis kurz vor Schluss dran und finishte nur 2 Sekunden später. Nach 32:12 war für ihn der Lauf beendet und mit diesem 2. Platz zugleich auch der Sieg in der M30 gesichert.

Auch auf dem 3. Platz war wiederum ein ausländischer Läufer zu finden. Der Engländer Jordan Weaver (Kent AC) kam nach 32:44 ins Ziel und durfte sich über den Podiumsplatz freuen, obendrein bedeutete diese Endzeit auch den 2. Platz in der MHK. Dieser 3. Platz auf dem " Stockerl" war jedoch hart umkämpft, denn Lokalmatador Benjamin Schneck (Munich Road Runners Club) kam auch nur mit 2 Sekunden Rückstand auf den Briten ins Ziel und musste sich mit dem undankbaren 4. Platz anfreunden. Doch ging auch er nicht mit leeren Händen nach Hause, weil er den zweiten Platz in der M30 erreichen konnte.

Am Gärtnerplatz wartet schon die nächste Trommelgruppe auf ihren Einsatz Darf auch hier beim München Marathon auf keinen Fall fehlen: Streckensprecher Vanman Jochen Heringhaus. Nächste Woche wird er dies in Dresden tun und auch in Frankfurt wird er kurz hinter Km 34 im Europaviertel das anwesende Publikum informieren und unterhalten

Bei den Frauen konnte Jule Vetter (LAV Stadtwerke Tübingen) nach 36:38 den Gesamtsieg feiern, was zugleich für die erst 18-jährige Läuferin den ungefährdeten Sieg in der WJ U20 bedeutete. Ihr Vorsprung auf die Zweitplatzierte Lisa Fuchs (SSV Ulm 1846), die mit diesem Ergebnis in 37:37 auch die WHK gewann, betrug am Ende 59 Sekunden, damit waren die ersten beiden Plätze auf dem Treppchen schon mit Läuferinnen aus Baden-Württemberg besetzt.

Den letzten freien Platz konnte Monika Heiß (LG Telis Finanz Regensburg) einnehmen. Zwar hatte sie am Ende nur drei Sekunden Rückstand auf den 2. Platz, konnte sich aber doch sehr deutlich den Triumph in der W40 erlaufen und wenigstens den letzten freien Podiumsplatz in Bayern halten. Insgesamt liefen 2997 Frauen und Männer ins Ziel und sorgten somit für einen Teilnehmerzuwachs von deutlich mehr als 10 Prozent. Vor einem Jahr betrug die Gesamtzahl aller Finisher gerade mal 2699, also fast 300 Teilnehmer weniger. Damit erfuhr dieser Wettbewerb die größte Steigerung von Teilnehmern.

 

Banner anklicken - informieren
LR-Info Heilbronner Trollinger Marathon

Marathonstaffel

Dieser Wettbewerb blieb der einzige des heutigen Tages, in dem ein Sieger aus dem Vorjahr seinen Erfolg wiederholen konnte. Der PST Trier in der Besetzung Andreas Koster, Dominik Werhan, Oliver Ewen und André Willems beherrschte das Staffelfeld ziemlich deutlich und erlief sich eine Siegeszeit, die über eine Minute schneller war als vor 12 Monaten. Nach 2:27:52 h war das Rennen für das Quartett beendet und somit der zweite Sieg in Folge gesichert.

Die zweite Staffel "Verrückt nach Mary" erlief sich zugleich den 1. Platz in der Mixed-Wertung: Alexander Barth, Martin Grau, Marie Demuth und Dennis Gerhard hatten ihr Tagwerk nach 2:30:01 h verrichtet und damit auch den 2. Platz in der Gesamtwertung erreicht. Das Team "Laufsport Saukel B-Faster" mit Harald Stecker, Niklas Ringeisen, Elias Egger und Tobi Prater erreichte mit der Zeit von 2:31:03 h den 3. Platz in der Gesamtwertung und daneben Platz 2 bei den Herrenstaffeln. Den letzten freien Podestplatz in der Männerwertung eroberte sich als 4. in der Gesamtwertung der MRRC München mit Leopold Beckenbauer, Gabriel Allgayer, Miguel Querejeta und Finn Hösch. Nach 2:33:37 h blieb für dieses Quartett die Uhr stehen.

Gewinnt zum zweiten Mal hintereinander den Staffelmarathon: Das Quartett des PST Trier Die schnellste Mixed-Staffel "Verrückt nach Mary", wird 2. im Gesamteinlauf

Den 3. Platz in der Mixed-Wertung erliefen sich Franziska Drasdo, Fabian Drasdo, Michael Schell und Erik Orberg, die aus aktuellem Anlass als "Landtagswähler" angetreten waren. Nach 2:50:10 konnten sie diesen Erfolg für sich verbuchen.

