6.7.19 - 10. Brixen Dolomiten Marathon

Jubiläum mit 10. Teilnehmerrekord bei strahlendem Sonnenschein

Spannende Siege von Andreas Reiterer und Doris Weissteiner

Ultralauf (81km) und Ladiniatrail (28km) neu im Programm

von Michael Schardt 

Der eine Schwede ist beim Zieleinlauf des Ultralaufs derart überwältigt von seinen Gefühlen, dass ihm kugelrunde Tränen der Freude über das Gesicht kullern. Alle Versuche, sie zu verbergen, sind zwecklos. Immer wieder bricht sich das Wasser seine Bahn. Sein Gefährte, ebenfalls ein Mann wie ein Baum, nimmt ihn in den Arm, versucht dessen Zittern etwas abzumildern, spricht ihm gutmütig zu und ist dabei nicht weniger emotional ergriffen wie dieser. Sie haben eine Nacht und einen Tag auf Gedeih und Verderb miteinander verbracht, laufend wohl 85 Kilometer mit 5000 Höhenmeter gemeistert, haben oft vor dem Aufgeben gestanden, sind zuletzt aber glücklich unter dem Zielbanner durchgelaufen.

Jubiläumsausgabe des Dolomiten Marathon in Brixen. Los geht es in der Innenstadt auf 550 Metern Höhe, Ziel ist auf über 2500 Metern Höhe
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
Berglauf & Trail-Run im LaufReport HIER
 

Dass der Ultra ein Teamwettbewerb ist, dürfte die beiden Freunde noch enger zusammengeschweißt haben, denn gibt einer auf, fällt auch der andere aus der Wertung. Dass man nur als Duo antreten kann, ist zwar hauptsächlich der Sicherheit geschuldet, dient aber auch dem Gedanken des verantwortungsvollen Miteinanders. Dass dann schon mal alle Dämme brechen, wie bei unseren tapferen Wikingern Hannes Hjalmarsson und Nils Wetterberg aus Lund, ist kein Wunder. Der eine ist Uni-Dozent, der andere Geschäftsmann. Sie werden über ihren sagenhaften Lauf in Brixen in der nordischen Heimat noch viel zu erzählen haben und die schönsten Erinnerungen behalten. Vielleicht sind sie überzeugt, dass nur das Laufen für solche Momente in ihrem Leben sorgen kann.

Brixen - hier der Domplatz, wo das Zentrum des Laufs liegt - ist eine hübsche Kleinstadt mit entsprechend hohem Touristenaufkommen. Wandern, Mountainbiken und Berglaufen sind bevorzugte Freizeitbeschäftigungen

Strahlendes Läuferfest

An schönen Momenten, strahlenden Gesichtern, großer Freude und besonderer Atmosphäre war der Jubiläumsmarathon in Brixen überaus reich. Jeder, der einen der drei herausfordernden Bergläufe geschafft hat, durfte sich als Teil dieser Atmosphäre fühlen. Auch Petrus hatte es mit der Veranstaltung gut gemeint, denn sowohl der Freitag wie auch der Samstag bescherte prächtiges Sommerwetter. Da machte es rein gar nichts, dass mitten in die abschließende Siegerehrung ein kräftiger Regen platzte und es sogar kurz gewitterte. Die letzten noch auf der Strecke befindlichen Ultra-Duos dürften sich vielleicht sogar über die Abkühlung gefreut haben, als sie sich dem schönen Brixen als Zielort nach neunzehn oder zwanzig Stunden näherten.

Dass zudem ein neuer Teilnehmerrekord erreicht wurde, der zehnte in Folge, wie es heißt, ließ den Veranstalter jubeln. Zum Positiven gehört auch, dass sich niemand ernsthaft verletzte oder sonst wie Schaden genommen hätte, trotz der beinharten Strecken, trotz des Ultralaufs, der teils in der Nacht liegt, trotz der hohen Temperaturen.

