20.9.19 - SWT Flutlicht Meeting in Trier

Bestzeitenbedingungen sind schon fast legendär

von Holger Teusch 

Das SWT-Flutlichtmeeting des Vereins Silvesterlauf Trier ist seit 2002 fast jedes Jahr Garant für Bestzeiten. Auch bei der 18. Auflage waren die Bedingungen wieder ideal.
So langsam werden die elektronischen Zeitmessanlagen für den Winter eingelagert. Die Zeit der Wettkämpfe im Stadion neigt sich seinem Ende zu.

Aber der Herbst bringt für Langstreckler seit fast zwei Jahrzehnten noch einmal die Möglichkeit, gute Zeiten auf dem 400-Meter-Oval zu erzielen. Bei der 18. Auflage des SWT-Flutlichtmeetings stoppte die Uhr für einige Läufer so früh, wie es die Athleten vorher kaum für möglich gehalten hätten. Chiara Bermes vom PST Trier lief 5000 Meter erstmals unter 17 Minuten und Martin Müller von der LG Meulenwald Föhren steigerte sich über 10.000 Meter um eine Minute auf 31:24,34 Minuten.

 
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Spätestens beim zweiten 5000-Meter-Lauf kam Flutlichtatmosphäre im Moselstadion auf. Zudem konnten die 5000-Meter-Läufer - wenn sie einen Blick abseits der Bahn riskierten - das Abendrot bewundern
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Das waren am Traditionstermin dritter Freitagabend im September bei der 18. Auflage aber nur die absoluten Höhepunkte. Schnellster Mann über 5000 Meter war - ebenfalls mit persönlicher Bestzeit von 15:21,80 Minuten - Martin Siebenborn. Der 32 Jahre alte Mathematiker, der zur Zeit in Hamburg lehrt und für Hamburg Running startet, ist damit der Erste, der beim SWT-Flutlichtmeeting zweimal über diese Distanz gewinnen konnte. Vor zwei Jahren siegte der aus der Eifel stammende Siebenborn (damals noch für die LG Bernkastel-Wittlich) ebenfalls mit Hausrekord 15:44,17 Minuten erstmals. Auch der 18-jährige Niall Foley vom luxemburgischen Club CAE Grevenmacher blieb in 15:49,80 Minuten unter 16 Minuten. Das war ebenso Bestzeit wie für den ebenfalls noch der U-20-Klasse angehörenden Jakob Hering vom PST Trier, der sich als Drittplatzierter um sechs Sekunden auf 16:13,80 Minuten steigerte, und für den erst 16 Jahre alten Jugend-Rheinlandmeister Benjamin Dern (LAZ Birkenfeld), der mit 16:18,81 Minuten auf dieser Distanz debütierte.

Nah dran am Geschehen sind die Zuschauer. Bahn fünf und sechs sind für sie freigegeben Der Nachwuchs lief bei den 800-Meter- und 2000-Meter-Läufen noch der untergehenden Sonne entgegen

Drei schnelle 10-km-Läufe innerhalb einer Woche absolvierte Karin Schenk. Bei der Straßenlauf-DM in Siegburg wurde sie in 39:48 Minuten Deutsche Meisterin der Altersklasse W45. Mit nur fünf Tagen Pause, während der sie wegen eines schmerzenden Zehs praktisch nicht laufen konnte, war sie beim SWT-Flutlichtmeeting in 39:41,88 Minuten sogar noch etwas schneller. Zwei Tage später musste die Läuferin des TV Waldstraße Wiesbaden bei den Hessischen Meisterschaften in 39:56 Minuten den W45-Altersklassensieg doch an Susanne Heinbach (TV Wettenberg/39:45) abgeben.

Das gleiche Programm absolvierte die Flutlichtmeeting-Zweite, Schenks Vereinskameradin Vera Martens. Bei der DM reichte es in 41:40 Minuten "nur" zum sechsten Platz in der W50-Wertung. In Trier war die 50-Jährige in 40:53,91 Minuten im Alleingang aber wieder nahezu so schnell, wie ein Jahr zuvor. Im Rodenbacher Meisterschaftsrennen sicherte sich Martens dann überlegen in 41:49 Minuten den hessischen W50-Titel.