Sieger bei den reinen Frauenstaffeln war das Team Crew Love in 3:24:56 h mit den Prodagonistinnen Maria Boger, Rebekka Münzenmayer, Luisa Glöckle und Anni Schielle.

Am Ende kamen 697 Staffeln ins Ziel, also 57 Staffeln mehr als vor 12 Monaten. So dass auch dieser Wettbewerb von einer deutlich höheren Resonanz geprägt war.

Halbmarathon

Auch im teilnehmerstärksten Wettbewerb des Tages kam es zu einem deutlichen Finisherzuwachs. Am Ende kamen 6711 Läuferinnen und Läufer ins Ziel, also knapp 300 mehr als noch im letzten Jahr. Und weil Titelverteidiger Tobias Schreindl diesmal nicht antrat und es vorzog, seine Ehefrau Susanne, die vor einem Jahr ebenfalls gewonnen hatte, als Pacemaker auf der vollen Marathondistanz ein Stück weit zu begleiten, war schon vor dem Startschuss klar, dass es sowohl bei den Frauen als auch Männern keine Titelverteidigung geben würde. So waren auch keine eindeutigen Favoriten auf die Gesamtsiege bei beiden Geschlechtern im Vorfeld auszumachen.

Lediglich Lukas Becht (LG Stadtwerke München) bei den Männern wurde aus Sicht Einheimischer eine Mitfavoritenrolle zugedacht. So war schon vor dem Start des Rennens ziemlich sicher, dass es diesmal wohl kaum wieder zu einem bayerischen Doppeltriumph kommen würde. Absehbar also, dass bei dieser Konkurrenz wahrscheinlich ein zweites "Bayern First", wie Wilfried Raatz im vorigen Jahr für den LaufReport getitelt hatte, ausbleiben würde. Stattdessen sollten die Zuschauer am Streckenrand und im weiten Rund des Olympiastadions bei den Männern ein furioses "Forza Italia" erleben, sowie bei den Frauen einen Wettbewerb, bei dem die bayerischen bzw. auch anderen deutschen Läuferinnen im Kampf um das heiß begehrte Podium keine Chance haben sollten.

Die in München lebende Belgierin Sophie Hardy gewinnt den Halbmarathon der Frauen in 1:16:53 h und unterbietet die letztjährige Siegeszeit von Susanne Schreindl um über 3 Minuten Lukas Becht (LG Stadtwerke München) wird 2. Halbmarathonmann hinter dem Italiener Salvatore Gambino

Also wurde aus dem von vielen erhofften " Bayern first" im Frauenrennen ein " internationales Ladys first, das sowohl quantitativ, was die Anzahl der aktiven Damen, als auch die sportlichen Ergebnisse betrifft, die Ereignisse des letzten Jahres, nicht nur dank des vorhandenen Mehr an Sonnenlicht, deutlich in den Schatten stellen sollte. Sophie Hardy aus Belgien sollte hier die tragende Rolle spielen und die Damenkonkurrenz fast nach Belieben dominieren, was für das anwesende Münchner Publikum leichten Herzens zu verschmerzen war, da die 29jährige Spitzenläuferin schon seit geraumer Zeit hier ihren festen Wohnsitz hat.

Dabei wäre ihre großartige sportliche Leistung in diesem immer undurchschaubareren Gewusel und Gewimmel an immer mehr ins Ziel kommenden Marathon- und Marathonstaffelteilnehmern optisch beinahe völlig untergegangen, denn die eindeutige Siegerin lief anstatt durch das Zielband hindurch, erst einmal an diesem vorbei, was wohl auch daran lag, das die ohnehin eher kleinwüchsige Topathletin in dieser Traube von Menschen auch von den Organisatoren im Zielkanal nur schwer auszumachen war. Dennoch gelang es dem sehr aufmerksamen Helferteam dann doch noch, die junge Frau zurück an die Ziellinie zu leiten, um das heiß begehrte Zielfotomotiv mit dem Durchbrechen des Zielbandes im Interesse der zahlreichen Medienvertreter nachzuholen.