Start des Marathons um 7:30 Uhr. Die Uhrzeit auf einem der Bilder ist nicht die Startzeit, sondern die Zeit, die die Ultraläufer bereits unterwegs sind, die um 00:01 am Samstag in der Früh in die Nacht geschickt wurden

Brixen, die Perle Südtirols, am Zusammenfluss von Eisack und Rienz gelegen, ist eine Touristenhochburg, sommers wie winters. Dass man hier auch als Marathonläufer ein paar Tage die Sommerfrische genießen sollte, ist mehr als eine Empfehlung. Schlendern durch die engen Gassen der Altstadt, der Besuch in den Museen oder das Verspeisen heimischer Spezialitäten in einem der vielen, guten Restaurants: an Möglichkeiten, es sich gut gehen zu lassen, ist kein Mangel. Wer es - trotz der Teilnahme am Marathon - lieber sportlich mag, kann sich auf einen der zahlreichen Wanderwege begeben, kann Mountainbiken, Klettern oder Gleitschirm fliegen. Es ist alles da, was das Herz begehrt. Zu erreichen ist Brixen von Deutschland aus leicht mit dem Auto über den Brenner oder, über München, mit der Bahn. Brixen liegt direkt an der Strecke München Bologna.

Blumenmeer auf dem Domplatz für das Heer der Marathonis An der Brücke über die Eisack und Rienz bei km 4 hat sich auf bisher flachem Terrain eine sechsköpfige Spitzengruppe gebildet mit dem späteren Sieger Andreas Reiterer (rechts, Nr. 444)

Trotz neuer Wettbewerbe: Marathon bleibt Königsdisziplin

Dass der Marathon der Hauptlauf bleiben wird, steht für die Macher aus Brixen außer Frage, auch wenn man mit viel Aufwand zwei neue Wettbewerbe ins Programm genommen hat, den Ultralauf über 81 Kilometer und der Ladiniatrail über 28 Kilometer. Das belegen auch die Zahlen. Der Marathon brachte es auf 453 Finisher (davon 90 Frauen), der Ultra sah sechzig erfolgreiche Zieleinläufe (davon 8 Frauen), und den Trail beendeten 86 Läufer (davon 26 Frauen). Ergänzt wurde der Marathon noch durch 54 Viererstaffeln (216 Läufer) sowie vierzig Zweierstaffeln (80 Läufer). Damit konnten 895 Finisher gesamt gezählt werden. Hinzu kommen noch die Zahlen vom Freitag mit knapp 800 Frauen im Women'srun, ca. 30 Schülern und zehn Handbikern: alles in allem rund 1700 Finisher, die von 450 Helfern vorbildlich versorgt und betreut wurden.

Die Verfolger auf der Brücke über die Eisack und Rienz Bei km 7 das Vorderfeld vom Bus aus fotografiert, der die Staffelläufer nach oben zum Wechselpunkt bringt

Inwiefern sich die beiden neuen Strecken etablieren werden, bleibt abzuwarten. Bei der Premiere standen Aufwand und Teilnehmerzahlen in keinem ganz günstigen Verhältnis. Der Ultratrail erfordert organisatorisch etwa die doppelten Anstrengungen (gegenüber dem Marathon). Allein für die Streckenauszeichnungen und Verpflegung müssen zahlreiche Helfer rekrutiert werden, denn nur Teile der Marathonstrecke können für den Ultra genutzt werden. Hinzu kommt, dass der Ultra zwanzig Stunden dauert und so lange auch das Zeitmessteam im Einsatz ist. Beim Ladiniatrail war es notwendig, den Start sogar in einen anderen Ort, nach St. Martin in Thurn, zu verlegen, weshalb ein Shuttlebus für die Läufer und ein Kleiderbeuteltransport auf die Plose gestellt werden musste. Auch hier wird die Marathonstrecke nur teilweise genutzt. Die geringe Beteiligung beim Trail dürfte auch daher rühren, dass die Strecke zunächst als Halbmarathon geplant war, wegen Unpassierbarkeit einiger Wege (Unterspülungen) aber auf 28 km mit über 1800 Höhenmeter hochgefahren werden musste. Das ging schon sehr in Richtung Marathon und dürfte für einige Startwillige einfach zu viel gewesen sein. Größere Attraktivität für "Kurzstreckler" könnte hingegen ein Lauf über 10 km bis vielleicht HM haben. Man wird sehen, wie die Organisatoren mit dieser Frage in Zukunft umgehen werden.