 
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Ein hochklassiges Rennen über 2000 Meter lieferten (v.r.) sich Hannah Rödel (LC Rehlingen, 1. in 6:42,73), Josephine Siehr (LSG Saarbrücken-Sulzbachtal, 3. in 6:49,34) und Rebecca Bierbrauer vom ausrichtenden Silvesterlauf-Verein (2. in 6:43,29) Das SWT-Flutlichtmeeting gilt auch als Qualifikationswettkampf für den Bitburger-0,0%-Silvesterlauf in Trier. Der Nachwuchs zwischen 12 und 15 Jahre kann wie beim Läuferabend am 31. Dezember erstmals auch 2000 Meter laufen

Martin Müller drückte dem 25-Runden-Rennen natürlich seinen Stempel auf. Der 29-Jährige legte einen Steigerungslauf hin. Tim Dülfer und M35-Senior Oliver Ewen (beide PST Trier) folgten zunächst. Als erstes hörte Ewen auf seinen Körper und ließ das jüngere Duo laufen. Fünf Tage nach einem für ihn wenig befriedigenden DM-Rennen in Siegburg (8. M35 in 34:52 Minuten) lief der M35-DM-Vierte über Halbmarathon in 32:49,25 Minuten mehr als zwei Minuten schneller!

Dülfer, der sozusagen hauptberuflich Triathlet ist und für das Trierer Bundesligateam startet, musste Müller ziehen lassen, als dieser nach 6000 Metern das Tempo noch weiter forcierte. Dass Flutlichtmeeting-Moderator und Trierers Silvesterlauf-Mitbegründer Berthold Mertes übers Mikrofon warnend darauf hinwies, dass jetzt ja erst die schwere Phase der 10.000 Meter anfängt, kümmerte den 10-km-Rheinlandmeister nicht. Seine 31:24,34 Minuten sind eine Steigerung seiner Bestzeit um fast exakt eine Minute. Dülfer verbesserte sich als Zweitplatzierter um mehr als eine halbe Minute auf 31:51,29 Minuten. Dabei war der 25-Jährige kurz zuvor noch etwas verschnupft aus dem Urlaub in Österreich zurück an die Mosel gekommen.

Im großen Starterfeld des 5000-Meter-A-Laufs musste sich der spätere Sieger Martin Siebenborn (Startnummer 32, weißes Trikot, Zeit: 15:21,80) erst einmal seinen Platz erkämpfen Marc Prins (LG Vulkaneifel) war mit seiner B-Lauf-Siegerzeit von 17:39,68 Minuten eindeutig in den falschen Lauf eingeteilt worden

Was Chiara Bermes' 5000-Meter-Siegerzeit von 16:58,67 Minuten wert ist, zeigt ein Blick in die Statistiken der vor zwei Jahren verstorbenen Trierer Trainerlegende Volkhart Rosch (PST): Der Moselstadionrekord über 5000 Meter wird seit 1996 von der ehemaligen Marathon-Weltcup-Teilnehmerin Ingrid Fischer (TuS Rot-Weiß Koblenz) mit 16:36,71 Minuten gehalten. Dabei verlief das 5000-Meter-Rennen kurios. Jule Prins von der LG Vulkaneifel eilte nach dem Startschuss im von Männern dominierten mehr als 30-köpfigen Feld weit nach vorne. "Das war mein erstes Bahnrennen", erklärte die 30-Jährige, die erst nach etwa der Hälfte der Distanz von Bermes und ihrem Tempomacher Alexander Bock eingeholt wurde, aber trotzdem in 18:02,09 Minuten eine Zeit lief, mit der sie bei zwölf der bisher 18 Flutlichtmeetings gewonnen hätte. Bermes hatte von ihrem Trainer Marc Kowalinski ans Herz gelegt bekommen, defensiv, mit 3:30 Minuten pro Kilometer, anzulaufen. Das Tempo habe man zunächst ganz gut getroffen, erzählte Bock. Aber peu à peu wurde es immer schneller. Auf den letzten zwei Kilometern habe sie ganz schön kämpfen müssen, sagte Bermes. Aber es lohnte sich. Im Ziel konnte die 25-Jährige kaum glauben, dass sie die Traummarke geknackt hat und sie den Flutlichtmeeting 5000er bereits zum dritten Mal nach 2010 und 2012 (damals noch als Jugendliche) gewonnen hat.

Im Windschatten des elf Jahre jüngeren Jürgen Hein vom PST Trier (18:48,85) lief der 59-jährige Nihat Kont vom SV schlau.com Saar 05 Saarbrücken 18:49,36 Minuten über 5000 Meter Mit Alexander Bock vom LC Rehlingen als Tempomacher (an zweiter Stelle) lief Chiara Bermes (PST Trier) 5000 Meter erstmals unter 17 Minuten (16:58,67) Sandra Sehringer (TSV Kandel, vorn) lief als schnellste W45-Starterin über 5000 Meter 18:50,87 Minuten. Die bereits der Altersklasse W50 angehörende Luxemburgerin Pascale Schmoetten (Celtic Diekirch) sogar 18:48,85 Minuten

Apropos Jugend: Der Nachwuchs macht nicht nur den Großteil (fast zwei Drittel) der 243 Finisher aus (bei 273 Meldungen), er liegt dem Ausrichterverein Silvesterlauf Trier auch ganz besonders am Herzen. Bei den Unter-Zwölfjährigen gibt es getrennt nach Mädchen und Jungen und jahrgangsweise Rennen über 800 Meter. In den 2000-Meter-Läufen der Altersklassen U14 und U16 werden zwei Jahrgänge zusammengefasst, aber ebenfalls nach den Geschlechtern getrennt durchgeführt. So ist es möglich, unmittelbar nach dem Zieleinlauf stimmungsvolle Siegerehrung für die jeweils drei Erstplatzierten vor der Moselstadion-Haupttribüne durchzuführen.