Am Ende unterbot die Belgierin Sophie Hardy die letztjährige Siegeszeit von Susanne Schreindl um über 3 Minuten. Eine sehr respektable 1:16:53 h stand am Schluss in der Ergebnisliste und verschaffte der Wahlmünchnerin einen satten Vorsprung von über dreieinhalb Minuten auf die Zweitplatzierte, die Äthiopierin Bontu Kaba Desso, die ebenfalls mittlerweile ihren festen Wohnsitz in Bayern hat. Sie lebt allerdings nicht in München, sondern in der Oberpfalz und ging für die DJK Weiden an den Start. Nach 1:20:40 h konnte auch sie ihren 2. Platz mit einem weniger klaren Vorsprung auf die Tagesdritte Elin Sigurdardottir aus Island absichern. Die wiederum kam 42 Sekunden nach der gebürtigen Ostafrikanerin ins Ziel und freute sich sehr über ihren Platz auf dem Podium mit einer Zeit von 1:21:22 h, hatte sie sich den auch redlich verdient.

Die Äthiopierin Bontu Kaba Desso läuft im Trikot der DJK Weiden auf den 2. Platz beim Halbmarathon der Frauen. Ihre Zeit 1:20:40 h Elin Sigurdardottir aus Island erkämpft sich mit einer Zeit von 1:21:22 h den 3. Platz im Halbmarathon der Frauen

Die ebenfalls sehr erfolgsgewohnten deutschen Läuferinnen Anna Herzberg (KS - Sportsworld) und Julia Galuschka (Regulatproteam) mussten diesmal mit den Plätzen 4 und 5 Vorlieb nehmen, konnten aber dennoch mit ihren Ergebnissen die Siege in ihren Altersklassen feiern. Anna Herzberg war nach 1:22:24 h zuhause und gewann damit die W30, während Julia Galuschka nach 1:25:02 h ins Ziel kam und damit den Sieg in der W35 errang. Obendrein konnte sie sich mit ihrem Lebensgefährten Andreas Straßner freuen, dessen große Stunde schon zuvor (der Halbmarathon wurde erst dreieinhalb Stunden später gestartet) im Marathon der Männer geschlagen hatte. So dass auch sie zwei gute Gründe zum Feiern hatte.

Im Männerrennen konnte sich Italien, als die an diesem Tage nach Deutschland am stärksten vertretene Läufernation, sehr überzeugend präsentieren. Salvatore Gambino vom Giuariati Faig Team konnte sich in einem packenden Duell im Kampf um den Gesamtsieg, das fast über die ganze Strecke ergebnisoffen verlief, am Ende doch mit 44 Sekunden Vorsprung gegen den einheimischen Lukas Becht (LG Stadtwerke München) durchsetzen. Der Italiener scheiterte nur hauchdünn, mit 1:10:12 h, an der von den meisten Männern nicht zu erreichenden 70-Minuten-Marke. Zwar kam er nicht an die Vorjahreszeit von Tobias Schreindl heran, lieferte aber dennoch ein sehr leidenschaftliches Rennen ab, das ihm den verdienten Sieg einbrachte.

Am Ende hatte sich sein stärkster Konkurrent Lukas Becht vor heimischer Kulisse bis zum letzten verausgabt und brauchte länger als sein Bezwinger um sich von diesem höchst anstrengenden Duell um den Tagessieg zu erholen. In 1:10:56 h war für ihn das Ziel erreicht und der 1. Platz in der M30 in trockene Tücher gepackt. Mit Alessandro Claut (ebenfalls Giuariati Faig Team) sprang ein weiterer Italiener auf das Podium und ergatterte sich in 1:12:37 h auch den 1. Platz in der M40. Der Wettbewerb bei den Männern war zwar bei weitem nicht der schnellste Halbmarathonlauf, bot den interessierten Zuschauern aber jede Menge packende Duelle, die für den Betrachter viel interessanter sind, als von vornherein festgelegte Rekordjagden. So dass diese Disziplin sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern großartigen Sport geliefert hat.

Hinter Km 18 schüttelt Andreas Straßner seine Verfolger ab und läuft nach und nach zum späteren 2. T-Roy Brown aus den USA auf Der spätere 3. und Bayerische Meister Maxim Fuchs ( LG Passau), wird von seinem Trainer Günter Zahn begleitet. Zahn hat hier in München als Fackelträger, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1972, das olympische Feuer entzündet

Marathon und Bayerische Meisterschaften

"Bayern First", war auch diesmal wieder das Motto in der Königsdisziplin, was durch die in diesem Jahr zusätzlich integrierten Bayerischen Meisterschaften noch zusätzlich unterstrichen wurde. So war es auch kein Wunder, dass mit Andreas Straßner ein bayerischer Läufer als Favorit auf den Tagessieg gehandelt wurde. Der Mittelfranke aus Pleinfeld im fränkischen Seenland kann an guten Tagen schon mal einen Marathon unter 2:20 h zu Ende bringen, hat in diesem Jahr bereits den Wings for Life Run in München gewonnen und dabei bis zur Einholung durch das Zielfahrzeug 76,77 Km zurückgelegt.