Andreas Reiterer bei km 11 knapp in Führung Hannes Rungger an gleicher Stelle noch auf Rang drei

Bergmarathon und Staffeln

Der Bergmarathon von Brixen ist ungleich schwerer als die am selben Wochenende stattfindenden Gornergrat Zermatt Marathon und der Gletschermarathon im Pitztal. Das ist schon an den Siegzeiten ablesbar. Nicht von Ungefähr lässt man den Läufern in Brixen acht Stunden Zeit, ihr Rennen zu beenden und räumt auch langsameren Teilnehmern die Möglichkeit ein, eine Stunde vor dem Feld zu starten. Der Marathon wird sehr früh, um 7:30 Uhr angeschossen, um zu gewährleisten, dass alle Finisher es von der Plose auch rechtzeitig nach Brixen zurückschaffen bis zur Siegerehrung, die um 17:30 Uhr angesetzt ist. Das war diesmal durchaus unsicherer als in den letzten Jahren, denn der Weg vom Gipfel zurück zur Seilbahn mussten die Läufer zu Fuß zurücklegen, denn ein Shuttlebus wie sonst konnte nicht fahren, da keine Genehmigung dafür erteilt wurde. Davon waren auch die Ladiniatrailläufer betroffen, deren Ziel ebenfalls auf der Plose liegt, die aber erst um 9:00 Uhr in St. Martin starten und sechs Stunden Zeit haben. Die Staffelläufer starteten eine halbe Stunde nach den Marathonis und nehmen den gleichen Weg.

Zweikampf um Platz 3 und 4 bei km 12 von Hannes Rungger (gelb) und Tariq Bamaarouf, von der Seilbahn aus fotografiert, die von St. Andrä (1. Staffelwechsel) nach Kreuztal (3. Wechsel) fährt. Mit der Seilbahn dauert es 10 Minuten, die Spitzenläufer brauchen für die 20 km rund 2 Stunden. Bamaarouf wird später aufgeben, Vorjahreszweiter Rungger wird enttäuschter 5. Auch andere schauen sich das von oben an

Als der Marathon im Herzen der Stadt angeschossen wurde, war auf dem zentralen Domplatz noch kaum ein Zuschauer zu sehen. Die Stadt schlief noch, als die Teilnehmer ihre Anfangsrunde durch Brixen nahmen und bei km 4 über die Eisack und Rienz liefen. Hier, an der Brücke, war aber ein erster kleiner Hotspot, und die Läufer wurden mit viel Beifall in die Einsamkeit der Berge entlassen. Zuschauer würde es von nun an nur noch an den Verpflegungsstellen und Staffelwechselzonen geben, und natürlich auf dem Gipfel im Ziel. Zu beobachten war, dass sich bei den Männern eine sechsköpfige Spitzengruppe, in der alle Favoriten waren, schon einigermaßen abgesetzt hatte, bevor es ins profilierte Gelände ging. Bei den Frauen spurtete eine Läuferin (Giorgia Albertini) dem Feld voraus, die später keine Rolle mehr in der Platzierung spielen sollte. Favoritin Doris Weissteiner hielt sich noch zurück und war an der Brücke nicht unter den ersten zu finden.

Jausestation auf der Plose auf 2000m Höhe vor atemberaubender Kulisse. Hier liegt km 33. Der Blick zum Gipfel wird nicht auf dem hier gezeigten Weg belaufen, sondern über einen steilen Umweg

Spannende Kämpfe

Bei Männern und Frauen sollte es um die vorderen Plätze spannende Wettkämpfe mit engen Zieleinläufen geben. Im Frauenrennen konnten sich drei Läuferinnen aus Südtirol, echte Lokalmatadorinnen, vor der europäischen Konkurrenz durchsetzen. Alle drei Damen auf dem Podest starten nämlich für den veranstaltenden Verein SG Eisacktal. Die besten Reserven auf dem letzten und schwersten Streckenabschnitt von der Rossalm zur Plose hatte Doris Weissteiner. Sie hatte bei km 33 einen Vorsprung von vier Minuten auf die Clubkameradinnen Renate Pramsohler und Tanja Plaikner, von denen sie bis zum Gipfel davon noch die Hälfte einbüßte.