20 Läufer nutzten die idealen Bedingungen zur Tagesschau-Zeit für einen flotten 10.000-Meter-Lauf

Im 2000-Meter-Lauf der 14 und 15 Jahre alten Mädchen feierte der Ausrichterverein den größten Erfolg an diesem Abend. Silvesterlauf-Athletin Rebecca Bierbrauer klemmte sich trotz einer gerade überstandenen Erkältung hinter die aufs Tempo drückende Hannah Rödel vom LC Rehlingen und Josephine Siehr von der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal. Als Siehr (3. in 6:49,34 Minuten) nicht mehr den Anschluss an ihre saarländische Laufkollegin halten konnte, schloss Bierbrauer die Lücke. Trotz der kraftraubenden Tempoarbeit konnte Rödel (6:42,73) die Lokalmatadorin (6:43,29) im Schlusssprint noch knapp hinter sich lassen. Bei den gleichaltrigen Jungen blieb Bierbrauers Vereinskamerad Jan Gerth ebenfalls an den Fersen des Süddeutschen U16-Vizemeisters Raphael Jüris von der LG Kreis Ahrweiler. Das Tempo war für Gerth einen kleinen Ticken zu hoch. Auf den letzten beiden Runden musste der Trierer abreißen lassen. Tim Fuhrmann vom TV Eintracht Cochem, der die erste Rennhälfte sehr viel defensiver gestaltet hatte, konnte sich hinter Jüris (6:30,71 Minuten) in 6:38,01 Minuten (auch eine Bestzeit) noch vor Gerth (6:40,99) schieben.

Fünf Tage nach dem Gewinn der Deutschen W45-Meisterschaft im 10-km-Straßenlauf blieb Karin Schenk (TV Waldstraße Wiesbaden) auch auf dem Stadionoval in 39:41,88 Minuten unter 40 Minuten Andreas Heimel vom TV Waldstraße Wiesbaden war als 5. über 10.000 Meter in 34:24,58 Minuten bester Mastersläufer über 40 Jahre Eric Lorenz (Grojos LTF Elversberg) musste sich als drittschnellster M45-Starter über 10.000 Meter in 37:28,42 min knapp dem M40-Besten Andreas Holweck (LLG Wustweiler/37:26,83) geschlagen geben Martin Müller von der LG Meulenwald Föhren drückte von Anfang an und steigerte seine Bestzeit um eine Minute auf 31:24,34 min. Auch Tim Dülfer (PST Trier) blieb als Zweitplatzierter in 31:51,29 unter 32 Minuten. M35-Athlet Oliver Ewen lief in 32:49,25 Minuten ebenfalls Hausrekord
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Das SWT-Flutlichtmeeting wurde 2002, im Jahr der Gründung des Vereins Silvesterlauf Trier, ins Leben gerufen. Läuferabende waren damals schon rar gesät. Einerseits ambitionierten Hobbysportlern eine Startmöglichkeit auf den langen Bahndistanzen bieten, aber auch Straßenläufer dazu animieren, Stadionatmosphäre zu schnuppern, lautete das Motto. Deshalb gibt es nach Leistungsvermögen gestaffelte Rennen. Momentan ein A- und B-Lauf über 5000 Meter. Aber auch über die doppelte Distanz wurden zuweilen schon bis zu drei Läufe angeboten Und natürlich war und ist das SWT-Flutlichtmeeting mit der Hauptveranstaltung des jungen Clubs zum Jahresabschluss, dem Bitburger-0,0%-Silvesterlauf, verknüpft. Wer die Qualifikationszeiten für die Eliteläufe (17:30,00 Minuten bzw. 22:00,00 Minuten über 5000 Meter oder 36:00,00 Minuten bzw. 45:00,00 Minuten über 10.000 Meter) erfüllt, bekommt einen kostenlosen Startplatz am letzten Tag des Jahres.

Bericht von Holger Teusch
Fotos von Dominik von Wirth, Jonas Teusch, Holger Teusch

Ergebnisse www.silvesterlauf.de/event/flutlichtmeeting

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