Bei diesem Rennen, das in diesem Jahr zeitgleich in 12 verschiedenen Ländern auf mehreren Kontinenten ausgetragen wurde, belegte der Mittelfranke, der für ART Düsseldorf startet, aus allen 12 gleichzeitig gestarteten Läufen hinter dem Schweden Aron Anderson, der in Sunrise/ Florida am Start war, den weltweit betrachtet 2. Platz. Nur der Skandinavier legte noch mehr Kilometer zurück als er. Folglich wusste er auch schon vor dieser Auflage des München Marathons, wie schön es sein kann, hier vor Ort einen populären Wettbewerb zu gewinnen. So war es dann für die Fachwelt auch keine allzu große Überraschung, dass der zur erweiternden deutschen Spitze zählende Ausnahmeläufer, als erster das Ziel im Olympiastadion erreichen würde.

Andreas Straßner hat kurz hinter Km 32 schon die Weichen auf Sieg gestellt An gleicher Stelle hat T-Roy Brown bereits über eine Minute Rückstand, auf den späteren Sieger. Am Ende werden die beiden über 3 Minuten voneinander trennen

Dabei ist der 39jährige Topathlet bei anderen Stadtmarathonläufen in jüngerer Zeit schon viel schneller gewesen. Was ihm heute allerdings nicht so wichtig war. Schon als Jugendlicher hat er oft davon geträumt, in der Hauptstadt seines Heimatbundeslandes an den Start zu gehen und beim größten bayerischen Stadtmarathon wenigstens einmal im Leben zu gewinnen. So dass ihm, anders als bei anderen Marathonläufen, die Platzierung wichtiger war, als die Zeit, die er im besten Falle erlaufen könnte. Er ging für seine Verhältnisse etwas ruhiger an, überließ es zunächst anderen Läufern in Führung zu gehen und folgte mit gehörigem Abstand.

Maxim Fuchs ist zwar nur der zweitschnellste bayerische Läufer des Tages, wird aber trotzdem den Landesmeistertitel holen, weil Andreas Straßner für ART Düsseldorf startet Der schnellste Schweizer Manuel Wyss wird Neunter

Der in der Schweiz lebende US-Amerikaner T-Roy Brown stürmte sogleich mit einem für Spitzenläufer eher untypisch schwerem Körpergewicht und ebensolchen Schritten an die Spitze und leitete damit wahrscheinlich seine doch sehr absehbare Niederlage ein. Denn Andreas Straßner ließ sich nicht beirren, konnte damit Kräfte sparen und nach und nach seine ganze Erfahrung und seine größeren Reserven zum Einsatz bringen. Schon bei Km 32 wurde ziemlich deutlich, dass der Mittelfranke nicht einbrechen und seinen ersten Sieg bei einem großen deutschen Stadtmarathon nach Hause laufen würde. Letztendlich lief er unter dem tosenden Beifall der Zuschauer unangefochten mit einer Bruttozeit von 2:28:00 über den Zielstrich und erreichte damit den von ihm schon lange Jahre erträumten Sieg, auch wenn er aufgrund seiner Vereinszugehörigkeit zu ART Düsseldorf nicht Bayerischer Meister werden konnte.

Umrahmt von Maskottchen Joggl und dem Generalilöwen hat der Champion Andreas Straßner den Siegerkranz aus der Hand des Münchner Kindls erhalten Platz 2 holt sich T-Roy Brown aus den USA

Der anfangs in Führung liegende T-Roy Brown, war am Ende mit der erreichten Zeit von 2:31:39 h derart ausgepumpt, das er sich sogar übergeben musste. Glücklicherweise erholte sich der Zweitplatzierte recht schnell und verließ ob dieses Missgeschicks wortlos den Zielkanal. Ganz anders dagegen erging es Maxim Fuchs (LG Passau), der sich in einem für seine Verhältnisse gesunden Laufstil in 2:35:09 h nicht nur den letzten freien Platz auf dem "Stockerl" sicherte, sondern damit obendrein zwei weitere Erfolge für sich erringen konnte, denn außer dem bayerischen Meistertitel war ihm auch der Sieg in der M30 damit nicht zu nehmen, so dass er die Liebkosungen seiner Lebenspartnerin, sichtlich erfreut genießen konnte. Es sollte nicht der einzige Erfolg der Trainingsgruppe von Olympialegende Günter Zahn bleiben.