Die Verpflegung lässt beim Brixen Dolomiten Marathon nichts zu wünschen übrig Bei km 33 liegt Reiterer immer noch vor dem italienischen Vorjahressieger Matteo Lucchese

Weissteiner konnte sich schließlich in 5:06:22h durchsetzen vor Renate Pramsohler in 5:08:06h und Tanja Plaikner in 5:09:18h. Auf Rang vier folgte die erste Nicht-Südtirolerin, nämlich die Tschechin Katerina Kovac, die 5:13:41h brauchte und damit die beste Schweizerin, Gertraud Hoellrigl (5:16:18h), auf Rang vier verwies. Beste Deutsche war Elke Böllmann aus Waiblingen auf Rang 9. Die 55-Jährige startet für TSV Neustadt und kam nach 5:30:48h ins Ziel. Der Streckenrekord der fünfmaligen Siegerin Edeltraud Thaler liegt um fast eine Stunde besser als die Siegzeit von 2019. Die 41-jährige Weissteiner aus Klausen gab später zu Protokoll: "Ich war heute zum fünften Mal am Start. Vom Wetter her war es die schönste Ausgabe. Persönlich habe ich mich aber schwer getan, wie bisher noch nie bei diesem Lauf. Letztendlich hat es aber gereicht."

Die Marathonsiegerin Doris Weissteiner brauchte über fünf Stunden Renate Pramsohler läuft auf Rang 2 Tanja Plaikner wird 3. Die ersten drei Frauen kommen vom SG Eisacktal, dem Veranstalterverein

Mit ganz anderen Ambitionen war eine junge Teilnehmerin aus Deutschland angetreten. Anika Quint ist zwar keine unerfahrene Läuferin, sondern hat schon 25 Marathons gefinisht, aber noch keinen in alpinem Gelände, deshalb war Ankommen das vorrangige Ziel. "Ich bin zum ersten Mal hier gestartet und habe nur wenig Berglauferfahrung mitgebracht", sagt die 29-Jährige. "Dementsprechend hat mich die Strecke nicht nur entsprechend herausgefordert, sondern auch gezeigt, wie atemberaubend schön Landschaftsläufe sein können. Anspruchsvoll war der Lauf für mich deshalb, weil er mir körperlich alles abverlangt und eine stetige mentale Konzentration eingefordert hat. Bei gewissen Streckenabschnitten hat nur ein Blick nach unten genügt, dass man besser ganz genau auf die Steine und Baumwurzeln vor den eigenen Füßen achten sollte. Sehr positiv in Erinnerung bleiben wird mir die Gesellschaft der Mitläufer sowie die herzliche Aufmunterung der freiwilligen Helfer an den Verpflegungsstationen." Nach gut 7:30h hatte die Lehrerin aus Wiesbaden dann glücklich das Ziel erreicht.

Rang 4 für Katerina Kovac aus Prag Gertrud Hoellrigl wird 5. und schnellste Schweizerin Elke Böllmann wird als 9. schnellste Deutsche Anika Quint aus Wiesbaden im Tiberias (Israel) Marathon T-Shirt betrat mit dem Berglauf Neuland, konnte ihn aber trotz aller Anstrengung im Zeitlimit finishen

Reiterer nicht zu schlagen, Rungger zu forsch

Nicht Reiterer, nicht Rungger, und auch nicht Lucchese gingen bei der ersten Wechselzone in St. Andrä als erste durch, sondern der in der Szene gut vernetzte Hans Werner Rehers aus Osnabrück, der selbst eine Ultraveranstaltung in seiner Heimatstadt organisiert. Sein buntes Trikot legt davon Zeugnis ab. Rehers hatte als ältester Teilnehmer die Möglichkeit genutzt, eine Stunde vor dem Feld zu starten und konnte die "Gesamtführung" bis km 11 halten. Der stets gut gelaunte frühere Augenarzt finishte nach gut acht Stunden als erster seiner Altersklasse (M70) und machte sich nach dem Rennen sofort auf zum Gletschermarathon, den er am nächsten Tag ebenfalls erfolgreich beenden konnte. Hier, beim Dolomiten Marathon, konnte HaWe Rehers kurz nach der Wechselzone noch einige Augenblicke spannende Positionskämpfe der Spitzenmänner beobachten, die an ihm vorbei sausten, bis diese hinter der nächsten Ecke verschwanden.

Flach, wie hier, geht es fast nirgendwo zu

Da gab es nämlich zwei spannende Zweikämpfe zu sehen. Vorne versuchte Reiterer vergeblich Lucchese zu distanzieren, kurz dahinter kämpfte sich Tariq Bamaarouf mit großem Eifer wieder an Mitfavorit Rungger heran (siehe Fotos). Reiterer gelang es bis km 33 (Rossalm) nur kurzfristig, ein paar Sekunden zwischen sich und den italienischen Vorjahressieger zu bringen. Zwischenzeitlich ging Lucchese sogar in Führung. Rungger hingegen war Bamaarouf irgendwann ganz los, denn dieser hatte sich überschätzt und musste das Rennen nach knapp zwei Stunden abbrechen.

Marathonsieger Andreas Reiterer Mit dem 2. Platz zufrieden: Vorjahressieger Matteo Lucchese Bei km 33 noch auf Rang 5, kämpft er sich auf 3 vor: Marco Menegardi

Während Reiterer seine Stärke am finalen Anstieg dann doch zeigen und Lucchese davonlaufen konnte, brach der zweimalige Sieger und Streckenrekordhalter Rungger auf den letzten zehn Kilometern ziemlich ein und musste noch zwei Konkurrenten vorbei lassen. So gestaltet sich der Einlauf wie folgt: Reiterer (3:38:44h) vor Lucchese (3:40:03h), dem zuletzt stark aufkommenden Marco Menegardi (3:56:09h), Martin Griesser (3:59:08h) und schließlich Rungger (4:02:56h). Bester Nichtitaliener wurde Jörn Harland aus Kassel, der für SSC Hanau-Rodenbach startet. Er wurde 6. in 4:05:51h.

Martin Griesser läuft auf Rang 4 Hannes Rungger wird 5. Jörn Harland wird als 6. schnellster Nichtitaliener und bester Deutscher HaWe Rehers aus Osnabrück war ältester Teilnehmer und gewinnt die M70

Trail und Staffeln

Zum Dolomiten Marathon gehören auch zwei Staffelwettbewerbe. Man kann die Königsdistanz mit vier Läufern bestreiten oder mit zwei. Besonders die Viererstaffel stellt die einzige Möglichkeit dar, eine verhältnismäßig kurze Distanz am Berg zu laufen. Das schnellste Quartett war "Forest Gams" mit Martin Mayrhofer, Marialuise Rabensteiner, Alexander Rabensteiner und Andreas Öhler, die in 3:54:48 finishten. Dieses Mixedteam (mindestens eine Frau) war schneller als das schnellste Männerteam. Das war als 2. das Team "Kofler & Rech AG" mit Hannes Nocker, Andy Steinkasserer, Manuel Haberer und Eduard Graf in 4:03:46h. Auf Platz drei landeten "Hofer Fliesen Böden" mit Markus Pfattner, Karin Innerebner, Herbert Steiner und Daniel Hofer in 4:15:17h.

Lukas Gasser nahm am neuen Ladinia Trail über 30 km teil und wurde 13. und in M18 sogar 2. Der Lauf startete später, in einem anderen Ort und nimmt eine andere Strecke, daher nur mit diesem Bild fotografisch vertreten Neu ist auch der Dolomites Ultra Trail über 81 km und 4727 Höhenmeter (vermutlich aber 85 km mit knapp 5000HM), den das Gespann Jimmy Pellegrini (rechts) und Alexander Rabensteiner gewannen

Die Läufer hatten unterschiedlich lange Teilabschnitte von 7,8 bis 14,5 km zu laufen. Bei den Zweierstaffeln sind die Distanzen fast paritätisch, nämlich 19,2 und 23 km. Sieger wurde das "Team Yusuf" mit Matthias Schwingshackl und Bernhard Taschler in 4:17:50h vor "Frankfurt TRI 2020" mit Florian Schaller und Andreas Schroffenegger in 4:30:47h und "Diller Buam" mit Michael und Stefan Rabensteiner in 4:31:30h.

Zweite wurde das Duo Josef Blasbichler (vorne) und Konrad Eisenstecken Rang 3 für Reinhold Schwienbacher (links) und Josef Thaler

Der Ladiniatrail sollte ursprünglich ein Halbmarathon sein, wurde dann wegen Wegeunterspülung auf 28 km und knapp 1900 Höhenmeter hochgefahren und war wohl sogar noch länger, nämlich dreißig Kilometer, wie einer der Moderatoren nach Läuferbefragung bekannt gab. Bei den Männern gab es einen Zufallssieger, den schwedischen Orientierungsläufer David Lingfors aus Uppsala. Der machte gerade Urlaub in Südtirol und hatte sich entschlossen, den Trail als Trainingseinheit zu nutzen. Er siegte mit sehr großem Vorsprung in 2:57:04h vor Paul Willeit aus Bozen in 3:13:34h und dem knapp danach folgenden Thomas Guadagnini in 3:13:43h. - Das Frauenrennen sah drei Südtirolerinnen vorne. Heidi Dapunt aus dem Startort St. Martin gewann auf ihrer Hausstrecke in 4:13:05h knapp vor Ilaria Pedri in 4:14:15h. Bronze konnte sich Rosemarie Psenner aus Vahrn in 4:38:12h sichern. Schnellste Deutsche waren Lukas Roalter aus München auf Rang 9 in 3:35:41h und Petra Halbich aus Karlsruhe auf Rang 5 in 4:40:22h.

Das Team Forest Gams, hier der Schlussläufer Andreas Öhler, gewinnt die 4er-Marathonstaffel ... ... vor dem Team Kofler & Rech AG, hier Herbert Steiner (in Blau) auf Position 3 laufend ... ... und Hofer, Fliesen, Böden mit Daniel Hofer als Schlussläufer Noch sind 10 km steiler Aufstieg zu bewältigen: Doch Schlussläufer der Marathonzweierstaffel vom Team Yusuf, Bernhard Taschler, bringt das Rennen als Gewinner nach Hause

Ultras länger unterwegs als geplant

"Wir haben uns doch schon mal gesprochen", sagt Ultraläufer und Laufcoach Andreas Brittain zum LaufReporter, "ich glaube in Sonthofen oder so". Brittain sitzt mit seinem Laufpartner Stefan Lang nach dem strapaziösen Ultra-Berglauf auf einer der Bänke, hat sich Pasta geholt und genießt das Bier. "Irgendwo haben wir uns schon mal gesehen, da bin ich sicher." Der LaufReporter allerdings hat keine Erinnerung, und dass ihm das Gesicht bekannt vorkommt, ist nicht ungewöhnlich, wenn man über Jahre Woche für Woche über Laufveranstaltungen berichtet. Die Situation kann erst zu Hause aufgeklärt werden, als Andreas Brittain und Stefan Lang auf Rang fünf des Ultralaufs in der Ergebnisliste auftauchen. Da dämmert es dem Chronisten. Man hat sich tatsächlich vor sechs Jahren gesehen, und zwar an einem Strand in Myanmar, nachdem man den ersten dort stattfindenden Marathon in Yangoon gelaufen war. Beim Lauf hatte man sich nicht kennengelernt, sondern erst Tage später, 200km entfernt, beim Baden. Zufälle gibt es! und überraschendes Wiedersehen nicht minder.

Andreas Brittain (rechts) und Stefan Lang wurden 5. beim Dolomites Ultra Trail und hatten Interessantes zu erzählen. Andreas war 2013 dem LaufReporter in Myanmar nach dem ersten Yangoon Marathon begegnet, aber nicht beim Lauf, sondern später 200km entfernt am Stand. Jetzt sah man sich erstmals wieder und war sich zunächst nicht bewusst, wo man sich schon mal gesehen hatte Staffelwechsel auf 2000m Höhe

Die beiden Ausdauerstrategen aus Rettenberg im Allgäu hatten in 13:05h Rang fünf erlaufen und waren damit beste Deutsche. Sie sind sich aber sicher, nicht 81 km zurückgelegt zu haben, sondern mindestens 85, wenn nicht sogar annähernd 90. Auch dürften es mehr Höhenmeter gewesen sein wie angegeben, vermuten sie, vielleicht sogar über 5000. Einiges des "Zuviels" könnte daher rühren, dass man sich ab und an leicht verlaufen hatte, aber keinesfalls alles. Auch fünf, sechs andere Läufer, etwa die schnellste Frau Irene Senfter, bestätigen 85 km, die ihre Uhren angezeigt hätten. Nur die Sieger Jimmy Pellegrini und Alexander Rabensteiner gehen von nur einem Mehrkilometer aus. Diese sagen aber, dass die vom Veranstalter prognostizierten Endzeiten von um die neun Stunden absolut nicht zu schaffen seien, zu schwierig sei der Kurs. Das Siegerduo hatte in 10:49h gewonnen vor Josef Blasbichler und Konrad Schwienbacher (11:18h) sowie Reinhold Schwienbacher und Josef Thaler (12:18h). Die Mixedsieger waren mit Irene Senfter und Lord Jens Kramer nach 13:23h ins Ziel eingelaufen; die Frauenwertung ging an ein Team aus Krakau mit Natalia Florek und Malgorzata Tomik (15:55h).

Strahlendes Lachen verbreiten diese beiden kaum 30-jährigen Polinnen aus Krakau im Ziel, die die Ultra-Frauenwertung gewannen: Natalia Florek (rechts) und Malgorzata Tomik Schnellste Ultrafrau war Irene Senfter, die mit Partner Jens Cramer die Mixedwertung gewann

An manchen Stellen habe man sich verlaufen können, sagten einige Ultraläufer, aber insgesamt sei die Strecke gut ausgeschildert gewesen. Allerdings räumt Irene Senfter ein: Selbst ich als Ortskundige wusste manchmal nicht, wo es weitergeht. Aber schnell habe sie wieder die Orientierung gefunden. Man kenne halt das Terrain, aber Nichteinheimische ...?, zuckt sie die Achseln. Verlaufen haben sich insbesondere in der Nacht mehrere Paare. Besonders hart traf es ein Duo aus dem hinteren Feld. Die hatten sich kurz vor dem Ziel dermaßen verlaufen, dass sie wohl an die sechs Kilometer mehr absolvieren mussten, wie sie im Ziel dem Moderator erzählten. Von 39 angetretenen Paaren kamen immerhin 30 auf dem Domplatz ins Ziel. Ein Läufer, dessen Partner aufgegeben hatte, finishte alleine. Ihm konnte keine Platzierung gegeben werden, da man zu zweit ankommen muss. Nach über zwanzig Stunden Laufzeit kam das letzte Gespann ins Ziel, da war die Siegerehrung schon vorbei und ein schönes Laufwochenende - zumindest sportlich gesehen - zu Ende. Gefeiert werden konnte freilich noch weiter bei der verregneten After-Race-Party.

Der Freitag:

LaufReporters erster Frauenlauf als journalistischer Selbstversuch

Ich gebe es zu, berichtende Texte sind mir allemal lieber, wenn sie in der Er-Form geschrieben sind als im Ich-Modus. Aber für meinen "wagemutigen" Selbstversuch, an einem Frauenlauf teilzunehmen, sei es mir ausnahmsweise gestattet, die auktoriale Erzählperspektive zu verlassen.

In Absprache mit dem Veranstalter mischte ich mich am Vortag des Marathons, der Kinderlauf und das Handbike-Rennen waren schon über die Bühne gegangen, unter die Läuferinnen, um herauszufinden, ob Frauenläufe wirklich anders sind als gemischte Veranstaltungen. Der Selbstversuch schien mir die einzige Möglichkeit, eine Antwort zu finden, und das Event in Brixen mit rund 800 Starterinnen über die Minimarathondistanz von 4219,5 Meter die passende Veranstaltung. Ich dachte an die berühmte Kathrine Switzer, die bekannter Weise 1967, als Mann verkleidet, am Boston Marathon teilgenommen hatte, als Langläufe für Frauen noch verboten waren. Damit hat sie den Frauen - wie wir wissen - den Weg auch für diesen Sport geebnet mit dem Ergebnis, dass in den USA manche Marathons mehr weibliche als männliche Teilnehmer haben, oder, dass es inzwischen weltweit Läufe gibt, die nur Frauen offen stehen. Switzer musste sich unterwegs gegen einen Ordner zur Wehr setzen, der den Braten gerochen hatte und sie mit Gewalt von der Strecke holen wollte - männliche Mitläufer verhinderten dies.

33 Nationen waren in Brixen vertreten. Die Fahnen wurden schon am Vortag des Marathons, am Freitag, präsentiert Der Womensrun war von allen Rennformaten der am besten besetzte. 795 Frauen waren dabei und... ...ein Mann im Jerusalem Marathon Shirt (zur besseren Unterscheidung)
Foto: HaWe Rehers

Was ist bei Frauenläufen anders, was erwartet mich? Vielleicht ironische Kommentare aus den Zuschauerreihen, vielleicht verwunderte Blicke der Teilnehmerinnen, eventuell sogar etwas "Mecker", hoffentlich doch nicht entschlossene Ordnerinnen wie damals in Boston...

Von all dem war nichts zu spüren, sondern nur pure Gelassenheit im Teilnehmerfeld. Frauen laufen, das war mir jetzt klar, entspannter, mehr aus Freude denn Ehrgeiz. Sie reden viel mehr als Männer in Rennen, lachen, freuen sich. Und nehmen oft die eigene Tochter mit, dass auch die den Spaß am Laufen besser kennenlernen können als bei Wettbewerben mit männlicher Beteiligung. Frauen zahlen gerne auch ein höheres Startgeld, wenn Teile davon, wie in Brixen, für den guten Zweck gespendet werden und der Starterbeutel mit netten Sachen ansprechend gefüllt ist. Dann ist es auch egal oder sogar willkommen, dass es keine Startnummer und keine Zeitmessung gibt. Letzteres würde eher sogar als Spaßbremse empfunden. Im Gegenzug gibt es schließlich einen schönen pinken Ersatz, das obligatorische Frauen-Teilnehmershirt.

Ebenfalls am Vortag der Marathonrennen finden ein Kinderlauf und... ... ein Handbikerrennen durch die Innenstadt von Brixen statt

Dass der Start sich um fast eine halbe Stunde verzögerte, hätte in einem Männerfeld für Unmut gesorgt. Bei den Frauen steigerte sich in dieser Zeit noch die Vorfreude. Frau machte gerne mit, als das Warmup erst nach der avisierten Startzeit einsetzte, während ich, der einzig zu erwartende Mann im Feld, zehn Meter hinter der Startlinie auf den Startschuss wartete. Der kam auch dann nicht, als das Aufwärmen zu Ende war. Denn dann wurde ein Song als tanzbare Auftakthymne eingespielt, der nicht enden wollte, der die Stimmung unter den Läuferinnen jedoch immer besser werden ließ. Und als die Muke irgendwann verklungen war, wollte immer noch niemand loslaufen. Erst als sich ein Mann vom Organisationsteam der Startlinie näherte und wild gestikulierte, endlich zu starten, setzte sich die erste Reihe, die zunächst vor dem Feld herlaufen sollte, langsam in Bewegung. Sie winkten den immer noch zögerlich nachfolgenden Frauen zu, es ihnen gleichzutun. Ein Startschuss wurde nicht abgefeuert.

Hermann Lütke Schelhowe aus Münster konnte als einziger Deutscher bisher alle 10 Dolomiten Marathons finishen ... ... die anderen sind diese zehn Herren hier, die bei der umfangreichen Ehrenzeremonie zuerst auf die Bühne durften
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Nach getaner "Arbeit" war ich ganz zufrieden mit meinem ersten Frauenlauf und der relaxten Atmosphäre. Da sollte ich öfters mitmachen, dachte ich kurz, warum sich immer nur mit den ehrgeizigen Kerlen bei Läufen abgeben. Aber irgendwo war ich auch etwas enttäuscht, dass ich kein einziges Mal angesprochen worden war. Hätte sich doch nur eine Frau etwas verärgert geäußert, dann gäbe es was zu berichten. Einmal wurde ich dann doch, lange nach dem Zieleinlauf, angesprochen - von einem Mann. "Du bist bei den Frauen mitgelaufen, warum", stellte er fest. Aus rein journalistischen Zwecken, antwortete ich. Dann wollte er wissen, wo ich herkomme und wo ich untergebracht sei. "Aus Köln und - im Hotel Sonneck." "Sicher in Schabs", sagte er und hielt mir seine Karte entgegen. "Darf ich mich vorstellen, ich bin der Besitzer vom Sonneck und fahre morgen für die Organisatoren die Medaillen auf den Berg."

Bericht und Fotos von Michael Schardt
1 Foto HaWe Rehers

Ergebnisse www.brixenmarathon.com

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