Auf dem undankbaren 4. Platz landete mit dem Dänen Jesper Andkjaer Larsen vom Hechmann Mikkeler Racing Club ein erfahrener Altersklassenläufer, der sich mit dieser eigentlich ungeliebten Platzierung in 2:35:28 h den Sieg in der M40 sicherte. Hinter dem bereits erwähnten Maxim Fuchs (LG Passau), bestieg Michael Harlacher (LC Aichach) als Vizemeister mit einer Zeit von 2:40:10 h das Podium bei den Landesmeisterschaften, was ihm obendrein den 3. Platz in der M35 bescherte. Mit Stephan Fruhmann heimste ein weiterer Läufer der LG Passau den Bronzeplatz in der Meisterschaftswertung ein. Er absolvierte seinen Lauf in 2:40:23 h.

Maxim Fuchs (LG Passau), der sich mit dem 3. Platz auch den Bayerischen Meistertitel sicherte, genießt die Gratulation seiner Lebenspartnerin Der Däne Jesper Andkjaer Larsen landet auf dem undankbaren 4. Platz, entscheidet aber die M40 für sich

Glücklich, aber auch sichtlich sehr erschöpft, errang Susanne Schreindl (LG Passau) ihren zweiten Sieg in Folge beim Münchner Marathon, letztes Jahr noch auf der Halbdistanz erfolgreich, siegte sie mit unangenehmen Krämpfen in den Beinen, die sie besonders auf den letzten Kilometern zu spüren bekam, mit einer Zeit von 2:49:40 h und errang damit nicht nur den Gesamtsieg auf der Marathondistanz, sondern sicherte sich auch den begehrten Landestitel bei den Damen sowie den 1. Platz in der WHK.

Die zweite Läuferin kam allerdings nicht aus Bayern, sondern aus der Schweiz. Maren Tritschler vom Basel Running Club erlief sich in 2:52:29 h den zweiten Platz und sorgte, aufgrund der Tatsache, dass sie deutsche Staatsbürgerin ist dafür, dass die Podestplätze im Gesamteinlauf einzig und allein von deutschen Läuferinnen eingenommen wurden.
Bianca Meyer (LG Stadtwerke München) konnte ihren Vorjahreserfolg zwar nicht wiederholen, ergatterte sich aber mit der Zeit von 2:56:06 h die bayerische Vizemeisterschaft und ließ sich auch den Sieg in der W40 nicht nehmen. So dass sich auch dieses Jahr wieder die Teilnahme für sie gelohnt hatte. Auf 4576 summiert sich die Gesamteilnehmerzahl des Marathons.

Glücklich umrahmt von Ehemann Tobias und ihrem Trainer Günter Zahn: Die neue Bayerische Meisterin und Marathonsiegerin Susanne Schreindl (LG Passau), die letztes Jahr, wie auch ihr Ehemann Tobias, beim Halbmarathon erfolgreich war Vorjahressiegerin Bianca Meyer (LG Stadtwerke München) freut sich über ihren 3. Platz und die Bayerische Vizemeisterschaft
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Unter dem Strich lässt sich sagen, das die Partnerschaft mit dem neuen Titelsponsor Generali schon die ersten Früchte getragen hat. Mehr Sponsorengelder für mindestens die nächsten zwei Jahre, mehr Teilnehmer in allen angebotenen Wettbewerben, sowie die Aussicht für die gesamte deutsche Läuferszene, bei einem Großereignis mit internationalem Flair nicht nur vergeblich den übermächtigen ostafrikanischen Eliteläufern hinterher zu rennen, sondern selbst mit den gegebenen Mitteln und Möglichkeiten erfolgreich ins Rampenlicht rücken zu können, machen den Marathon in der Isarmetropole zu einem lohnenswerten Ereignis für die in- wie auch ausländische Laufwelt. Noch dazu, wenn wie dieses Jahr das Wetter mitspielt und eine äußerst freundliche und liebenswürdige Schar von Helfern und Organisatoren, die die bereits erwähnte Münchner Willkommenskultur weiterhin so einladend zelebriert. Wenn diese Pluspunkte erhalten bleiben, sollte es keinem um die Zukunft dieser gut durchorganisierten Veranstaltung Bange sein.

Bericht und Fotos von Jörg Engelhardt

Ergebnisse www.generalimuenchenmarathon.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

LaufReport ist für Leser gratis. Finanzierbar werden die Reportagen dank der eingefügten Bannerwerbung.
Hier im Überblick alle Werbeflächen dieses Beitrags im Miniaturformat direkt zum Anklicken:

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung